Bild: Netflix
Spätestens seit dem dreitägigen Spektakel der Backstreet Boys in Schladming sind die Boybands der Neunziger wieder in aller Munde: Auch der Streaming-Gigant Netflix lädt ab 27. Jänner mit der dreiteiligen Dokumentation über Take That und Robbie Williams zu einer nostalgischen Zeitreise.
Im alten Jahr haben unter anderem Musikfilme wie das Bob-Dylan-Biopic mit Timothée Chalamet, “Something Beautiful” von und mit Miley Cyrus, sowie natürlich Taylor Swift mit dem Kinofilm zu “The Life of a Showgirl” und ihrer “Eras”-Doku, aber auch die erschütternde Haftbefehl-Doku “Babo - Die Haftbefehl-Story” für Streaming-Rekorde und volle Kinosäle gesorgt.
Und auch 2026 beginnt bereits stark: Ab 27. Jänner zeichnet der Streaming-Gigant Netflix nach dem “Stranger Things”-Paukenschlag nun in drei Teilen die Geschichte einer der erfolgreichsten Boybands der Neunziger nach, Take That.
Die Neunziger waren eindeutig das Jahrzehnt der Boybands. Lou Perlman war der erste Musikmanager, der das Boyband-Rezept zur Perfektion erhob. „Solange es kreischende Mädchen gibt, solange gibt es auch Boybands“, so sein berühmtes – sehr wahres – Zitat. Die Zutaten wählte er im Feinkostladen für Junk Food-Liebhaber aus: Fünf (um das Fotoformat gut auszufüllen und auf der Bühne viel Action zu ermöglichen) möglichst unterschiedliche Jungs, die den unschuldigen Romantik-Geschmack der Zielgruppe der zehn-bis vierzehnjährigen Mädels abdecken sollte – der Streber, das süße Nesthäkchen, der Klassenclown, der Bad Boy und der Fitness-Junkie. Sie alle sollten passabel – synchron – singen, vor allem aber perfekt synchron tanzen können. Die Personifizierung des (ersten) feuchten Traums. Bereits 2024 zeichnete Netflix das - durchaus berechnende - Geschäft mit den Boybands in einer Miniserie über den Zampano nach.
Da wird nichts dem Zufall überlassen, und das Image der gecasteten Band von Minute Null an streng kontrolliert - Single sind sie der Begehrlichkeit halber natürlich alle, und Skandale sind selbstverständlich keine erlaubt, etwas, das Take That und Robbie Williams im Speziellen zum Verhängnis werden sollte. Die Boys folgen den aktuellen Trends, eingängige Pop-Nummern werden ihnen auf den durchtrainierten Leib geschneidert, Texte über die Liebe und Musikvideos mit Choreos im Regen inklusive. Eine Scheinwelt, die den über-romantisierten Eskapismus verführerisch in der Realität verwurzelt. So machten die Boybands die Welt sexier, kitschiger, poppiger: Allen voran nicht nur die Backstreet Boys und Caught In The Act, sondern auch Take That. Als letztgenannte sich 1996 (vorerst) auflösten, stand sogar die Seelsorge-Hotline nicht mehr still.
Der erste Trailer zur dreiteiligen “Take That”-Miniserie gibt nun einen kleinen Vorgeschmack auf das, was die Fans der Boys rund um Robbie Williams erwartet. “Wir standen uns sehr nahe. Wir waren die Könige der Welt”, ist dazu zu hören. Und: “Aber nichts bereitete uns auf das vor, was uns in den Neunziger-Jahren bevorstand.” Die Doku wird also nicht nur den Höhenflug nachzeichnen, sondern auch die weniger glamourösen Kapitel von Take That - etwa die dramatische Trennung von Robbie Williams in ihrem fünften Karrierejahr - nicht aussparen, wir tauchen also auch ein in die inneren Konflikte der Buben und den Druck des Ruhms. Neben nie zuvor veröffentlichtem Archivmaterial sind auch neue Interviews mit den verbliebenen drei Mitgliedern Gary Barlow, Howard Donald und Mark Owen zu sehen - es ist somit eine wunderbare Ergänzung zum “Better Man”-Biopic von Robbie Williams, das vergangenes Jahr erschien und in der er auch nicht nur seine große Solokarriere, sondern auch seine Zeit bei Take That reflektierte.
Regie bei "Take That" führte David Soutar, der zuletzt bereits das Biopic “Ed Sheeran: The Sum Of It All” umsetzte.
Während aktuell keine Live-Termine weder von Take That, noch von Robbie Williams in Österreich für dieses Jahr am Schirm stehen, kann man zumindest hoffen: Immerhin erscheint am 6. Februar mit “Britpop” endlich das neue Studioalbum von Robbie, vier Singles sind bereits bekannt: “Rocket”, “Spies”, “Human” und “Pretty Face”. Eigentlich hätte sein Album ja bereits am 10. Oktober erscheinen sollen, aber nachdem Taylor Swift mit “The Life of a Showgirl” reingegrätscht ist, wurde die Veröffentlichung kurzerhand verschoben.
Und auch die Chancen auf ein Konzert von Take That sind nicht gänzlich vom Tisch: Barlow, Owen und Donald veröffentlichten 2023 und nach ihrer umjubelten Wiedervereinigung ihr neuntes Studioalbum “This Life” und touren (nach ihrem Auftritt 2024 auf Burg Clam) diesen Sommer zumindest durch Großbritannien. Da werden sie ihre “The Circus”-Tour aus dem Jahre 2009 wieder aufleben lassen - und bringen sie vielleicht im Anschluss ja auch aufs europäische Festland?