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Godflesh: neue Single & live am Donaufestival Krems

04.04.2023 von Stefan Baumgartner

Godflesh ist eine englische Industrial-Metal-Band, die 1988 von Justin K. Broadrick und B. C. Green in Birmingham gegründet wurde - oder eigentlich schon 1982, wenn man die Vorläufer O.P.D. beziehungsweise Fall of Because mit einrechnet. Immerhin wurden einige Stücke - "Life Is Easy", "Mighty Trust Krusher" und "Merciless" vom "Extirpate"-Demo - später für Godflesh umgearbeitet. Broadrick hatte sich damals schon seine Sporen bei der britischen Grindcore-Koryphäe Napalm Death verdient - und zumindest die erste Seite der Platte "Scum" veredelt. Vom wilden, aber engen Korsett Napalm Deaths rasch fadisiert, wechselte er zu Head of David und spielte mit ihnen eine der legendären Peel Sessions, bevor er über den britischen Weirdo Aphex Twin auf exakt den Sound aufmerksam wurde, der ihn fortan begleiten sollte - eine harsche, dabei aber durchaus filigrane Mischung aus Industrial, Noise, Hip-Hop und Metal.

Ihr erstes Album "Streetcleaner" aus dem Jahr 1989 gilt als Meilenstein des Industrial-Metal-Genres und beeinflusste zahlreiche Bands wie Nine Inch Nails und Ministry. Kaum geringere Meilensteine folgten mit "Pure" (1992) und "Selfless" (1994), bevor sich aus mannigfaltigen Gründen ab "Songs of Love and Hate" (1996) ein langsamerer Abfall einstellte. Rückblickend sieht auch Broadrick jenes Album als den Zeitpunkt ihrer Karriere an, wo sie ihre eigene Vision aus den Augen verloren - etwas, was auf "Us and Them" (1999) und dem (im Kontext gesehen desaströse) "Hymns" (2001) noch deutlicher wurde und schließlich die Karriere vorerst beendete. Letztlich hatte die Identitätskrise auch bei so genialen Geistern wie Broadrick und Green überhand genommen.

2009 reformierte sich die Band und feierte - neben Giganten wie Fear Factory, Slayer, Carcass, Immortal und Motörhead - 2010 am französischen Hellfest ihre triumphale Wiederkehr, wenngleich von technischen Problemen geplagt. 2011 folgte mit einem vollen "Streetcleaner"-Set am holländischen Roadburn auch gleichzeitig das erste - im übrigen sensationelle - Livealbum von Godflesh. 2013 folgte ebda. ein volles "Pure"-Set, bevor sie 2014 mit "A World Lit Only by Fire" vollständig wiederkehrten - und wie! Es schien, als wären die Jahre nach "Selfless" (oder gar "Pure"!) weggeblasen. 2017 folgte "Post Self", nicht minder im Geiste der Frühwerke wie der direkte Vorgänger.

Und nun steht ihr neuntes Studioalbum "Purge" in den Startlöchern, das Godflesh am 9. Juni zu veröffentlichten trachten. Der erste Song, den wir (wie gewohnt in vier verschiedenen Versionen) zu hören bekommen heißt "Nero" - er wird auch das Album eröffnen. Neben "Nero" finden sich mit "Land Lord", "Army of Non", "Lazarus Leper", "Permission", "The Father", "Mythology of Self" und "You Are the Judge, the Jury, and the Executioner" noch sieben weitere Stücke am Album.

Nero, as a symbol and reminder of irresponsible self destruction as being practiced always, now and forever. In classic Godflesh tradition, three self-reinterpretations are presented, to display the many sides of the same coin.

(Justin K. Broadrick)

Sowohl die "Nero"-EP, als auch "Purge" sind bereits online vorbestellbar.

Kurz vor der Veröffentlichung von "Purge" werden Godflesh das erste Highlight vom Kremser Donaufestival sein: Bereits aufgeheizt von BIG | BRAVE, die am 28. April um 20. 30 Uhr im Stadtsaal ihre bassgrundierte Mediation erbrechen, werden um 22.30 Uhr Godflesh ebendort für das erste, und vielleicht übergroße Highlight am diesjährigen Festival sorgen. Was ist zu erwarten? Finsterer, brüllender Gitarrenkrach, ohrenbetäubende Feedbacks, eine stoisch voranmarschierende Drum-Maschine, verzerrte Stimmen, kreischende Bässe und gleißendes Licht. Kurz: Kathartischer Lärm, hoffnungslos und kalt. Es wird weh tun und schön sein.

Weitere Empfehlungen aus dem Musik-Programm des Donaufestivals:

 

  1. Zebra Katz am 29. April - queere, erotisch vibrierende Beats
  2. yeule am 30. April - irgendwo zwischen hyperartifiziell und antropomorpher Schönheit
  3. Puce Mary am 5. Mai - Kreisch-und-Klang-Exhibitionismus
  4. Debby Friday am 5. Mai - Industrialbeats vertonen das Leben einer queeren schwarzen Frau
  5. Lingua Ignota am 6. Mai - irgendwo zwischen Klassik und Noise

 

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Tickets für beide Wochenenden des Donaufestivals, vom 28. April an und vom 5. Mai an, sind bei oeticket.com erhältlich.

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