Nicht erst seit „Arctic Thunder“ wissen wir ob deiner Wanderslust. Hast du schon einmal daran gedacht, eine Dokumentation über die norwegische Waldlandschaft zu drehen, dich eventuell auch für Endorsements gewinnen zu lassen?
Ich habe schon einmal fürs Fernsehen Wanderschuhe getestet, und ich war auch in der Show
„Ut i nærturen“ auf NRK, dem Norwegischen Rundfunk vertreten. Da ging es nicht ums Camping, sondern nur um einen Streifzug zu einem Wald-Reservoir in der Nähe von Oslo. Rund um Oslo gibt es etwa 301 Quadratkilometer Wald, da möchtest du nicht verloren gehen
(lacht), es ist unüberschaubar. Jedenfalls hat mich da ein Fernsehteam begleitet und diese Sendung ist auch schon mehrfach in Wiederholungen gelaufen. Seitdem erkennen mich auch schon viele, die mit Black Metal nichts am Hut haben. Das ist manchmal ein bisschen seltsam, wenn du plötzlich mitten im Wald von jemandem angesprochen wirst.
Seitdem ich wieder nach Kolbotn zurückzog, ein Haus mit Garten hier habe, eine Frau und eine Katze, und meine Radiosendung, fühle ich mich daheim eigentlich richtig wohl – ständig in die Natur hat es mich nur getrieben, als ich noch in Oslo wohnte. Ich habe mittlerweile an 120 verschiedenen Plätzen gecampt, über 200 Campingtrips gemacht – all das habe ich in einem kleinen Büchlein festgehalten. 2009 hatte ich 40 Trips, in den Jahren davor – 2007 und 2008 – rund um die 35, und 2010, als ich dann wieder den ersten Trip unternahm, war das großartige Gefühl nicht mehr wirklich da. Es ist eine Routine geworden. Ich hätte auf meinen Vater, der 1994 starb, hören sollen, der immer sagte, zu viel der Dinge ist nicht gut! Ich habe mir die Freude daran also selbst genommen und seitdem war ich dahingehend etwas faul, 2016 war ich gar nicht unterwegs – auch wegen des Albums und der ganzen Promo, die darauf folgte. Es hat sich einfach nicht ergeben, und wie schon gesagt: Ich werde Sachen schnell müde. Ich fange dann einfach neue Sachen an – in dem Fall Radio Fenriz. Und vielleicht höre ich auch irgendwann damit auf – und dann? Keiner weiß es, nicht einmal ich selbst!
Gibt es eine kleine Chance, dass dann, irgendwann, aus Eibon wieder etwas wird?
Ich glaube nicht. Es ist ohnehin schon ein Wahnsinn, dass wir tatsächlich zumindest einen Song aufgenommen haben. Ich glaube, du wirst dich mit
„Mirror Soul Jesus“ begnügen müssen.
Eibon – mit dir, Satyr, Phil Anselmo und Killjoy (sowie Maniac, der jedoch vor der Veröffentlichung des Stückes ausstieg) – ist zweifelsohne etwas, das man landläufig als „Supergroup“ bezeichnet, mit den von mir am meisten geschätzten Musikern, wenn man Cliff Burton einmal außer Acht lässt …
(lacht) Danke. Ich glaube, mein erster bewusster Trauermoment – nach dem Tod meiner Großmutter, die starb, als ich vier Jahre alt war – war der, als Cliff Burton starb. Der Tod von meiner Großmutter hat mich sehr stark mitgenommen, weil sie immer auf mich aufpasste, wenn meine Eltern beschäftigt waren. Ich bekam Magenprobleme, ich aß nur mehr wenig.
Als Cliff Burton 1986 starb, hatte ich gerade eine sehr intensive „Master of Puppets“-Phase. Zu Metallica hatte ich damals – und immer noch – einen sehr intensiven Bezug, insbesondere die langsameren Songs wie
„Damage Inc.“ haben es mir angetan. Nicht, dass ich schnellen Thrash Metal nicht mögen würde, aber langsamer Thrash ist so richtig geil. Auch das Instrumental
„Orion“ ist in meinen Augen einer der großartigsten Songs überhaupt. Metallica war in den Medien damals nicht wirklich präsent, erst, als Cliff Burton starb. Da war ich wirklich traurig …
Wenn du dir eine Supergroup zusammenstellen könntest, nach deinen persönlichen Vorlieben, wer wäre da dabei?
Das ist fast falsche Geschichtsschreibung, was ich eigentlich hasse – und ich habe mir auch nie wirklich Gedanken darüber gemacht, ich mag auch Crossover-Geschichten nicht wirklich: Gastsänger und ähnliches finde ich bescheuert – deswegen habe ich solche Projekte auch nie sonders verfolgt oder unterstützt. Eine Band ist eine Band. Es ist wie wenn du “The Simpsons” oder “Seinfeld” schaust: Ich hasse diese „Special Episodes“, wenn sie irgendwo anders hinfahren und auf andere Charaktere treffen. Ich mag die Dinge, wie sie sind. Aber für dich versuche ich es einmal: Jimi Hendrix mit Joni Mitchell
(lacht).
In den späten Achtzigern hattest du mit Isengard ein Soloprojekt, weil Darkthrone – so heißt es – in ihrem Stil verhaftet war …
Nicht wirklich.
Jedenfalls: Darkthrone hat seitdem einen Wandel durchlaufen, grob formuliert von Death Metal über Black Metal hin zu einem bunten Potpourri aus Crust, Thrash und NWoBHM. Setzt du dir für deine Hauptband stilistische Grenzen, oder könnte das nächste Album rein theoretisch auch Synth Pop mit Ethno Folk werden? Und wäre auch eine Kollaboration mit einem Chor, wie erst kürzlich von Satyricon versucht, denkbar?
Dahingehend sehe ich kein Potential, nein – Darkthrone, das sind Ted und ich, die primitive Musik rausrotzen. 2008 habe ich Satyr gesagt, er möge mich doch bitte nie wieder kontaktieren – und es waren acht wundervolle Jahre seit ehedem.
Als wir damals Darkthrone starteten, spielten wir primitive Musik, weil keiner sein Instrument besser beherrschte – aber zu unserem Zenit während „Goatlord“ beherrschten wir bereits ziemlich technische Sachen und wir opferten unser Können dem primitiven Stil, so wie Motörhead oder Black Sabbath. Das war unser Anspruch. Andere Bands, so wie Emperor, begannen primitiv, aber entwickelten sich weiter, wurden immer progressiver. Wir hingegen waren so verrückt zu sagen, wir proben einfach nicht mehr, wir wollen nicht besser werden – sondern einfach nur räudig rocken. Diese Entscheidung – für viele vielleicht sonderbar – macht Darkthrone besonders. Ich habe seit Mitte der Neunziger nicht mehr am Schlagzeug geprobt, das war der letzte Zeitpunkt, als ich versucht habe, mich zu verbessern oder neue Techniken zu lernen. Für mich ist es wichtiger, effizient zu arbeiten, effiziente Musik zu schreiben. Gerade im Death Metal übertreiben es viele Schlagzeuger, und das hat schließlich auch zu diesen enervierenden Bass-Drums geführt, die mir gewaltig auf die Eier gehen: Wenn du so schnell spielst und willst, dass es so laut ist, dass es ordentlich gehört wird, hast du nur ein Brummen – deswegen wird das immer auf dieses „Klick Klick Klick“ hingetrimmt. Bass-Drums die nicht mehr nach Bass-Drums klingen – was zur Hölle ist das denn!? Bei Darkthrone gibt es jedenfalls keine Progression, sondern nur eine Regression – und zwar stringent seit 1991.
Es heißt, dass Metal und Klassische Musik viel gemein haben. Viele Genre-Musiker teilen aber auch eine Vorliebe für Techno. Was sind die Gemeinsamkeiten hier?
Nirgends. Einige Stabs haben vielleicht Ähnlichkeiten zum klassischen Heavy Riffing – aber Techno ist Rhythmus, Metal ist mehr als das. Natürlich gibt es hier und da Ausnahmen, aber die Grundregel ist: Niemals Konservendrums mit Gitarren mischen! Ich habe bei Techno und bei Metal mein tiefes Wissen, und ich glaube, es ist beinahe unmöglich, jemanden, der keinen Bezug zu Techno hat, zu erklären was da die Grundbezüge sind – das muss jeder für sich selbst rausfinden. Hör dir auf jeden Fall nur keinen Morbid-Angel-Technoscheißdreck an! Setz dich vors Internet, finde dort die guten Quellen – so wie auch im Metal. Such nach dem ersten „Metal Church-Album“ des Technos,
„Preacherman“ von Green Velvet zum Beispiel. Okay, das ist mehr House – aber ich bin auch mehr im House denn im Techno beheimatet.
