Bild: Hans Leitner
Egal, ob als hinterlistiger, pointierter Anrufer, Parodist oder Stand-up-Comedian: Gernot Kulis sorgt seit bald 25 Jahren für erfrischende Lacher. In seinem neuen Bühnen-Programm „Ich kann nicht anders“ dreht sich alles um die Familie, Freundschaft, arrogante Saugroboter und andere KI-Tyrannen.
Seinen Traum von der Fußballer-Karriere konnte sich Gernot Kulis nicht erfüllen, obwohl er unter dem legendären Coach Ivica Osim in der Kampfmannschaft des SK Sturm Graz mittrainieren durfte. Dafür zählt der ehemalige Regionalliga-Kicker seit fast 25 Jahren zur Champions League der heimischen Kabarettszene. „Ich kann nicht anders“, das im Februar in Wien Premiere feiern wird, verspricht, das persönlichste Programm des 48-jährigen Kärntners zu werden.
Ja, das ist ein Spruch, den ich schon in vergangenen Programmen immer wieder verwendet habe. „Ich kann nicht anders“ bedeutet für mich, dorthin zu gehen, wo etwas los ist, dorthin zu gehen, wo es weh tut. Ich bin ja nicht nur ein Beobachter, der aus der sicheren Distanz kommentiert, sondern wirke in den Geschichten, die ich auf der Bühne erzähle, selbst als Protagonist mit.
Das neue Programm spiegelt meine Überforderung zwischen den großen globalen Themen und dem Alltag wider. Denn einerseits will ich – wie so viele andere Menschen auch – die Welt retten. Andererseits muss ich schauen, dass mein Sohn seine Handschuhe nicht vergisst, wenn er in die Schule geht. Als Kabarettist kann ich aber zumindest versuchen, mich auf die lustigen Aspekte dieser Diskrepanz zu konzentrieren.
Indem ich mir die Zeit gönne, gewisse Geschehnisse mit etwas Abstand neu zu betrachten. Zum Beispiel meine Probleme mit all den KI-gesteuerten Haushaltsgeräten. Das fängt schon damit an, dass man seinem Staubsauger einen Namen geben muss.
Saugustin (lacht). Je mehr ich mich mit ihm beschäftige, umso mehr Eigenleben entwickelt er aus meiner Sicht. Wenn er nicht richtig saugt, denke ich mir: Ist er vielleicht arrogant geworden, weil ich ihm über seine App eine zu gute Bewertung gegeben habe? Neulich stehe ich im Supermarkt an der Kassa und bekomme eine Nachricht aufs Handy: „Saugustin befindet sich in einer misslichen Lage“ – und ich fange an, mir Sorgen zu machen wie über ein echtes Familienmitglied.
Mir persönlich ist ja eine andere KI, die Kulis-Intelligenz, viel lieber, die kommt in jedem meiner Gags vor. Aber, ja, die Frage ist: Wie weit geht man mit der KI? Wollen wir, dass alles in unserem Leben von einer KI gesteuert wird? Und warum lasse ich mich von der Badezimmerwaage tyrannisieren?
Naja, sie ist schon sehr streng und lamperlt herum, wenn ich ein Kilo über mein Normalgewicht gerate. Aber natürlich ist auch das wieder ein Anlass für mich, eine Pointe zu finden ...
Ich habe keine Angst davor, dass mich die KI ersetzt. Aber ich glaube schon, dass es in Zukunft Unterhaltungsformate geben wird, in denen diese Technik eine große Rolle spielt.
Es stimmt, Computer können Stimmen mittlerweile so gut imitieren, dass sie von menschlichen Stimmen kaum mehr zu unterscheiden sind. Der große Vorteil von uns Menschen ist und bleibt aber, dass wir einen eigenständigen Humor haben und der einer Maschine gekünstelt, also nicht originär und damit nicht echt, ist. Allerdings geht die Entwicklung auf allen Gebieten rasend schnell; letztens habe ich einen Fußball-Roboter gesehen, der die gleichen Tricks draufhat wie ein Premier-League-Kicker. Vielleicht müssen wir uns doch auf eine Kabarett-Intelligenz einstellen – und vielleicht müssen wir uns noch besser fokussieren, um immer dieser künstlichen Konkurrenz einen Schritt vorauszubleiben.
Wir haben die ChatGPT gebeten: Stell dir vor, du bist Gernot Kulis und sollst uns eine Pointe erzählen, in dem die Themen "Künstliche Intelligenz", "Staubsauger" und "Fußball vorkommen".
Stell dir vor, mein Staubsauger hat jetzt künstliche Intelligenz und denkt, er ist Pep Guardiola! Kaum drück ich den Startknopf, analysiert er den Bodenbelag wie ein Taktikbrett, legt sich eine perfekte Reinigungsstrategie zurecht und … was macht er? Saugt nur noch den linken Flügel, weil er meint, der Rest des Raums sei abseits! Und während ich danebensteh’, krieg ich noch ein Update: ‘Staubsauger hat sich in den Standby-Modus verabschiedet, weil das Spiel gelaufen ist.’ Super, als nächstes fordert er noch Prämien für jeden Quadratmeter ...
Wir sehen: Gernot Kulis muss sich nicht davor fürchten, dass ihm die Künstliche Intelligenz den Beruf streitig macht.
Es ist schön und lässig, dass es neue Unterhaltungsplattformen gibt. Es ist zwar etwas anderes, ob du als Kabarettist ein Publikum zwei Stunden lang in deinen Bann ziehst, oder ob du einen kurzen Sketch filmst. Trotzdem funktionieren die Schmähs da wie dort nach dem gleichen Prinzip.
Ich bin ja mit dem grenzgenialen Humor von Monty Python aufgewachsen. Deshalb war es eine wunderschöne Erfahrung, als ich 2019 bei Michael Niavarani im GLOBE mit John Cleese auf der Bühne stehen durfte und von ihm eine Torte ins Gesicht geschmiert bekommen habe. Und an diesem Abend hat John Cleese auch erzählt, dass Comedy immer der gleichen Dramaturgie folgt – unabhängig vom Medium oder der Länge der Nummer: Du brauchst eine Geschichte, eine überraschende Wendung und eine Pointe.
Zugegeben: In manchen Passagen meiner Programme provoziere ich das geradezu. Gerade Stand-up ist eine Frage der Rhythmik: In manchen Passagen ist mein Erzähltempo so hoch, dass Zwischenrufer praktisch keine Chance haben. An anderen Stellen nehme ich das Tempo aber bewusst heraus und schaue, was passiert. Ich bin aber auf jeden Fall die ganze Zeit hochkonzentriert. Ich bekomme genau mit, was im Zuschauerraum passiert.
Politik kommt, wenn Bedarf ist, genauso satirisch vor wie die vielen anderen neuen Themen, mit denen wir Menschen uns täglich auseinandersetzen. Aber hier gilt bei mir: Weniger ist oft mehr. Wer zu mir kommt, kann auf alle Fälle zwei Stunden lang abschalten und durchlachen. Ich kann nicht anders.