Bild: Jan Frankl Bild: Jan Frankl
Made in Austria

Gregor Seberg: Offen für Vielfalt

09.10.2024 von Hannes Kropik

Wenn Gregor Seberg an seine Rolle neben Kristina Sprenger in „Offene Zweierbeziehung“ denkt, entdeckt er seine altmodische Seite. Nur künstlerisch kann es dem „vagabundierenden Kasperl“ gar nicht abwechslungsreich genug sein.

Gregor Seberg, 57, ist Präsident des Hobbyfußballvereins FC Wojytla, zweifacher Vater – und ein künstlerischer Tausendsassa. Zuletzt war er im TV in der Serie „School of Champions“ zu sehen, die 2025 fortgesetzt werden soll, außerdem feiert er zeitgleich ein Comeback in seiner Erfolgsrolle als Helmuth Nowak in der Krimiserie „SOKO Donau”. Für Lacher sorgt der gebürtige Grazer aktuell mit seinem Solo-Kabarett „Schatzkiste“ und gemeinsam mit Magda Leeb in „Doppelbuchung“ (im Februar startet "Hummel dich"). Im Oktober feiert die (Tragik-)Komödie „Offene Zweierbeziehung“ mit Kristina Sprenger Premiere in Berndorf.

Du bist Schauspieler, Kabarettist, Autor, Synchronsprecher und betreibst einen wöchentlichen Podcast. War es von Anfang an dein Ziel, künstlerisch so breit aufgestellt zu sein?

Ursprünglich wollte ich Naturforscher werden – und eigentlich ist das immer noch mein Ziel. Als Schauspieler wollte ich zuerst nur ans Theater. Ich war der Meinung, ich bin die Wiedergeburt von Marlon Brando und werde die Welt zum Besseren verändern.

Ein hehres Ziel!

Ja. Aber auch ein bisschen naiv. Ich habe recht bald erkannt, dass das Theater die Welt keineswegs verändert. Als mich Werner Brix gefragt hat, ob ich nicht mit ihm Kabarett spielen möchte (Anm.: „Die Erleser kommen“, 2007), war ich zuerst sehr zurückhaltend. Ich hatte – und habe immer noch – eine riesige Hochachtung vor der Kunstform des Kabaretts. Überhaupt: Wenn man wie ich das Glück hat, sein Geld zu verdienen, indem man einen richtigen Beruf schwänzt, dann sollte man versuchen, in Demut an seine Aufgaben heranzugehen.

Nach welchen Kriterien wählst du deine Projekte aus?

Grundsätzlich: Ich sehne mich nicht nach dem, was ich gerade nicht mache, sondern bin glücklich mit dem, womit ich mich aktuell beschäftige. Und deshalb wähle eigentlich nicht ich aus – die Projekte wählen mich aus! Oft kommen Anfragen daher, bei denen ich mir denke: „Aha, das ist ja interessant!“. Im Prinzip wähle ich also nach Lust und Laune aus – mit einer kleinen Einschränkung.

Die da wäre?

Als Vater von zwei kleinen Kindern muss ich natürlich auch dafür sorgen, dass Geld ins Haus kommt (lacht).

Wie sehr hat es dein Verlangen nach künstlerischer Vielfalt geprägt, dass du mehr als zehn Jahre lang, von 2006 bis 2017, vor allem für „SOKO Donau” vor der Kamera gestanden bist? Damals warst du zeitlich unflexibel und konntest nicht sehr viel nebenbei spielen.

Es war eine sehr gute Zeit, die meine Karriere vorangetrieben hat. Aber wir haben zeitig in der Früh zu drehen begonnen und bis spät in der Nacht gearbeitet. Irgendwann habe ich mir gedacht: Du hast doch nicht den Beruf des vagabundierenden Kasperls ergriffen, um dann erst recht wieder ins Büro zu gehen und jeden Tag mit den gleichen Leuten zusammenzuarbeiten.

Und jetzt kehrst du doch in die Rolle des Helmuth Nowak zurück und wirst sogar Chef der „SOKO Donau“. Warum?

Weil sie mich so lieb gefragt haben und ich ein höflicher Mensch bin (lacht). Vor allem aber, weil ich es sehr reizvoll finde, erstmals in eine Rolle zu schlüpfen, mit der ich eigentlich schon abgeschlossen hatte. Der Unterschied ist, dass die Dreharbeiten für mich diesmal nicht so zeitintensiv sind und ich mich auch anderen Projekten widmen kann.

Zum Beispiel „Schatzkiste“, deinem Solo-Programm, das du seit zwei Jahren spielst – eigentlich ein Best-of, aber du liebst es offenbar, zu improvisieren.

Ich wollte eigentlich nie ein Best-of-Programm spielen – aber mein Management hatte gute Argumente. Du weißt schon: Es muss ein Geld ins Haus. Also habe ich mir von Anfang große Freiräume eingeräumt, um meine Spiellust zu befriedigen. Jeder Abend ist anders, und das verkörpert für mich das Wesen von Kleinkunst: Die Unterhaltung findet nur in diesem einen Moment statt und ist nicht wiederholbar. Wobei ich sehr streng zu mir bin: Es ist ja nicht wurscht, was ich auf der Bühne tue oder erzähle. Alles muss der Geschichte dienen, mit der ich die Leute unterhalten möchte.

Im Oktober feierst du mit Kristina Sprenger in „Offene Zweierbeziehung“ Premiere. Warum hast du dich für dieses Projekt begeistert?

Weil die Kristina, die ich schon sehr lang kenne, irrsinnig raffiniert ist (lacht). Ich habe mit meinem lieben Freund Ali Jagsch „Ein seltsames Paar“ gespielt – in Berndorf, wo Kristina Intendantin ist. Irgendwann hat sich mich zur Seite genommen und gesagt: „Schatzi, in ein, zwei Jahren spielen wir ein Stück miteinander!“ Und ich dachte mir, ja, okay, bis dahin ist ja noch ein bisserl Zeit.

Also hat auch das Projekt dich ausgesucht?

Genau. Aber ich freu’ mich drauf! Obwohl „Offene Zweierbeziehung“ Anfang der Achtziger geschrieben wurde, ist es thematisch aktuell. Wir haben es ein wenig adaptiert, aber die Grundfrage ist brisanter als je zuvor: Kann eine Zweierbeziehung überhaupt funktionieren? Ist der Mensch für ewige Treue geschaffen?

Wie beantwortest du – als „vagabundierender Kasperl“ – diese Frage?

Ich halte mich für einen modernen Menschen. Aber gerade in diesem Punkt bin ich altmodisch: Warum sollte ich jemanden betrügen, den ich liebe? Und würde ich damit nicht auch meine eigenen Gefühle für diesen geliebten Menschen betrügen – und damit mich selbst?

Künstlerisch bist du aber scheinbar ein Schmetterling, der von Blüte zu Blüte fliegt …

Apropos: Hast du dir je überlegt, was verliebte Schmetterlinge im Bauch haben? Mit solchen Fragen könnte ich mich stundenlang beschäftigen!

In „Sprechblasen“, dem Podcast mit deinem Kollegen Ali Jagsch, hast du alle Freiheiten, solchen Fragen nachzugehen.

Ich wollte nie Podcaster werden! Aber dann habe ich in einem Zeitungsartikel gelesen, dass Männer über 50 keine Podcasts machen und eigentlich generell die Gosch’n halten sollten. Ich verstehe, woher diese Meinung kommt, aber ich habe mir gedacht: Gerade jetzt habe ich so viel zu sagen! Also habe ich begonnen, mit Ali unsere eigenen Perspektiven zum Leben zu behandeln. Und zwar ganz ohne Druck, Pointen zu schleudern.

+++ Hardfacts: Gregor Seberg +++

Von 2006 bis 2017 verkörperte er in „SOKO Donau” den Oberstleutnant Helmuth Nowak, außerdem kennt man ihn etwa von „Boesterreich” und „Weber & Breitfuß”, im Kino von „Rotzbub” oder auch dem Eberhofer-Film „Rehragout-Rendezvous”. Für die 20. Saison „SOKO Donau” kehrt Seberg als neuer Chef zurück: Zu sehen ab 2025 auf ORF 1.

Bis dato gab es von Seberg 10 Bühnenprogramme, davon zwei mit Werner Brix, eins mit Eva Marold und eins mit Magda Leeb: Mit ihr spielt er seit 2021 die „Doppelbuchung”, aktuell erleben wir auch sein Best-of „Schatzkiste”, im Oktober premierte „Offene Zweierbeziehung” mit Kristina Sprenger in Berndorf.


Live-Termine


Gregor Seberg

"Schatzkiste" spielt es aktuell u. a. in Wien, Klagenfurt und Amstetten
"Hummel dich" mit Magda Leeb startet am 18. Februar in der Kulisse


Infos auf dem Stand vom 02.12.2024  

Tickets
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren