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Konzerte

Für Leiwand gegen Oasch: Von Kytes bis Hearts Hearts, von Naked Cameo bis Sharktank

27.11.2025 von Stefan Baumgartner

Die Alternative zu Bad News und Doomscrolling nennt sich, um zwei ältere Songs von Kytes zu zitieren: "Go out - and happy hangover". Ihre neueste Single “Cope” ist das Herzstück einer “Für Leiwand gegen Oasch”-Playlist als Gegenentwurf zu einer Welt, die manchmal einfach nur grässlich ist.

Das Leben fickt manchmal schon genug: Aktuell fühlt sich die Welt an wie ein kollektiver “Are you kidding me?”-Moment; Das Klima kippt, Kriege eskalieren im Livestream, Gewalt an Frauen wird immer sichtbarer statt weniger und Rechtsextreme kriechen aus jeder Kommentarspalte. Die Temperaturen in den Wohnungen sinken, weil die Energiepreise - wie auch alle anderen Preise - stetig steigen, die Zukunftsaussichten sind gelinde formuliert oasch. Da stellt sich oft die Frage, ob man informiert bleiben will, stets am Puls der Zeit, ob jeden Tag die Kraft dazu da ist, sein Schäufelchen dazu beizutragen, die Welt doch irgendwann einmal besser werden zu lassen. Aber irgendwann brennt der Kopf - Doomscrolling sei Dank, da helfen nicht einmal mehr GRWM-Tiktoks und halblustige Katzenmemes. Letztlich darf es insbesondere die gebeutelte Gen-Z ausbaden, die ohnehin schon mit der Work-Life-Balance hadert, die heute mehr denn je zum Kotzen ist - obwohl sie die Einzigen sind, die überhaupt noch versuchen, das Ruder herumzureißen und nicht sehenden Auges in den Abgrund zu steuern.

Und genau deshalb braucht es zwischendurch auch einmal einen Moment, in dem man abschaltet und rauszoomt - Musik, die zwar keine Lösung, aber wenigstens ein kurzer Escape ist. Kytes liefern den Anstoß für so einen Moment mit ihrer neuen Single “Cope”: Darin hinterfragen sie ihren eigenen Umgang mit der täglichen Flut an Bad News, verhandeln Selbstzweifel und Gedankenschleifen - und kämpfen mit einem hypnotischen Beat dagegen an. Gitarren und Synths verschmelzen da zu einem treibenden Strudel, der aus dem Oasch der Welt für einen Moment zumindest ein Leiwand zaubert.

Mit “Cope” setzen Kytes nun einen Ton, der den Zeitgeist trifft - irgendwo zwischen Nachdenklichkeit und Vorwärtsdrang balancierend. Das kommende Album “Indie Rave”, das am 31. Juli erscheinen wird, soll diesen Gedanken weitertragen - und schließlich auch live, im Wiener WUK sprudeln: Es ist dies ohnehin eine der wenigen Locations, die entrückende Indie Disco-Ekstase für sich gepachtet zu haben scheint, irgendwo zwischen blubbernden Synthies und Gitarrengeschreddere.

Aber glücklicherweise sind Kytes da nicht die einzigen, die einen Soundtrack gegen die drohende Apokalypse liefern …

Vor acht Jahren stürmte Naked Cameo mit ihrer Debütsingle “Luddite” die österreichischen und deutschen Charts. Seither hat das oberösterreichische Trio zwei Alben veröffentlicht und sich fest in der heimischen Musikszene etabliert: Kein Wunder, die Riffs sind cool, die Hooks eingängig. Und live stellt die Truppe sowieso alles auf den Kopf - leider wurde in diesem Moment das töchtersöhne-Fest kommenden Juli in der Arena, und somit auch ihr Auftritt, abgesagt!

Fette Pop-Hooklines mit gigantischer Ohrwurmgarantie kommt auch von Sharktank - und zwar stets, obwohl man sich immer wieder neu erfindet. Mal mehr Indie, mal mehr Hip-Hop, mal mehr Pop: Was bei aller Chartstauglichkeit immer wieder durchschimmert, ist der manchmal verdrehte, schräge Klang, der die großen Refrains konterkariert. Und gerade live - etwa am 4. Dezember im Rockhouse - zündet das massiv!

Was macht den Deutschen Telquist so besonders? Wenn man in seine Songs eintaucht, dann vermeint man sich in einem Coming-of-Age-Film zu befinden: Sein verträumter Indie-Folk vermag mit seiner melodischen Sorglosigkeit und Spontanität die Sorgen für einige Augeblblicke vergessen machen. Diese Wohlfühl-Garantie bringt er am 15. Dezember ins Flucc - mit im Gepäck: eine Nahbarkeit, die einfach nur verdammt gut tut.

Hearts Hearts, die Wiener Indie-Popper (oder Indie-Rocker?), haben erst kürzlich im Wiener WUK ihre neue EP “Stupid Stars” veröffentlicht: Es ist das lauteste, gleichzeitig gefühligste Kapitel der Band bisher - da gibt es Klavier- und Streichermelancholie ebenso wie Postrock-Pathos, dunkle Metaphern und beschwingte Pfeifmelodien. So stark die Grätsche klingt - gerade live (etwa am 20. Februar in der ARGEkultur in Salzburg) zündet das massiv!

Die Salzburger Please Madame vorzustellen hieße, Eulen nach Athen zu tragen: Immerhin haben sie sogar schon am FM4 Frequency und Nova Rock abgeräumt. Aber: So entfesselt und ungezwungen wie auf ihrem aktuellen Album “Easy Tiger” (rawaaar!) haben sie noch nie geklungen - der catchy, moderne Indie-Rock trifft da auf massiven Pop-Appeal und scheucht einem sofort auf die Tanzfläche, und zwar ab 27. November in Innsbruck, Wien und Salzburg!

Von Straßenmusikern aus der Berliner U-Bahn sind Il Civetto mittlerweile zu einem Act für große Festivalbühnen gewachsen - und zwar sowohl mit Gitarren, als auch mit Bläsern im Gepäck: “Auch wenn es noch so hoffnungslos erscheint, sollen Songs wie ‘Zukunft im Wind’ motivieren, dennoch auf die Straße zu gehen und für eine bessere Zukunft zu kämpfen”, erklärt uns Sänger Leon das Konzept. Weil: Musik kann der Lichtschalter in der dunkelsten Nacht sein, im Flex wird es am 26. März dafür hell …

Als “Party Kaiser” wird der Schweizer Bonaparte bezeichnet, und - OIDA! - mit seinem rustikalen Punksound, massig Hedonismus und noch mehr Crazyness muss man ihm einfach massig Konfetti streuen! Gleichzeitig wirkt sein Sound aber auch ein bisserl nach Wohnzimmeratmosphäre, zudem geht es bei ihm um Mensch, Gesellschaft und auch die Liebe - da möchte man im Publikum (zum Beispiel am 4. November in der Arena) einfach alle mal einfach so umarmen, auch wenn wirklich jeder verschwitzt ist.


Live-Termine


Kytes - "Indie Rave"

18. November 2026 | Wien, WUK
03. Februar 2027 | Salzburg, Rockhouse
04. Februar 2027 | Linz, Posthof
05. Februar 2027 | Graz, pcc


Infos auf dem Stand vom 27.11.2025  

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