Bild: Gregor Hohenberg
Die steife, ranke Figur, sein knarrender Bariton, die Pomade im Haar, dazu Frack und Fliege und stets ein verschmitztes Schmunzeln im stoischen Antlitz: Max Raabe begeistert mit seinem zwölfköpfigen Palastorchester mit einer musikalischen Zeitreise in die Lieder der Goldenen Zwanziger und Dreißiger, aber auch mit an diese Ära angelehnten Eigenkompositionen oder Neugestaltungen, etwa Tom Jones‘ „Sex Bomb“. Mit leiser Ironie und etwas verschrobenem Humor weiß auch das aktuelle Album „Wer hat hier schlechte Laune“ alltägliche, manchmal übergroße Widrigkeiten zu lediglich kleinen Irritationen verpuffen zu lassen.
Eigentlich kennt das jeder, dass man auch mal eine muffige Phase hat. Aber eigentlich bin ich doch ziemlich entspannt. Ich bin schon zufrieden, wenn ich zufrieden bin – es muss ja nicht gleich immer das Beste von allem sein. Ob ich jemals wirklich schlecht gelaunt bin, ist vielleicht auch eine Frage, die Sie eher meinen Kollegen stellen müssten (lacht). Wir sind auch schon seit so vielen Jahren als festes Ensemble zusammen, wenn ich also ein schlimmer Charakter wäre, wäre der Laden schon längst auseinander gegangen. Ich denke, ich bin ganz umgänglich.
Wenn die Bahn mal später kommt, oder wenn die Wagenreihung nicht stimmt und wir mit unserem ganzen Gepäck über den Bahnsteig galoppieren müssen, dann sind wir auch schon mal einfach so fatalistisch, dass wir einfach froh sind, dass wir überhaupt mal ankommen (lacht). Das hilft ungemein.
Den Spruch haben wir uns nicht als Erste ausgedacht, das ist doch schon ein Standard. Ich denke mir, man muss einfach entspannt bleiben – was will man auch sonst machen?
Die Lieder, die Texte sollen nicht das Weltgeschehen kommentieren. Mir geht es darum, wenn es zwischenmenschlich einmal nicht rund läuft, mit Zuversicht in die Zukunft zu blicken. Die Zeile stand auch schon lange bevor Putin durchgedreht ist – und als Corona nicht mehr wirklich das brisante Thema war. Ich möchte nicht kommentieren, was in der Welt passiert, sondern dass Leute im Konzert vergessen, was draußen los ist, sich von uns in eine Parallelwelt schießen lassen. Wenn wir auf der Bühne stehen, blenden wir aus, was draußen vor der Halle passiert oder morgen am Plan steht.
Ich freue mich, wenn sich die Leute in Schale werfen, finde das aber auch genauso klasse, wenn immer wieder so Rocker wie Sie im Parkett sitzen. Wenn ich jemandem gegenübertrete, gucke ich ihm in die Augen und in das Gesicht und frage mich nicht, was für eine Krawatte oder Schuhe er trägt. Auch wenn ich den Eindruck mache, da lege ich gar nicht so den Wert drauf – nur im Restaurant, da denke ich mir: Keine kurzen Hosen, das Fleisch bitte nur am Teller (lacht).
Zuhause gönne ich mir die eine oder andere Nachlässigkeit, aber in meinem Kleiderschrank findet sich keine Hose mit Gummizug. Da ich nicht jogge, brauche ich das nicht.
Es gibt durchaus Stücke, die wir nicht mehr spielen – aber auch schon, bevor die Diskussion groß wurde. „Ja und Nein, das kann dasselbe sein“ kann man heute nicht mehr singen. Wenn da jemand im Saal sitzt, der eine schlechte Erfahrung gemacht hat, finde ich das unpassend. Aber wir haben 600 Titel im Repertoire, da kann man schon einmal ausmisten, wenn mir hie und da die Leichtigkeit abhandenkommt.
Der Großteil unseres Repertoires ist in der Weimarer Republik entstanden, der Humor, auf den ich zurückgreife, ist der von Autoren wie Fritz Rotter oder Robert Gilbert – das waren zumeist Juden, und die Namen zu erwähnen, das war mir immer schon wichtig, weil sie bei uns vergessen gemacht werden sollten. Das ist ein Respekt, den ich den originalen Textern entgegenbringe – aber das würde mich auch heute im Radio oft interessieren, ob etwa Lady Gaga den Text selbst geschrieben hat, oder ihn nur vorträgt.
Dafür führt unsere Geigerin das Orchester und die Choreografie an, sie ist die Königin über die Pinguine (lacht) – und das schon lange bevor Diskussionen wie diese aufkamen.
Am besten eines, welches man nicht isst – oder zumindest nicht gerne essen möchte (lacht).
Nein, der Künstlername ist nur ein Verbeugen vor dem Raben von Wilhelm Busch.
Nein, ich esse alles – nur in Maßen. Aber Fleisch sollte vorher schon ein schönes Leben gehabt haben. In Wien stehen auch immer Wiener Schnitzel und Käsekrainer auf unserer Speisekarte. Auf Tour haben wir jedoch immer unseren eigenen Koch mit dabei – wir sind ja 13 Leute auf der Bühne und nochmal circa 15 Leute, die Licht, Ton und Aufbau machen und uns Abend für Abend retten. Und die sollen um 17 Uhr dann schon etwas Gutes zu Essen bekommen. Da ist ein eigener Koch viel effektiver, der macht auch schöne Salate, kocht gesund und abwechslungsreich und das, was am Tag zuvor nicht verbraucht wurde, taucht dann in den Tagen danach irgendwie wieder auf. Das ist für die Lebensqualität, gerade bei Zeitmangel, enorm wichtig. Wir können nicht das ganze Jahr von Pizza und belegten Brötchen leben.
Ich würde unseren Texten schon mehr Aussagekraft zubilligen (lacht). Andererseits bin ich einmal in Berlin sehr schlecht asiatisch Essen gewesen, den Spruch des Glückskeks fand ich jedoch phänomenal, den habe ich mir aufgehoben und ins Auto geklebt: „Sie werden nie wieder Probleme haben.“ Da denke ich mir nun jedes Mal, wenn es ein Problem gibt: Das ist doch nur eine kleine Irritation.
Gute Laune versprüht Max Raabe mit seinem Palastorchester Mitte September in Wien, Linz und Graz, im Dezember in Bregenz. Tickets gibt es bei oeticket.com.