Drei außergewöhnliche Glücksfälle machen den Erfolg. Ein Autor, der die Neudichtung eines 1889 skandalösen, das Bürgertum dekuvrierenden Stückes als Well-made Play anlegt, ein Regisseur, der daraus eine schräge Family-Soap zaubert und eine edle siebenfache Burgtheater-Glanzbesetzung. Dušan David Pařizek inszeniert flott zwischen provisorisch anmutenden Holzgestängen und -treppen, eine Klomuschel prangt auf der Bühne, damit der Vater die Pünktlichkeit seines „Morgenschisses“ loben kann. Der Babybauch wird umgehängt und abgenommen, reizvoll changiert Pařizek zwischen den Stilen, zwischen Ernst und Klamauk, Kitsch und Ironie, und die Schauspieler folgen ihm begeistert. Es gelingt ihnen, in dieser absichtsvollen Zerrissenheit ein kompaktes, äußerst präzise ineinandergreifendes Konversationsdrama zu erschaffen. So geht es zu wie in allen Patchwork- Familienhöllen, es wird gestritten, gelacht und geflirtet, die Ehen sind schlecht und die politischen Debatten zwischen links und rechts führen zu nichts. (Eva Maria Klinger)
Die "
Beste Bundesländer Aufführung" kam mit "
Iwanow" vom Stadttheater Klagenfurt, die "
Beste Off-Produktion" mit "
Muttersprache Mameloschn" vom Kosmos Theater, die "
Beste Aufführung im deutschsprachigen Raum" von Ulrich Rasche mit "
Die Perser" und den
Spezialpreis erhielt das Werk "
Die Kinder der Toten" (steirischer herbst) von Elfriede Jelinek. Ausnahmekünstler
Nikolaus Habjan erhielt den "
Publikumspreis",
Dörte Lyssewski gewann den NESTROY in der Kategorie "
Beste Darstellung einer Nebenrolle" und "
Bester Nachwuchs" sind
Lara Sienczak und
Peter Fasching. Bereits vorab standen der "
Autorenpreis" für
Ferdinand Schmalz und seinen "jedermann (stirbt)", das "
Lebenswerk" für
Peter Handke und
Alice Babidge für die "
Beste Ausstattung" in
Hotel Strindberg, fest.
Ein Appell zur Partizpiation am Ende
Ohne Festung auch kein Fest, heißt es in "jedermann (stirbt)", und draußen, außerhalb des Theaters sind die Festungsfanatiker wieder im Vormarsch. Im Dienste der nationalen Sicherheit wird da Festung gebaut, obwohl man meinen könnte, dass diejenigen, die in Wirklichkeit unsere Sicherheit gefährden, heute in den Ministerien sitzen. Künstlich werden soziale Unsicherheiten geschaffen, die den Nährboden (...) für den Hass bieten. Wo die Sprache von Vorurteilsfäulnis befallen ist, funktioniert das Theater (...) wie ein Mikroskop, das sich auf die feinsten Sprachfäden (...) richtet, Sprache vergrößert, bis wir erkennen, an welchen Strängen sie fault. (...) Das Theater muss mehr denn je entgegen halten, denn wir dürfen nicht vergessen, dass mit der Zukunft der Demokratie auch die Zukunft des Theaters auf dem Spiel steht. (...) Nächste Woche ist wieder Donnerstag! (Ferdinand Schmalz, NESTROY-Verleihung 2018)