Bild: Victoriy Nazarova Bild: Victoriy Nazarova
Konzerte

Am See, am Berg, in Kirchen und Gärten: Kulturelle Highlights und Geheimtipps

23.06.2026 von Stefan Baumgartner

Am See, am Berg, in Kirchen und Gärten: Auch diesen Sommer gibt es in Österreich auf einigen der malerischsten Bühnen des Landes kulturelle Highlights und absolute Geheimtipps zu erleben!

Natürlich, Wien wird gemeinhin als die Kulturhauptstadt Österreichs wahrgenommen: Zahlreiche große und kleine Bühnen laden das ganze Jahr über ein, zwischen Liedern und Schauspiel Zerstreuung zu finden. Doch gerade in den Sommermonaten bietet es sich an, die Stadt für einige Mußestunden auch einmal zu verlassen und einem Kulturgenuss eingebettet in atemberaubende Kulissen, nicht selten auch am kühlenden Gewässer zu erleben. Denn der Sommer hat viel mehr zu bieten als nur die “lauten” Festivals!

wellenklaenge

Ein wahres Juwel ist da freilich das wellenklaenge Festival in Lunz am See (Niederösterreich, Bezirk Scheibbs), das dieses Jahr erneut im Juli über die Bühne geht und das ebenso poetische, wie auch politische Motto “Empathie & Wiederstand” trägt.

Musik, Performance und interdisziplinäre Projekte sollen dort, auf der malerischen Seebühne, nicht nur zum Zuhören anregen, sondern durchaus auch nachdenklich stimmen. Dabei gerät bereits das Eröffnungskonzert am 10. Juli zu einem wahren Highlight, wenn Die Strottern (Titelbild) gemeinsam mit der JazzWerkstatt Wien und Teresa Präauer das ehrwürdige Wienerlied neu denken – etwa mit ihrem aktuellen Album “Sieben Zwetschken”. Neben vielen, vielen anderen Highlights sollte man sich aber auch das wiener-türkische Geschwisterpaar EsRAP (gemeinsam mit Ausnahmepianisten Marino Formenti) nicht entgehen lassen: Mit ihrem Potpourri aus Rap, türkische Arabeske, Balkansounds und Klassik feiern sie, wie sie selbst sagen, das „Tschusch-Sein“.

Aber abgesehen vom zauberhaften Ambiente und dem “schönen” Programm hat das wellenklaenge noch einen anderen Benefit parat: Werden anderswo im Sommer Hitzerekorde gebrochen, sorgen die 600 Meter Seehöhe immer noch für eine kleine Abkühlung – und zwar nicht nur im erfrischenden Nass des Sees!

Tickets wellenklaenge

Salzkammergut Festwochen

Die Salzkammergut Festwochen Gmunden vorzustellen, hieße wohl, Eulen nach Athen zu tragen: Bereits seit 1978 (!) wird im dortigen Stadttheater Kulturgenuss und Sommerfrische großgeschrieben, die Festwochen selbst gehen dieses Jahr in ihre 39. Saison!

Selbstredend, dass auch diesen Sommer das diverse, reichhaltige Programm erneut sehr fein ausgesucht ist – angefangen bei der Eröffnung am 2. Juli mit KALA Chamber, Markus Meyer und der fantastischen Mavie Hörbiger über Konzerte von etwa Ernst Molden und Sigrid Horn (18. Juli), Tom Neuwirth (19. Juli) sowie Kabarettist, Schauspieler, Autor, Bierbrauer (Tausendsassa!) Thomas Stipsits (31. Juli) und Anna Buchegger mit lovehead und Ankathie Koi (2. August) bis hin zu Philipp Hochmairs “Hochmair, wo bist du?” und der bis Mitte August laufenden Ausstellung von Parov Stelars Bildern. Einziger Nachteil: Das passende Konzert von Parov Stelar ist freilich schon ausgebucht.

Tickets Salzkammergut Festwochen Gmunden

Kultur.Sommer.Semmering

Direkt vor den Toren Wiens lädt auch diesen Sommer wieder der Kultur.Sommer.Semmering zu einem dichten kulturellen Reigen, und das inmitten eines atemberaubenden Bergpanoramas!

