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Konzerte

Die Kultband The The und der lange Weg zurück

15.05.2025 von Sebastian Fasthuber & Stefan Baumgartner

The wer? Die englische Rockband The The um Mastermind Matt Johnson zählte mit ihren starken, vielschichtigen Songs zu den besten Acts der Achtziger - man denke an “This Is The Day”, “Uncertain Smile”, “Infected”, “Heartland” oder auch “The Beat(en) Generation”. Jetzt meldet Johnson sich mit “Ensoulment”, dem ersten The The-Album seit einem Vierteljahrhundert zurück. Fürs Open-Air in der Wiener Arena am 30. Juni wird er natürlich auch alte Songs auspacken.

The The ist eine britische Rockband rund um Sänger und Songschreiber Matt Johnson - stilistisch ist die Band schwer auszumachen, man hört Blues und New Wave ebenso wie Post Punk, Polit Pop und Alternative. Obwohl The The nie eine klassische Chart-Band war, gibt es aber doch einige Songs, die besonders hervorstechen:

  • “This Is The Day” von “Soul Mining” (1983) wurde in zahlreichen Filmen, Serien und Werbungen verwendet - und auch von den Manic Street Prechers gecovert.
  • “Uncertain Smile” von “Soul Mining” (1983) ist ein absoluter Fan-Liebling und glänzt neben dem funkigen Groove vor allem durch das Piano-Solo, gespielt von Jools Holland.
  • “Infected” von “Infected” (1986) wurde von einem aufwändigen Musikfilm begleitet, der international für Aufsehen sorgte - auch wegen der Message: eine Abrechnung mit Religion, Konsum und Heuchelei.
  • “Heartland” von “Infected” (1986) ist einer der politischsten Tracks von The The, eine bittere Sozialkritik am Thatcher-England.
  • “The Beat(en) Generation” von “Mind Bomb” (1989) ist zwar ziemlich poppig, wurde aber oft auf MTV gespielt.

Übrigens: Die einzige wirkliche Konstante von The The ist Matt Johnson - auf allen Alben sind wechselnde Musiker zu hören, auf “Mind Bomb” hören wir beim Song “Kingdom of Rain” sogar Sinéad O'Connor!

Und heute? Vergangenen Herbst erschien nach 24 Jahren und dem kommerziell wenig erfolgreichen Album “Naked Self” “Ensoulment” - irgenwo zwischen Blues und Pop angesiedelt. Die Stimme von Johnson ist gereift wie ein guter Whisky, nach wie vor spiegelt er den Zeitgeist in seinen Texten - etwa wenn es heißt: “Swipe to the left, swipe to the right - she needs somebody tonight”. Trotz seiner Social-Media-Verweigerung ist Johnson also weiterhin am Puls der Zeit!

Zunächst möchte ich mich dafür bedanken, dass ich mich heute ein bisschen jung fühlen darf. Ich bin zwar schon Ende 40, aber knapp zu jung, um die erfolgreichste Zeit von The The Mitte der Achtziger wirklich mitbekommen zu haben.

Gerne, Sebastian. Was soll ich sagen? Die Zeit vergeht sehr schnell. Ich war immer beschäftigt. Auch als die Band eine lange Auszeit nahm, machte ich Soundtracks und andere Dinge. Faul oder untätig war ich fast nie.

Ich kann mich erinnern, Anfang der Neunziger bei ersten ausgedehnten Ausflügen in Plattenläden das The The-Album „Dusk“ gesehen zu haben. Aber ich hatte keine Ahnung, wofür die Band steht und konnte mir auch unter dem Namen nichts vorstellen.

Ich habe den Namen The The oft bereut. Er ist sehr schwer zu finden, das hat mir im Laufe der Zeit viele Probleme bereitet. Vor dem Internet und vor Google war es noch schlimmer. Dadurch waren wir für immer dazu verdammt, eine Kultband zu sein. Was andererseits gar nicht so schlecht ist. Ich finde es auch gut, dass wir schwer auf einen Punkt zu bringen und fast nicht einzuordnen sind. Ich glaube nicht, dass es irgendeine andere Band gibt, die so klingt wie wir. Musikalisch verbindet mich mit meinen Zeitgenossen fast nichts.

Wer hat dich inspiriert?

Singer/Songwriter wie Hank Williams, Robert Johnson oder John Lennon. Wie diese singe ich über zeitlose Themen, die nie aus der Mode kommen: Liebe und Sex, Gott und Religion, Leben und Tod, Krieg und Politik.

