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Konzerte

A.A. Williams: "Verlier dich in der Musik"

04.02.2026 von Sebastian Fasthuber

Willkommen in der tief melancholischen Welt von A.A. Williams! Die englische Sängerin und Multiinstrumentalistin vereint in ihren Songs aufs Schönste Post-Rock, Klassik und Metal. In Österreich war sie erst einmal live zu Gast, 2019 im Vorprogramm von Cult Of Luna in der Arena. Nun kommt sie erstmals als Headlinerin nach Wien - in gut zwei Wochen ins Chelsea!

“Nur selten kann ich mich an Auftritte erinnern”, sagt A.A. Williams im Gespräch: Dieser Zustand der Entrückung hat freilich nichts mit dem Einsatz von Rauschmitteln zu tun. Die englische Musikerin mit einer Vergangenheit als klassische Cellistin und einem Faible für Streicherarrangements geht einfach voll in ihrer Musik auf - und kann sich darin verlieren. Auch beim geneigten Hörer üben ihre schwermütigen Songs diese intensive Wirkung aus.

In den letzten Jahren hat Williams sich u. a. als Support Act von The Sisters Of Mercy langsam einen Namen gemacht. In Österreich war sie erst einmal, 2019 im Vorprogramm von Cult Of Luna, zu erleben. Am 21. Februar spielt sie nun ihr erstes eigenes Konzert hierzulande, ereignen wird es sich im Chelsea in Wien: Für Freunde aus dem breiten Spektrum zwischen The Sisters Of Mercy (am 27. Oktober im Gasometer!) und Crippled Black Phoenix (12. Mai, Arena), Emma Ruth Rundle und Chelsea Wolfe, Amenra und GGGOLDDD eigentlich ein Pflichttermin!

Österreich hat eine große Tradition klassischer Musik. Auch Sie sind klassisch ausgebildet. Wie sind Sie überhaupt auf der Rockbühne gelandet?

Ich habe lange als klassische Musikerin gearbeitet, aber nebenbei immer Rock und Metal gehört. Viele Jahre lang war ich froh, dass Spielen und Hören getrennt blieben, doch irgendwann dachte ich mir, ich versuche es einfach mal mit dem Songschreiben und schaue, was passiert. Ich hatte noch nie zuvor Songs geschrieben, und anfangs war es einfach nur ein bisschen Spaß. Eine musikalische Erkundung, eine kleine Herausforderung für mich selbst, um zu sehen, ob ich es kann. Wie sich herausstellte, fand ich einen Ausdrucksweg, von dem ich gar nicht wusste, dass ich ihn brauchte, und fühlte mich sofort von dem Prozess angezogen, da er mir sowohl musikalisch andere Wege aufzeigte als auch ein emotionales Ventil bot.

Haben Sie die Klassik komplett ad acta gelegt, als Sie anfingen, Ihre eigenen Lieder zu schreiben?

Ganz und gar nicht. Ich habe damals noch als Cellistin gearbeitet, sodass beides eine ganze Weile parallel lief. Viele klassische Elemente fließen in meine heutige Musik ein, sodass immer noch Spuren dieser Welt erhalten bleiben, auch wenn sie sich heutzutage eher in der Arbeit an Arrangements und Streicherstimmen zeigen.

Ich denke, diese Seite kommt am deutlichsten auf Ihrer EP “Arco” zum Vorschein, auf der Sie Ihre eigenen Songs neu arrangiert haben. Wie kam es dazu?

Während der Pandemie suchte ich nach neuen Wegen, meine Musik zu interpretieren, und stieß dabei auf die Idee zu “Arco”. Als Cellistin liebe ich die Arbeit mit Streichern, und bevor ich Sängerin wurde, habe ich viele Streicherarrangements gemacht. Daher fühlte es sich ganz natürlich an, es auszuprobieren. Die Umsetzung war allerdings nicht einfach, nicht nur wegen der sehr detaillierten Parts und weil ich alle Elemente der ursprünglichen, selbstbetitelten EP, auf der “Arco” basiert, beibehalten wollte, sondern auch aus logistischen Gründen. Wir haben mitten im Lockdown in Großbritannien aufgenommen und mussten ein riesiges Studio mieten, um den Mindestabstand von zwei Metern zwischen den Musikern einzuhalten.

Sie sind nach dem Ende der Lockdowns intensiv getourt. 2025 dafür gar nicht. Brauchten Sie eine Verschnaufpause?

Überhaupt nicht. Ich habe stattdessen an neuer Musik gearbeitet. Es ist für mich kaum möglich, gleichzeitig zu touren und Songs zu schreiben. Beides ist sehr anspruchsvoll und zeitaufwendig, daher brauchen beide Aktivitäten ihren Freiraum.

Der Auftritt im Wiener Chelsea wird Ihr erstes Österreich-Konzert als Headliner. Wie können wir uns A.A. Williams live vorstellen?