Einige der zahlreichen Highlights seien an dieser Stelle gesondert exponiert: Freuen darf man sich am 1. August etwa auf Angelika Kirschlager mit Alfred Dorfer und Florian Krumpöck, die bei “Tod eines Pudels” gekonnt Klassik mit Komik vereinen. Aglaia Szyszkowitz und Walter Sittler hingegen erwecken am 29. August Daniel Glattauers “Gut gegen Nordwind” zum Leben, während sich Gregor Seberg gemeinsam mit Robert Kolar und Tommy Hojsa am 27. August dem großen Helmut Qualtinger widmet, Karl Markovics am 5. September Karl Kraus und Michael Maertens mit Gerti Drassl und Daniel Keberle am 2. August Arthur Schnitzlers “Anatol”, Maertens am 8. August mit Soley Blümel auch Miguel de Cervantes “Don Quijote”. Ein Pflichtbesuch steht auch bereits am 5. Juli an: Da ehrt die fantastische Maya Hakvoort die nicht minder fantastische Barbara Streisand!

Tickets Kultur.Sommer.Semmering

Musiksommer St. Leonhard

Beim Musiksommer in der salzburgerischen Wallfahrtskirche St. Leonhard hört man dieses Jahr “magische Momente” und “klassische Kostbarkeiten”, die trotz all der Widrigkeiten, die gerade in der Welt um uns herum passieren, erwecken und mit ihrer durch Mark und Bein gehenden Schönheit immer noch an Frieden und Friedfertigkeit glauben machen.

Da wäre etwa am 23. Juli das Brass Ensemble des BRSO München, das zu einer packenden Klangreise durch die Musikwelt von Johann Sebastian Bach bis zu Benjamin Britten einlädt, oder – am 13. August – Salzburgs “Jedermann” Philipp Hochmaier, der zur beseelten Kammermusik von Bruckner Adalbert Stifters “Hagestolz” liest.

Und nebenbei sollte man sich auch eine ganz spezielle Besonderheit der Kirche nicht entgehen lassen, nämlich das bekannte “Goldfenster”, dessen Scheiben nur aus goldgelben und blauen Gläsern bestehen!

Tickets Musiksommer St. Leonhard

La Strada

Seit bereits fast 20 Jahren findet mit dem La Strada in Graz Ende Juli und Anfang August ein neuntägiges Straßen- und Figurentheater statt: Ein Teil der Aufführungen findet im Freien - in Parks, auf Straßen und Plätzen – und überwiegend bei freiem Eintritt statt.

Nebenbei gibt es aber auch einige aufwändige Inszenierungen indoor – darunter etwa am 31. Juli, sowie am 1. und 2. August in der Grazer Oper das französische Collectif XY, das in “Möbius” eine kühne Verbindung von Akrobatik, Tanz und Poesie zelebriert, und zwar anhand natürlicher Phänomene wie den Murmurationen, also dem Flugverhalten der Stare in fließenden Bewegungen, die sich zu einem lebendigen Schwarm verbinden.

Zwischen 2. und 5. August empfiehlt sich aber auch ein Besuch im Minoritenhof, denn da verwandelt er sich in einen stimmungsvollen Konzertsaal unter freiem Himmel – mit stilvollen Konzertabenden, die so herausragende Musiker*innen wie die Brass Band aus Lille und Nataša Mirković mit Matthias Loibner in einem einzigartigen Ambiente bieten!

Tickets La Strada

Neuberger Kulturtage

Bleiben wir gleich in der Steiermark und reisen zwischen Mitte und Ende Juli zu den Neuberger Kulturtagen! Was im Sommer 1977 mit Orgelkursen begann, wurde über die Jahre zu einer Erfolgsgeschichte: Spielstätten des Festivals sind das Dormitorium im Stift Neuberg sowie das Münster in Neuberg an der Mürz.

Dabei wird das Festival seit 1988 (!) von Dirigenten und Pianist Stefan Vladar geleitet, nicht nur einer der profiliertesten musikalischen Persönlichkeiten des Landes, sondern zudem auch Träger des Goldenden Verdienstkreuzes der Republik Österreich.

Aus dem Programm hervorzuheben wäre am 12. Juli etwa eines der Konzerte im Dormitorium, nämlich das von Herbert Lippert gesungene und von den Wiener Philharmonie Schrammeln begleitete Konzert “Die Welt ist ein Narrenhaus”, mit Wiener Liedern von Robert Stolz, Leo Ascher und Edmund Eysler. Speziell wird es am Folgetag ebenfalls im Dormitorium, wenn Gerald Preinfalk gemeinsam mit Musikern aus der Formation Gewürztraminer zu einem jazzigen Abend lädt!