Metal und Techno haben nichts gemein, und auch die Gemeinsamkeiten von Klassik und Metal sind in meinen Augen überbewertet. Speed Metal von 1982 bis 1985, also die schnelle Form des klassischen Heavy Metals, hat durchaus Parallelen zur Klassik, aber ich glaube nicht, dass du das generell über den gesamten Heavy Metal legen kannst. Metal kommt von Rock, Prog Rock und Punk, all die kommen vom Rock’n’Roll, und der wiederum vom Blues. Ich empfehle jedem immer wieder: Fang bei Black Sabbath an, und geh auch zurück in die Geschichte, in die Sechziger und Fünfziger!
https://www.youtube.com/watch?v=tUVr2xnGIEo
Metallicas "ManUNkind"-Video von Jonas Akerlund ist gewissermaßen ein Teaser auf das kommende "Lords of Chaos"-Biopic. Mehr Informationen findet man auf Blabbermouth.
Von wegen Geschichte: Aktuell wird ja an einer Verfilmung von „Lords of Chaos“ gearbeitet. Necrobutcher von Mayhem wird im Rolling Stone zitiert, dass sich „sowohl die Schweden (also Regisseur Akerlund), als auch Hollywood ins Knie ficken können“. Wie ist deine Sicht der Dinge?
Ich gehe da mit Necrobutcher d’accord. Wenn du dir
„Control“, den Film über den Tod – oder den Suizid – von Ian Curtis anschaust, dann siehst du da einen Typen, der versucht, den Sänger von Joy Division zu imitieren. Das ist doch grenzdebil! Wenn du es zur Legende geschafft hast, dann willst du doch nicht von
irgendwem imitiert werden – und wenn doch, dann läuft mit dir irgendetwas grundlegend falsch. Immer wenn ich mir so ein Porträt anschaue, fühle ich mich selbst irgendwie mitschuldig. Das ist wie bei einem Autounfall: Du willst es nicht sehen, musst es aber. Es ist einfach fernab jedweder Realität.
Es gibt also keine Biopics, die du tatsächlich empfehlen könntest?
Biopics? Klär mich auf! „
Edjumacation ain‘t for me“, wie es am ersten
The Dictators-Album von 1975 heißt … Übrigens hat dort
Ross The Boss von Manowar mitgespielt – und damit eines meiner Lieblingszitate abgeliefert.
„Biographical Pictures“, also Filmbiografien.
Aaaah! Nein, keine. Das ist nicht die Realität, da spielt nur jemand vor, es sei real. Aber ein Film, der Darkthrone gezeigt hat, wie man es nicht machen soll, ist der zweite Teil von
„Bad News“,
„The Comic Strip presents… More Bad News“. Wir hören den Soundtrack auch immer im Studio und amüsieren uns darüber, wie kleine Kinder. Der Film und der Soundtrack sind von 1988, einige sagen, der erste Teil
„Bad News Tour“ von 1982 war besser, aber ich finde den zweiten fantastisch. Da lernst du wirklich, was du als Band nicht machen solltest
(lacht). Da spielen britische Comedians, die in den Achtzigern sogar ziemlich bekannt waren – und haben auch teilweise die Musik selbst gespielt, wenn mich nicht alles täuscht.
In deiner Position als Musikjournalist schreibst du keine Verrisse, du promotest nur Bands, die du magst. Ich denke, seit dem Aufkommen des Internets hat Journalismus den quantitativen Höhepunkt mittlerweile erreicht, aber viel an Qualität verloren. Jedem ist es möglich, online zu gehen und Scheiße zu verzapfen – wirklich interessieren tun tatsächliche Texte nur mehr die wenigsten, vielmehr die Bewertungen. Wo siehst du die Zukunft von Musikjournalismus?
