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Album der Woche: The Libertines "All Quiet on the Eastern Esplanade"

06.05.2024 von Jaqueline Waldner

Jede Woche präsentiert ROCK ANTENNE ÖSTERREICH ihr Album der Woche. Diesmal: ein neues Lebenszeichen der Libertines.

Fast schien es so, als wäre das Comeback-Album von 2015 „Anthems for Doomed Youth“ das letzte musikalische Lebenszeichen der Libertines gewesen. Doch die britische Band hat uns eines Besseren belehrt: Nach neun Jahren kreativer Schaffenspause melden sie sich mit ihrem neuen Album „All Quiet on the Eastern Esplanade“ zurück.

Bereits der Eröffnungstrack "Run Run Run" zeigt, dass die Band ihre Vergangenheit reflektieren kann ohne sich dabei allzu ernst zu nehmen. Klar erkennbar an humorvollen Phrasen wie "He can eat more chicken than any man in the land". Ähnlich viel Feuer besitzen Nummern wie „Oh Shit“ oder „Be Young“, die genau dieses selbstbewusste Echo ihrer glorreichen vergangenen Tage, lyrisch als auch musikalisch, einfangen.

Dass Filminhalte eine ergiebige Inspirationsquelle für Songs sein können, beweist „Night of the hunter“. Der Song ließ sich stark vom gleichnamigen Spielfilm aus dem Jahr 1955 inspirieren. Hier wird die Geschichte eines Mannes aufgegriffen, der auf seine Strafe für einen Racheakt wartet: „I’m just calling to tell you, baby / That they’re taking me away for a while.“ Für die musikalische Inspiration ging es etwas weiter zurück, nämlich bis ins 19. Jahrhundert: Das melodische Motiv wurde nämlich von Tschaikowskis „Schwanensee“ übernommen.

Mit „I Have A Friend“ nehmen uns The Libertines mit auf das Feld politischer Auseinandersetzungen und sozialer Ungleichheiten. Dabei nehmen sie auch direkten Bezug auf den Krieg in der Ukraine. Die schnellen Verse und die aggressive Instrumentierung gehen in „I Have A Friend“ nahtlos in den kraftvollen und langsameren Refrain über: „It's hard to theorise / When you are being brutalised / And the tears fall like bombs / Without warning.“

Dass sich Indie-Bands in verschiedenen Genres ausprobieren, ist an sich nichts Ungewöhnliches, daher überraschen einen die genreübergreifenden Ausflüge einer der Kult-Indie-Rockbands auch nicht wirklich. Trotzdem lockern genau diese Abzweigungen in andere Genres das ganze Album etwas auf! So findet sich in „Be Young“ plötzlich eine Reggae-Passage wieder, während „Baron’s Claw“ einen Einschlag zum Jazz aufweist. In „Baron’s Claw“ taucht Doherty genau in diese Jazz-Club-Atmosphäre ein und überzeugt mit seiner souligen, rauchigen Stimme, unterstützt von wohlplatzierten Backing-Chören sowie eindrucksvollen Piano- und Trompeteneinsätzen.

Vom Geist der 1920er geht’s weiter zu einer äußerst sanften Nummer, gestützt fast ausschließlich von Klavier und Gesang: „Man with a Melody“. Hier harmonieren alle Stimmen der Bandmitglieder miteinander und zeigen, dass die Band trotz vergangener Differenzen musikalisch, fantastisch miteinander abgestimmt ist.   

„All Quiet on the Eastern Esplanade“ ist ein sehr gelungenes Album, welches zwar nicht dieselbe Größe wie die Vorgängeralben besitzt, jedoch genau das widerspiegelt, was der Band einst zu ihrem Erfolg verhalf: das Spiel mit Genres, der chaotische jugendliche Leichtsinn, Gesellschaftskritik, durchzogen von einer Spur Melancholie und sehr eingängigen Melodien. Regt zum Nachdenken an und geht ins Ohr!

"All Quiet on the Eastern Esplanade" von The Libertines ist am 8. März über EMI erschienen und im gut sortierten Fachhandel sowie online erhältlich.

The Libertines spielen am 30. Juni im Rahmen des LIDO SOUNDS in Linz. Tickets gibt es bei oeticket.

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