Bild: Arcadia Live
Viele der diesjährigen ESC-Finalisten sind definitiv keine "Eintagsfliegen" – Grund genug, die Message "united by music" erneut nach Österreich zu bringen! Mit dabei ist auch Delta Goodrem, der Superstar aus Australien – aber auch ein absoluter Geheimtipp aus Finnland!
Noch vor dem Taumel durch die Fußball-WM stand Österreich dieses Frühjahr ganz im Eurovision-Fieber: Kein Wunder, ging erst zum dritten Mal, aber dafür gleich der Jubiläums-ESC Mitte Mai bei uns in der Wiener Stadthalle über die Bühne. Leider konnte unser Kandidat Cosmó den Titel nicht verteidigen und muss den Contest kommendes Jahr nach Bulgarien weiterziehen lassen: Dara hat mit ihrem Banger “Bangaranga” den Sieg aber auch wahrlich verdient eingefahren!
Während hinterher natürlich jeder schlauer als zuvor ist, kam es im Finale doch anders als gedacht: Denn eigentlich wäre das finnische Duo Linda Lampenius & Pete Parkkonen ("Liekinheitin") als haushohe Sieger gesetzt gewesen – musste sich schließlich aber mit dem sechsten Platz zufriedengeben. Einen wahren Höhenflug hingegen legte bereits im Halbfinale Australiens Delta Goodrem hin: In ihrer Heimat ist sie längst ein absoluter Megastar, oft wird sie sogar in einem Atemzug mit Kylie Minogue genannt – aber dennoch sahen sie die Quoten lange nicht an einer Spitzenposition. Als sie dann nach Bulgarien, Israel (Noam Bettan mit “Michelle”) und Rumänien (Alexandra Capitanescu mit “Choke Me”) mit ihrem “Eclipse” schließlich 287 Punkte kassierte und den gar vierten Platz im Finale absahnte, mussten sogar die ESC-Verantwortlichen schlucken und stellten sogleich klar: Hätte tatsächlich Australien gewonnen, hätte ein europäisches Land in seinem Namen den Contest ausgerichtet – die enorme Distanz, die Zeitverschiebung und der logistische Aufwand würden eine Durchführung in Australien schlicht unrealistisch machen.
Gar nicht so unrealistisch ist jedoch ein erneuter Besuch von Delta Goodrem in Österreich: Nach der Veröffentlichung ihrer Pop-Hymnen “Hologram” und dem ESC-Beitrag “Eclipse” – beides Vorboten ihres im November kommenden Albums “Pure” – wird sie nämlich am 13. März nächsten Jahres die Zeitverschiebung mühelos überspringen und erneut auch den ihrigen verbindenden, euphorischen ESC-Geist nach Wien bringen – diesmal in die Arena.
Und vielleicht ist spätestens ab dann nicht nur Australia, sondern auch Austria (badum-ts) im Goodrem-Fieber: Denn in ihrer Heimat zählt ihr Debütalbum “Innocent Eyes” (2003) mittlerweile zu den meistverkauften Alben, außerdem stehen bereits ein World Music Award und ein MTV Music Video Award auf ihrem Nachtkästchen. Zudem wurde sie aufgrund ihrer überbordenden Popularität neben so illustren Namen wie Ed Sheeran, Billie Eilish, Taylor Swift und Adele 2010 als “ARIA Artist of the Decade” geehrt. Das ist schon mal kein Lärcherl! Und wenn wir schon beim Namedropping sind: Als Songwriterin schrieb sie nicht nur Stücke für sich selbst, sondern sogar schon für Queen Céline Dion!
Nur neun Punkte mehr im Finale bekam die rumänische Drittplatzierte, Alexandra Capitanescu, für ihren “Aufreger”-Beitrag “Choke Me” verliehen: Ein Aufreger beim so inklusiven Song Contest, ja wie geht denn das? Während ihres dreiminütigen Songs kommt rund 30-mal der Ausdruck “würg mich” vor. Aktivistinnen gegen sexuelle Gewalt kritisierten im Vorfeld also heftig, dass der Beitrag “leichtfertig mit dem Leben junger Frauen” spielen würde und die Gefahren einer “speziellen Sexualpraktik” so verharmlosen würde. Ganz anders sah das natürlich Capitanescu selbst: “Choke me” bedeute demnach in etwa: “Ersticke mich mit deiner Liebe.” Kunst sollte nicht der Zensur unterliegen, solange niemandem geschadet werde, sagte sie da den Medien.
Bei der Finalshow selbst ging das Publikum jedoch der Kritik zum Trotz bis zum Anschlag brutal ab – nicht neu, aber besonders wirkungsvoll wirkten bei “Choke Me” wohl die Opera-Elemente und auch Capitanescus eindrucksvolle Stage Presence, die sogar an Nihghtwish erinnern machte: Beides bringt sie am 5. Oktober in die Wiener Szene zurück – anstatt “Choke Me” heißt es da jedoch “Here To Obey Me”, denn Capitanescu hat definitiv “die Hosen an”!