Menschen mögen Listen, Menschen mögen Bewertungen. Und ich glaube, „Noten“, wenn du so willst, sind immer noch weniger beschissen als Listen – weil Musik sollte kein Wettbewerb sein. Ich liebe Listen – aber ich hasse sie im gleichen Moment auch. Das ist wie mit den Filmbiographien zuvor – wer wohl Lemmy übrigens spielen wird?! Das wage ich mir gar nicht auszudenken, da schaue ich mir lieber Dokus über Serienmörder an.
Jedenfalls sind wir beide da definitiv einer Meinung, und teilen selbige mit vielen anderen Musikjournalisten auch:
Viele Magazine leiden darunter, dass sie niemanden finden, der gut schreiben kann. Die, die gut schreiben können, haben ihren eigenen Blog – und Geld ist ohnehin keines mehr zu holen. Aber dass der Fokus auf die Punkte gelegt wird, das war sicher früher auch schon so – und immerhin ein paar lesen dann das Review dazu auch. Aber du musst dir bewusst sein, dass wenn jemand auf deinen Artikel klickt, es auch nicht automatisch heißt, dass der ganze Text gelesen wird. Und wenn ein Facebook-Posting 1.000 Likes bekommt, heißt das nicht, dass es dem nächsten Posting auch so widerfährt. Nur zwischen 1,5 und 5 Prozent der Leute interessiert
wirklich, was du tust. Sie kommentieren, sie folgen dir. Aber schau, in Norwegen ist’s auch so: Wenn im Fernsehen etwas gezeigt wird, das die Leute echauffiert und im Studio die „Telefone heiß laufen“, dann sind das bei uns 20 Anrufer. In Deutschland ist es wohl intensiver.
Wenn ein Magazin gelesen wird, heißt das ja auch nicht, dass auch dein Artikel unter den vielen anderen gelesen wird – vielleicht wird er überblättert: Wenn sich ein Magazin 80.000 Mal verkauft heißt das nicht, dass jeder Artikel auch von 80.000 Lesern wahrgenommen und gelesen wird. Manche schauen sich vielleicht überhaupt nur die Fotos an, so ist das eben. Nur 1,5 bis 5 Prozent deiner Leser verfolgen wirklich alles – und sie musst du an dich binden.
Und hinsichtlich der Zukunft glaube ich, dass es einfach weitergeht wie die letzten 15 Jahre auch – es wird sich hie und da eine Kleinigkeit ändern, aber es wird keine große Revolution passieren. Es wird später nicht heißen: „August 2018: Als alles den Bach runter ging!“ Es ist alles ein sukzessives Fortschreiten, von einem Tag auf den nächsten …
Du sprichst öfters über das Aufhören, weil du – manchmal – Journalismus verachtest. Warum machst du es nach wie vor?
Weil ich es schon immer tue – und wie alles passiert etwas nicht „plötzlich“. Ich wurde nicht plötzlich zum Journalisten, ich interessierte mich nicht plötzlich für Musik – das war alles ein langsamer Prozess. Aktuell befinde ich mich gerade am Höhepunkt, mit über 1.000 Promos im Jahr, wovon ich etwa 300 bis 400 ganz und mehrmals höre und auch bewerte. Etwa 30 Prozent schaffen es ins Radio, und ein Zwanzigstel eines Prozents kaufe ich mir tatsächlich und stelle ich mir ins Regal. Zuhause höre ich nur mehr selten Musik, meistens nur in der Arbeit – und dort kann ich mir keine Vinyls anhören. 2015 war ein gutes Jahr, da habe ich etwa 45 Platten gekauft, 2016 nur 10. Ich glaube, so wie mir geht es vielen Journalisten. Und ja, es ist Gewohnheit: Ich hörte schon immer Musik an und werde es auch weiterhin tun. Ja, ich kriege viel gratis, aber so ist für mich jeden Tag wie Weihnachten. Da ist es dann natürlich notwendig, deine Geschenke auch zu ordnen, ein System zu haben – und das frisst viel Zeit. Meistens höre ich Musik, die ich hören
sollte und nicht die Musik, die ich in dem Moment gerade hören
möchte: Nur jedes zehnte Album will ich tatsächlich gerade hören. Da steckt auch schon eine Verantwortung dahinter – das ist vielleicht auch eine Frage der Persönlichkeit: Ich arbeite, seitdem ich 16 bin, und davor eigentlich auch schon. Ich lebe, um etwas zu tun. Ich kann mir bis zum Tod eigentlich keinen Moment des Lebens vorstellen, wo ich nicht einen Haufen Arbeit vor mir liegen haben werde – und auch liegen haben
möchte.
