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Konzerte

Megadeth: Thrash til De(a)th!

16.12.2025 von Stefan Baumgartner

Noch einmal gehen die Thrash-Metal-Giganten Megadeth auf Tour - ein letztes Album und Kino-Event inklusive. Aber sie sind nicht die einzigen, die den Stecker ziehen: Auch ihre brasilianischen Kollegen Sepultura feiern 2026 in Österreich ihren Abschied von der Bühne.

Es wäre alles ganz anders gekommen, hätte es Dave Mustaine in seiner Jugend nicht mit Alkohol und Drogen übertrieben: Denn dann wäre es wohl zu keinen Handgreiflichkeiten zwischen ihm und seinem damaligen Bandkollegen James Hetfield von Metallica gekommen - und er wäre nicht noch vor den Aufnahmen zu deren Debütalbum “Kill 'em All” aus der Band geflogen.

Doch so wurde er - obwohl bereits damals begnadeter Gitarrist - 1983 von Metallica geschasst und von Kirk Hammett von Exodus (im April im Vorprogramm von Kreator) ersetzt, woraufhin Dave Mustaine noch im selben Jahr seine eigene Band Megadeth gründete, mit dem Ziel, noch schneller und aggressiver als Metallica zu sein: Die Wut, die hatte er ja aufgrund des vermeintlich unberechtigten Rauswurfs in sich lodern, und die Wut sollte sich noch über Jahrzehnte hinweg ziehen, weil Metallica seine Songideen nicht nur für “Kill 'em All”, sondern auch für die Nachfolgealben verwendeten, ohne ihm Credits zuzuschreiben oder gar Tantiemen auszuzahlen. Einzig auf ihrem Debütalbum ist auch der Name “Mustaine” als Mitverfasser zu lesen, und so ist es etwa nicht verwunderlich, dass der Metallica-Klassiker “The Four Horsemen” über weite Strecken ident zu Megadeths “Mechanix” klingt.

So beschissen der Split für die Protagonisten damals wohl war, so sehr haben nicht nur beide Bands letztlich gewonnen - und mit ihnen auch ihre Fans: Metallica haben sich seit damals zur seit den Neunzigern größten Heavy-Metal-Band hochgearbeitet, und Megadeth rangieren immerhin nach Slayer und vor Anthrax auf Platz zwei. Apropos Slayer: Kerry King von Slayer war zu den Anfängen von Megadeth 1985 für einige Live-Shows neben Mustaine deren zweiter Gitarrist.

Seit den Achtzigern haben Megadeth - und allen voran Mustaine - nicht nur mittlerweile dem Alkohol und den Drogen abgeschworen, sondern haben auch zahlreiche Besetzungswechsel durchmacht, am prominentesten wohl der (zweite) Abgang von Ur-Bassist Dave Ellefson 2021, der aus der Band geworfen wurde, weil von ihm pikante Videochats im Netz aufgetaucht sind. Aber dafür haben Megadeth über die Jahre hinweg zahlreiche fantastische Alben veröffentlicht - und überraschend wenige Stinker: Angefangen beim rotzigen Debüt “Killing Is My Business … And Business Is Good!” (1985) über das epochale Zweitwerk “Peace Sells … But Who's Buying?” (1986) und der Thrash-Metal-Blaupause “Rust In Peace” (1990) bis hin zum Karriere-Hoch mit “Countdown To Extinction” (1992) und “Youthanasia” (1994), sowie bis hin zum letzten - sechzehnten - Album “The Sick, The Dying … And The Dead!”, das 2022 erschien.

Doch nun will Dave Mustaine altersbedingt den Stecker ziehen: Die Wehwehchen, die seinen Körper plagen, nagen an den technischen Anforderungen, die der Thrash Metal so mit sich bringt: Am 23. Jänner wird ihr letztes Album namens “Megadeth” erscheinen, gefolgt von einer Abschiedstour, die Megadeth mit ihren altbekannten Freunden von Anthrax am 16. Juni dann auch in den Gasometer führt.