Tickets Neuberger Kulturtage

Glatt&Verkehrt

Das Festival Glatt&Verkehrt wurde 1997 gegründet. Mittlerweile pilgern alljährlich abertausende Besucher*innen nach Krems und Umgebung, um nicht nur in spannende Musikideen aus allen Erdteilen und jenseits aller Schubladen, sondern auch in die kulinarischen Freuden der Region einzutauchen – dieses Jahr zwischen 10. und 26. Juli.

Ein ganz spezielles Highlight erlebt man gleich am ersten Festivaltag, wenn nicht nur das irisch-englische Folk-&-Soul-Kollektiv aus Ríoghnach Connolly und Honeyfeet ihr Österreich-Debüt gibt, sondern sich Die Strottern in ihrem 30. Jubiläumsjahr gemeinsam mit Blech zu einem Quartett “aufblasen” und gekonnt zwischen der Klangvielfalt der Großstadt und der alpinen Volksmusik changieren.

Nicht entgehen lassen sollte man sich am dritten Tag auch das ebenfalls Osterreich-Debüt von Hilgeum: K-Pop hat von Südkorea aus die Welt erobert – unbekannt geblieben ist hingegen bisher die traditionelle koreanische Musik. Mit Hilgeum dürfte sich das ändern: Bei diesen drei Ausnahmemusikerinnen trifft Virtuosität auf spielerische Kreativität, mit faszinierenden Klängen der traditionellen Instrumente.

Tickets Glatt&Verkehrt

Grafenegg Festival

Das auch schon 20. Grafenegg Festival beginnt am 14. August und erstreckt sich bis zum 6. September. Erneut verwandelt sich der historische Landschaftsgarten rund um das Schloss Grafenegg in einen brodelnden Festivalbetrieb, gastieren in Grafenegg Orchester von Weltrang und die Spitzenkünstler*innen unserer Zeit: am ikonischen Wolkenturm, im Auditorium, im Schlosshof und erstmals auch im neuen Rudolf Buchbinder Saal, der im Obergeschoß der Reitschule als neueste Spielstätte Grafeneggs mit herrlichem Blick auf den Schlosspark als neues Juwel erstrahlt.

Auch und gerade im Jubiläumsjahr ist das Programm besonders üppig geraten und reicht von Kammermusik bis Chor-Orchesterwerke, von Oper bis Populärmusik. Doch damit hört die Vielfalt nicht auf: Eben in jenem neuen Saal erklingt Musik im intimeren Rahmen unter fokussierten akustischen Bedingungen – etwa am 22. August, wenn sich Sergei Dogadin (Violine) und Daniil Trifonov (Klavier), beide einst Gewinner des Tschaikowski-Wettbewerbs, sowohl Sergej Prokofjew und Dmitri Schostakowitsch widmen.

Eine Empfehlung aussprechen muss man etwa auch für den 28. August, wenn das Orchester der Bayreuther Festspiele mit Pablo Heras-Casado und Auszügen aus „Parsifal“ zum zweiten Gastspiel nach 2024 zurück an den Wolkenturm kehrt, mit dabei: der österreichische Tenorstar Andreas Schager in der Titelpartie.

Tickets Grafenegg Festival

Theater im Park

Gänzlich Wien ausklammern geht natürlich auch nicht: “Zwischen den Hundstrümmerln, die uns Corona hinterlassen hat, ist das Theater im Park wie eine Blume entwachsen”, resümierte vor wenigen Wochen der große Ernst Molden anlässlich der Eröffnung der siebten Saison des Theater im Park. Und tatsächlich: Die Freiluftbühne im Garten der Familie Schwarzenberg, direkt unter dem Belvedere gelegen, ist mittlerweile ein unverzichtbarer Bestandteil des sommerlichen Kulturtreibens in der Bundeshauptstadt – und das mit einem nicht nur diversen, spannenden Programm, sondern auch in einem Ambiente, das man in seinem Liebreiz für Geld eigentlich gar nicht kaufen kann.

Vom Hausherren Michael Niavarani mit seinen beiden Bühnenstücken “Venus & Jupiter” und “Sommernachtstraum” sowie seinem Kabarett “Homo Idioticus 2.0” spannt sich der Bogen über natürlich das kongeniale Duo Ernst Molden und Ursula Strauss, Tobias Morettis Schlagertherapie, Peter Filzmaiers “Schönsten Sportgeschichten” und den aktuellen Kabarettprogrammen von etwa Malarina ("Trophäenraub") und Berni Wagner ("Monster") bis hin zu Größen wie Nino aus Wien, Philipp Hochmair und dem “investigativsten Duo der Welt”, Florian Klenk und Florian Scheuba.

Tickets Theater im Park

Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren