Bild: Stefan Joham / Ulrike Rauch
Den österreichischen Kultfilm “Single Bells” gibt es nun als Theaterstück. Erneut geht es um alles, nur nicht um weihnachtliche Familienidylle. Der Wiedererkennungswert und der Spaß sind auf der Bühne genauso groß. Wir baten die Darsteller Gregor Seberg, Kristina Sprenger, Julia Jelinek und Clara Lackner-Zinner zum Weihnachts-Interview.
Es gibt Momente inmitten der heimischen Familien-(Nicht-)Idylle namens Weihnachten, da würde man am liebsten alleine sein. Oder zumindest mal kurz durchatmen, um sich selbst wieder bewusst zu werden, warum man diese Zeit eigentlich die besinnlichste des Jahres nennt (auch Rian kann ein Lied davon singen).
Doch ein Besuch, der geht immer, egal, ob der Christbaum gerade brennt oder nicht – oder vielleicht gerade dann: nämlich der von Omama, Lilibet, Kati, Jonas und Joe. Die sind in Österreich nämlich so bekannt wie das Christkind und der Nikolaus zusammen, unter älteren Generationen wahrscheinlich sogar auch beliebter. Denn wenn man sich die Verwandtschaft (und die Weihnachtsgeschenke) schon nicht aussuchen kann, dann wenigstens das Fernsehprogramm inklusive fiktiven Seelenschmeichlern.
Xaver Schwarzenbergs Komödie “Single Bells” (1997) ist aus dem österreichischen Feiertagsprogramm nicht wegzudenken – oder, wie es die Tageszeitung Kurier kürzlich ausdrückte: “(...) Das Anschauen von ‚Single Bells‘ ist längst zur rituellen Adventhandlung geworden.” Viele Sager aus dem Film sind ikonisch, genauso wie der satirisch-bissige Humor und der Mut, gnadenlos in die heimische Seele einzutauchen. Eskapismus, tief verwurzelt in der Realität. Oder: Noch nie war In-Den-Spiegel-Schauen so unterhaltsam. Auch rund 30 Jahre später immer noch zum Niederknien!
Zur Erinnerung: Die Familie von Luiserl (Mona Seefried) und Joe (Erwin Steinhauer) bekommt zu Weihnachten ungeplant Besuch von Luiserls Schwester Kati (Martina Gedeck), die sich gerade von ihrem Freund getrennt hat. Zweiter Überraschungsgast ist Luiserls glamouröse Mutter Lilibet, auch die andere, bescheidenere “Omama” ist über die Feiertage zu Besuch. Und der Weihnachtswahnsinn nimmt seinen Lauf: Ein Gläschen Eierlikör und ein kleiner Nager sind nicht ganz unbeteiligt, dass es nicht besonders besinnlich zugeht!
Man muss also ganz schön dicke Christbaumkugeln in der Weihnachtsmannhose haben, um sich an einen derart beliebten TV-Klassiker made in Austria zu wagen und daraus eine Bühnenfassung fürs Theater zu stanzen. Matthias Bauer (Regie und Buch) traute sich dennoch das Unvorstellbare und gewann auf ganzer Feiertags-Linie: Auch im Theaterstück geht’s freilich um alles andere als um Familienidylle, dafür um sehr viel österreichische Mentalität, heimische Bräuche und andere menschliche Eigenheiten. Die kultigen Zitate blieben natürlich auch erhalten, für Mitsprechen ist also gesorgt (sofern das die beanspruchten Lachmuskeln überhaupt noch zulassen).
Trotzdem hat “Single Bells - Wenn das der Papale noch seh'n könnt” die eine oder andere Überraschung zu bieten, weil Traditionen bleiben eben nur dann interessant, wenn sie nicht gänzlich vor Metamorphosen gefeit sind. Schon allein den (glaubwürdigen und gut gelaunten) Darsteller*innen (Verena Scheitz, Kristina Sprenger, Inge Maux, Julia Jelinek, Johannes Brand, Clara Lackner-Zinner und Gregor Seberg) ist es zu verdanken, dass bei diesem Fest ein frischer Wind weht. Aber keine Sorge, mehr als ein Lüftchen ist es dann doch nicht, immerhin sind Traditionen am Ende vor allem dafür da, um sich geborgen und sicher zu fühlen. Auch dann, wenn der Christbaum brennt.
