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Konzerte

Anna F.: Freak Bird? Free Bird? Friedberg!

13.11.2024 von Sebastian Fasthuber

Am Beginn ihrer Karriere machte sie als Anna F. Musik. Seit einigen Jahren steht die in London lebende Österreicherin der Band Friedberg vor. Nun erscheint endlich das Debütalbum „Hardcore Workout Queen“ und es geht auf die erste eigene Tour. Ein Gespräch über Perfektionismus, die Suche nach dem richtigen Vibe und den langen Weg nach oben.

Du hast zuletzt 2014 unter dem Namen Anna F. die Platte „King In the Mirror“ veröffentlicht. Wie konnten zehn Jahre bis zum nächsten Album vergehen?

Auf Covid kann ich es nicht schieben, es liegt schon vor allem an mir. Zuerst hat es Zeit gebraucht, um alles neu zu ordnen. Ich musste den Sound von Friedberg finden und ausprobieren, was ich eigentlich machen will. Ich habe die Band zusammengestellt und ein gutes Team gesucht. Und dann bin ich halt leider eine superkrasse Perfektionistin.

Wie äußert sich das?

Ich habe von jedem Song tausend Versionen gemacht. Immerhin habe ich etwas daraus gelernt: Die ersten Fassungen von Songs sind oft schon sehr nah an dem dran, wie sie klingen sollen. Oft bin ich am Ende dazu zurückgekehrt und habe nur die Drums neu aufgenommen. Der erste Vibe eines Songs ist wichtig, auch wenn die Aufnahme vielleicht schlecht ist: es geht um den Charme.

Ist es nicht frustrierend, jahrelang an Songs zu tüfteln, bis die Welt sie endlich zu hören bekommt?

Komischerweise bin ich da relativ geduldig. Ein Song muss genau so klingen, wie ich ihn haben will. Erst dann darf er raus in die Welt.

Mich hat Friedberg vor allem live an die New Yorker Dancerock-Band LCD Soundsystem erinnert.

Cool, das ist meine Lieblingsband. Ich mag diese Mischung aus Rock und Dance einfach. Die Drums dürfen dafür nicht zu rockmäßig gespielt werden, sondern mit einem Dance-Vibe. Ich habe LCD Soundsystem gerade live gesehen. Die überlassen nichts dem Zufall und betreiben einen irren Aufwand. Sie schleppen Unmengen von Synthesizern auf die Bühne. Das zahlt sich im Sound aber aus.

Popsongs werden im Streaming-Zeitalter immer kürzer, eure Songs sind dafür richtig lang. Zufall oder Absicht?

Das ist so passiert, ich finde zum Beispiel auch Krautrock cool. Dieses Genre lebt davon, dass ein Song immer weitergeht und man dadurch reingezogen wird. Das funktioniert nicht mehr, wenn man drei Minuten wegschneidet.

Du hast eine ziemliche Odyssee hinter dir, von Wien über Berlin und Los Angeles nach London. Bist du jetzt angekommen?

Ankommen ist gar nicht so mein Ding. Ich bin lieber unterwegs. Aber ich finde die Stadt inspirierend. In jedem Pub spielen super Bands, es gibt geile Ausstellungen und Theaterinszenierungen. London ist aber auch sehr hektisch. Ich weiß nicht, ob ich es auf Dauer aushalte. Die Stadt hat eine krasse Energie. Aber auch der Druck, die Miete zahlen zu können, ist groß. Vor Ort zu sein ist auf jeden Fall gut, um hier auch wahrgenommen zu werden. So kriegt man eher Konzerte oder läuft auch mal auf BBC Radio 6. Andererseits finde ich es manchmal schade, so weit weg von Wien zu sein. Hier ist in den letzten Jahren so eine coole Szene entstanden. Leider bin ich nicht vor Ort und deshalb auch kein Teil davon.

Was war überhaupt der Grund, unter anderem Namen neu zu starten?

Normalerweise hat man zuerst eine Band und dann eine Solokarriere. Ich habe es umgekehrt gemacht. Es war nicht geplant. Ich habe vor einigen Jahren angefangen, neue Sachen zu schreiben. Damals dachte ich, ich mache ein neues Album als Anna F. Dann hat die Musik ganz anders geklungen, viel gitarrenlastiger. Ich habe es meiner Plattenfirma Universal Deutschland vorgespielt und insgeheim gehofft, dass sie mich droppen. Haben sie dann auch. Dadurch konnte ich neu starten. Witzigerweise hatte ein Engländer die Idee mit Friedberg als Namen. Ich mag ihn. Nur manchmal ist er nervig, weil ihn im englischsprachigen Raum fast niemand versteht. Die glauben, die Band heißt Freak Bird oder Free Bird.

Nie bereut, das Major Label verlassen zu haben für eine Indie-Karriere?

Überhaupt nicht. Es ist sehr angenehm, mit einem kleinen Label zu arbeiten. Aber es ist auch wichtig, ein Team zu haben. Man kann nicht alles selbst machen. Musik ist jetzt schon ein leider sehr kleiner Teil meiner Arbeit.

Theoretisch kann der Sound von Friedberg auf der ganzen Welt funktionieren. Auf welche Regionen konzentriert ihr euch?

Das Hauptaugenmerk ist auf Großbritannien, Deutschland, Österreich und den USA. Das sind unsere Fokusmärkte, wie man das nennt. Im nächsten Schritt werden wir es vielleicht auf Frankreich ausweiten.

Ist es sich für dich immer ausgegangen, von der Musik zu leben?

Ja, irgendwie. Aber nur, weil ich ab und zu auch einen Film gedreht habe. Oder einen Verlagsvertrag unterzeichnet habe. Sonst nicht. Jetzt müssen wir aufs nächste Level.

Was ist das nächste Level?

Der Albumrelease und die erste eigene Tour. Wir haben wahnsinnig viel gespielt, aber fast nur auf Festivals oder Support Shows von Hot Chip oder Placebo. Das hört sich super an, aber als Support Act verdient man nichts. Man zahlt sogar noch drauf. Ich habe viel Zeit damit verbracht, Förderansuchen für Tourneen zu schreiben. Im Dezember spielen wir endlich unsere erste eigene Tour mit Einzelshows. Keine Ahnung, ob wer kommt. Wir hoffen schon.

+++ Eine kleine Auffrischung: Anna F. +++

Anna F. (eigentlich Anna Wappel) wurde 1985 im steiermärkischen Friedberg geboren. Sie spielte bereits im Vorprogramm von Lenny Kravitz, James Blunt, Placebo und AnnenMayKantereit. Seit 2018 musiziert sie unter dem Banner Friedberg, die Band komplettieren Emily Linden (Gitarre, Gesang), Cheryl Pinero (Bass, Gesang) und einer fluiden Besetzung am Schlagzeug. Am 8. November erschien das Debütalbum „Hardcore Workout Queen”.

Das Album hört ihr auf Spotify, Friedberg findet ihr auf Instagram.


Live-Termine


FRIEDBERG

Dienstag, 10. Dezember | Rockhouse, Salzburg
Mittwoch, 11. Dezember | Conrad Sohm, Dornbirn
Donnerstag, 12. Dezember | Posthof, Linz
Freitag, 13. Dezember | ppc, Graz
Samstag, 14. Dezember | Flex, Wien

Infos auf dem Stand vom 13.11.2024  

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