Kommerziell betrachtet waren die Achtziger dein erfolgreichstes Jahrzehnt. Aber du hast diese Zeit gehasst, nicht?

Sagen wir so: Es gab eine Menge, was ich an den Achtzigern nicht mochte. Für mich persönlich war es ein sehr gutes Jahrzehnt, aber ich konnte mit dem Großteil der Musik, die damals entstanden ist, nichts anfangen. Der Sound der Achtziger klang nach Plastik, er war ohne Dynamik und überproduziert. Ich bevorzuge natürlichere, organische Klänge.

Und von der Musik abgesehen?

Ich mochte die Mode der Zeit nicht besonders. Die Politik natürlich auch nicht, denn sie stand im Zeichen des Aufstiegs von Neokonservativismus und Neoliberalismus. In den Jahrzehnten zuvor war das Klassensystem in Großbritannien ein wenig aufgeweicht worden. Menschen aus der Arbeiterklasse und der unteren Mittelschicht bekamen mehr Möglichkeiten, sich künstlerisch auszudrücken. In der Hinsicht waren die Sechziger und Siebziger eine goldene Zeit. In den Achtzigern begann dann die Privatisierung, die uns in die schwierige gegenwärtige Situation geführt hat.

Du hast die Schule früh abgebrochen. Gab es für dich immer nur die Musik?

Leider hatte ich keine Lehrer, die sich für mich interessiert hätten. Ich war in der Schule ein Tagträumer, wahrscheinlich war ich auch ein Spätentwickler. Ein bisschen frech sicher auch. Der Unterricht hat mich nicht interessiert. Zum Beispiel habe ich früh verstanden, dass die Geschichte von den Siegern geschrieben wird. Vieles an der Schule empfand ich als sehr einseitig.

Mit welchen Träumen hast du deine Musikkarriere begonnen?

Natürlich fand ich die Vorstellung verlockend, um die Welt zu reisen, junge Frauen zu treffen, große Autos zu haben und auf der Bühne zu stehen. Man muss bedenken, dass ich noch ein Teenager war. Nachdem ich die Schule abgebrochen hatte, dachte ich mir: Ich werde es ihnen zeigen und etwas erreichen. Später wurde mein Ehrgeiz ein wenig kleiner, nuancierter. Mir wurde doch recht schnell bewusst, dass ich nicht so groß wie Michael Jackson oder The Beatles werden würde. Aber ich wollte Songs schreiben, die etwas aussagen. Das war mir wichtig.

In den Achtzigern und Neunzigern waren The The konstant viel unterwegs - bis du eines Tages ausgebrannt bist. Hast du das Leben auf Tour nie gemocht?

Doch, es war in Ordnung. Eine Zeit lang habe ich es sogar genossen, viele Leute kennengelernt und mich amüsiert. Aber ich hatte nie das Gefühl, dass ich in den Klatschspalten oder auf Social Media auftauchen muss. Ich war immer ein Privatmensch, kein Rockstar. Als ich Anfang der Nullerjahre meine letzten Konzerte spielte, war ich 20 Jahre konstant aktiv gewesen. Ich hatte eine große Sehnsucht danach entwickelt, all meinen Interessen neben der Musik nachzugehen. Ich wollte nicht einfach weiter Platten herausbringen und auf Tour gehen, nur um Geld zu verdienen.

Wie fühlt es sich an, jetzt wieder Teil des Musikgeschäfts zu sein, Platten herauszubringen, auf Tournee zu gehen und Interviews zu geben?

Eigentlich ganz angenehm, denn ich habe viel von meiner Leidenschaft für die Musik zurückgewonnen. Ich genieße es, wieder im Sattel zu sitzen.

Stimmt es, dass du zuvor sieben Jahre keine Gitarre in die Hand genommen hast?

Das kommt hin. Ich habe lang in New York gelebt. Als ich die Stadt verließ, habe ich viele meiner Sachen in Lagercontainern in Großbritannien untergebracht. Dann bin ich nach Schweden gezogen und verlor das Interesse an der Musik. Ich dachte: Wenn ich nie wieder eine Platte herausbringe, ist das auch in Ordnung. Aber dann kam der Drang irgendwann zurück. Mein älterer Bruder Andrew starb 2016. Mir wurde klar, dass da noch etwas Unerledigtes für mich zu tun war. Also fing ich wieder an Songs zu schreiben. Ich bin sehr stolz auf das neue Album „Ensoulment“. Und ich bin immer noch stolz auf unsere alten Platten.


Live-Termine


The The - "Ensoulment"

30. Juni 2025 | Wien, Arena Open Air


Infos auf dem Stand vom 15.05.2025  

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