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Die Ausstellung “House Of Banksy” eröffnet am 23. Oktober in der Wiener METAStadt. Kuratorin Virginia Jean erklärt vorab im Gespräch die Wirkungskraft seiner Kunst und die Notwendigkeit seiner Anonymität, sowie über ihre kapitalistische Gratwanderung auf.
Ab dem 23. Oktober gibt es die Ausstellung “House of Banksy - An Unauthorized Exhibition” in der Wiener METAStadt zu erleben. Da erwarten das Publikum auf rund 1.700 Quadratmetern fast 200 Motive des gefeierten Street-Art-Künstlers - darunter auch seine neuesten Arbeiten aus der Ukraine. Graffitis, Fotografien, Skulpturen, Videoinstallationen und Drucke auf verschiedenen Materialien wie Leinwand, Fine Art Papier, Holz, Aluminium, Gips, Beton und Backstein wurden eigens für diese Ausstellung reproduziert und laden die Besucher*innen ein, einen umfassenden Einblick in das Gesamtwerk des - immer noch anonymen - Ausnahmekünstlers zu gewinnen.
Diese Hommage an Banksy ist aufgrund seines noch immer anonymen Status nicht vom Künstler selbst autorisiert, entstand jedoch in enger Zusammenarbeit mit seinem Team. Das Besondere an der Ausstellung: Ein überwiegendes Gros der gezeigten Motive sind mittlerweile im Original kaum oder gar nicht mehr zugänglich, weil sie von ihren Originalschauplätzen entfernt, übersprüht oder schlichtweg zerstört wurden. Andere wiederum befinden sich heute im Privatbesitz und sind demnach für die Öffentlichkeit nicht zugänglich. Doch die Reproduktionen, die von einem international renommierten Team von Graffiti-Artists speziell für Wien angefertigt wurden, sind nicht minder beeindruckend: Denn ihre Message - ein Aufschrei etwa gegen Krieg, Fremdenhass, Kapitalismus und Gewalt an Frauen - ist überlebensgroß.
Kuratiert wird die Ausstellung von Virginia Jean. Über Banksy und seine Kunst verrät sie vorab: “Banksy spricht mit seinen Schöpfungen signifikante Wahrheiten und Probleme in unserer Welt an, vor welchen wir nur allzu gerne die Augen verschließen. Ein Banksy-Werk berührt jeden und ist an jeden gerichtet, ob derjenige es will oder nicht. Genau deshalb ist es mir persönlich so wichtig, Banksys Werke auszustellen, sie der Welt zugänglich zu machen und zu zelebrieren. Banksy schreibt mit seiner Kunst Geschichte - die Geschichte, die für uns gerade Realität ist. Die Ausstellung ist ein Muss für jeden, der sich gerne nicht nur mit Kunst, sondern in erster Linie mit Politik, allgemeinem Weltgeschehen und vor allem sich selbst auseinandersetzt und einen Sinn für bitter-süße Ironie hat.” Im Gespräch mit uns taucht sie noch tiefer in seine Wirkungskraft ein: Da geht es um die Potenz seines Werks, die Motivation hinter seiner Anonymität und wie sich eine kommerzielle, nicht autorisierte Ausstellung zum Thema überhaupt ausgeht.
Das kann ich vollends nachvollziehen. Seine Anonymität, das ist ja das große Mysterium um Banksy. Und natürlich macht das die Leute neugierig - und ist wohl Mitgrund dafür, warum er so bekannt geworden ist. Er ist der bekannteste Unbekannte. Aber das wollen wir nicht anfeuern, uns geht es wirklich nur um seine Kunst. Seine Anonymität, das ist ja nicht nur ein Marketing-Gag, sondern eine Notwendigkeit: Banksy wird polizeilich gesucht für den ganzen Vandalismus, den er die letzten dreißig Jahre betrieben hat. Und wir reden hier jetzt auch nicht nur von kleinen Geldstrafen oder vielleicht mal einer Nacht im Gefängnis, sondern er hat eben auch sehr politische, sehr intensive politische Botschaften in Ländern gesprüht, wo er dafür tatsächlich hingerichtet werden könnte. Natürlich gibt es einige wenige Personen, die wissen, wer er ist: Er arbeitet mit vielen Leuten zusammen, hat auch ein eigenes Management. Aber das sind alles Leute, die wissen, wie wichtig es ist, Stillschweigen über seine Identität zu bewahren - so auch wir von “House Of Banksy”.