Bereits erschienen sind die beiden Singles “Tipping Point” und “I Don't Care”, am 19. Dezember folgt noch die letzte Single “Let There Be Shred”. Neben sieben weiteren neuen Songs hat Dave Mustaine auch ein ganz spezielles Abschiedsgeschenk für seine Fans im Gepäck: Mit “Ride The Lightning” wird es auch ein Metallica-Cover auf “Megadeth” zu hören geben - einer der Songs, den Mustaine damals tatsächlich mitgeschrieben hatte, aber dafür keine Credits bekam.

Wie lang die Abschiedstour dauern wird, ist noch unbekannt: Etwas großkotzig hat Mustaine durchblicken lassen, dass er sein letztes Konzert gerne im All spielen würde. Nur eines hat er bereits ausgeschlossen: Es wird kein großes Abschiedskonzert mit allen überlebenden Ex-Mitgliedern (die beiden Schlagzeuger Gar Samuelson und Nick Menza sind 1999 beziehungsweise 2016 verstorben) geben, weil es ein ehemaliges Bandmitglied gibt, mit dem er “definitiv nie wieder” auf der Bühne stehen kann; Damit ist wohl der zuvor angesprochene Dave Ellefson gemeint.

Aber dafür gibt es mit “Megadeth: Behind The Mask” Megadeth auch im Kino: Dave Mustaine öffnet in dieser Dokumentation zum Abschluss von Megadeth den Vorhang zu 40 Karriere-Jahren und teilt bislang ungehörte Geschichten aus der Vergangenheit. Eingewoben in die Dokumentation erleben die Zuschauer die Weltpremiere von Megadeths neuem Album in voller Länge - untermalt von Mustaines eigenen Track-für-Track-Reflexionen über “Megadeth”. Am 22. Jänner wird “Behind The Mask” auch in Österreich, und zwar ausschließlich im Cineplexx im Donauzentrum gezeigt.

Thrash Til De(a)th

Doch Megadeth sind nicht die einzigen Giganten des Thrash Metals, die nun den Stecker ziehen: Auch ihre brasilianischen Kollegen Sepultura verabschieden sich im Rahmen ihrer eigenen “40 Years Farewell Tour: Celebrating Life Through Death” (allerdings augenscheinlich ohne neues Album?) von der Bühne, und zwar hierzulande bereits am 13. Juni im Rahmen des Nova Rock Festivals - und somit wohlfeil eingebettet zwischen Iron Maiden, Sabaton und Kanonenfieber.

Böse Zungen mögen unken, dass Sepultura ohnehin seit 1996 nicht mehr existieren, weil damals Kopf und Stimme Max Cavalera im Streit die Band verließ und Soulfly gründete - bei Sepultura von Derrick Green ersetzt wurde. Ob die Alben mit Green am Gesang tatsächlich die Qualitäten von etwa “Arise” (1991), “Chaos A.D.” (1993) und “Roots” (1996) haben, oder ob “No Cavalera - No Sepultura” absoluten Wahrheitsgehalt besitzt, darüber kann man sich gerne nach Email-Voranmeldung mit mir bei einem oder zwei Bier unterhalten. So oder so haben wir kommenden Sommer die letzte Chance, “Rooots!!!! BLOODY ROOOOOOTS!” unisono gen Bühne zu brüllen.

Es ist jedenfalls sehr passend, dass innerhalb weniger Tage gleich zwei Thrash-Giganten bei uns ihren Abschied feiern - und um sich darauf einmal schon bestens einzustimmen, habe ich zum Schwanengesang eine streng subjektive Playlist zusammengezimmert, die sich durchaus das Recht herausnimmt, gewisse Phasen oder Alben von den beiden Bands auszuklammern. Beschwerden hierzu richtet man bitte an den ORF, Kennwort “Kasperlpost”, in 1136 Wien.


Live-Termine


Sepultura

13. Juni 2026 | Nickelsdorf, Pannonia Fields II
im Rahmen vom Nova Rock Festival


Infos auf dem Stand vom 16.12.2025  

Tickets Sepultura


Live-Termine


Megadeth

16. Juni 2026 | Wien, Raiffeisen Halle im Gasometer
Support: Anthrax


Infos auf dem Stand vom 16.12.2025  

Tickets Megadeth
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