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Konzerte

Als es kein Limit gab

03.05.2023 von Sebastian Fasthuber

"No, no, no-no, no, no, no-no, no, no, no-no there’s no limit!“ Ein Lied, der sich im Text auf die zigfach wiederholte Aussage beschränkt, dass kein Limit existiert, passt natürlich wunderbar in den aktuellen Werbespot eines Mobilfunk-Anbieters. Die Jugend findet diesen trashigen Sound schon wieder cool und die Eltern dürfen nostalgisch an ihre Jugend zurückdenken. Denn damals bestimmte mitnichten nur Nirvana den Zeitgeist. Sondern auch Eurodance.

Eine Armee lieber anonym bleibender Produzenten aus Deutschland, den Niederlanden, Italien und Schweden dominierte über einige Jahre die Hitparaden. Eurodance war so etwas wie der hässliche kleine Bruder von Techno. Während dessen Protagonisten sich um besonders ausgefallene, coole Klänge bemühten, agierten Acts wie 2 Unlimited, Snap oder Mr. President nach dem Motto: Stumpf ist Trumpf. Nur keine Feinheiten, stampfende Beats und eine kleine Melodie, die sich tief ins Hirn rein gräbt, sind weit effektiver.

Die Männer im Hintergrund schickten hübsche Sängerinnen und Rapper nach vorne, um die Songs via Musikfernsehen zu verkaufen. Ein genial einfaches Rezept, das funktionierte. Der Markt für Tonträger war schließlich noch in Ordnung. Mehr als das: Er brummte. Maxi-CDs waren das Medium der Stunde. Keine der genannten Acts versuchte auch nur ernsthaft, ein schlüssiges Album aufzunehmen. Es war einträglicher, die Songs einzeln und in zig Remixes gern auch mehrfach zu verkaufen.

Aus heutiger Sicht muss man nicht einmal die rosarote Brille aufzusetzen, um zu sehen, was für eine paradiesische Zeit die 90er-Jahre in gewisser Weise waren. Eine Zeit lang wirkte es tatsächlich, als gäbe es kein Limit. Die Berliner Mauer war gerade gefallen, die Zeichen standen auf Aufbruch. Alles schien möglich. Die einen machten aus dieser Erkenntnis schnell gute Geschäfte, Andere erfreuten sich einfach an der scheinbar grenzenlosen Freiheit und diversen technischen Neuerungen. Mit den Worten des Popkulturforschers Jens Balzer, von dem demnächst das Buch „No Limit. Die Neunziger – das Jahrzehnt der Freiheit“ erscheinen wird: „Die Welt rückte zusammen, und sie vernetzte sich. Die ersten Knoten des World Wide Web wurden geknüpft, die ersten Suchmaschinen programmiert. In Berlin wurde Techno zum Soundtrack der Wiedervereinigung, Neonfarben beherrschten das Bild, Piercings und Tätowierungen eroberten den Mainstream, das Arschgeweih geriet zum stilistischen Symbol der Dekade.“

No Limits auf der Donauinsel

Wie viele Arschgeweihe sich wohl am 26. Mai auf der Wiener Donauinsel einfinden werden? An dem Tag steigt dort das 90’er Festival. Die Botschaft der Veranstalter an die potenzielle Gästeschaft ist eindeutig: „Begleite uns zurück in die geilste Zeit deines Lebens!“ Mit Viva-Moderator Mola Adebisi moderiert ein leibhaftiger Zeitzeuge die Zeitreise. Auf der Bühne wechseln sich Eurodance-Acts, Boybands, Girlbands und One-Hit-Wonder ab, um jeweils ein paar Nummern zu performen. Die Liste ist lang, sehr lang sogar.

Snap! werden demonstrieren, dass sie immer noch die Power haben. Dr. Alban grüßt wieder mal Afrika und wird auch seinen zweiten großen Erfolg „It’s My Life“ zum Besten geben. Zu erleben sind auch die einstigen Bad Boys beziehungsweise Schnuckel von East 17 und Caught in the Act, deren Poster einst in unzähligen Mädchenzimmern überm Bett hingen. Rednex werden mit US-Südstaaten- und Wildwest-Klischees spielen: Ihr „Cotton Eye Joe“ war nicht nur einer der größten kommerziellen Erfolge der Neunziger, sondern ist auch danach nie wirklich von zünftigen Party-Playlists verschwunden. Aus heutiger Sicht muss man sagen: Ein Klassiker. Whigfield wird von „Saturday Night“ trällern und No Mercy daran erinnern, „How Bizarre“ doch alles ist. Und sogar Corona wird sich auf die Bühne wagen: Der Italo-Act hatte 1994 mit „The Rhythm of the Night“ einen weltweiten Discohit.

No Limits in Kärnten

Wenn der Sommer schon vorbei ist, sorgt Antenne Kärnten am 22. September noch mal für Hitze. 90’s Live im Geopark Naturarena Sonnegger See weist drei Überschneidungen mit der Sause auf der Donauinsel auf: Rednex, Snap! und Dr. Alban werden auch in Österreichs südlichstem Bundesland auftreten. Davon abgesehen, verfolgt 90’s Live ein anderes Konzept, das eigentlich untypisch für das Jahrzehnt ist, um das es geht: Weniger ist mehr. Die Veranstaltung lässt die Eintagsfliegen weg und konzentriert sich auf fünf Acts, deren Karriere etwas länger währte und die dementsprechend auch mehr Repertoire haben, um das Publikum zu unterhalten.

Mit dabei ist auch Haddaway, der seit 30 Jahren über die (allerdings auch sehr knifflige Frage) „What Is Love“ nachdenkt. Eine Mörderstimme hat der seit geraumer Zeit in Kitzbühel lebende Sänger immer noch. Er scheint auch ein ziemlich lässiger Kerl zu sein, wie etwa eine Kollaboration mit Österreichs DJ-Export Wolfram vor ein paar Jahren bewies. Weiters mit von der Partie sind Mr. President. Der deutsche Eurodance-Act bewies damals, dass es auch ohne Technobeat geht und schuf mit der karibisch angehauchten Nummer „Coco Jambo“ einen fiesen Ohrwurm.

Würden sich auch noch die Getränkepreise bei den beiden Events wie vor 30 Jahren gestalten, dürfte man sich fast wie im Paradies fühlen und würde die letzten Schillinge aus Omas Kasten holen. Aber leider gibt es eben doch: Limits.

90’er Open Air

Das 90’er Open Air findet am 26. Mai auf der Donauinsel statt, mit Baller Island und Electronic Island werden gleich noch zwei Party-Nächte nachgeschoben. Tickets gibt es bei oeticket.com.

Line-up:

Snap!, Dr. Alban, Caught in the Act, East 17, Rednex, Masterboy & Beatrix Delgado, Whigfield, Magic Affair, Atomic Kitten, La Bouche, No Mercy, Corona

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90’s Live

Das 90’s Live findet am 22. September am Sonnegger See statt. Tickets gibt es bei oeticket.com.

Line-up:

Haddaway, Mr. President, Dr. Alban, Rednex, Snap!

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