Bild: Anna Sophie Koelbl / Ybbsiade
Bereits in seiner 37. Saison (!) bringt das Kleinkunstfestival Ybbsiade nicht nur großartige Kabarettisten, sondern auch ein fein kuratiertes Musikprogramm an die Donau. Nachdem die Vereinsamung auch in Österreich zunimmt, steht das diesjährige Programm unter dem Motto “Besser gemeinsam als einsam” - und ist bevorzugt von Duos, Teams und Ensembles geprägt: Sie alle zusammen beweisen, dass ein gemeinsames Lachen das Leben bereichert.
Woher die Bezeichnung „Ybbs” an der Donau kommt, ist unklar. Somit steht uns frei, den Namen der Stadt als Tribut an das kultige Comic-Magazin Yps zu sehen – immerhin lässt sich bei dem bereits im 37. Jahr wiederkehrenden Kabarett- und Kulturfestival Ybbsiade auch gut lachen. Das liegt natürlich einerseits auch an der Location, der Ybbser Stadthalle, die direkt an der Donau gelegen Kultur mit einer einzigartigen Kulisse verbindet. Aber in erster Linie liegt es - erneut! - am wohlfeil ausgesuchten Programm, das diesmal der Vereinsamung entgegensteuert und bevorzugt mit Duos, Teams und Ensembles beweist, dass man besser gemeinsam als einsam ist - und ein Lachen zusammen nicht nur ansteckend, sondern auch gut für die (seelische) Gesundheit ist.
In den vergangenen Jahrzehnten haben sich bereits die Größen der Kabarettszene, aber auch der Welt der Musik in Ybbs die Klinke in die Hand gegeben: Von Otto Schenk und Josef Hader bis hin zu Ostbahn Kurti und Rainhard Fendrich haben hier schon alle Stars gespielt, und sogar der legendäre “Watzmann” wurde für die Ybbser Stadthalle extra verkleinert! Und auch dieses Jahr haben sich erneut einige Spaßvögel (aber nicht nur) für Ybbs angekündigt - eine subjektive Auswahl der absoluten Pflichttermine haben wir für euch hier parat!
Eröffnet wird der spaßige Reigen von den grandiosen Kernölamazonen mit ihrem Jubiläumsprogramm “20 Jahre Liebe & Kernöl”. Es darf also gefeiert werden - man bringe den Schilcher und den Moschofilero! Denn Caro Athanasiadis und Gudrun Nikodem-Eichenhardt beschließen, wie auch schon bei ihrem ersten Programm, ihr rotes Köfferchen zu packen und ihre Liederliebesreise von damals zu wiederholen. Klar, dass auch an ihnen 20 Jahre nicht spurlos vorübergegangen sind und nicht nur sie sich, sondern auch ihre Liebeswelt sich verändert hat. Sie ist aber immer noch frech und charmant!
Weitere Termine von den Kernölamazonen findet man [an dieser Stelle], unser Jubiläumsinterview [hier].
Erst zu Jahresanfang war Benedikt Mitmannsgruber, Österreichs bärtigster Kabarettist mit Norwegerpullis, bei Armin Assinger in der Promo-Millionenshow und erspielte für Licht ins Dunkel 25.000 Euro. Dass in Wien um 1828 um den italienischen Geigen-Virtuosen Paganini ein derart regelrechter Boom herrschte, dass man sogar den 5-Gulden-Schein nach ihm benannte, wusste er nicht. Allerdings war die Frage auch unfair, immerhin wurde der Mühlviertler erst 1996 geboren. Und “1996”, so heißt auch sein neues Programm, in dem er nun seine Dorf- und Familiengeschichte erzählt …
Weitere Termine von Benedikt Mitmannsgruber findet man [an dieser Stelle].
Zwischen Memphis und Mostviertel, Kentucky und Erdberg - erst kürzlich hat der umtriebige Ernst Molden nach Kollaborationen mit dem Nino aus Wien, Christopher Seiler, Ursula Strauss und Willi Resetarits unter dem Titel “Kuaz vuan Weda” jemand Neues zum Spielen gefunden: Sigrid Horn. Aber für die Ybbsiade tut er sich wie zuletzt 2023 nun auch wieder mit der einen Hälfte von Seiler & Speer unter dem Titel “de zwidan zwa” zusammen: Das erinnert an Kurt Sowinetz und "Alle Menschen san ma zwider, i mechts in die Goschn haun" - dabei sind die beiden eigentlich immer gut gelaunt …
Weitere Termine von Ernst Molden findet man [an dieser Stelle], für sein “Remassuri”-Theater [an dieser Stelle] - und unser Interview mit ihm und Christopher Seiler [hier].
Der vielfach ausgezeichnete Puppenspieler Michael Hatzius serviert mit sein neuesten “echsklusiven” Bühnenprogramm ein satirisches Mehrgängemenü mit allerlei Köstlichkeiten, etwa das ständig streitende Schweinepaar Steffi und Torsten, die cholerische Zecke, das schüchterne Huhn und eine Vielzahl an Enten. Garniert wird das Ganze mit einem woken Einhorn und abgerundet durch die Gemüsebeilage in Form einer motzenden Möhre vom Sicherheitsdienst. Den Hauptgang bildet natürlich auch hier wieder die weise und abgeklärte Echse mit tiefen Einblicken in aktuelle Themen unserer Zeit!
