Bild: Alexa Gelberg/EG Barbara und Stefan Gelberg Bild: Alexa Gelberg/EG Barbara und Stefan Gelberg
Kultur

Alles Gute zum Geburtstag, Christine Nöstlinger!

06.10.2026 von Stefan Baumgartner

Am 13. Oktober wäre die beliebte Autorin Christine Nöstlinger 90 Jahre alt geworden. Nun wird sie und ihr Lebenswerk im Kino und auf der Bühne gefeiert - unter anderem von Stefanie Sargnagel und Gerald Votava.

Die 1936 in Wien-Hernals geborene, 2018 in Wien-Ottakring verstorbene Christine Nöstlinger zählt mit über 150 Büchern zu den bekanntesten und einflussreichsten Kinderbuchautor*innen des deutschen Sprachraums. Ihr Werk wurde aber auch in zahlreiche Sprachen übersetzt und mit international renommierten Preisen wie der Hans-Christian-Andersen-Medaille und dem Astrid-Lindgren-Memorial-Award ausgezeichnet. Zu Recht: Man denke da etwa bereits an ihr Erstlingswerk, “Die feuerrote Friederike”, oder auch die Serie mit den “Geschichten vom Franz”: Nöstlingers großes Geschick dabei ist es, sich mit kindlichen Bedürfnissen, Autoritäts- und Emanzipationsfragen auseinanderzusetzen, ohne dabei erzieherisch zu wirken - “ich kann das Wort Erziehung nicht ausstehen. Das erinnert mich immer an Spalierbäume die gezogen werden, um stramm zu stehen”, sagt sie etwa in einem Interview-Ausschnitt, der im Film über sie, ihr Leben und ihr Schaffen, der kommende Woche in die Kinos kommt, zu sehen sein wird.

Bei ihr wird die Einsamkeit ("Das Austauschkind") und eine Identitätssuche ("Grechen Sackmeier") ebenso thematisiert, wie pubertäre Sinnkrisen ("Ilse Janda, 14") als auch Alltagsfaschismus ("Rosa Riedl Schutzgespenst"). Beinah locker-flockig schrieb sie da gegen Ungerechtigkeiten jeglicher Art an: Karin Nyman, Nöstlinger-Übersetzerin und Tochter von der ebenfalls großartigen Kinderbuch-Autorin Astrid Lindgren ("Pippi Langstrumpf", “Michel aus Lönneberga”, “Ronja Räubertochter”), verrät in der zuvor benannten Dokumentation etwa, dass es bei Nöstlinger darum geht, dass “Lesen Spaß macht”. In eine ähnliche Kerbe schlägt auch Autorin Stefanie Sargnagel: “Es ist dieser Humor und diese Art, die Welt zu betrachten, diese sehr unverstellte Art, Dinge auch anzusprechen.” Denn wenngleich bei Nöstlinger immer ein ureigener Humor mitschwang: “Kinder brauchen keine Schonkost”, war sie sich sicher.

“Nöstlinger. Sowieso und überhaupt” heißt dieser Film, der sich anlässlich des 90. Geburtstags von Christine Nöstlinger ihrem Leben und ihrem Schreiben widmet: In dem dokumentarischen Porträt von Alexandra Schneider wird ihre markante Sprache, ihr scharfsinniger Humor und ihr unerschütterlicher Humanismus auf eindrucksvolle Weise wieder lebendig. Entlang ihrer Biografie und der Themen, die Christine Nöstlinger Zeit ihres Lebens umgetrieben haben, erzählt der Film über den gesellschaftlichen Wandel, der sich in Österreich in den letzten 50 Jahren vollzogen hat und geht Fragen zu Kindheit, Emanzipation und solidarischem Miteinander nach - allesamt Themen, die heute aktuell wie eh und je sind.

