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Deichkind: neues Album, Single & Livetermin

18.08.2022 von Stefan Baumgartner

Deichkind kündigt ihr achtes Album "Neues vom Dauerzustand" für den 17. Februar 2023 an. Die erste Single „In Der Natur“ verbindet hintersinnige Jodelkunst mit abstrakter Zivilisationskritik und ist soeben erschienen. 

Vordergründig geht es in der von einer Spur Fatalismus durchzogenen neuen Deichkind-Single „In Der Natur“ um das seltsam naive Verhältnis vieler Großstädter zur Natur: Anstelle der ersehnten sogenannten Entschleunigung findet der urbane Hipster-Protagonist des Songs auf seinem Naturtrip „kein Konto und kein‘ Gott“, sodass er sich schnell zum Berliner Hermannplatz zurückwünscht. So entwickelt sich ein bis zu der Katharsis im Mittelteil minimalistisch instrumentiertes Raunen, das zunächst in der traurigen Erkenntnis mündet: „Ich hänge hier im Wald rum, ohne Hafermilch und Heizung.“

In dem begleitenden Video sehen wir einen Drohnenhund und viele andere seltsame Gestalten, von denen jede einen weiteren Link, ein weiteres Thema setzt, bis am Ende all diese Metaphern und Zitate kongenial in einer perfekten Symbiose aus Bild, Musik und Text verschmelzen. Die darbende Natur wird dabei als ein mindestens suspektes, bisweilen gar feindliches Umfeld inszeniert, dem man sich nur im Schutzanzug aussetzen sollte – und zum Schluss fällt sogar noch dem grotesken Riesentische von Wladimir Putin eine tragende Rolle zu.

In Franklin J. Shaffners Film „Planet der Affen“ aus dem Jahre 1968 reitet der Protagonist am Ende mit seiner Begleiterin einen einsamen Strand entlang und erblickt die von Sandverwehungen überdeckte Freiheitsstatue. Die berühmte Schlussszene war inspiriert von der damals omnipräsenten Angst vor einem möglichen Atomkrieg – und ist somit heute wieder traurig aktuell.

Einen ähnlich nachhaltiger Moment schaffen nun auch Deichkind, wenn Porky am Ende des Videos zu „In Der Natur“ ein eindrucksvolles „Planet der Affen“-Zitat gelingt. Deichkind machen damit eine weitere Bedeutungsebene eines Songs auf, den man auch sonst als zivilisationskritische Parabel lesen kann. In typisch doppelbödiger Deichkind-Manier, aber ohne jeglichen Klamauk, gelingt der Band mit „In Der Natur“ ein bedrückender Kommentar auf den russischen Angriffskrieg auf die Ukraine ebenso wie auf Waldsterben und drohende Klimakatastrophe.

In der nunmehr 25-jährigen Karriere der Band reihen sich Gold- und Platinalben sowie unzählige Hits aneinander, mit Slogans wie „Leider Geil“ prägten Deichkind unsere Sprache, den kollektiven Irrsinn ihrer als Konzerte getarnten "Kindergeburtstage für Erwachsene" zelebrierten sie bei unzähligen Tourneen und Festivalauftritten vor Hunderttausenden. Deichkind sind nicht zu erfassen – und clevere Großmeister der Dekonstruktion. So besteht etwa der Refrain von „In Der Natur“ aus einem Jodeln und Deichkind gelingt es tatsächlich, diesem klischeeübersättigten Inbegriff der volkstümlichen Brauchtumspflege eine tiefgründige Wehmut einzuverleiben.

Auch wieder so ein vermeintlicher Gegensatz also, aus dem Deichkind mit "In Der Natur" große Kunst destillieren. Die Gesellschaftskritik von Deichkind funktioniert so gut, weil sie nicht von der Tribüne kommt und schon gar nicht aus dem Elfenbeinturm. Deichkind meinen immer auch sich selbst, wenn sie über die Zumutungen der Gegenwart spotten – und dabei wie im Vorbeigehen noch die vermeintlich sperrigsten Themen in potenzielle Hits kleiden, die man auf Anhieb mitsingen möchte.

"In Der Natur" zeigt: Sie werden dabei immer besser, präziser, bissiger. Gut also, dass es endlich wieder losgeht. Mit dem achten Deichkind-Album "Neues vom Dauerzustand", das am 17. Februar erscheinen wird. Außerdem wird die Band im Sommer 2023 live zu sehen sein, auch in Wien.

Deichkind gastieren 2023 wieder in Österreich! Tickets gibt es auf oeticket.com.

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