Wir baten Gregor Seberg (Joe), Kristina Sprenger (Luiserl), Julia Jelinek (Kati) und Clara Lackner-Zinner (Sissi) zum stimmungsvollen vor-weihnachtlichen Interview.
Eindrücke vom Theaterstück. Bilder: Ulrike Rauch
Gregor Seberg: Weihnachten ist so fix wie ein Schnupfen im Herbst. Und der Film niest sich in die Herzen der Zuschauer und wirkt wie Balsam.
Kristina Springer: Jede Menge Hammerzitate, ein großartiges Ensemble, eine sehr gute Geschichte und der erste Film, der die chaotischen Seiten von Weihnachten thematisiert hat.
Clara Lackner-Zinner: Weil er lustig ist und weil Omama immer darüber redet, wie es früher war. Kurz: Weihnachtschaos mit mehr Generationen.
Julia Jelinek: Ich denke, viele erkennen Familienmitglieder in den Figuren wieder. Manche haben oder hatten vielleicht auch eine Omama in der Familie oder eine Lillibet. Oder es erinnert sie an sich selbst in dem ganzen Chaos.
Julia Jelinek: Oft, eigentlich jedes Jahr – mit Ausnahme der Studienjahre vielleicht. In meiner Familie ist der Film jedenfalls definitiv Kult und für mich Kindheitserinnerung pur.
Clara Lackner-Zinner: Nur zweimal, ich kannte den Film davor nicht. Ich werde ihn mir heuer zu Weihnachten aber anschauen.
Gregor Seberg: Ich habe den Film erst einmal gesehen.
Kristina Sprenger: Ich denke, so fünfmal.
Clara Lackner-Zinner: Ja, bin ein absoluter Fan! Ich liebe die Beleuchtung.
Gregor Seberg: Wenn es dann so weit ist, schon. Das Tamtam davor ist mühsam.
Kristina Sprenger: Ich liebe die Vorweihnachtszeit mit der traumhaften Stimmung in der Stadt. Es darf aber ruhig eher besinnlich sein.
Julia Jelinek: Als Kind auf jeden Fall. Ich habe auch zwei Tage nach Weihnachten noch Geburtstag, daher habe ich immer das ganze Jahr auf diese Tage gewartet (lacht). Dann, als junge Erwachsene, wurde mir Weihnachten auch hin und wieder zu viel. Jetzt mit meinen Kindern macht mir das ganze Tamtam auch wieder selbst eine Freude.
Kristina Sprenger: Ganz traditionell mit Fisch und Christmette.
Clara Lackner-Zinner: Zu Weihnachten essen wir in der Früh einmal Kekse, am Heilig Abend gib es immer Raclette, einen schönen Christbaum und in der Weihnachtszeit lebt ein Wichtel bei uns.
Gregor Seberg: Das Christkind kommt bei uns dreimal: in Wien, in der Steiermark und in Kärnten.
Julia Jelinek: Ich komme aus einer großen Patchwork-Familie, das kann schon einige Tage dauern, bis auch wirklich alle Bescherungen durch sind. Aber wir waren die letzten Jahre immer zu Hause und haben da zu viert mit den Kids nur für uns beschert und sind dann zur Familie weitergefahren.
Kristina Sprenger: Das erste Weihnachten mit unserer Tochter Rosa. Sie hat am 14. Dezember Geburtstag und war gerade 10 Tage alt.
Clara Lackner-Zinner: Wie wir früher nicht ins Wohnzimmer durften und noch ans Christkind glaubten! Da durften wir im Bett unserer Eltern Kekse essen und Weihnachtsfilme schauen, während wir aufs Christkind warteten. Das war schön …
Julia Jelinek: Zu meinem Dreißiger waren mein Partner und ich das einzige Mal zu zweit über Weihnachten weg. Ich fand das schon auch sehr super in Thailand am Strand und es ist eine besondere Weihnachtserinnerung für mich. Also so ein bissl Kati-Style …
Gregor Seberg: Dass mein Opa in einer Miniwohnung zugleich unbemerkt von mir im Nebenzimmer den Baum schmücken konnte und dann dort das Glöckchen geläutet hat, obwohl er nicht in dem Raum war.