Das ist tatsächlich wirklich schwierig und auch der Grund, warum es viele Jahre nur sehr wenige seiner Werke in der Öffentlichkeit gab. Heute hat jedes Schulkind ein fotofähiges Smartphone in der Tasche und das ist nicht nur für Banksy, sondern auch andere Straßenkünstler, die natürlich anonym bleiben wollen, ein großes Problem. Als 2020 die Pandemie kam und sich jeder maskieren musste, war das dann ein Segen: Seitdem ist Banksy viel aktiver. Er verkleidet sich meistens als Reinigungspersonal, mit Kappe, Brille und Maske: Wenn ihn da jemand bei seiner Arbeit filmt, bleibt er trotzdem unerkannt.
Die Ausstellung in Wien ist eine Hommage an Banksy. Wir arbeiten mit einem Team von jungen Straßenkünstlern zusammen, die alles hier live vor Ort sprühen. Und was wir hier sprühen, sind fast ausschließlich Werke, die in der Öffentlichkeit nicht mehr existieren, weil sie dort gestohlen, übersprüht oder zerstört wurden: Ich glaube, wir alle haben schon in den Nachrichten gesehen, dass tatsächlich Wandstücke rausgerissen werden, um das darauf befindliche Banksy-Werk dann zu versteigern. Banksy kriegt natürlich gar nichts davon. Er spricht sich auch immer wieder dagegen aus, sagt, das ist im Endeffekt Diebstahl. Aber leider ist seine Kunst gesetzlich nicht geschützt, weil er im Grunde Vandalismus betreibt. Aber trotzdem sind seine Werke unglaublich wichtig und sollten auch der Menschheit gezeigt werden, denn es geht ja um uns alle.
“Kommerz” ist etwas, das auch Banksy oft vorgeworfen wird, weil er als Street-Art-Künstler mittlerweile natürlich sehr viel Geld mit seiner Kunst macht. Auch uns wird das vorgeworfen: Es ist ein zweischneidiges Schwert, aber am Ende des Tages geht es uns darum, Banksy zu unterstützen und seine Kunst zu zeigen. Klar, wir nehmen Eintritt für diese Ausstellung. Aber was wir hier nehmen, ist das Minimum, um die Künstler und das Team, das hier arbeitet, auch fair zu bezahlen. Reich werden wir mit der Ausstellung jedoch nicht. Ich kann natürlich verstehen, wenn jemand der Meinung ist, dass Streetart kostenlos zugängig sein sollte. Aber das Schöne ist, dass wir mit “House Of Banksy” auch einen leichten Gewinn machen und dieser Gewinn geht unter anderem an Banksys Foundation Louise Michel. Wir unterstützen sein soziales Engagement bereits seit 2021, und sind da mittlerweile einer der größten Partner.
Die Texttafeln, die neben den Bildern platziert sind, wurden von Banksys Umfeld geprüft und abgesegnet. Das war für uns auch ein ganz wichtiger Schritt, dass wir so weit wie möglich mit seinem Team in Kontakt sind, weil “House Of Banksy” eine ethische Ausstellung sein soll und eben wie ich meinte, eine Hommage an Banksy.
Das stimmt. Bei “House Of Banksy” arbeiten Künstler, die selber aus der Szene kommen. Die Ausstellung ist nicht kapitalistisch ausgelegt, sondern wir wollen, dass es hier wirklich um die Kunst und ihre Message geht. Wir haben die Ausstellung 2020 zum ersten Mal aufgebaut, konnten dann erst 2021 aufgrund der Pandemieauflagen eröffnen. Wir haben diese Zeit ganz bewusst gewählt, weil wir uns gesagt haben: “Das ist gerade eine sehr, sehr schwere Zeit in der Pandemie, in der wir alle stecken. Und welche Kunst kann uns die Situation am besten beschreiben, uns allen Hoffnung geben, wenn nicht Banksys Kunst, der eben einfach politisch und emotional so nah dran ist wie sonst niemand?”
