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Made in Austria

Ernst Molden & Christopher Seiler sind zwida

08.09.2023 von Sebastian Fasthuber

Eine Bestellung klingt bei Ernst Molden und Christopher Seiler so: „an schnops zwa rüschaln drei bia“. Zumindest trägt ein Song diesen Titel. Der heimische Songwriter und die Seiler-&-Speer-Hälfte haben sich für ein sehr lässiges Album zu Molden & Seiler zusammengetan. Was das mit Willi Resetarits zu tun hat und warum die beiden gar nicht so schlecht gelaunt sind, wie der Albumtitel „de zwidan zwa“ vermuten ließe, erklärt Seiler im Interview.

Ernst Molden und Christopher Seiler, das ist wie Stadtsaal und Wiener Stadthalle. Wie kam es zu der überraschenden Zusammenarbeit?

Ich traf Ernst vor Jahren bei einer Amadeus-Verleihung und wir gestanden uns in einem flüchtigen Gespräch unsere gegenseitige Anerkennung. Jahre später meldete ich mich nach dem tragischen Unfalltod von Willi Resetarits über Instagram beim Ernst, und fragte, ob wir nicht gemeinsam eine Nummer im Studio aufnehmen wollen. Wir verstan-den uns auf Anhieb – und so wurde aus dieser Nummer ein ganzes Album. So richtig kennengelernt haben wir uns erst bei den Aufnahmen im Burgenland im März dieses Jahres. Für mich ist der Ernst einer der komplettesten Musiker unserer Zeit.

Es wird die Geschichte erzählt, dass du im Bentley vor der Cselley Mühle in Oslip vorgefahren bist, wo ihr aufgenommen habt. Hat ein bisschen was von: Popstar goes Indie. Ein Ausflug in eine andere Welt?

Die Geschichte ist eher eine Sage. Ein Bentley war vermutlich gerade im Burgenland unterwegs, ich reiste allerdings im Wagen vom Ernst an. Das Studio in der Mühle war tatsächlich eine andere Welt für mich. Eine wunderschöne, friedliche und hochinspirierende.

Das Album heißt „de zwidan zwa“. Das erinnert an Kurt Sowinetz und „Alle Men-schen san ma zwider, i mechts in die Goschn haun“. Eine probate Beschreibung des Wiener Wesens?

Durchaus, aber auch ein knackiges Wortspiel, welches mit uns allerdings wenig zu tun hat. Wir sind beide nicht wirklich zwida, sondern meistens gut gelaunt.

Das gilt auch für die Songs, da rennt mitunter ordentlich der Schmäh. Wie waren die Aufnahmen?

Eben. Die waren harmonisch. Generell ist die Stimmung bei uns sehr harmonisch. Weit entfernt vom Leistungsdruck, den man sonst kennt.

Die Musik klingt sehr lebendig. Alles live eingespielt?

Wir haben das ganze Album tatsächlich in eineinhalb Tagen komplett live auf einer Tonbandmaschine eingespielt. Ohne Schnickschnack. Einfach pur und ehrlich. Das war uns wichtig.

Es ist eine sehr männliche Platte geworden, die Texte drehen sich um verlassene Männer, Alkohol, Einsamkeit und Selbstmitleid.  Was ist das Reizvolle an dieser uralten Konstellation?

Vermutlich die Ehrlichkeit. Die meisten Songs sind ja direkte Übersetzungen bereits existierender Songs vom Ernst, die sehr nah bei den Originalen sind. Die thematische Vorgabe liegt daher ohnehin bei den ursprünglichen Interpreten.

Aus einigen Songs sprechen verletzte Männer. Heute würde man vielleicht schon von toxischer Männlichkeit sprechen.

Diese Thematik begleitet ja auch mein eigenes Schaffen seit Beginn an. Mein Zugang zur Musik ist die unverblümte Wahrheit. Anders gesagt: Ich singe über das, was ich sehe.

Ihr singt wienerische Fassungen der Lieder von Udo Lindenberg oder Nick Cave. Wie habt ihr die Nummern ausgewählt?

Viele Stücke gab es bereits in Übersetzungen vom Ernst. Wir haben uns da einfach hingesetzt und ausgesucht, was uns am meisten Spaß macht zu spielen. Lieder wie „Es Gligg“ stammen zum Beispiel aus meinem Schaffen von 2017. Da bin ich wirklich froh, dass es nun endlich auch auf Platte ist.

Begleitet werdet ihr von Ernst Moldens Frauenorchester. Wie wichtig war weibliche Präsenz als Ausgleich zu der Überdosis Männlichkeit in den Stücken?

Es ist eine großartige Band, welche auch menschlich einen immensen Mehrwert mitbringt. Und das ist grundsätzlich das, was zählt.

Stilistisch sind hiesige Prägungen von Blues, Country, frühem Rock’n’Roll zu hören, manchmal mit einem Schuss Wienerlied drin. Was ist dein Bezug zu diesen Genres?

Ich bin ein Mensch, der sich ungern auf Genres festlegt. Für mich muss ein Song ausdrucksstark sein. Alles andere ist Schubladendenken, welches ich schon als Jugendlicher abgelegt habe. Und das ist gut so.

Wieviel Mut beziehungsweise Getränke vorher braucht es, um sich an einen Göttersong wie „The Weeping Song“ von Nick Cave überhaupt heranzuwagen?

Weder noch. Ich denke, es braucht in erster Linie Freude fürs Spielen und Respekt vor einem Künstler und seinen Werken. Wir parodieren ja nicht, sondern interpretieren. Und das ganz nah am Original.

Wie liefen die ersten gemeinsamen Konzerte im Sommer?

Wenn ein Konzertabend Tage später noch nachwirkt, und das positiv, war er etwas ganz Besonderes. Das sind Abende, die vor Witz und Spielfreude nur so sprühen. Ich liebe es.

Im Herbst geht ihr auf Tournee. Ist eine Fortsetzung geplant?

Solange wir befreundet sind, werden wir auf der Bühne stehen. Und da ich meine Freundschaften pflege, wird das noch sehr lange dauern.

Seiler & Molden: live

„De zwidan zwa” spielen u. a. am 12. September im Cinema Paradiso Baden, am 15. im Wiener Stadtsaal, am 23. in der Csello Cselley Mühle Oslip und am 18. Dezember im Orpheum Wien. Christopher Seiler ist am 18. Oktober auch mit seinem anderen Projekt AUT of ORDA in der Marx Halle, und gemeinsam mit Bernhard Speer zwischen November und Dezember in ganz Österreich zu erleben. Auch Ernst Molden erleben wir laufend in unterschiedlichen Formationen, darunter mit Nino aus Wien am 17. Dezember im Wiener Konzerthaus und mit „Einzelgänge” im Oktober und November im Rabenhof Theater. Tickets gibt es bei oeticket.

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