Ich freue mich riesig auf meinen Auftritt in Österreich und kann es kaum glauben, dass ich dort noch nie ein Headliner-Konzert gegeben habe. Ich werde ein Set mit Songs meiner letzten Alben spielen, also ist hoffentlich für jeden Geschmack etwas dabei. Bei meinen Live-Auftritten möchte ich immer eine traumhafte und mitreißende Atmosphäre für das Publikum schaffen und es für eine Stunde in meine Welt entführen.

Wie setzen Sie Ihre komplexen Arrangements mit Streichern und anderen Instrumenten live um?

Wenn die Streicherparts wichtig sind, verwenden wir manchmal ein Playback, damit das Publikum sie erleben kann. Ansonsten passen wir die Instrumentierung gegebenenfalls leicht an. Wir sind zu dritt auf der Bühne. Auf meinem Niveau wäre es finanziell absolut unmöglich, Streicher mitzubringen, aber ich hoffe, dass sich das in Zukunft ändern wird.

Spielen Sie auch Songs von “From Isolation” live, Ihrem fulminanten Pandemie-Album mit intimen Coverversionen von The Cures “Lovesong” oder Radioheads “Creep”?

Nein, ich habe diese Songs bisher überhaupt nur einmal live gespielt. Nach der Pandemie gab ich ein Konzert in London und performte das ganze Album – eine tolle Möglichkeit, diese Zeit sinnbildlich abzuschließen. Wo ich darüber nachdenke, würde ich die Songs aber gerne wieder bringen. Mir gefallen die Arrangements sehr, und ich liebe minimalistische, atmosphärische Musik. Mal sehen.

Als Zuhörer kann man sich in Ihrer Musik richtig verlieren. Passiert Ihnen das bei Konzerten selbst auch?

Ich verliere mich völlig darin. Nur selten kann ich mich an Auftritte erinnern. ich weiß noch, wie ich auf die Bühne ging und wieder von der Bühne kam, aber an das, was während der Show passierte, habe ich keine Erinnerung. Konzerte sind für mich sehr befreiend, besonders wenn ich meine eigenen Stücke spiele. Ich habe eine so starke emotionale Verbindung dazu, dass es mir schwerfällt, beim Spielen nicht sehr viel zu fühlen.

Was inspiriert Sie beim Schreiben? Ihre Stücke sind ja nicht unbedingt traditionelle Popsongs, weil auch Metal, Post-Rock oder eben Klassik darin eine Rolle spielen.

Ich höre viel Musik, aber ich könnte Ihnen nicht genau sagen, welche musikalischen Einflüsse mich prägen. Mein Ziel beim Komponieren ist nicht, etwas zu schreiben, das wie meine Lieblingsband klingt, sondern einen Song mit guten Texten, einprägsamen Melodien und einer Instrumentierung, die den Text optimal ergänzt. Ich sehe das Komponieren eher als musikalische Herausforderung an, jedes Element so gut wie möglich zu gestalten und mich selbst zu verbessern.

Textlich stecken viel Melancholie und Selbstreflexion in den Songs. Verarbeiten Sie eigene Erfahrungen?

In gewisser Weise ja. Ich nutze meine eigenen Erfahrungen als Ausgangspunkt, aber die Themen, die ich behandle, sind Dinge, die jeder auf die eine oder andere Weise erlebt hat: Verlust, Liebe, Verwirrung, Angst, Sehnsucht und so weiter. Ich nehme meine Emotionen und verarbeite sie, um einen Ansatzpunkt zu finden, mit dem sich andere identifizieren können. Ich möchte keine Musik schreiben, die so persönlich ist, dass sich andere nicht darin wiederfinden können, deshalb vermische ich beides ein wenig. Ich bin sicher, wir alle befinden uns auf einer Reise, in der einen oder anderen Form. Je älter ich werde, desto besser verstehe ich mich und andere. Dinge, die mir früher wichtig waren, sind es heute nicht mehr so sehr, und umgekehrt.

Wohin geht die musikalische Reise für Sie? Bislang ist die Musik mit jeder Veröffentlichung etwas härter und rockiger geworden.

Ich weiß es nicht. Jede Platte, die ich mache, ist eine musikalische Entdeckungsreise, und oft weiß ich erst, welche Stimmung ich mit einem Song erzeugen will, wenn ich mit der Instrumentierung beginne. Ich gehe nicht mit einem bestimmten Plan in die Aufnahmen, um härtere Elemente einzubauen, sondern lasse mich einfach von den Songs leiten.

Ist es eigentlich schwer, sich heute als Musikerin die Unabhängigkeit zu bewahren? Sie hatten bestimmt schon lukrative Angebote, in einer x-beliebigen Symphonic-Metal-Band zu singen.

Solange du deine Grenzen kennst und eine klare Vision von dem hast, was du erreichen willst, ist alles möglich. Ich habe keinerlei Interesse daran, meine Musik zu vereinfachen. Ich sehe auch nicht, wie ich dadurch mehr Menschen erreichen sollte. Es gibt zwar einfachere Wege, aber die erfordern künstlerische Kompromisse aus praktischen Gründen. Dafür bin ich nicht zu haben.


Live-Termine


A.A. Williams

21. Februar 2026 | Wien, Chelsea


Infos auf dem Stand vom 04.02.2026  

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