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Konzerte

Reif für die Insel? CA7RIEL & Paco Amoroso schaffen mit "Free Spirit" Abhilfe.

09.04.2026 von Stefan Baumgartner

Reif für die Insel? Die Argentinier CA7RIEL & Paco Amoroso schaffen mit ihrem neuen Album "Free Spirit" Abhilfe und präsentieren mit ihrer wilden Mischung aus Latin Pop, Jazz, Funk und tropischen Rhythmen den Soundtrack für den Frühling (und den Sommer gleich mit).

Nach einem Doppelset beim Glastonbury Festival machte vergangenes Jahr das virale Duo, CA7RIEL & Paco Amoroso, auch beim LIDO SOUNDS in Linz Halt und lieferte eine explosive Show zwischen Diva- und Rockstarimage: Bekannt wurden sie durch eine Tiny Desk Session bei NPR - sie lieferten dort eine durch und durch entertainende Latin-Jazz-Fusion-Version ihrer quirky Nummern, noch dazu in extravaganten Outfits. Das Video wurde zum meistgesehenen Tiny-Desk-Konzert überhaupt im Jahr 2024 - ein klassischer Hype also, nicht unähnlich zu den Kanadiern Angine De Poitrine in diesem Jahr. Ob Angine De Poitrine ihrem Hype auch live gerecht werden, davon wird man sich in Europa erst im Herbst überzeugen können - die Argentinier jedoch bewiesen bereits am LIDO SOUNDS mit ihrer formidablen Show mit Live-Percussion, Bläsern und Keys ihre Qualitäten.

Ihre Brillanz fußt darauf, dass ihnen Genres herzlich wurscht sind: Ihre Show is ein Mix aus beschwingtem Latin Jazz und Funk, gepaart mit Electro-Trap, Funk Rock aber auch Metal-Ästhetik, für Überraschungen ist also nach jeder Note gesorgt. Dabei sind sie immer tanzbar, meistens ziemlich sexy - fürs sommerliche LIDO SOUNDS also der perfekte Soundtrack. Seitdem sind einige Monate ins Land gezogen, ihr Debütalbum “Baño María” von 2024 ist zwar noch nicht vergessen (und “Papota”, die EP von vergangenem Jahr noch weniger), aber seit Mitte März ist nun auch der Nachfolger “Free Spirits” da, der treffender nicht betitelt hätte werden können.

Natürlich: Genre-Hybride sind gerade in der lateinamerikanischen Musik nichts Neues (man denke da etwa auch an Rosalía und ihrem “Lux” aus vergangenem Jahr) - doch Timing und Umsetzung heben CA7RIEL & Paco Amoroso auch weiterhin ab - ebenso wie ihre erneut dokumentierte unheimliche Fähigkeit, unvorhersehbaren Internet-Absurdismus in echt coole Songs zu verwandeln, getragen von präzisem musikalischem Handwerk und lässige Rock’n’Roll-Attitüde. Eine Eintagsfliege sind sie definitiv nicht, sie sind gekommen, um zu bleiben.

Dabei wäre es fast anders gekommen: Der Hype setzte den beiden Herren stark zu, von einem Burnout wird gesprochen. Denn erst im Dezember wurde ihr zweites Album - damals noch unter dem Titel “Top Of The Hills” - verschoben. Als Begründung gaben sie an, vom Ausmaß an Aufmerksamkeit “mitgerissen” worden zu sein und eine Pause zu brauchen. Doch drei Monate später ist das Album nun doch da: ein wildes Mixtape mit hunderten Meta-Ebenen, das genau diese persönlich erlebten Höhen und Tiefen nachzeichnen soll. Auf der Platte suchen CA7RIEL & Paco Amoroso nach ihrem inneren Kompass nach dem globalen Durchbruch: War ihr Debüt “Baño María” noch eine ziemlich kohärente, lebendige Fantasie, wirkt “Free Spirits” eher wie eine Collage.

Das Thema Burnout umkreisen die beiden auf “Free Spirits” immer wieder - und sie scheuen sich nicht, an den eigenen Wunden zu kratzen. “Wenn ich nicht aufhöre, explodiere ich (…) Wenn ich mich weiterdrehe, sterbe ich", heißt es da etwa im Disco-Hit “Muero”. Im House-Track “No Me Sirve Más” protzen sie zwar mit Geld, gestehen aber zugleich: “Je mehr ich habe, desto schlechter fühle ich mich.” Selbst die Ballade “Vida Loca” ist von Ruhm-Müdigkeit durchzogen: “Berühmt zu sein ist schrecklich, ich wünschte, ich könnte ein Hippie sein”, seufzt da Paco Amoroso.

Aber dennoch ist das Album kein Trauerspiel, am stärksten ist es freilich dann, wenn es voll aufs Gaspedal tritt: “Ha Ha”, das Palito Ortegas Hit “La felicidad” aus dem Jahre 1967 sampelt, entwickelt sich von einer blechbläsergetriebenen Slow-Jam-Nummer zu einem basslastigen Rock-Rave. “Gestern hätte ich mich fast umgebracht - aber heute geht es mir besser”, heißt es auch hier - balancierend zwischen Absturz und Euphorie. Auch Anderson .Paaks Gastauftritt - neben Sting (!), Jack Black und Fred Again.. nur einer von vier Gästen - bei “Ay Ay Ay” ist bemerkenswert: ein herrlich dreckiger, ausgelassener Track, der karibischen Flair verströmt, bevor er in einen nebligeren, klar von .Paak geprägten R&B-Groove kippt. Der Closer “Lo Quiero Ya!”, übrigens die bereits zweite Zusammenarbeit mit Fred Again.., sticht ebenfalls hervor - als eine Art große Schwester ihres kreischenden Techno-Club-Bangers “Ola Mina XD” aus dem Jahr 2019.

CA7RIEL & Paco Amoroso beschreiben “Free Spirits” selbst als “komplex, spaßig, ehrlich, mit ein bisschen von allem” - und tatsächlich wird es der inhaltlichen Schwere zum Trotz diesem Anspruch durchaus gerecht, feiert kongenial federleichte Ungebundenheit, insbesondere weil man hie und da auch einigen absurden Gaga-Momenten Raum gibt: “Free Spirits” ist maximal aufgedreht und überdreht und entlädt sich in kathartischen Ausbrüchen - bildlich gesprochen klingen CA7RIEL & Paco Amoroso hier so, wie sich eine überfüllte Rooftop-Party mit viel Koks und Champagner anfühlen muss. Dieses rastlose Gefühl nehmen wir gern über den Frühling hinaus in den Sommer mit, bevor CA7RIEL und Paco Amoroso Ende September in der Raiffeisen Halle im Gasometer nochmal einen Paukenschlag setzen!


Live-Termine


CA7RIEL & Paco Amoroso - "Free Spirits"

23. September 2026 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer


Infos auf dem Stand vom 09.04.2026  

Tickets CA7RIEL & Paco Amoroso
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