Bild: Mittel Alta
Sir Schwanzelot und Sir Gernhardt Reinlunzen alias Mittel Alta verwandeln kurzzeitig das Nova Rock in ein Mittelalterfest - frei nach dem Motto: Ficket euch auf den Pannonia Fields nach einem Gerstensaft!
Zwei Deutsche, die lieber anonym bleiben möchten, nennen sich Sir Schwanzelot und Sir Gernhardt Reinlunzen. Gemeinsam bringen sie als Mittel Alta nach eigener Definition “dem Pöbel feinsten Sprechgesang aus dem Mittelalter” – oder etwas platter formuliert einen Sound, irgendwo zwischen Taverne und Club.
Die Vertonung längst vergangener Zeiten faszinieren den Menschen bekanntlich seit jeher: Bereits in den Sechzigern schossen mehr und mehr Rock-Bands aus dem Boden, die mittelalterliche Elemente mit ihrer Musik verwoben, mit Klängen, die schon vor hunderten von Jahren auf einem mittelalterlichen Platz die Ohren der Marktschreier umspielten. Besonders Folk-Bands machten sich Blockflöte, Krummhorn und Marktsackpfeifen zunutze – so wie später Metal-Größen wie In Extremo, Saltatio Mortis, Schandmaul, Tanzwut oder Subway To Sally nicht nur auf elektrische Gitarren und Schlagzeug, sondern eben auch auf Dudelsack, Drehleier und Schalmei setzen, um ihrer Hörerschaft eine urige Zeitreise zu kredenzen.
Doch Sir Schwanzelot und Sir Gernhardt Reinlunzen stechen aus dieser Ursuppe heraus, finden sich bei ihnen doch auch Einflüsse aus dem (teils technoiden) Rap – und eine ordentliche Portion Humor, während klassische Mittelalter-Bands sich ja oft etwas bierernst nehmen: Vermutlich könnte man ihre Stücke, die von “Ficket Euch” über “Gerstensaft” bis hin zu “Defäkiert auf mir” betitelt sind, demnach eher als Memes umschreiben – kurzweilig und fidel-wohlgemut. Dies spiegelt sich auch im Projektnamen Mittel Alta wider, was selbstverständlich eine jugendsprachliche Verfremdung von “Mittelalter” darstellt. Und Mittel Alta machen definitiv keine halben Sachen, springen wie dereinst die Hofnarren wild zwischen Ironie und Abriss – und stets direkt nach vorne. Songs über Suff und zwischenmenschliches Furchenziehen sind hier kein Gimmick, sondern Programm.
In ihren Texten schlüpfen die beiden also in die Rollen von zwei dauergeilen Recken mit einem nicht unerheblichen Alkoholproblem, die sich selbst als die “Bastard Barden” bezeichnen und dem Hause “Cumalot” (also: “Vielwixer”) dienen. Im Nebenberuf sind sie unter anderem auch noch “Bumsmönche von Geilenkirchen”, einem Verein stark alkoholisierter Glaubensbrüder, die merklich hart unter dem Zölibat der katholischen Kirche leiden – weil Gründe zum Trinken gibt es immer, man muss sie nur suchen. Das Ergebnis? Minnelieder, die man sogar dann gut mitgrölen kann, wenn die letzten Gehirnzellen im Delirium nichts anderes mehr hinbekommen – wobei man bei ihrem Slot am ersten Nova-Tag um 14:35 Uhr wohl noch nicht der totalen Illumination erlegen sein wird, aber wer weiß das schon so genau? Ein mittelschwerer Kontrollverlust ist bei Mittel Alta jedenfalls garantiert.
An dieser Stelle sei natürlich darauf hingewiesen, dass auch am Festivalacker der Beischlaf selbstverständlich nur mit Konsens und Schutz, Alkoholkonsum mit Verantwortungsbewusstsein passieren sollte. Und bevor man nach 10 Bier zu viel im zwischenmenschlichen Disput in Versuchung gerät, sich doch gegenseitig die Birne einzuklopfen, hier noch ein paar stattdessen zu gebrauchende, fürs Ambiente durchaus treffliche mittelalterliche Beleidigungen, die einen Eingriff der Securitys verhindern - aber trotzdem ihre Wirkung zeigen: Bekanntlich ist die Feder manchmal stärker als das Schwert: