Bild: Jules Stipsits
Erneut wurden vom Österreichischen Kabarettpreis vier Preisträger*innen erwählt, die gekonnt unterhalten, aber auch Missstände aufzeigen: Chrissi Buchmasser, Severin Groebner, David Scheid und “Rolf Rüdiger” werden am 13. Oktober für ihre herausragenden Leistungen im heimischen Kabarett im GLOBE WIEN geehrt.
Kabarett und Satire sind Teil der österreichischen Identität, und immerhin seit 1999 honoriert der Österreichische Kabarettpreis Kabarettisten und Kabarettistinnen, die sich aus der breiten Masse besonders hervorheben. Denn: Gerade in Zeiten wie diesen, in denen die Demokratie vielerorts gefährdet ist, braucht es Satire und Kabarett in jeglicher Form - sowohl zum Aufzeigen von Missständen als auch einfach zur Unterhaltung. Denn den Alltag für einen Moment zu vergessen, ist oft das Wichtigste, um ihn bewältigen zu können.
Erstmals ist auch oeticket einer der zahlreichen Partner des Kabarettpreises. Denn für Christoph Klingler, CEO des Ticketvertriebunternehmens, ist eines klar: “Kabarett ist eine unverzichtbare Säule der österreichischen Kulturlandschaft und seit vielen Jahren auch ein wichtiger Teil unseres Angebots bei oeticket.” Demnach ist es auch für oeticket wichtig, nicht nur die großen Namen wie Gernot Kulis und Josef Hader, sondern auch die erst aufstrebenden heimischen Künstler*innen über ihren gesamten Werdegang hinweg zu unterstützen.
Vier der insgesamt sechs Preisträger*innen stehen bereits fest: Chrissi Buchmasser bekommt den Förderpreis, David Scheid den Programmpreis, Severin Groebner den Hauptpreis und Robert Steiner und Stefan Gaugusch alias Rolf Rüdiger bekommen den Sonderpreis. Für den Fernseh- und Onlinepreis läuft die Einreichung derzeit bis 27. Juli unter kabarettpreis.at. Die Preisverleihung findet am 13. Oktober wie auch schon in den letzten Jahren im GLOBE Wien statt, moderiert wird von Clemens Maria Schreiner. Tickets für die Gala sind bereits erhältlich.
In einer Zeit, in der sich jeder Mensch mit ein paar Tausend Followern auf TikTok bemüßigt fühlt, eine Bühne zu erobern, ist Chrissi Buchmasser die anachronistische, weil wohltuende Ausnahmeerscheinung. Diese Frau hat nämlich nicht nur tatsächlich etwas zu sagen, sie weiß auch, wie. Mit in den Knochen sitzender Lustigkeit und einem Schalk im Nacken schafft sie es spielerisch, das Publikum in den Bann zu ziehen - mit Leichtigkeit und einer Rock'n'Roll-Attitüde. Denn die Steirerin schnallt sich auch eine E-Gitarre um ihren Schalk im Nacken - und versteht es, neben lauten Tönen, auch mit leisen Tönen präzise und emotional die eine oder andere Träne hervorzulocken.
Das Handwerk Buchmassers tradiert die Essenz der österreichischen Kleinkunst. Es wird getragen von einer Komikerin, die über ihre Mimik die Welt erklären kann. In ihrem Debüt “Braves Kind” drehte es sich noch um den Alltag als Mutter, im aktuellen Programm “Zugzwang” beschäftigt sie sich mit den Weichenstellungen des Lebens, der Ratlosigkeit des Tuns und der Überforderung. Denn sie befindet sich in der Rushhour ihres Lebens, Prioritäten gehören gesetzt, Entscheidungen getroffen, Weichen für die Zukunft gestellt - bevor der Zug abgefahren ist.
Neben dem Gespür für das, was die Gesellschaft zum Brodeln bringt, schafft es Buchmasser als Gegenpart grandios, den Klamauk hochzuhalten. Und wer ihre Song-Contest-Liederparodie in der ORF-Satireshow “Die Tafelrunde” gesehen hat, weiß einzuordnen: Diese Frau geht ein künstlerisches Risiko ein, das einmalig ist - und reüssiert dabei auch noch.
Wenn David Scheid ein Gemüse wäre, dann eine Zwiebel. Nicht weil er einen zum Weinen bringt, maximal das Gegenteil davon. David Scheid hat ähnlich viele Schichten, diverse Schalen die er ablegt und hinzufügt: Hip Hop-DJ, Veranstalter ("Rapper lesen Rapper"), Radio-Host ("Mörder Scheiben" in der FM4 Happy Hour), Schauspieler ("Dave", “Des Teufels Bad” an der Seite von Anja Plaschg alias Soap&Skin, “Sargnagel - Der Film”) und eben: Kabarettist.
“The Kabarettist” heißt auch sein mittlerweile viertes Soloprogramm, für das er nun den Programmpreis bekommt: Hier legt er ein politisch, musikalisch und humorvoll aufgeladenes Programm vor und beschenkt ust mit einem dystopisch-realen Stück über das Mundtotmachen von Humormenschen und Satirikern, ein Stück über die Fragilität von Demokratie und Kunst. “Wenn man gecancelt wird, hat man etwas geleistet”, verriet er uns dazu etwa im Interview über das Programm, das sich um einen vermeintlichen Kabarettisten dreht, der im Exil lebt, weil er zu politisch war. Dieser Kabarettist natürlich Scheid selbst, der im Jahr 2040 in das letzte demokratische Land der Welt geflüchtet ist und von dort auf den Wandel blickt, der auch in Österreich stattgefunden hat.
