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Konzerte

Kraftwerk: die Autobahn führt nach Bregenz

04.03.2026 von Stefan Baumgartner

Am 15. September gastieren die Elektro-Pioniere Kraftwerk mit ihrem Multimedia-Projekt auf der malerischen Seebühne in Bregenz: Irgendwo zwischen elektronischer Musik, Animationen und Performance-Kunst erbauen sie in der Heimat der Bregenzer Festspiele ihr visionäres Gesamtkunstwerk, das in den Siebzigern visionär war, und heute aktueller - und beeindruckender - denn je ist.

"Kraftwerk sind Pioniere des Elektropop": Dieser Satz findet sich in fast jedem Artikel der letzten 10, 15, 20 Jahre. Viele Redakteure gehen sogar noch ein Stück weiter und schreiben, Kraftwerk hätten die Club-Musik erfunden. Und damit verfallen sie nicht, wie sonst so oft, in Superlative, die eigentlich keine sind - denn das Düsseldorfer Kollektiv rund um Ralf Hütter und Florian Schneider (2020 verstorben) prägte in den Siebzigern mit Songs wie “Autobahn”, “Radioaktivität”, “Roboter” und “Computerliebe” gleich zwei Genres, bevor es sie überhaupt noch gab: Techno und Hip-Hop. Insbesondere, als der New Yorker Hip-Hop-DJ und “Zulu-Nation”-Gründer Afrika Bambaataa 1982 den “Trans Europa Express” für sein “Planet Rock” sampelte, war das der Urknall moderner DJ-Musik: Fast alles, was in folgenden Jahrzehnten an neuen Club-Genres der Popmusik entstand, wäre ohne Kraftwerk nicht denkbar - auch wenn es Otto Normal auf den ersten Blick nicht hört.

David Bowie benannte seinen Song “V2-Schneider” nach einem der beiden Kraftwerk-Gründer, zudem wurden Kraftwerk bisher knapp 1.500 mal gesampelt, remixt und gecovert - wie viele Songs von ihnen inspiriert wurden, vermag man vermutlich gar nicht zu zählen. Ja, selbst Madonnas “Music” - und somit fernab von Electro und Hip-Hop - erinnert an den “Trans Europa Express”, und “Talk” von Coldplay wird auch eine Nähe zur “Computerliebe” von Kraftwerk zugeschrieben. Die Brillanz von Kraftwerk? Sie waren nicht nur einfach die Ersten. Sie haben mit ihren simplen und eingängigen, dabei aber auch virtuosen und verspielten Melodien vor allem eines erreicht, nach dem jede*r Musiker*in sucht: einen gigantischen, einzigartigen Wiedererkennungseffekt.

Dabei reicht ihr Einfluss sogar bis nach Hollywood: In “The Big Lebowski” (1998) besitzt die feministische Künstlerin Maude Lebowski eine Schallplatte der fiktiven Band Autobahn mit dem Titel “Nagelbett”. Aber auch der visuelle Stil und der Soundtrack von “Tron” und “Blade Runner” (beide 1982) atmen den musikalischen Geist von Kraftwerk, wie auch die Serien “Mr. Robot” und “The Man in the High Castle” (beide 2015-2019) Klanglandschaften nutzen, die an Kraftwerk erinnern.

Kraftwerk: Mehr als nur Klang

Kraftwerks Musik ist zwar bis zur Monotonie repetitiv, dabei aber auch gleichzeitig unglaublich zart und melodiös. “Auf ihren besten Platten gelang Kraftwerk der Spagat aus kühler Distanziertheit und romantischen Harmonien, aus Maschinen und Pop”, frohlockte etwa unser Redakteur Sebastian Fasthuber vor zwei Jahren, kurz bevor Kraftwerk im Ehrenhof des Schloss Schönbrunn gastierten.

Und dieser Auftritt zeigte auch, warum Kraftwerk immer noch funktionieren, wenngleich ihre Klassiker fast 50 Jahre am Buckel haben und vom “klassischen” Line-Up überhaupt nur mehr Ralf Hütter mit von der Partie ist: Nicht nur, dass Kraftwerk heute ausschließlich auf die vorzeitige Verwaltung ihres eigenen Nachlasses setzen - auch hüllen sie selbigen in eine eindrucksvolle 3D-Show, die ausschließlich an den spektakulärsten Schauplätzen der Welt präsentiert wird, hierzulande nicht nur 2014 im edlen Ambiente des Wiener Burgtheaters, sondern hierauf etwa auch 2022 im Römersteinbruch in St. Margarethen, 2024 in Projektion eben auf Schloss Schönbrunn und zuletzt im Dezember 2025 im Großen Festspielhaus in Salzburg, das beinah naturgemäß mit tosendem Applaus beschlossen wurde.

(Eindrücke der letzten Kraftwerk-Konzerte vor Schloss Schönbrunn, im Steinbruch St. Margarethen und der Wiener Arena. Fotos: Stefan Kuback und Björn Franck)

So gelingt es Ralf Hütter, die einst visionäre Musik in einem vielleicht sogar zeitlosen, zumindest aber aktuellen Gesamtkunstwerk erscheinen zu lassen: Denn gerade, wie wir heute gefangen sind im Netz von Daten-Kraken, sagten Kraftwerk bereits in den Siebzigern mit gespenstischer Akribie voraus und führen uns den Status-Quo über unser digitales Zeitalter heute mit einer impressiven Wucht wieder und wieder, fast wie eine Warnung, vor Augen. Vielleicht sind wir mittlerweile ja wirklich zu R O B O T E R verkommen?

Die Autobahn führt nach Bregenz

Egal, ob mit einem VW-Käfer oder einem Mercedes Benz über die Autobahn, vorbei an grünen Hügeln - oder doch lieber mit den ÖBB oder der Westbahn: Im September heißt es jedenfalls “Wir fahr'n, fahr'n, fahr'n”, und zwar nach Bregenz. Denn diesmal gastieren Kraftwerk in der Heimat der Bregenzer Festspiele, im Rahmen derer bereits diesen Sommer erstmals Giuseppe Verdis Meisterwerk “La Traviata” zu erleben sein wird. Mehr Informationen findet man [an dieser Stelle].


Live-Termine


Kraftwerk

15. September 2026 | Bregenz, Seebühne
Tickets gibt es ab heute, 04. März, um 10 Uhr!


Infos auf dem Stand vom 04.03.2026  

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