Gregor Seberg: Weniger schön ist die Erinnerung daran, dass ich nicht der Beagle meiner Schwester war, der in einem unbeobachteten Moment die Gans gefladdert und verzwickt hat …
Kristina Sprenger: Nein, erfreulicherweise nicht. Bissl Chaos gehört auf jeden Fall dazu!
Clara Lackner-Zinner: Ich auch nicht!
Julia Jelinek: Das erste Weihnachten nach der Scheidung meiner Eltern habe ich – auch wenn sich alles sehr bemüht haben – in sehr trauriger Erinnerung.
Gregor Seberg: Viele Geschenke! Wenn man sparen will, kann man auch die Schals der anderen einpacken und unter den Baum legen.
Kristina Sprenger: Bei uns bringt das Christkind nur meiner Tochter Rosa etwas, sie ist auch immer die Bravste.
Julia Jelinek: Ich schenke so wahnsinnig gerne. Ich bin kein großer Fan von “nur die Kinder bekommen etwas”- die Kinder bekommen eh immer was! Es ist schön, auch den Partner oder die Eltern zu beschenken. Und eigentlich freue ich mich auch selbst über ein Packerl unter dem Baum (lacht).
Clara Lackner-Zinner: Ich finde es schön, sich etwas zu schenken und wenn sich alle freuen.
Clara Lackner-Zinner: Mein Kuschelpyjama.
Kristina Sprenger: Barbie und Ken, als ich acht Jahre alt war.
Gregor Seberg: Die leuchtenden Augen glücklicher Kinder.
Julia Jelinek: Mir fallen vor allem die schönsten Geschenke ein, die ich den anderen geschenkt habe. Das macht ja dann fast noch mehr Freude, als selbst etwas zu bekommen. Als ich mit meinem ersten Kind schwanger war, haben wir die Familie zu Weihnachten damit überrascht – das war ziemlich hart für mich, darüber wochenlang zu schweigen, und es war dann unterm Baum umso schöner.
Clara Lackner-Zinner: Gleich wie immer, außer, dass ich es vor allem meiner kleinen Schwester schön machen möchte, denn sie glaubt nun ans Christkind und wird es heuer so richtig mitbekommen mit ihren zwei Jahren.
Julia Jelinek: Auch wie immer, zuerst zu viert und dann weiter zu den Eltern und die Tage darauf zu den anderen Familienkonstellationen. Ich weiß mittlerweile die Zeit mit meiner Familie sehr zu schätzen. Und aufgrund unserer Vorstellungen verbringe ich die Adventszeit auch viel mit dem Single-Bells-Ensemble!
Kristina Sprenger: Mit meiner Familie, gemütlich und entspannt!
Gregor Seberg: In Wien, in der Steiermark und in Kärnten.
Aber natürlich muss man die Vorweihnachtszeit nicht nur am Christkindlmarkt, bei “Single Bells” vorm Fernseher (oder eben im Theater) oder in den Einkaufstempeln verbringen! Es gibt noch viel mehr Veranstaltungen, die den Advent stimmungsvoll gestalten - auf die eine oder andere Weise!
Allen voran steht da natürlich Rian mit seinem "Weihnachtstreffen", der mit seinen Verwandten auch so seine liebe Not hat - und Wanda, die passend zur besinnlichen Zeit ganz viel “Amore” mit im Gepäck haben: Es ist das die vorerst letzte Gelegenheit auf ein Wanda-Konzert, weil sie zumindest nächstes Jahr einmal live pausieren wollen! Etwas anders wird die Vorweihnachtszeit sicherlich auch beim Krampuskränzen von Voodoo Jürgens - kurz bevor er uns im neuen Jahr mit einem neuen Album beschenkt!
Aber da ist natürlich auch das zauberhafte Christmas in Vienna im Wiener Konzerthaus, die legendären Christmas-Gospel-Konzerte von Stella Jones, oder auch “Die große Weihnachtsgala der Musicalstars” mit Mark Seibert und Lukas Perman in Grafenegg, Graz, Wien und Amstetten! Apropos Musical: “Eine Weihnachtsgeschichte”, das märchenhafte Musical nach Charles Dickens - in Bregenz, Linz und Wien - ist definitiv auch ein Muss!
Noch mehr Tipps für den Advent findet ihr an [dieser Stelle] am HEADLINER!