Gezeigt werden Archivaufnahmen und aktuelle Interviews, nicht nur von Nöstlingers Töchtern und der zuvor angesprochenen Karin Nyman, sondern etwa auch Stefanie Sargnagel und Musikerin Ursula Strauss. Sie sagt: “Die Autorin Christine Nöstlinger begleitet mich, seitdem ich denken und lesen kann. Sie ist sowohl die Heldin meiner Kindheit, als auch die meines Erwachsenseins”, und spricht damit wohl pointiert aus, was viele von uns unterschreiben könnten.

Bereits einen Tag vor Nöstlingers rundem Geburtstag, am 12. Oktober, feiert “Nöstlinger. Sowieso und überhaupt” im Wiener Gartenbau Kino Premiere. An ihrem Geburtstag ist der Film im Wiener Filmhaus zu sehen, und ab 16. Oktober in ganz Österreich - darunter auch im Filmcasino: Da wird Ursula Strauss zudem Lieblingstexte von Christine Nöstlinger lesen.

Nöstlinger - Eine Hommage

Dass auch Stefanie Sargnagel - man kennt sie als Cartoonistin in der Wochenzeitung Der Falter und als Autorin von u. a. “Iowa” und “Opernball” - Nöstlinger sehr ans Herz gewachsen ist, merkt man in ihrer Hommage, die sie gemeinsam mit Schauspieler und Kabarettist Gerald Votava ("Hinterholz 8", “Boesterreich”) in Punktlandung ab 13. Oktober auf die Bühne des Wiener Rabenhof Theaters bringt.

Es wird dies ein Leseabend, in dem Stefanie Sargnagel und Gerald Votava die literarische Welt einer Autorin erkunden, die mit sprachlicher Präzision, subversivem Witz und konsequenter Autoritätskritik tatsächlich Generationen nachhaltig geprägt hat. Der Abend bewegt sich zwischen literarischer Aneignung und zeitgenössischer Relektüre und macht Nöstlingers Texte als ebenso humorvolle wie widerständige Vermessung von Kindheit, Macht und gesellschaftlicher Realität erfahrbar. Es ist eine Begegnung mit einem OEuvre, das bis heute irritiert, befreit und in seiner Klarheit ungebrochen aktuell bleibt – sowohl für Kenner*innen als auch Neuentdecker*innen, sowie alle, die verstehen wollen, warum diese Literatur nichts von ihrer Unmittelbarkeit verloren hat.

Die Begleitmusik kommt dabei von Katarina Maria Trenk: Insofern spannend, weil sie dafür bekannt ist, nicht nur Ambient, Schlager und Krach unter einem Dach zu vereinen, sondern auch Kunst und Musik. Man kennt sie etwa von Euroteuro, zudem ist sie auf “Gitti” und “Alimente” von Voodoo Jürgens zu hören.


Live-Termine


Stefanie Sargnagel & Gerald Votava - "Nöstlinger - Eine Hommage"

19. Oktober 2026 | Wien, Rabenhof Theater
16. November 2026 | Wien, Rabenhof Theater
13. Jänner 2027 | Wien, Rabenhof Theater


Infos auf dem Stand vom 06.10.2026  

Tickets Stefanie Sargnagel

Auch Schauspielerin Katharina Stemberger zelebriert - gemeinsam mit dem CrossNova Ensemble - am 16. Oktober das literarische Erbe von Christine Nöstlinger, und zwar im ORF RadioKulturhaus. Allerdings fokussiert sie sich nicht auf ihre Kinderbücher, sondern auf den Gedichtband “Iba de gaunz oamen Leit” - einen Klassiker der Mundart-Literatur. 

Nicht nur Christine Nöstlinger, sondern auch Größen wie H.C. Artmann, Ernst Jandl, Helmut Qualtinger und Georg Kreisler stehen am 10. Dezember im Wiener G5 am Programm: Unter dem Motto “A Schwoazzes Gebiss” werden ihre Gedichte zwischen Spoken Word und Post-Punk vertont, es ist ein Live-Konzert von u. a. Georg Kostron mit Live-Visuals.

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