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Konzerte

Deine Freunde: Zwischen Kinderzimmer und Popkultur

06.05.2026 von Alicia Weyrich

Flo von Deine Freunde über ihr neues Album “Die Kinder spielen verrückt” und darüber, warum aus Alltag, Ausbildung und Popgeschichte ein Sound entsteht, der Kinder ernst nimmt und Erwachsene mitnimmt.

Am 8. Mai erscheint mit “Die Kinder spielen verrückt” bereits das achte Album von Deine Freunde. Die Songs verdichten Alltagsszenen aus dem Kinderzimmer zu direkter, lauter und bewusst überzeichneter Popmusik – irgendwo zwischen Hip-Hop, Humor und Beobachtung, aber ohne pädagogischen Zeigefinger. Passend dazu geht die Band heuer mit den “Kindsköpfe im Park”-Open Air-Konzerten auf Tour und bringt das neue Material unter freiem Himmel auf die Bühne – Ende Mai auch in der Wiener Arena.

Die drei Musiker Florian Sump, Markus Pauli und Lukas Nimscheck von Deine Freunde kommen aus unterschiedlichen Richtungen, teilen aber einen ähnlichen Background: Sie alle mischten in den Neunzigern in der Musik- und TV-Geschichte mit, unter anderem im Umfeld von Fettes Brot und Echt sowie im Tigerenten-Club. Flo (ehemals bei Echt) ist zudem Erzieher – dieser Hintergrund prägt ihren Ansatz: Kinder werden nicht als Zielgruppe behandelt, sondern als ernstzunehmendes Gegenüber. Dazu kommen Pop, Hip-Hop, Tiefsinn und sympathischer Schmäh.

Wir haben mit Flo von Deine Freunde über den Zufall als Motor und die wichtigsten Werte für Kinder gesprochen.

Euer erster Song “Schokolade” ist direkt aus dem Kita-Alltag entstanden. War es für euch eine Überraschung, dass das so schnell so gut ankam, oder gab es hinter eurem neuen Genre von Anfang an einen Masterplan?

Wir würden gern die Masterplan-Variante nehmen, weil sie uns so schlau dastehen lassen würde. Es war aber tatsächlich eine große Überraschung.

Ihr habt unterschiedliche Biografien, aber alle mit starkem 90er-Jahre- und Popkultur-Background. Funktioniert eure Musik deswegen so gut, weil das Elternpublikum die eigentliche Zielgruppe ist – also aus Nostalgiegründen?

Wir denken eher, dass wir das Glück haben, in unserer Musik beide Welten abzubilden und dadurch die Kinder und die Eltern gleichermaßen ins Boot zu holen. Die Kinder fühlen sich oft von den Texten angesprochen, die Eltern von der Musik. Manchmal auch umgekehrt. Aber klar, an den Eltern muss man als Allererstes vorbei, um zu den Kindern zu gelangen. Die entscheiden in den ersten Jahren ja, womit die Kids sich auseinandersetzen.

Wie sehr prägt eure musikalische Vergangenheit den heutigen Sound von Deine Freunde und was wollt ihr bewusst anders machen?

Wir haben manchmal das Gefühl, dass die Musik unseres ganzen Lebens immer auch Deine Freunde beeinflusst, nicht nur unsere eigene musikalische Vergangenheit, sondern alles, was wir je gehört und geliebt haben. Unser Sound ist ein bunter Mix aus allem, was bisher geschah.

Wie entsteht bei euch ein typischer Song?

Sehr chaotisch und jedes Mal wieder ein bisschen anders. Mal gibt es eine Refrain-Idee, mal einen Beat, mal eine kleine Gesangsmelodie oder nur eine einzelne Zeile. Im Studio werfen wir uns dann die Bälle hin und her, und am Ende kommt dabei ein Deine Freunde-Song raus.

Worum geht es in eurem neuen Album “Die Kinder spielen verrückt”?

Um Schluckauf, die richtige Klamottenauswahl, Zugaben, Sprüche wie “Siehste” oder “Ich war’s nicht” und das Lied, das es nicht gibt, das man früher aber trotzdem immer auf dem Heimweg gesungen hat.

Eure erste Fan-Generation wird älter. Inwiefern beeinflusst das eure Inhalte?

Kurz und knapp: gar nicht. Wir sind im besten Sinne hängengeblieben, und zwar in dem Teil der Kindheit, der sich in der Grundschule abspielt. Auf dem Weg zur Pubertät verliert unsere Hydra ein paar Köpfe, dafür wachsen neue mit der Einschulung direkt wieder nach.

Die Kinder reagieren ehrlich und direkt auf euch und eure Live-Auftritte. Ist dieses Feedback eher Fluch oder Segen?

Es gibt keinen wirklichen Unterschied zu einem Erwachsenenpublikum und auch die Reaktionen der Kinder sind für uns die eines ganz normalen Live-Publikums. Der einzige Unterschied liegt in der Höhe der Stimmfrequenz, die ist bei den Kindern wirklich krass. Und während des Einlasses rennen sie ohne Grund im Kreis, so lange, bis es zu voll ist und keiner mehr rennen kann.

Gibt es bei einer Kinderband auch Rock’n’Roll-Momente im Backstage? Was war das Lustigste, das ihr bisher bei euren Konzerten erlebt habt?

Uns sind schon unglaublich viele Fails auf Tour passiert, von Texthängern und ausgefallenen Anlagen über kotzende Kinder bis zu Stolperaktionen auf der Bühne. Einmal ist Pauli wirklich vom Bühnenrand gefallen, Gott sei Dank aber zufällig in die Arme unserer Sicherheitschefin Andrea. Die stand genau richtig.

Ihr habt mit anderen Musiker*innen-Größen zusammengearbeitet, zum Beispiel mit den Prinzen und Christina Stürmer. Ihr alle hattet euren Durchbruch vor rund 30 Jahren. Inwiefern hat sich das Musikbusiness seit den Neunzigern und den Nullerjahren verändert?

Puh, da müsste man sehr weit ausholen, um das wirklich gut zu beantworten. Kurz gesagt: Tonträgerverkäufe brechen ein, erst kommen Downloads, dann Streams, Musik wird unbegrenzt für alle zugänglich. Das hat bestimmt auch Vorteile, für Musiker*innen wird es allerdings sehr viel schwerer bis unmöglich, von der Musik leben zu können. Jetzt kommt noch KI-Mucke und übernimmt die Charts. Wir werden sehen, wohin sich das alles die nächsten Jahre noch entwickelt.

Was habt ihr durch eure Arbeit mit Kindern gelernt und was lehren euch die Kids?

Wir haben gelernt, dass wir Kinder und ihr Leben, ihren Alltag, ihre Sorgen und ihre Freuden ernst nehmen sollten. Sie danken es einem so sehr, wenn man ihnen auf Augenhöhe begegnet und ihre Welt nicht abtut als reinen Kinderkram. Und sie halten so einiges aus und sind bereit, sich auch mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen.

Wenn ihr heute noch einmal bei Null anfangen würdet: Würdet ihr etwas an eurem Konzept “Kinderpop” anders machen?

Nope.

Was ist das Wichtigste, das Eltern ihren Kindern neben gutem Musikgeschmack mitgeben sollen?

Liebe und Vertrauen.


Live-Termine


Deine Freunde - "Kindsköpfe im Park"

31. Mai 2026 | Wien, Arena Open Air


Infos auf dem Stand vom 06.05.2026  

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