Bild: CONSTANTIN Filmholding GmbH
Das ist definitiv (k)ein Steckerlfischfiasko: In Niederkaltenkirchen kiffen und ermitteln sie, oder verkaufen Leberkäs-Semmerln. In Österreich: nicht. Da schlüpfen Papa Eberhofer, Rudi Birkenberger und Metzger Simmerl in andere Rollen.
Mit den Eberhoferkrimis hat die deutsche Autorin Rita Falk einen wahren Hype ausgelöst, der ihr unter anderem sogar 2023 den Österreichischen Krimipreis einbrachte: In mittlerweile dreizehn Büchern – durchaus knackig von “Leberkäsjunkie” bis “Kaiserschmarrndrama” betitelt – ermittelt sich da seit 2010 Franz Eberhofer durch teils überaus absurde Morde im bayerischen Niederkaltenkirchen. Eberhofer war zuvor eigentlich Polizeihauptmeister in München, wurde aber in die Provinz strafversetzt: Er leidet – und das hat ihm auch die Versetzung eingebracht – unter mangelnder Impulskontrolle und unter einem zu hohen Cholesterinspiegel – seine Ernährung besteht nämlich, wie in Bayern so üblich, zu großen Teilen aus Leberkäse und Bier.
Neben den Kriminalfällen selbst stehen aber auch sein Umfeld im Mittelpunkt: Dazu gehören seine rüstige, deftig aufkochende Oma, sein dauerbekiffter Vater, seine resche Freundin Susi, seine durchgehend angetrunkenen Freunde Ignaz und Simmerl, sowie sein Ex-Kollege Rudi, der mittlerweile als Privatdetektiv tätig ist. Am 12. August läuft nun der zehnte Film “Steckerlfischfiasko” in den Kinos an, die Verfilmung des zwölften Bandes aus dem Jahre 2023.
Man ahnt es: Auch im “Steckerlfischfiasko” steht ein Mord im Mittelpunkt des Geschehens - allerdings ist nicht, wie es der Name vermuten lässt, eine Wasserleiche angeschwemmt worden, vielmehr hat es den Vereinschef des nicht sonders beliebten, mondänen Golfplatz lethal erwischt. Das ruft natürlich erneut die altbekannten und beliebten Figuren auf den Plan: Eberhofer zur Seite steht wie gewohnt sein Spezi Rudi Birkenberger, der erneut von Simon Schwarz gespielt wird.
Allerdings ist der Mord nicht das einzige Problem von Franz Eberhofer: Weil die Oma ist nämlich zur Kur und kocht deswegen nicht - also wird er bei seinem besten Freund, dem Fleischermeister Simmerl, der von Stephan Zinner gespielt wird, viel mehr Leberkässemmeln kaufen müssen als sonst ohnehin schon. Und vermutlich wird sein dauerbekiffter Vater - kongenial: Eisi Gulp - auch diesmal wieder mit seinen Launen, mit seinen Spleens querbeet schießen, dass die Hälfte eigentlich schon genug wäre.
Auch wenn die Rollen Simon Schwarz, Stephan Zinner und Eisi Gulp seit zehn abendfüllenden Filmen wie auf den Leib geschneidert scheinen: Natürlich brillieren die drei Herren auch über die Eberhofer-Krimis hinaus!
Simon Schwarz ist einer der bekanntesten österreichischen Schauspieler: 2013 und 2014 spielte er etwa den Teufel in der “Jedermann”-Inszenierung bei den Salzburger Festspielen, außerdem kennt man ihn auch aus drei der vier Haas-Verfilmungen mit Josef Hader in der Hauptrolle, “Komm, süßer Tod” (1998), “Silentium” (2004) und "Der Knochenmann (2009). Und natürlich aus den bisher zehn Eberhofer-Verfilmungen: So kongenial wie das Zusammenspiel zwischen Sebastian Bezzel (Franz Eberhofer) und Simon Schwarz (Rudi Birkenberger) ist, so passen aber auch Manuel Rubey und Simon Schwarz wie “Arsch auf Eimer” - und das sowohl im gemeinsamen Podcast, als auch auf der Kabarettbühne.
Dabei hätte es dieses Duo fast gar nicht gegeben, obwohl sie bereits seit gut anderthalb Jahrzehnten befreundet sind: Bei einem Spaziergang hatte Manuel Rubey die Idee geboren, ein gemeinsames Kabarettprogramm zu entwickeln. Nachdem Simon Schwarz schon lang nur im Fernsehen, nicht aber auf der Bühne zu sehen war, geriet er natürlich ins Grübeln: Schließlich war der Deal, dass er ein Bühnen-Comeback wagt, wenn Manuel Rubey dafür mit ihm gemeinsam einen Podcast macht. Das Ergebnis war dann (das übrigens großartige!) “Das Restaurant”, das im Jänner 2024 Premiere feierte - und ebendort am 17. November nun seine Derniere feiert.
