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Super Jet Kinoko: Einmal Synapsen zerschießen und Töne sehen, bitte!

07.05.2026 von Stefan Baumgartner

Einmal Synapsen zerschießen und Töne sehen, bitte: Das japanische Kollektiv Super Jet Kinoko knattert mit seinem psychedelischen Rock-Rave über den Regenbogen-Boulevard.

Es gibt da diese neurologische Besonderheit, Töne als Farben zu sehen: Der Franzose Gautier Serre von Igorrr ist etwa so ein Synästhetiker, aber auch Pharell Williams oder Billie Eilish. Ein Farben-Hören ist mir leider versagt, aber dafür rattern bei mir assoziative Verbindungen stets, wenn ich Neues und Unbekanntes und Spezielles höre. Das mag für mein direktes Umfeld oder meine Leser*innenschaft manchmal fordernd sein, aber letztlich glaube ich, dass neue Musik zu entdecken nur über Querverweise und emotionale Hooks funktioniert - da denke ich schon einmal an den grünen (!) Dyvlinge-Drehsessel von Ikea (Stereolab), den Geruch von Nebel (Kerala Dust) oder das Geräusch von Schuhsohlen auf einer mit Cola-Rot verklebten Tanzfläche (Nils Keppel). Und so auch bei Super Jet Kinoko.

Die waren 2025 bereits einmal in Wien, im Flucc, und sind eine ziemlich abgespacte Band aus dem japanischen Osaka: Und eigentlich wäre damit - ohne ins gefährliche Sumpfgebiet eines kulturellen Stigmata abtauchen zu wollen - schon alles gesagt, denn im Grunde genommen hat bisher alles, was aus Japan kommt, zumindest kurzzeitig meine Synapsen zerschossen - egal ob Merzbow und Melt Banana als die noch vergleichsweise harmlosesten Vertreter, oder dann der wirklich abgedrehte Scheiß wie C.S.S.O. und Masonna. Und bei einer Platte aus Japan war sogar eine Altherren-Feinrippunterhose dabei, Schmäh ohne!

Ganz so irr lärmend sind Super Jet Kinoko zwar nicht, aber mit ihren tranceartigen Klanglandschaften, die durch den Äther flirren, wecken sie in mir eine Assoziation an frühe Morgenstunden, wenn die ersten Sonnenstrahlen gerade über den Horizont hinaufkriechen, man aber immer noch unter einem ziemlich grenzwertigen Ayahuasca-Iboga-Shroom-Einfluss die drölfzigtausendste Runde mit dem Mario Kart am Regenbogen-Boulevard dreht und immerzu auf den selbst gelegten Bananenschalen ausrutscht: Ee-ya-naika!

Und dieses Bild erbaut sich vor meinem inneren Auge, ohne dass ich jemals (man glaubt es kaum) personaliter Momente der Intoxikation erlebt habe - und selbst Konsolen begleiten mich zeitlebens lediglich in homöopathischen Dosen: Es ist also ein großes Geschick von Super Jet Kinoko, sogar Unbekanntes erlebbar zu machen!

Das, was Super Jet Kinoko fabrizieren, klingt wie wenn man über gleichzeitig laufende Platten der Cocteau Twins und der Beach Boys einen Anime-Filter legen würde, als hätte das Studio Ghibli auf TikTok ein Indie-Mixtape geschustert - und dabei bei der Vertonung an alte Tumblr-GIFs gedacht und in Neon-Farben getaucht. Super Jet Kinoko sind definitiv ein Reality-Glitch - akustisch wie auch optisch - und transzendieren mit ihrer Traumlogik in einen Rauschzustand, der einschlägt wie ein Meteorit.

Ihre explosive Energie verschlingt und verzerrt gleichermaßen den Raum um dich herum - der hypnotische Groove und der vitalisierende Rhythmus ist pure Euphorie, gelebte Ekstase: Der Soundtrack für eine exzessive Nacht, die mit ihrer Entrückung der Synapsen wie eine pure Katharsis einfährt. “Sing und schwing das Bein, lass die Sorgen Sorgen sein! In das Lied stimm ein, froh nach Fraggle-Art!”

Muss man erlebt haben! (Aber natürlich auch: Keine Macht den Drogen! Böse!)


Live-Termine


Super Jet Kinoko

09. Juni 2026 | Wien, Club LUCIA


Infos auf dem Stand vom 07.05.2026  

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