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Ernst Molden & Sigrid Horn: zwischen Memphis & Mostviertel, Kentucky & Erdberg

29.10.2025 von Stefan Baumgartner

Zwischen Memphis und Mostviertel, Kentucky und Erdberg - der umtriebige Ernst Molden hat nach dem Nino aus Wien, Christopher Seiler, Ursula Strauss und Willi Resetarits jemand Neues zum Spielen gefunden: Sigrid Horn.

Als Christopher Seiler, die eine Hälfte von Seiler & Speer, sich 2023 für „de zwidan zwa“ mit Ernst Molden zusammentat, fand er großes Lob für seinen Kompagnon: „Für mich ist der Ernst einer der komplettesten Musiker unserer Zeit“, sagte er damals. Molden, Jahrgang 1967, ist jedoch nicht bloß einer der komplettesten Musiker unserer Zeit, sondern auch einer der vielseitigsten, umtriebigsten: Der „Leonard Cohen Wiens“ musizierte seit Anbeginn seiner musikalischen Laufbahn in den Neunzigern nicht nur zuletzt mit eben Christopher Seiler, sondern zuvor bereits mit dem „Ostbahn Kurti“ Willi Resetarits, Walther Soyka, Ursula Strauss, dem Nino aus Wien und vielen mehr – darunter im Hintergrund auch bei der fantastischen Edna Million („The Pool“).

Außerdem führte er seine Singspiele im Rabenhof Theater („Häuserl am Oasch“, 2010) auf, schrieb gemeinsam mit dem Nino 2021 unter dem Titel „Zirkus“ den Soundtrack zu einer Filmdokumentation über den Zirkusdirektor Bernhard Paul, 2023 für den Gerichtsmedizin-Podcast von Florian Klenk und Christian Reiter das Album „Möadanumman“.

Unter der Fuchtel – beziehungsweise dem Rohrstaberl – von Nick Cave (!) lernte er bereits 1998 über die Königsdisziplin des Liebeslieds, seit 2018 überträgt er Asterix-Hefte ins Wienerische – zuletzt legte er nach „Kööch uman Asterix“ und „Es Bojeggd“ 2022 mit dem Titel „Asterix und es kupfane Reindl“ zum bereits dritten Mal den Galliern und Römern das Wienerische in die Sprechblasen.

Anfang dieses Jahres eröffnete er gemeinsam mit dem Universalkünstler André Heller und Ursula Strauss im ersten Wiener Gemeindebezirk ein eigenes Theater in der Walfischgasse, in dem er allwöchentlich freitags und samstags unter dem Titel „Remassuri“ eine „ungewöhnliche Reise in die Vielfalt wienerischer Musik“ auf die Bühne zaubert – freilich auch dies, wie all seine anderen Projekte auch, unter großem Applaus: Dafür sorgen unter anderem Kasperl und Pezi, Mummenschanz, die Neuen Wiener Concert Schrammeln und virtuose Dudlerinnen.

Im Dezember gastiert Hellers “Remassuri” für lediglich drei Termine auch in München!

Und bereits vergangenes Jahr, im Zuge zum 45-jährigen Jubiläum der Volksabstimmung über das AKW Zwentendorf, lernte er Sigrid Horn, Jahrgang 1990, kennen: Sie schrieb zum Anlass das Konzeptalbum „Paradies“, hierauf gastierten neben Molden unter anderem auch Yasmo (mit der sie dereinst unter dem Banner Giga Ritsch musizierte), Anna Mabo, Mwita Mataro (At Pavillon, „Austroschwarz“) und Ina Regen. Die Presse jubilierte über das Konzeptalbum damals: „Horn führt ihre Gäste an der langen Leine und erzielt maximale Effekte.“

Kuaz vuan Weda

Maximale Effekte, nun so gänzlich ohne Leine, dafür mit rotem Faden, erzielen Ernst Molden und Sigrid Horn nun auch auf ihrem ersten gemeinsamen Album, das mit „Kuaz vuan Weda“ betitelt ist und diese Woche Freitag endlich erscheint: Erstmals vorgestellt wurde das Projekt bereits Anfang des Jahres im Rahmen der dreiteiligen, von Presse-Redakteur Samir H. Köck kuratierten „Soundstage“-Reihe im rappel- und rangvollen Wiener Burgtheater.

Damals stellte Molden die Konstellation gewohnt unaufgeregt, dabei knackig vor: „Sängerin und Sänger, Dichterin und Dichter – im Alter durch eine bis zwei Generationen getrennt. Beide haben mit ihren Liedern Aufsehen erregt, beide arbeiten seit Jahren in unterschiedlichen, wenn auch verwandten Kunstdialekten an ihren jeweiligen poetischen Gegenwelten. Nunmehr auch miteinander.“ Tosender Applaus.

„Kuaz vuan Weda“ ist tatsächlich reizvoll: Hier finden zwei Generationen zueinander, die in unterschiedlichen Biotopen erblüht sind – Molden im Wienerischen, Horn im Mostviertlerischen. Molden ging erst spät, 2008, der dialektale Knopf auf, für Horn war der Dialekt bereits auf ihrem Albumdebüt „Sog i bin weg“ (2018) omnipräsent. Beiden gemein ist, dass ihre Arrangements stets zwischen schwindelerregender Kargheit und einnehmender Subtilität changieren, sprachlich phänomenal, fantastisch, und auf eine schöne Art erschütternd: „Musik muss mich einfach durchbeidln“, würde Horn das wohl selbst formulieren.

Durchbeidln tut „Kuaz vuan Weda“ durchaus, irgendwo zwischen Dialekt- und Kunstmusik, zwischen erdiger Authentizität und sublimer Künstlichkeit. Auf überaus geschmeidige Weise lassen sie ihrer beider musikalischen Wurzeln in allerlei Americana-Sounds wachsen, analysiert da Soundstage-Kurator Köck begeistert und lobt das Organische „zwischen Memphis und Mostviertel, Kentucky und Erdberg“ dieser künstlerischen Kollaboration. Die gemeinsamen Lieder, sie klingen gleichermaßen nach Tradition und nach Utopie, flirten mit dem altbekannten Kanon von hier wie dort, um letztlich doch von eigener – großer! – Statur zu sein. „Auf leisen Sohlen schleichen sich diese Lieder ins Gemüt und verändern kaum merklich die Perspektiven“ jubiliert Köck da weiter – und legt mit diesem Schlusssatz das wohl trefflichste Sprungbrett, auch selbst Molden und Horn ein Ohr leihen zu wollen. Oder zwei.


Live-Termine


Ernst Molden & Sigrid Horn - "Kuaz vuan Weda"

12. November 2025 | Wien, Stadtsaal
26. November 2025 | Salzburg, ARGEkultur


Infos auf dem Stand vom 29.10.2025  

Tickets Ernst Molden & Sigrid Horn
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