Aber keine Sorge, Simon Schwarz und Manuel Rubey haben schon den Nachschlag in petto: Ab Herbst läuft ihr Zweitling “LIEBE” an. Darin beweisen die beiden Herren, dass Gegensätze sich anziehen, das Herz aus einem Ying und einem Yang besteht: Denn Simon lebt im Sauseschritt, frühstückt am liebsten Chili pur und roh und steht sogar vor dem Weckerklingeln auf. Manuel hingegen, der findet Hemdenbügeln schon extrem, liebt Notizen und sein Archiv. Aber mehr noch als ihre eigenen Bedürfnisse, lieben sie sich gegenseitig – und stellen damit ein wunderbares Kontrastprogramm zur tatsächlichen Welt auf die Bühne: Denn nicht nur die Demokratie, sondern auch der Respekt und die daraus resultierende Liebe befinden sich, bekanntlich, allerorts in einer Krise. Vielleicht können wir es dank der beiden Herren schaffen, uns auch außerhalb der Kabaretthäuser den Alltagskatastrophen zum Trotz wieder für die Liebe zu entscheiden? Die Zukunft würde es uns danken.
Der Deutsche Stephan Zinner ist nicht nur Schauspieler - dereinst im Ensemble des Salzburger Landestheaters, später bei natürlich den Eberhoferkrimis, aber auch bei den Rosenheim-Cops und Polizeiruf 110 -, sondern auch Kabarettist und Musiker: Während er an der Seite vom Franz Eberhofer als Fleischermeister Simmerl auch manchmal seine liebe Not hat, hat er auch musikalisch den Blues.
Was nicht bedeutet, dass er niedergeschlagen ist, nein, ganz im Gegenteil: Denn mit der, dem Blues eigenen Energie geht er auf eine Reise zu den Wurzeln des Blues. Und diese Wurzeln liegen nicht wie viele denken, ausschließlich im Mississippi-Delta im Süden der USA, nein, sie liegen auch in Trostberg in Oberbayern. Dort ist Stephan Zinner nämlich geboren und aufgewachsen, hier begann auch seine Karriere als Schauspieler und Kabarettist.
Dort gibt es zwar keine Baumwoll-, sondern Maisfelder, und den Teufel trifft man dort nicht an der Kreuzung, sondern in der Sparkasse am Eck, getrunken wird kein Bourbon, sondern Rüscherl (Rumcola), aber das “Weibsvolk” (darf man das im ruralen Bayern noch sagen?) bringt einen auch dort zur Verzweiflung, die Arbeit ist hart, die Reichen sind reich, die Armen sind arm und nur die Musik kann einen retten. Also, nimmt Zinner die Gitarre in die Hand und wird mit der Unterstützung eines wahren Teufelskerls namens Peter Pichler den Blues jaulen, den Gospel predigen und tanzen, dass es dem Satan ganz schwindlig werden wird.
Der kiffende Papa Eberhofer ist ohne Spaßzigarette und im wirklichen Leben (bürgerlich: Eisi Gulp, eigentlich Werner Eisenrieder) ein wahrer Allrounder - er ist Schauspieler, Komiker, Pantomime und sogar Akrobat! Natürlich: Vermutlich ist er zwar erst mit den bisher bald zehn Eberhofer-Verfilmungen einem breiten Publikum bekannt geworden, aber seit 2015 spielt er auch in der Serie “Dahoam is Dahoam”, hat in einer "Bulle von Tölz"-Folge ("Sioux City") mitgespielt, bei den Rosenheim-Cops und im “Forsthaus Falkenau”.
Als vielseitiger Komiker und Kabarettist setzte er sich mit seinem Programm “Hackedicht oder was” für die Drogenprävention an vielen Schulen ein und erhielt das Prädikat “pädagogisch wertvoll” - Papa Eberhofer würde da wohl die Nase rümpfen und einen rauchen. Aber sein soziales Engagement geht darüber hinaus: Durch die Heirat mit seiner - inzwischen von ihm geschiedenen - Frau, die ursprünglich aus dem südostafrikanischen Malawi stammt, hat er sich häufig dort aufgehalten und bereits Mitte der Achtziger ein großes Anwesen gekauft. In der Nähe entstand für die dort lebenden Kinder eine Schule, die später in ein Waisenhaus umgewandelt wurde.
Nach vielen Jahren in Film und Fernsehen meldet er sich nun wieder mit einem brandneuen Kabarettprogramm zurück, und zwar mit dem “Tagebuch eines Komikers”: Darin präsentiert er sich überaus sprachgewaltig und jongliert mit Wortwitz, Mimik und Bewegungen, während er auf höchst unterhaltsame Weise Anekdoten aus seinem Leben erzählt. Da werden die Lachmuskeln wohl strapaziert werden - und mit etwas Glück gibt es auch noch seine legendären Tanzeinlagen (er studierte übrigens in New York und in Paris!) zu bestaunen!