Zwar musste sich Deutschland mit Sarah Engels' “Fire” mit dem drittletzten Platz (12 Punkte) zufriedengeben, aber ganz ehrlich: Mit viel Feuer und ihren Tänzerinnen brachte auch sie die Stadthalle zum Vibrieren! Es war kein Totalausfall. Kein schiefer Ton. Kein Fremdscham-Moment. Keine peinliche Katastrophe, über die Europa am nächsten Morgen spotten muss – ganz im Gegenteil: Sarah Engels sah aus wie ein internationaler Popstar und präsentierte eine Show, die sichtbar professionell und durchdacht war – kein Wunder, legt sie seit etwa anderthalb Jahrzehnten in Deutschland einen steilen Karriereweg hin, weiß also, wie der Hase läuft. Vielleicht lag ihr schlechtes Abschneiden lediglich daran, dass – wie es so oft heißt – “die Deutschen in Europa einfach kein hohes Ansehen genießen”?
An “Fire” selbst kann es jedenfalls nicht gelegen haben: Denn die Hymne über Selbstbehauptung, innere Stärke und den Mut, seinen eigenen Weg zu gehen, gehört tatsächlich auf die Bühne – und zwar erneut am 10. April in der Wiener SIMMCity!
Mit lediglich 6 Punkten musste sich unser Cosmó mit seinem “Tanzschein” zufriedengeben: Aber vielleicht tanzt es sich in einem intimen Club einfach besser als in einer gigantischen Mehrzweckhalle vor Millionenpublikum?
Zumindest für Cosmó heißt es, nach dem ESC, gewissermaßen “jetzt erst recht”: Bereits im Mai gab es nach seinem “Tanzschein” schon die erste volle EP, die mit “Lieber tanz ich weiter” betitelt war und neben dem tanzbaren Sound auch mit einem speziellen Vibe überzeugen konnte; Denn es ist ein Soundtrack einer Jugend, zwischen Unsicherheit und Überförderung – Kurzgeschichten, in denen Cosmó das Sprachrohr seiner Generation gibt und darüber erzählt, wie man mit Krisen, Druck und ständigen Veränderungen so umgehen kann. Denn vieles lasst sich wegtanzen, alles nicht! Und genau mit diesem Empowerment zieht Cosmó im Herbst durch ganz Österreich, sowohl im Vorprogramm von Pizzera & Jaus und AUT of ORDA, als auch auf Headliner-Tour!
Look Mum No Computer aus dem Vereinigten Königreich gehörte mit “Eins, Zwei, Drei” zwar zu meinen persönlichen Favoriten, aber für den ESC-Kosmos war das freilich nix: Mastermind Sam Battle begann vor 12 Jahren seine Musikkarriere als Frontmann der Indie-Band Zibra und trat mit ihnen etwa auch beim renommierten Glastonbury auf. Als Solokünstler hat er sich seiner Leidenschaft für elektronische Sounds gewidmet, berühmt wurde er durch Furbie-Orgeln (!), Game-Boy-Instrumente, Synthesizer-Fahrräder, flammenspeiende Keyboards und ein “Star Wars”-Droiden-Orchester – für den ESC klingt das definitiv zu verquer, aber für seinen nächsten Wien-Besuch (18. Februar, Flex) klingt das bombig!
Sein ESC-Beitrag entstand übrigens auf einem Synthesizer, der “Kosmo” heißt und somit beinah Namenspatron von unserem Cosmó ist! In dem Titel geht es darum, der Langeweile des Arbeitsalltags zu entfliehen und in eine Welt der Träume und unendlichen Möglichkeiten einzutauchen - geschrieben wurde das Stück unter anderem mit der Hilfe von Lasse Midtsian Nymann, der auch Autor des Schweizer Siegerliedes “The Code” von Nemo war.
Einen Geheimtipp haben wir noch: Nicht nur Österreich, sondern auch Finnland hatte einen Vorentscheid, bei dem der tatsächliche ESC-Teilnehmer erst erwählt wurde. Bekanntlich entschieden sich die Finnen für Linda Lampenius & Pete Parkkonen, in engerer Auswahl stand jedoch auch Sinikka Monte, eine aktuell in Wien beheimatete Musikerin mit (natürlich) finnischen, aber auch südafrikanischen Wurzeln. Unser Interview mit ihr findet ihr [an dieser Stelle].
Ihr Beitrag “Ready To Leave”, der im Vorentscheid auf dem fünften Platz landete, wird ihrem Ansatz, “Musik für Menschen, die traurig sind und eine Umarmung brauchen”, mehr als nur gerecht. Wenn dann noch so eine Stimme zu so einer Melodie Musik tatsächlich als therapeutischen Moment zu transportieren versteht, dann muss man einfach Tränen in den Augen haben. Wenn ihr der Madison-Beer-Bubble entstammt oder euch einfach selbst überzeugen wollt: Sinikka Monte spielt bei der Introduction Night von Cute Concerts am 3. Dezember vor Chloe Slater im Wiener B72!