Viele US-Amerikaner fanden, dass sie bei der Präsidentschaftswahl zwischen "dem Teufel und dem tiefen, blauen Ozean" wählen konnten, dass es letztlich ein Clown wurde, steht auf einem anderen Blatt. In der deutschen Übersetzung klingt die Wahl zwischen zwei vermeintlichen Übeln weniger romantisch und poetisch, hier wählt man zwischen der Pest und der Cholera: Die Cholera wird durch ein Bakterium übertragen, die Infektion kann zu starkem Durchfall führen, der Körper verliert viel Flüssigkeit. Das resultiert, wenn nicht behandelt, zwangsweigerlich im Tod - ausreichend Wasser und Elektrolyte gleichen jedoch den Verlust üblicherweise aus und eine Genesung ist somit beinahe gesichert. Die gute alte Pest jedoch ist ein Fiesling, ein hartnäckiger - und dazu müssen wir nicht einmal in Geschichtsbüchern blättern, denn bis dato tötet das Bakterium Versinia pestis - das zumeist über Rattenflöhe übertragen wird - jährlich etwa 2.000 Menschen, besonders heftig wütet sie in Madagaskar, im Inselstaat im Indischen Ozean, gelegen am südöstlichen Zipfel Afrikas. Das ist freilich nichts im Vergleich zur Hochphase im 14. Jahrhundert, als die Pest in nur fünf Jahren fast 30 Millionen Menschen und somit etwa die Hälfte der damaligen Bevölkerung Mitteleuropas dahinraffte - von London über Wien bis Budapest waren damals die Straßen gesäumt mit zahllosen Leichen mit riesigen, schwarzen Beulen, die Beulenpest fraß sich damals durch die europäische Bevölkerung wie ein Feuer durch ein Holzhaus. Zurück blieben Angst und Massengräber.
Naheliegend also, dass man als lebensbejahender Mensch - vor die Wahl gestellt - die Cholera wählen sollte. Nicht minder naheliegend aber auch, dass sich die Schweden Necrophobic der Pest zugetan fühlen - wenngleich man, dem Namen nach, ja eigentlich die Leichen fürchtet. Die Stockholmer rund um Gründungsmitglied und Schlagzeuger Joakim Sterner sind - mit Abstrichen auch Runemagick - wohl die einzigen, die es derart gekonnt vermögen, fies geifernden Schwedentod mit majestätischem Norske-Schwarzmetall zu verknüpfen, wie die unnerreichten Dissection neben ihnen. Ähnlich wie Dissection schufen sie vom lobgepriesenen Debüt "The Nocturnal Silence" über den sensationellen "The Third Antichrist" bis hin zum Letztling "Womb Of Lilithu" ein Genre-Manifest nach dem anderen, wenngleich ihnen die wirklich große Anerkennung nie zuteil ward - vermutlich fehlten bei ihnen einfach die
wirklich großen Ausrutscher im alltäglichen Leben, mit Mord und Totschlag oder zwiespältigen Parolen.