Bild: oeticket / Patrick Münnich
Laufey, Gracie Abrams, Harry Styles, Addison Rae, Madison Beer, Nessa Barrett, Sabrina Carpenter, Charli XCX, Chappell Roan, Taylor Swift und natürlich Billie Eilish: Wer zu ihren Konzerten geht, muss sich nicht nur auf viele, viele Menschen, sondern vor allem auch auf lange Schlangen einstellen - denn: Jede*r will möglichst nah bei der Bühne, bei seinem Idol stehen. Ein Eindruck vom 6. Juni, als Billie Eilish das Areal rund um die Stadthalle in einen Ausnahmezustand versetzte.
Am 6. Juni war Billie Eilish in der ausverkauften Wiener Stadthalle zu Gast. Bereits am Tag zuvor war der Märzpark vor der Halle von Billie-Fans überlaufen – immerhin hieß es, sich neben einem der heiß begehrten (und natürlich bereits ausverkauften) Tickets vielleicht auch noch zusätzlich eine offizielle „Startnummer“ zu sichern: Mit dieser konnte man sich dann am Konzerttag vor den “normalen” Fans nochmals früher anstellen, um ja in die erste Reihe zu gelangen und vielleicht auch Billie kurz umarmen zu dürfen.
Zahlreichen Billie-Fans war das bei den Traumtemperaturen aber wohl zu blöd – sie genossen stattdessen lieber eine der Billie-Eilish-Eissorten bei Veganista. Für manche eine kluge Entscheidung, denn Billie tauchte beim Eisgeschäft in der Neustiftgasse sogar höchstpersönlich auf!
Am Konzerttag selbst herrschte im Märzpark freilich nochmals mehr ein Ausnahmezustand: Gefühlt zwei Drittel der 16.000 Fans, die wenig später in die Stadthalle stürmen sollten, campten schon seit den frühen Morgenstunden im Märzpark – und nicht wenige waren noch auf der verzweifelten Suche nach einem Ticket, stirbt die Hoffnung immerhin zuletzt. Billie hätte die Stadthalle wohl mühelos eine ganze Woche hinweg ausverkaufen können!
Viele junge Menschen – hauptsächlich Frauen – schauten ihrem Vorbild Billie Eilish dabei nicht unähnlich: Ihr Look von Baggyjeans, weiten Jerseys und Snapbacks dominierten ebenso das Bild, wie auch die Haarfarben blau und grün, die Billie in ihrer kurzen, dabei steilen Karriere bereits durchschritten hatte. Es gab natürlich auch Schilder mit Sprüchen und Fotos, mit der schwelenden Hoffnung, von Billie beim Konzert dann entdeckt und vielleicht sogar umarmt zu werden.
Zahlreiche der Fans waren sogar extra für das Konzert von Billie Eilish teils weit angereist: Die Slowakei, Tschechien und Polen waren Österreich mindestens ebenbürtig – und einer der wenigen wartenden Männer (mit “I <3 Billie”-T-Shirt) flog sogar extra aus Texas ein. Trotz der heißen Temperaturen und der Menschenmassen war die Stimmung allerorts gelöst und voller Vorfreude: Zwar war bereits die Anspannung und Vorfreude zu spüren, aber auch die fantastische Stimmung, die später sowohl beim Voract Tom Odell, als auch bei Billie Eilish selbst durch die Stadthalle ziehen sollte. Während andernorts viele Menschen auf einem vergleichsweise engen Raum schon auch einmal Stress bedeuten kann, war im Märzpark davon nichts zu spüren: Es war überdeutlich, dass alle nicht nur wegen der einen gemeinsamen Sache (also: Billie) da waren, sondern sich auch tatsächlich als eine Gemeinschaft verstanden - Sonnenschutz wurde geteilt, für Wassernachschub oder Snacks gesorgt, wenn der Schwindel drohte und natürlich wurde auch gemeinsam gesungen und getratscht, um sich die Stunden zum Konzert zu vertreiben.