Würdest du sagen, dass du eine Suchtpersönlichkeit hast – und setzt dir deine Frau da Grenzen?
Ja, nur jedes zweite Wochenende darf ich Freunde einladen – wird sind beide eher ungesellig, aber hier und da passiert es schon, dass wir Lust verspüren, mit Freunden abzuhängen. Wir arbeiten sonst viel am Haus und im Garten, damit das auch was hermacht – und das zeige ich dann natürlich gern auch meinen Freunden, aber sie sieht das ein bisschen anders, sie mag es einfach nur gemütlich haben.
Ich denke, jeder ist bis zu einem gewissen Grad eine Suchtpersönlichkeit – der eine mehr, der andere weniger. Nachdem ich laufend neue Musik bekomme, bin ich gewissermaßen gezwungen, sie auch anzuhören – mein Lebensstil wurde mir gewissermaßen aufgedrängt, wenn du so möchtest. Ich könnte mir jedenfalls kein Leben ohne Musik vorstellen – ich kann es mir jedoch vorstellen, dass ich irgendwann keinen oder weniger Druck haben werde, mir neue Musik anhören zu müssen. Also vielleicht die Promos halbieren oder so – das Radio wird wohl weiterlaufen, weil das habe ich nicht eingeführt, um
mich zu beweihräuchern, sondern um andere Bands zu promoten. Das dauert etwa 40 Stunden je Episode, sich durch Musik durchzuhören, eine Auswahl zu treffen, das Aufnehmen der Show selbst und all das. Ich habe mich irgendwann einmal gefragt, für wen bewerte ich all die Alben eigentlich – für mich selbst? Nein, weil das meiste höre ich mir nie wieder an, weil jeden Tag gibt es neue Musik zu entdecken – von daher war die Show naheliegend. Ich bewundere Leute, die irgendwann einmal kürzer treten – so wie Danny Lilker zum Beispiel. Er hat sich zwar nicht vollends zurückgezogen, aber zumindest etwas Last von seinen Schultern genommen. Das ist auch für mich eine Option – aber schauen wir einmal.
Stehst du der Flut, die aufgrund des Internet überhaupt erst möglich war, positiv oder ablehnend gegenüber? Glorifizierst du die „alten Zeiten“?
Um dir das zu verdeutlichen: Früher gab ich eigentlich nur Telefoninterviews. Da
musstest du dir zu einem bestimmten Tageszeitpunkt Zeit nehmen, und manchmal riefen die Leute auch einfach nicht an, obwohl du dir die Zeit genommen hast. Das hat mich wahnsinnig gemacht. Als ich dann endlich einen Computer bekam, war das viel einfacher – weil da machte ich sehr viele schriftliche Interviews, da konnte ich mir die Zeit selbst einteilen. Ich schrieb früher auch viel mit Schreibmaschine oder der Hand, und seit 2005 mache ich etwa 90 Prozent aller Interviews wieder schriftlich. Das läuft ganz gut, weil ich das 10-Finger-System beherrsche, das habe ich in der Schule gelernt – und gehörte damals sogar zu den Besten. Das lag daran, dass die anderen das nur in der Schule praktizierten, ich aber auch zuhause, weil ich schon damals mit der ganzen Welt kommunizierte.
Wie so vieles andere auch war das Internet ein schleichender Prozess, nicht jedes Land ist technisch gleich entwickelt – ganz gleich, ob wir jetzt von Kurznachrichten am Handy reden oder von Spotify. Außerdem sind das ja auch immer Schübe – irgendwann ebbt ein Hype ja auch wieder ab, so wie bei Myspace. Und für die Musik-Fans ist das Internet definitiv eine gute Sache, nur das Business verliert und muss umdenken. Ich als Fan finde es fantastisch, dass alles verfügbar ist, man heute auf alles mit nur einem Mausklick zugreifen kann.