Weitere Termine von Michael Hatzius findet man [an dieser Stelle].
Am besten ist Falter-Chefredakteur Florian Klenk dann, wenn er ins Zwiegespräch tritt: Etwa, wenn er sich mit Florian Scheuba die politische Realität unseres Landes anschaut oder wenn sich der “Bobo” zum “Bauern” (Christian Bachler) verirrt. Ganz großartig ist auch sein Zusammentreffen mit Christian Reiter, Österreichs bekanntester Rechtsmedizinier. Unter dem Titel “Es wird a Leich' sein” stellen und beantworten die beiden Herren unter anderem folgende Fragen: Woran starben Beethoven und Mozart? Wie giftig sind eingekochte Früchte? Und: Was ist der perfekte Mord? Spannend!
Weitere Termine von Florian Klenk findet man [an dieser Stelle].
Eigentlich wollte Gregor Seberg nie ein Best-of-Programm spielen. Sein neues Programm “Schatzkiste” ist dann trotzdem - nach fünf Soloprogrammen - ein Best-of geworden. Warum? “Mein Management hatte gute Argumente. Du weißt schon: Es muss ein Geld ins Haus”, erzählt er uns lachend im Interview. Aber: “Ich habe mir von Anfang große Freiräume eingeräumt, um meine Spiellust zu befriedigen: Jeder Abend ist anders, und das verkörpert für mich das Wesen von Kleinkunst!” Und genau dafür lieben wir Gregor Seberg auch, wenn er für und mit dem Publikum improvisiert blödelt …
Weitere Termine von Gregor Seberg findet man [an dieser Stelle], unser Interview über seine “offene Zweierbeziehung” [hier].
Erst am 20. Oktober feierte “The Kabarettist”, das neue Programm von David Scheid, im Wiener Stadtsaal umjubelte Premiere: Bei “The Kabarettist” handelt es sich nicht um Stand-up, sondern um eine gigantische Show - die vielleicht größte und aufwändigste in der bisherigen Karriere des ehemaligen “Wannabe-Influencers” Dave aus der ORF-Serie. Darin geht es um einen vermeintlichen Kabarettisten, der im Exil lebt, weil er zu politisch war - etwas, das er in abgeschwächter Form auch schon selbst erlebt hat. Aber: “Wenn man gecancelt wird, hat man etwas geleistet”, lächelt er da verschmitzt …
Weitere Termine von David Scheid findet man [an dieser Stelle], unser aktuelles Interview [hier].
Auch in Österreich grassiert die Politikverdrossenheit: Viele trauen den Parteien - egal welcher Farbe - nichts mehr zu. Man bekommt den Eindruck, dass Politik fast ausschließlich von alten Männern gemacht wird - und zwar nur für ihre Lobby. Daraus resultiert ein fehlendes Grundvertrauen in die Demokratie - es überwiegt die Ansicht, dass Politiker*innen alles andere als zukunftsorientiert auf Probleme reagieren. Zwei der klügsten Köpfe Österreichs, ORF-Anchorman Armin Wolf und Politikwissenschaftler Peter Filzmaier, schaffen es dennoch, im Zwiegespräch der Politik Sinn zu verleihen.
Weitere Termine von Peter Filzmaier & Armin Wolf findet man [an dieser Stelle], meine Podcast-Analyse [hier].
Paulus Bohl ist der Sohn von Herbert Knötzl, der über 30 Jahre mit Clemens Haipl und Gerald Votava für die anarchische Kabarettgruppe Projekt X verantwortlich zeichnete. Zu Beginn der Corona-Pandemie gründete Paulus mit seinem Bruder Benjamin das Comedy-Duo Dr. Bohl - und ging damit auf Instagram und TikTok viral, kein Wunder, waren seine stereotypen Figuren des österreichischen Alltagslebens kongenial gespielt! Nun premierte Dr. Bohl “solo” - und verarbeitet in seinem Programm persönliche Dating-Erfahrungen mit ganz viel Selbstironie, Red Flags inklusive!
Weitere Termine von Dr. Bohl findet man [an dieser Stelle].
Seit zwei Jahren stehen Manuel Rubey und Simon Schwarz im Kabarett-Programm “Das Restaurant” gemeinsam auf der Bühne - für Schwarz nach Jahren in Film und Fernsehen ein mutiger Richtungswechsel: “Der Deal war: Ich gehe mit Manuel auf die Bühne und er machst mit mir einen Podcast”, erklärte er uns damals im Gespräch. Aber beide Rechnungen gingen auf: “Das Restaurant” spielt es laufend vor vollem Haus, die Zugriffszahlen auf ihren gemeinsamen Podcast sind gigantisch. Warum? Weil sie dort über Wichtiges und Unwichtiges einfach nur diskutieren und plaudern, ganz locker ohne Skript!
Weitere Termine von Manuel Rubey & Simon Schwarz findet man [an dieser Stelle], mein Interview zu ihrem “Restaurant” [hier] und worüber Simon Schwarz in seinem ersten Buch geschrieben hat, lest ihr [hier].