Bild: Christian Ripkens
Auf ihrer neuesten Single "The Way You Are" liebäugeln die elektrischen Callboys mit den Backstreet Boys: Bevor sie am Watschenbaum rütteln.
Deutschland war einst - sogar lange vor einem internationalen Hype - das Sprungbrett der Karriere der amerikanischen Backstreet Boys: Mitte der Neunziger dröhnte da wohl aus jedem Mädchenzimmer “We've Got It Goin' On” und “I'll Never Break Your Heart” zu den knospenden Anfängen der ersten Beziehung, “Quit Playing Games (With My Heart)” am bröckelnden Ende davon. Nach ihrem gleich dreitägigen Gastspiel beim Schladminger Ski-Opening vergangenen Winter kehren die Backstreet Boys nun in wenigen Wochen, Ende September, drei Jahrzehnte nach ihrem Durchbruch an jenen Ort zurück, der ihr Leben wohl komplett auf den Kopf gestellt hat: Nick Carter, AJ McLean, Brian Littrell, Kevin Richardson und Howie Dorough spielen für insgesamt sechs Abende in der Düsseldorfer Merkur Spiel-Arena auf. Unter dem Titel “Into The Millennium - Homecoming: Live in Germany” spielen sie ihre einzigen Europa-Shows des Jahres, und das wird wohl für viele Fans ein nostalgisches Wiedersehen werden.
Unter den kreischenden Fans vielleicht auch Nico Sallach, Kevin Ratajczak, Daniel Haniß, Pascal Schillo, Daniel Klossek und Frank Zummo - die Electric Callboys? Denn, wie ihre neueste Single “The Way You Are” beweist: Unter jeder harten Schale steckt ein weicher Kern.
Was zunächst wie eine klassische Boyband-Ballade der späten Neunziger klingt, verwandelt sich rasch in einen der härtesten Songs, den Electric Callboy bislang veröffentlicht haben: Auf eingängige Pop-Melodien folgen brachiale Deathcore-Ausbrüche, die wohl jedes klassische Backstreet-Fangirl das Fürchten lehren würden. Damit setzt die Band ihren Ansatz fort, Genregrenzen nicht als Einschränkung, sondern als Spielwiese zu begreifen.
Auch das begleitende Musikvideo greift diese Idee auf. Im Boyband-Look tanzt das Sextett aus Castrop-Rauxel zunächst durch einen Flugzeughangar, schmachtet gemeinsam im Regen und speist an einem reich gedeckten Tisch - doch als der Song dann kippt, entwickelt sich die vermeintliche Idylle plötzlich zu einem blutgetränkten Albtraum. Kein Wunder, dass das Musikvideo mit einer Warnung startet: “This Video deals with sensitive issues, including boyband content and death. It contains scenes that may be sexual, graphic or taboo in nature. Viewer discretion is strongly advised.”
Freilich: Electric Callboy spielen nicht erst seit gestern gern mit Kontrasten - das zeigen die bisher veröffentlichten Singles zum am 7. August kommenden Album “Tanzneid” ohnehin schon. Aber selbst auf “RATATATA” mit Babymetal haben sie dieses Spiel noch nicht dermaßen auf die Spitze getrieben, wie hier.