Verpackt in eine aufwendige Multimedia-Show mit hochwertig produzierten Einspielern, knackigen Live-Raps ("Signa Boy", “Der Grüffelo”), Turntable Scratches, viel 90er-Jahre-Oldschool-Hip-Hop-Vibes und rasanten parodistischen Monologen ist “The Kabarettist” vor allem ein Warnschuss für unsere Meinungsfreiheit. Das Programm scheint auf den ersten Blick zwar leichte Kost zu sein, aber Scheid zerschneidet und hackt bis es in den Augen brennt, es ist eine verdammt smarte Unterhaltung mit deepem Kern. Und letztlich stellt es zwei große Fragen, nämlich was Kunst und was Demokratie überhaupt ist.
Severin Groebner, der den Hauptpreis für “Ich bin das Volk!” bekommt, ist eine der bissigsten Satirikern des deutschen Sprachraums, bricht er immerhin scharfe gesellschaftliche und politische Beobachtungen aus aller Welt sarkastisch auf den Midlifekrisen-Minokosmos herunter und präsentiert so ein heftiges satirisches Manifest. In seinem Programm stellt er nämlich in absolutem Größenwahn ein eigenes Regierungsprogramm vor - und zwar für den kleinen Mann auf der Straße. Denn: Der kleine Mann auf der Straße, das ist immer noch ein Mensch wie Du und ich. Fragen wir ihn also: Warum ist der kleine Mann eigentlich immer auf der Straße? Hat er kein zu Hause? Und wie klein ist er genau? Strebt das Volk eigentlich immer nach Größe, weil es aus lauter kleinen Männern besteht? Was will das Volk eigentlich? Weiß es das überhaupt? Oder was es ist? Gibt es neben dem Volkswillen auch ein Volkswissen? Und was sagt man dem Volk? Außer: Folgt! All diese Fragen beantwortet Groebner in seinem Kabarett- und Regierungsprogramm: Schließlich kommt er, der Souverän, aus dem Volk.
Man kann behaupten, dass sich Severin Groebner den spezifischen Humor seiner bisherigen Wohnorte angeeignet hat: Den Wiener Schmäh seiner Herkunft; den skurillen Slapstick und Wortwitz des Münchners Karl Valentin, dem er ja auch äußerlich nahekommt; und schließlich die scharfe Satire der Neuen Frankfurter Schule. Mit diesem beachtlichen Bündel, noch ergänzt durch sein musikalisches Talent, ist Groebner in den vergangenen Jahren zur Meisterschaft aufgelaufen, komplexe zeitgeschichtliche und gesellschaftliche Ärgernisse ebenso böse wie witzig auf den Punkt zu bringen. Kein Wunder, dass er da bereits unter anderem mit dem Grazer Kleinkunstvogel und dem Salzburger Stier ausgezeichnet wurde, und bereits einmal vor fünf Jahren den Österreichischen Kabarettpreis überreicht bekam - doch “Ich bin das Volk!” ist sein vorläufiger Höhepunkt, ein Rundumschlag eines gescheiterten Möchtegern-Autokraten, der die Mechanismen und Facetten des erstarkenden Alltagsfaschismus verständlich macht - so wie dereinst der “Herr Karl”.
Seit 2005 bringen Moderator Robert Steiner und Ratte Rolf Rüdiger auf ORF Radio Wien Generationen von Hörer*innen zum Lachen, Staunen und Mitspielen. Was als vierwöchige Adventshow begann, ist heute ein fester Bestandteil des österreichischen Radiolebens - mit zwei Sendungen, täglich und wöchentlich, und einer Fangemeinde, die von Kindern bis zu Großeltern reicht.
Robert Steiner sammelte früh Erfahrung als Moderator – unter anderem beim Weltkonzern Disney. Sein Weg ins österreichische Fernsehen führte ihn zu Confetti TiVi, dem legendären Kinderprogramm des ORF (1994–2008). Dort traf er auf Rolf Rüdiger - die freche Ratte, die seither nicht mehr von seiner Seite weicht. Rolf Rüdiger ist seit 1994 das Werk des Puppenspielers und Puppenbauers Stefan Gaugusch, der die Handpuppe erschuf und ihr bis heute seine unverkennbare Stimme leiht. Die Ratte wurde zum Maskottchen von Confetti TiVi, führte Interviews mit Prominenten wie David Hasselhoff und Bundespräsident Heinz Fischer und wechselte nach dem Ende der Sendungreihe 2008 kurzerhand ins Radio.
Seit November 2005 läuft “WOW - Wissen, oder was?” jeden Sonntag von 8 bis 10 Uhr auf ORF Radio Wien: Kinder können da live anrufen und dem Duo eine knifflige Frage stellen, und Robert Steiner und Rolf Rüdiger haben genau eine Musiknummer lang Zeit, die Antwort zu finden. Seit 2020 gibt es auch ein tägliches Format: “Extra WOW - Die 2 um 2” ist eine Retrospieleshow montags bis freitags von 14 bis 15 Uhr, mit Spielen wie “Dalli Dalli”, dem Kochrätsel “Smørrebrød” und der “Gurgelrunde”.
Gewürdigt werden Robert Steiner und Stefan Gaugusch mit “ihrem” Rolf Rüdiger also für ihr kontinuierliches und nachhaltiges Wirken im Bereich der humoristisch-frechen Früherziehung. Denn es ist wichtig, Kindern bereits in jungen Jahren zu vermitteln, dass Kritik, Witz und Widerstand nicht nur wesentliche Tugenden, sondern auch elementare Faktoren einer funktionierenden Demokratie sind. Aber: Immer empathisch und solidarisch!