Das ist ein guter Punkt. Die Werke können natürlich genau dort, wo sie von Banksy gesetzt wurden, sehr viel bewirken. Ich denke da nicht nur etwa an seine Arbeiten in der Ukraine, tatsächlich mein Lieblingsbeispiel dafür ist ein Werk, das er in Port Talbot, einer kleinen Stadt in Wales, gesprüht hat - und damit eine Gesetzesänderung angestoßen hat. Natürlich sind die Werke in der Halle Repliken, und genau deswegen ist es uns so wichtig, dass wir die mit Banksys Team abgestimmten Informationen dazu platzieren. Aber ich würde niemandem empfehlen, etwa in die Ukraine - immer noch ein aktives Kriegsgebiet - zu reisen, auch wenn seine Arbeiten dort noch teilweise ersichtlich sind. Aber genau deswegen ist es uns so wichtig, dass wir hier nicht nur irgendwie Bilder an Wände hängen, sondern dass wir wirklich den kompletten Raum einnehmen und versuchen, dieses Gefühl und eben auch diese Situation nachzuempfinden und dort auch noch mal eben viel mit Text und auch mit Banksys eigenem Videomaterial zu arbeiten. Letztlich geht es darum, seine Geschichte zu erzählen.
Woher Banksy sein Genie nimmt, das fragen wir uns alle (lacht). Aber ja, er macht eigentlich sehr simple Kunst: Er arbeitet in erster Linie mit Schablonen, gewissermaßen ein schnelles Malen nach Zahlen, wie ihm viele Straßenkünstler auch vorgeworfen haben. Aber er schafft es, mit sehr wenig sehr viel zu kreieren: Er braucht meistens nur ein oder zwei Farben, eine dunkle Nacht, eine vorbereitete Schablone - und plötzlich haben wir ein Werk, das mehr sagt als tausend Worte. Und das ist, glaube ich, der springende Punkt bei Banksy, dass eben seine sehr simplen Werke so unglaublich viel aussagen und so viel Tiefe besitzen.
Kunst liegt im Auge des Betrachters. Ich komme ursprünglich aus der klassischen Kunst, ich habe mich zuvor mit etwa van Gogh und Klimt beschäftigt. Das sind selbstverständlich Werke, die unglaublich schön sind, die Teil unserer Geschichte sind, Teil unserer Kultur, aber die für mich heute nicht mehr dieselbe Relevanz haben. Denn ich glaube, Kunst sollte immer ein Spiegel der zeitgenössischen Gesellschaft sein. Und ob jetzt ein beispielsweise Jackson Pollock heute ein Spiegel der Gesellschaft ist, da lässt sich vielleicht drüber streiten.
Banksy hat die Street Art salonfähig gemacht. Denn er schafft es mit seiner Kunst, die Gesellschaft, unsere Problematiken ganz klar darzustellen, aber auch unsere Stärken - und uns so zu motivieren. Und genau das ist, was Kunst eigentlich immer machen sollte. Banksy ist Teil unserer Kultur. Er ist Teil unserer Historie. Und er hat zudem auch den Weg geebnet für andere Straßenkünstler: Heute muss man nicht mehr Kunst studiert und einen Vertrag mit einer wichtigen Galerie haben, um in der Kunstwelt akzeptiert zu werden. Das finde ich sehr wichtig. Natürlich ist auch heute noch ein wunderschönes Ölgemälde der “Alten Meister” beeindruckend, aber vielleicht ist der wütende Junge, der mit einer Sprühdose irgendeinen Satz an eine Wand schreibt, kulturell genauso wichtig.
Das ist eine sehr gute Frage, die man auch Banksy stellen könnte, denn der Erste, der Banksy-T-Shirts gemacht hat, war tatsächlich Banksy selbst. Selten aber doch macht sogar Banksy eigene Ausstellungen, seine letzte war im Sommer 2023 in Glasgow - und auch dort gab es einen Giftshop. “Merchandise” ist also ein Thema, das auch Banksy sehr oft vorgeworfen wurde, aber die Erlöse gehen immer in viele soziale Projekte. Auch wir haben tatsächlich lange überlegt, ob unsere Ausstellung einen Souvenirshop braucht. Aber unsere Besucher*innen verlangen danach, sie wollen seine Botschaft in die Welt tragen. Ich glaube, das ist am Ende eigentlich eine unglaublich schöne Symbolik.
