Bild: Ingo Pertramer
Simon Schwarz und Manuel Rubey sind nicht nur zwei der populärsten heimischen Schauspieler, sondern auch beste Freunde. In Ihrem Kabarettprogramm „Das Restaurant“ stehen die beiden erstmals gemeinsam auf der Bühne. Die Proben haben Rubey schon so manches graue Haar beschert, weil sein Kollege ganz eigene Vorstellungen hat, was auf der Bühne geht und was nicht. 08/15-Kabarett auf keinen Fall, da sind sie sich einig. Ein Gespräch über Gastronomie, Alkohol und Freundschaft
Simon Schwarz: Vorsicht, Manuel. Ich glaube, das spielt darauf an, dass es der Alkohol ist, mit dem man in der Gastronomie den größten Umsatz macht.
Manuel Rubey: Simon ist in dem Punkt tatsächlich die Ausnahme von der Regel. Er ist ein Genießer. Aber keiner, der lange sitzen bleibt.
Simon Schwarz: Ich gehe gerne gut essen. Mit möglichst wenigen Menschen am Tisch, damit man sich unterhalten kann.
Manuel Rubey: Ich werde wohl nach den Vorstellungen alleine versumpern.
Manuel Rubey: Ich versuche, mich nicht mehr in der Öffentlichkeit zu betrinken. Heutzutage macht immer jemand Fotos.
Simon Schwarz: Ich war nie einer, der saufen geht. Ich verstehe den Sinn des Trinkens nicht, wenn ich nicht mehr Herr meiner Sinne bin. Dann schmecke ich ja nichts mehr.
Manuel Rubey: Bei mir verhält es sich etwas anders. Ich habe schon eine Affinität zum Rausch. Aber ich vertrage auch recht wenig. Außerdem: Je älter man wird, umso länger leidet man am Tag danach. Und da will ich Tennisspielen gehen. Ich leere nicht mehr sinnlos in mich hinein.
Simon Schwarz: Stimmt, du bist ja jetzt Ausdauersportler. Da wird eine Sucht durch die andere ersetzt.
Simon Schwarz: Nicht irgendein Lokal. Es ist das beste Lokal der Erde.
Manuel Rubey: Es geht um den Superlativ.
Manuel Rubey: Bestenfalls wäre ich ein schlechter Sommelier. Als Koch habe ich kein Talent.
Simon Schwarz: Koch ist auch ein sehr familienfeindlicher Beruf.
Simon Schwarz: Nicht so extrem. Alle deine Freunde gehen am Wochenende weg. Du stehst als Lehrling in der Küche und arbeitest.
Manuel Rubey: Es ist wie Spitzensport. Die meisten Köche sehen auch älter aus. Spitzensportler haben mit Mitte 30 ausgesorgt, Leute aus der Gastro leider nicht. Ein Freund von uns hat jahrelang gut verdient. Aber er hat auch immer alles ausgegeben in der Nacht.
Simon Schwarz: Film und Fernsehen haben bei mir das Theater schnell ersetzt. Ich hatte nur ganz kleine Rollen an Provinztheatern. Einmal waren es acht Rollen in einem Stück, die niemand anderer spielen wollte. Ich konnte nur zeigen, dass ich mich schnell umziehen kann.
Manuel Rubey: Simon und ich sind seit 15 Jahren befreundet und inzwischen beste Freunde. Ich verbinde gerne Freundschaft mit Arbeit. Bei einem Spaziergang habe ich Simon gefragt und mit einer Absage gerechnet. Aber er hat gesagt: Okay, mach ma.
Simon Schwarz: Der Deal war: Ich gehe mit ihm auf die Bühne und er machst mit mir einen Podcast. Man hat mich schon öfter bedrängt, ein Programm zu machen. Aber ich hatte keinen Bock, alleine herumzutingeln. Du bist eh schon so viel alleine als Schauspieler. Das auch noch am Wochenende, und durch die Provinz fahren? Da muss man schon sehr stabil in seiner Psyche sein, oder viel Alkohol trinken. Nein, danke. Zu zweit ist das schon was Anderes.
Manuel Rubey: Die meisten Podcasts betreiben zwei Typen, die sich für wahnsinnig klug halten und immer das letzte Wort haben wollen. Das unterwandern wir ein bisschen. Das Tolle an Podcasts ist: Charaktere lassen sich wunderbar über die Stimme transportieren. Man kann sich da auch nicht verstellen, finde ich.
Simon Schwarz: Der Podcast war übrigens nicht als Werbung fürs Programm gedacht, sondern als Begleitung. Man kann den Prozess der Programmentwicklung mitverfolgen. Das finde ich spannend.
Manuel Rubey: Gut. Allerdings torpediert Simon alle mir gewohnten Vorgehensweisen. Er macht gewisse Sachen einfach nicht mit, sträubt sich oft gegen Pointen.
Simon Schwarz: Ich kann gar keine Witze erzählen.
Manuel Rubey: Dann wieder geht er volles Risiko. Das macht mich manchmal schlaflos, aber eigentlich bin ich auch ein bissl stolz auf das, was wir auf die Beine gestellt haben.
Simon Schwarz: Für mich ist alles Sport. Ich bin kein Defensivspieler. Es geht nur Vollgas nach vorne. Wenn man schnell unterwegs ist, kann man natürlich leichter hinfallen.
Simon Schwarz: In erster Linie sollen sich die Leute unterhalten und eine gute Zeit haben. Aber sie sollen auch was mitnehmen.
Manuel Rubey: Das Publikum darf sich nicht langweilen. Das ist der Deal. Botschaften habe ich keine.
Simon Schwarz: Ich schon.
Manuel Rubey: Was ist die Botschaft?
Simon Schwarz: Wir können die Welt besser machen, wir sollten sie besser machen.
Manuel Rubey: Da bist du viel optimistischer als ich. Ich glaube das schon lang nicht mehr.
Simon Schwarz: Vielleicht bin ich in Wirklichkeit ein optimistischer Mensch.
Simon Schwarz: Nein.
Manuel Rubey: Ich finde die Zusammenarbeit wahnsinnig schön. Weil es gute Lebenszeit ist.
Simon Schwarz: Lebenszeit ist wichtig.
Manuel Rubey: Das ist bitte ein Nullsatz.
Simon Schwarz: Nein, es wirkt nur so. Es steckt total viel drinnen in dem Satz.
Manuel Rubey: Das ist oft so bei dir.
Simon Schwarz: Entweder nützt du deine Lebenszeit vernünftig, oder eben nicht.
Ab Anfang 2024 spielen Simon Schwarz und Manuel Rubey "Das Restaurant" in ganz Österreich, darunter im Wiener Stadtsaal, aber auch im Orpheum Graz, im Danubium Tulln und vielen Örtlichkeiten mehr. Tickets gibt es bei oeticket.