Bild: FKP Scorpio
Zwei Jungspunde bringen an zwei Abenden Classic Rock in die Arena – und wecken Erinnerungen an die wilden Siebziger: Kadavar mit gleich zwei neuen Alben im Gepäck am 23. Oktober, The Vintage Caravan bereits am 12. Oktober.
Im Zeitalter von Cloud Rap, Hip-Hop, Metalcore und Gen-Z-Pop kommt ein Genre oft etwas zu kurz: der klassische, erdige Hard Rock. Während große Festivals wie das Nova Rock und das FM4 Frequency auf die zuvor genannten Genres setzen, hält einzig das Doppel-Festival Clam Rock und Lovely Days dem Hard Rock die Fahne hoch. Und natürlich zählen einige auserwählte Bands aus dem Genre – von The Rolling Stones über AC/DC bis Guns N‘ Roses – immer noch zu den Megasellern, die Stadien füllen.
Classic Rock umfasst Rockmusik aus drei Jahrzehnten, von der Psychedelia der 60er Jahre und dem AOR der 70er Jahre bis hin zum College Rock der 80er Jahre, Heavy Metal und Grunge der Neunziger. Die meisten Classic-Rock-Songs sind gitarrenlastig, dementsprechend hat das Genre viele Gitarrenhelden hervorgebracht – von Jimi Hendrix über Jeff Beck bis hin zu Eddie Van Halen und Slash. Aber klassische Rock-Bands sind auch für ihre ikonischen Leadsänger bekannt, von Mick Jagger von den Rolling Stones über Robert Plant von Led Zeppelin bis hin zu Axl Rose von Guns N' Roses.
Obwohl diese Musikrichtung sich naturgemäß hauptsächlich an ein älteres Publikum orientiert, interessieren sich in den vergangenen Jahren auch immer mehr jüngere Hörer dafür: „shabby chic“ und „vintage“ ist nicht nur bei Möbeln (siehe auch das Revival alter Produktlinien beim schwedischen Möbel-Giganten) und Kleidung in! Und dementsprechend gibt es nicht nur die alten Bands, die um die Gunst ihres Publikums buhlen, sondern immer wieder auch jüngere Musiker, die sich Gitarren umschnallen und dem Blues frönen: zwei der besten jungen Vertreter des Classic Rock kommen demnächst auch zu uns, in die Wiener Arena.
Es begann alles vor 15 Jahren: Die drei Wahl-Berliner mit den tierischen Künstlernamen Tiger (Schlagzeug), Lupus (Gesang/Gitarre) und Mammut (Bass) – letzter gar ein Kärntner! – eint die Liebe zu Retro-Klängen von Black Sabbath über Pentagram bis hin zu Hawkwind, sowie ein Faible für Gewand aus Second-Hand-Läden. Aus dieser gemeinsamen Liebe entsteht Kadavar – eine Band, die perfekt in den damaligen Zeitgeist passt: ein Mix aus Krautrock, Psychedelic Rock und Stoner Rock, eingängig und zugleich obskur.
Über die Jahre hinweg haben Kadavar jedoch nicht nur einige Besetzungswechsel durchschritten, sie haben sich auch immer weiter von den harten Gitarren entfernt – ihr letztes, im Frühjahr erschienenes Album „I Just Want To Be A Sound“ liebäugelte nicht nur mit den flirrenden, lichten Klängen der Beatles, sondern gar mit dem breiten Spannungsfeld von Muse über U2 bis Coldplay. Aber wenige Monate später haben sie schon wieder ein neues Album parat, ein Album, das mit „Kids Abandoning Destiny Among Vainty And Ruin“ betitelt ist und wieder deutlich härter geraten ist. Frontmann Lupus erklärt, dass dieser ruppige Sound besser in die aktuelle Weltsituation passt: laut, rasend und gnadenlos – wie „das finale Chaos, als ultimative Selbstzerstörung, die wir selbst erschaffen“.
Wenn man an Island denkt, dann fallen sofort Namen wie Björk, Sigur Ros und Emiliana Torrini ein. Doch es muss nicht immer ein Feenzauber sein: Einst als die blutjunge Zukunft der psychedelischen Retro-Welle gefeiert, sind die drei immer noch sehr jungen Isländer The Vintage Caravan heute – mit ihrem sechsten Album „Portals“ im Gepäck – langst eine gefestigte Größe innerhalb der Szene und haben über die Jahre hinweg eine erstaunliche Entwicklung durchwandert.
Natürlich, die Wurzeln liegen immer noch bei (logisch) Black Sabbath, Cream, King Crimson und Yes, aber mittlerweile zieht sich eine unglaubliche Eigenständigkeit durch ihre progressiven, psychedelischen und nicht selten an Pink Floyd erinnernden Stücke – kein Wunder, dass da sogar Mikael Åkerfeldt von Opeth am neuen Album als Gast zu hören ist! Das große Geschick von The Vintage Caravan ist, dass sie sowohl gefühlvolle und beinahe einlullende Nummern schreiben können wie auch treibenden Blues, der nicht selten sogar an die Hochzeiten von etwa den Scorpions und Uriah Heep denken macht. Und, das muss man auch hervorheben, sie schreiben Melodien, die zwar an die Siebziger erinnern, ohne sich in diese Zeit zu verkleiden – die Isländer legen wie heute üblich nicht einfach nur einen Filter über ihr beinah cineastisches Klanggewand, sondern tauchen tatsächlich tief in die Classic-Rock-Ära ein und leben ihren erdigen Zauber bis in die letzte Pore hinein. Es ist, kurzgefasst, ein wunderschöner Rausch irgendwo zwischen den Funken von Led Zeppelin, Deep Purples Orgelzauber und Pink Floyds grenzenloser Weite – aber mit eigener Handschrift.