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OG LU ist "eine Bitch": "assig aber cute"

29.09.2026 von Stefan Baumgartner

Für geilen Rap braucht es schon längst keine 13,1 Zentimeter mehr: eines der besten Beispiele dafür kommt aus Frankfurt, nennt sich OG LU - und ist “eine bitch”, “assig aber cute”.

Wer immer noch glaubt, dass in-die-Fresse-Deutschrap Männersache ist, lebt entweder unter einem Stein - oder hat einen Ellenbogen ins Zuckergoscherl verdient. Denn falscher kann man vermutlich gar nicht liegen, außer, man meint, Schweine können nicht nur rappen, sondern sogar fliegen. Ein gutes Beispiel hierfür ist das Debütalbum “GUSCH” von Donna Savage, das mit ihrer markanten Stimme und den mega harten Punchlines allen Manspreadern ordentlich in die Nüsse tritt. Allerdings zeichnet sich “GUSCH” natürlich nicht nur dadurch aus, sondern auch durch Donna Savages Solidarität weiblichen Kolleginnen gegenüber: Nach der Single “Simple Life” (2023) ist auf “Bengalo” etwa erneut die “die bitch”, “die Schwester”, die Frankfurterin OG LU zu hören.

OG LU hat etwa zeitgleich zu Donna Savage ihre Musikkarriere begonnen: Angefangen hat alles mit einem Gedicht nach dem rassistischen Anschlag in Hanau - und natürlich sind ihre Songs politisch wie feministisch, weil wer A sagt, muss auch B sagen. “Ich ecke nicht nur an, weil ich eine Frau bin, sondern wie ich eine Frau bin. Ich rappe in einer dunkleren Stimme und nicht über das, was Männer von einer Frau erwarten”, sagte sie relativ früh in ihrer Karriere über die Ellbogen, die man - frau - in der Welt und der “Szene” im Speziellen benötigt. Zugegeben: OG LU - ihren bürgerlichen Namen hält sie streng geheim - mag in ihrer Appearance verwirren: “Ich sehe aus wie Helene Fischer, rede aber wie Haftbefehl”, lacht sie.

Und tatsächlich rappt sie nicht nur über Themen wie Feminismus, Gentrifizierung ("Gegend") und Fremdenhass, sondern auch über Drogen und - Überraschung - Kampfsport. Dieses bunte Potpourri fußt in ihrer eigenen Biografie: Sie wuchs im Frankfurter Arbeiterbezirk Gallus inmitten von iranischen Freund*innen auf und bereits als Baby war sie mit “Atomkraft, nein Danke”-Strampler und ihren Eltern auf Demos. Nach dem Abitur reiste sie für acht Monate nach Thailand in ein Thaiboxcamp, anschließend lebte sie für ein Jahr in einem besetzten Haus in Italien, wo sie sich für “antifaschistische Politik” engagierte. Anschließend zog sie zurück nach Frankfurt und studierte Sportwissenschaften - parallel dazu: das Erblühen des Alter-Ego OG LU.

Mit ihren einzigartigen Flow hat sich in Rekordzeit in die erste Riege der zeitgenössischen Deutsch-Rap-Szene katapultiert: Spätestens mit ihrem nach “GAUNERS” (2023) zweiten Tape “assig aber cute” im vergangenen Jahr hat sie sich als feste Größe in der Szene etabliert, zeigt sich darauf aggressiv und politisch, aber auch sarkastisch und witzig - und oft alles gleichzeitig. Diese Grätsche, die auch im Tape-Titel steckt, mag ein Widerspruch sein, passt aber in die Generation: Heute kann man beides sein, Gremlin und Labubu - und wenn sich OG LU auf “Knoppers” etwa als “Frankfurter Barbie” bezeichnet, wird dieses Bild sofort durch den Einschub “mit Liebe für Combat” gebrochen.

“Assig aber cute” ist im wahrsten, haftbefehlschen Sinne “auf die Fresse”: Nicht nur die Schwanzträger, sondern auch Kolleginnen wie Zsá Zsá (am 24. Oktober im Flex), die das Barbie-Image durchaus anders interpretiert, bekommen ihr Fett weg ("Komm"), natürlich wird die AfDlerin Alice Weidel zum One-on-one herausgefordert ("Boss Babe") und überhaupt wächst der Hass im Bauch ("O’Malley"). Wut, Wut, Wut - wohin man nur schaut, es ist genau die Wut jener Generation, die während der Pandemie vergessen und aktuell in ihrem Aufschrei auf Demos niedergeknüppelt wird. Dass sie da auch mal - der LINKS-Partei folgend - auch mal rotzt “Ich will bundesweit die Bullenwagen brenn'n seh'n” ist vielleicht ein Eizerl over the top, aber zumindest echt, genährt von Frust.

Natürlich gibt es da auch “Tränen für Nahost” und Träume von Frieden ("Intro") - so ist OG LU vielleicht nicht das einzige, aber doch definitiv eines der besten Sprachrohre einer Generation, so pathetisch das auch klingen mag: ein Sprachrohr für die jungen und all jene, die in der großen, weiten Welt keinen Platz finden. 

Wer so viel zu sagen hat, sagt auch viel: Nach “assig aber cute” steht keine Verschnaufpause in ihrem Kalender, dieses Jahr folgten schon “Fühl mich” mit Lugatti und Traya, “Frag den Richter” mit Ruski53, eben “Bengalo” mit Donna Savage, “Teute All-Star” unter anderem mit Teuterekordz und “Chayas lieben Trap” mit Wa22ermann (am 20. Oktober im FLUCC), zuletzt ihre eigene Solo-Single “Eine Bitch”.

Dabei geht es hier weder um Matratzen- statt Kampfsport, noch dass “bitch” negativ gemeint ist. Vielmehr dreht auch sie wie viele ihrer Kolleginnen den Spieß um und verwendet ihn - erneut - als selbstbewusste Ansage: Da kommt “eine bitch selten allein”, wenn es gegen Nazis geht - "Wir sind sehr offene Menschen nur bei Nazis hört der Spaß auf!". OG LU bleibt also weiterhin: “unbequem”. Gut so.

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