Fotos: Patrick Münnich
Mit einem Billie-Eilish-Fan bin ich dann noch eine Runde mit der Straßenbahn gefahren: Phoebe (14) wollte gemeinsam mit ihren Eltern, die sie aufs Konzert begleiteten, unbedingt noch die Durchsage hören, die Billie Eilish für die Wiener Linien hinterlassen hat: Ihre Klima-Message – „Kommt klimafreundlich mit den Öffis zum Konzert!“ wurde am Konzerttag in allen Verkehrsmitteln alle 30 Minuten wiederholt. Nachdem die Aufregung, die Stimme von ihrem Idol gehört zu haben, ein kleines bisschen abgeebbt war, durfte ich Phoebe auch mit ein paar Fragen löchern - bevor mit dem Papa an der Hand das Merchandise gestürmt wurde …
Ich war 7 oder 8 Jahre alt, da habe ich zufällig ein Video von ihr gesehen und dann jeden in der Schule gefragt, ob sie Billie auch kennen. Damals kannte sie aber fast noch keiner. Aber ich bin seit damals ein riesen Fan!
Sie war einfach ein cooles Vorbild. Mir hat einfach alles an ihr gefallen, auch ihr Style und so.
Ich glaube, sie war die erste, die mir so richtig gefallen hat, ja!
Meistens einfach durch Zufall, zum Beispiel auf TikTok oder so (lacht). Man schnappt immer irgendwo etwas auf, was cool klingt.
Ich habe Billie Eilish auch schon 2022 in London gesehen, damals hatten wir Sitzplätze, weil ich noch sehr jung war. 2023 waren wir bei ihr am Sziget Festival, sogar in der ersten Reihe!
In Budapest beim Sziget Festival haben ja auch noch andere Künstler*innen gespielt, aber man hat so viele Leute mit Billie-T-Shirts gesehen, dass man genau wusste, dass alle nur für Billie da sind! London war mein erstes wirklich großes Konzert – da war ich sogar extra deswegen nicht in der Schule (lacht). Außerdem wollte ich schon immer nach London, also war das perfekt für mich!
Das kann ich so nicht wirklich sagen. Beim ersten war ich ja auch erst 11 Jahre alt. Aber ich glaube, das Sziget Festival war dann schon nochmal ein ganz, ganz tolles Erlebnis für mich.
Vielleicht, dass ich früher jedes Video von ihr auswendig kannte – und das auch irgendwie mit meinen Freunden verbinde. Ich finde das schön, dass wir alle so verrückt nach ihr sind und dass uns das verbindet (lacht).
Für mich nicht, für mich war das immer sehr einfach, weil sich darum einfach mein Papa gekümmert hat (lacht). Aber ich habe schon mitbekommen, dass es nicht so einfach war, Tickets zu bekommen, weil die ja gleich weg waren.
Ja, voll. Ich kenne auch viele Leute, die einfach nur so aufs Konzert gehen oder sich Merchandise kaufen, weil Billie Eilish Mainstream geworden ist – aber nicht wirklich Fans sind. Das finde ich für uns Fans schon blöd.
Voll viele Mitschüler*innen sind jetzt auch Fans, nur weil es irgendwie dazugehört, ein Fan von Billie Eilish zu sein, ja.
Ich finde das mit den Nummern schon besser als das tagelange Campen vor der Halle. Aber das ist ur ausgeartet und jetzt muss man sich auch schon für die Nummer am Vortag ewig anstellen. Das finde ich blöd, das ist mir zu anstrengend – und außerdem habe ich keine Zeit dafür: In die Schule muss ich ja doch auch gehen (lacht).
Ich finde es ist nicht zwingend notwendig, aber ich finde es besser, wenn gerade so prominente Menschen wie sie etwas zu Umweltschutz oder Veganismus sagen. Dass man umweltbewusst ist und auch selbst so handelt, finde ich gerade heute sehr wichtig.
Ich bin nicht vegan, aber ich versuche schon, weniger Fleisch zu essen und generell weniger Tierprodukte zu mir zu nehmen. Und auch Umweltschutz finde ich sehr wichtig, weil jetzt ist vielleicht der letzte Zeitpunkt, wo man noch etwas ändern könnte. Aber irgendwann ist es dann wirklich zu spät. Das ist dann blöd – und zwar für alle. Ich versuche auch, Strom zu sparen und nicht zu viel Müll zu produzieren. So schwer ist das ja nicht.