Wenn seine Werke für Millionensummen versteigert werden, sieht er meistens nichts davon. Weil wenn wir zum Beispiel von Wandstücken reden, die verkauft werden, nachdem sie irgendwo rausgerissen wurden, kriegt er davon keinen Cent, sondern der Hausbesitzer. Natürlich hat Banksy aber auch viele Werke selbst verkauft. Genau beziffern kann man seinen Kontostand aber nicht, wir können uns jedoch wohl darauf einigen, dass wir uns um ihn keine finanziellen Sorgen machen müssen. Aber auch hier wieder das Thema: Das Geld, das er umsetzt, fließt direkt in seine vielen Projekte: Etwa in sein Hotel in Bethlehem oder das Seenotrettungsschiff Louise Michel.
Zum Beispiel kann man sich mit vorgefertigten Banksy-Schablonen eigene T-Shirts besprühen. Aber in erster Linie gibt es viele Mitbringsel mit dem berühmten “Girl with Balloon”, das ist unglaublich populär. Ich persönlich würde jedoch empfehlen, sich eines der Bücher zu kaufen, die es bei uns gibt: Etwa “Provocation” von Banksy, oder auch andere über seine Kunst und auch allgemein über Street Art und ihre Entwicklung. Das hat definitiv einen Mehrwert!
Ich komme - wie vermutlich auch Banksy selbst - aus England und sage immer ganz gerne, dass er eigentlich wie die Queen ist: Er ist eine Lichtgestalt, die immer da war. Er hat Zeit meines Lebens immer existiert, er war immer Teil der Kultur, er war immer Teil des Ganzen, er war immer allgegenwärtig. Ja, ich habe im Bereich der klassischen Kunst angefangen zu arbeiten, und ich finde sie wie gesagt immer noch wunderschön, aber einfach nicht mehr so relevant. Street Art ist für mich die lautere Stimme.
Wir haben in unserer Ausstellung etwa zweihundert verschiedene Werke. Das klingt nach viel, aber Banksy hat noch viele, viele mehr geschaffen. Natürlich sind die, die wir hier zeigen, sehr nah an meinem Herzen. Mich berühren tatsächlich viele Werke, in denen es ums Tierwohl geht, oder Projekte wie die Louise Michel, die täglich Leben rettet - speziell Kinder. Aber ich mag auch Banksys Crude Oils, weil das noch mal eine ganz andere Kreativität ist, die er hier einsetzt: Seine Crude Oils sind Ölgemälde, die er meistens nicht gänzlich selber malt, sondern er findet sie auf irgendwelchen Flohmärkten und fügt ihnen lediglich etwas hinzu und schafft damit eine ganz entweder surreale oder teilweise auch sehr brutale Welt, die trotzdem real ist. Ich finde das immer sehr beeindruckend, wie man etwas nehmen kann und das mit wenigen Pinselstrichen in etwas komplett Neues verwandeln kann, in etwas, das mehr sagt als tausend Worte.
Ich glaube, was viele beim “Mysterium Banksy” vergessen ist, dass er auch nur ein Mensch ist. Und das ist wunderschön, dass er auch nur ein Mensch ist, weil er uns dadurch zeigt, dass auch nur ein Mensch so viel bewegen kann, Leute so unglaublich inspirieren kann. Dementsprechend glaube ich, würde ich mich am liebsten mit ihm einfach nur hinsetzen, eine Limo oder ein Bier trinken und darüber reden, was heute so in der Welt passiert.
Direkt neben der Banksy-Ausstellung wartet in der METAStadt ein weiteres außergewöhnliches Highlight: die “Bubble Planet” verwandelt die METAStadt in eine fantastische Welt aus Farben, Licht und Illusionen. Nach über sechs Millionen Gästen weltweit kommt das multisensorische Erlebnis erstmals nach Österreich! Auf rund 1.800 Quadratmetern erwarten die Besucher*innen fantasievolle Themenwelten voller LED-Ozeane, Ballonlandschaften, optischen Täuschungen und virtueller Realität.
Mit dem Kombi-Ticket kann man so aufeinmal in zwei außergewöhnliche Erlebniswelten eintauchen!