Nein, noch nicht. Aber vielleicht komme ich mit meinen Eltern noch dazu (lacht).
Voll, ich versuche schon, mich auch an ihrem Style zu orientieren.
Für mich ist schon sie das Vorbild, aber bei meinen Freundinnen kann das schon auch immer wieder wechseln, wen sie gerade toll finden.
Ich finde es jetzt nicht so gerechtfertigt, ich verstehe nicht, wieso die ganzen Sachen so teuer sein müssen. Aber ich zahle trotzdem gerne das Geld – also, meine Eltern (lacht) – weil es mir einfach wichtig ist. Wenn ich dann mein eigenes Geld verdiene, wird es aber auch nicht anders sein, denke ich.
Meine rote Blohsh-Kette, die ich jetzt eh auch fürs Konzert umgehängt habe!
Ja, doch! Das kommt von meinem Papa, der will auch alles nicht nur digital haben, sondern die Platten von seinen Lieblingsmusikern im Regal stehen haben (lacht). Und T-Shirts hat er auch viele.
Ich selbst bin weniger der Typ dafür, der mit seinen Sachen angibt. Mir ist das nur persönlich, für mich selbst, wichtig, etwas Bestimmtes zu haben – nicht, um das großartig herzuzeigen, wie toll ich nicht bin.
Es kommt drauf an. Wenn ich hinten stehe und immer noch gut nach vorne sehe, dann ist das schon auch okay. Aber wenn ich nur etwas höre, aber nichts sehe, dann finde ich das schon sehr blöd. Aber natürlich ist die erste Reihe immer noch einmal etwas ganz anderes!
Schon! Ich warte auch nicht so gerne (lacht). Aber man macht es ja auch für etwas! Und beim Warten kann man immer noch mit den anderen Fans reden oder einfach aufs Handy schauen (lacht).
Ich kann mich selten vorher entscheiden, ob ich das Handy wegstecken werde oder ob ich auch mitfilmen will. Aber ich filme nie alles, immer nur Ausschnitte – aber eine greifbare Erinnerung zu haben, das ist schon auch toll. Außerdem kann ich das dann auch Freundinnen zeigen, die nicht aufs Konzert gehen konnten.
Bei mir sind es eher die alten Lieder, bei denen ich mitfilme. Oder wenn sie etwas covert. Aber ich entscheide das immer sehr spontan, wenn mir grad ein Moment so richtig gut gefällt.
Nein, ich lasse mich überraschen!
„Male Fantasy“, „Xanny“ und „Watch”.
Eigentlich bin ich nur wegen ihr dort, aber Tom Odell kenne ich schon auch und finde ihn auch ganz cool. Aber wichtig ist er mir heute nicht (lacht).
Das ist ungefähr so, als würdest du mich fragen, was ich mir fürs Leben wünsche (lacht)! Ich glaube, ich würde erstmal zu weinen beginnen und ihr dann einfach nur sagen, dass sie mir unglaublich wichtig ist.
Und dann hieß es auch schon für Phoebe, ihre Eltern und auch mich: Ab in die Stadthalle, zuerst zum Merchandise und dann zu Tom Odell - bevor Billie pünktlich zum Hauptabendprogramm auf der Bühne erschien - denn ja, es war eine Erscheinung! Die knapp 16.000 Menschen rasteten bereits bei den ersten Tönen in der brütend heißen Halle aus und bis zur letzten Minute war der Kreischpegel enorm: Selten war ein Konzert so intensiv, wie das von Billie Eilish - das fand auch Phoebe, die ihr bereits drittes Billie-Eilish-Konzert mit einem überglücklichem Lächeln im Gesicht und mit neuem Billie-Eilish-Merchandise im Gepäck beschloss. Und vielleicht war da auch hie und da eine Träne der Freude, die über das Gesicht kullerte: “Happier than ever”, das waren an dem Abend wohl viele.
Und vielleicht sehe ich eines der glücklichen Gesichter schon bald wieder: Im Juli wird zwar nicht Billie Eilish nach Wien kommen, aber immerhin ihr Bruder Finneas. Und Tom Odell, der bei Billie Eilish im Vorprogramm zu hören war, kommt im November nochmals nach Wien - im Vorprogramm: OSKA!