Bild: Palazzo Wien
"Spectacle müssen seyn“, ließ dereinst Kaiserin Maria Theresia verkünden, als sie 1746 die Spektakelfreiheit anordnete. Die Habsburger wussten schon immer zu feiern: Mit pompösen Bällen und prunkvoll ausgestatteten Opernaufführungen setzte der Wiener Hof alles daran, die anderen europäischen Höfe zu übertrumpfen und Machtansprüche zu demonstrieren. Die Prachtentfaltung kulminierte in den zwei Jahre dauernden Feierlichkeiten anlässlich der Hochzeit Leopolds I. mit Margarita Teresa 1666 von Spanien. Aber auch am Französischen Hof wurden mehrtägige Feste gegeben bei denen jeder Gast eine Rolle hatte und speziell die Dîner durchkomponiert waren: Vor allem Ludwig XIV. nutzte Feste in Versailles zur Selbstdarstellung, und die Repräsentation des Königs diente dem Ansehen Frankreichs in aller Welt. Dem Spektakel bei Hofe wollten natürlich die kleineren Königshäuser und Residenzen um nichts nachstehen und gaben selber unzählige Soiréen.
Um 1900 – der Zeit des Fin de siècle – tauchten auf Jahrmärkten die ersten Spiegelpaläste aus Belgien auf. Dies waren Zelte – Zirkuszelten nicht unähnlich –, die als Tanzpaläste fungierten. Die vielen Spiegel im Inneren ermöglichten den unauffälligen und oftmals auch unbemerkten Augenkontakt mit anderen BesucherInnnen. Hier konnte sich das extravagante und dekadente Nachtleben in einer noblen aber doch auch behaglichen Atmosphäre perfekt entfalten und in eine andere, illusorische Welt entführen. Mit dem 1. Weltkrieg und seinen gesellschaftlichen Umbrüchen, kam es auch zu einer Veränderung in der Vergnügungskultur, in der Zwischenkriegszeit wurden die Spiegelpaläste dann noch einmal aus der Versenkung geholt aber nach dem 2. Weltkrieg gerieten sie als Symbol eines ausschweifenden Lebens endgültig in Vergessenheit. Auch durch die Konkurrenz von fixen Tanzlokalen, die entstehen, modernen Fahrgeschäften auf den Jahrmärkten und die Verbreitung von Radio- sowie Fernsehgeräten. Erst in den 1970er-Jahren erinnerte man sich bei Festivals wieder an die Spiegelpaläste von einst.
Bereits im Entree des Palazzo-Spiegelpalastes, der dieses Jahr ein kleines Stück im Prater wandert, ist man überwältigt: roter Samt, goldene Borten, Kerzen, Leuchter sowie geschickt eingesetzte Spiegel lassen alles im Zelt glitzern und funkeln. Man taucht ein in eine ganze eigene, längst vergessene Zeit und fühlt sich für einige Stunden wie eine königliche Hoheit. Das Innere des Hauptzeltes erinnert an die Zeit des Jugendstils, der gerade in Wien eine Hochblüte erlebt hatte: die reiche Ausstattung mit geschliffen Spiegeln, Bleiverglasungen, handwerklichen Holzschnitzarbeiten, Kristall und Samt mit goldenen Stickereien wirken wie eine restaurierte Schatzkammer des Verlangens. Die klassische Eleganz und der Hauch von Nostalgie, der durch das Zelt weht, bieten den idealen Rahmen für einen festlichen Abend. Und obwohl die heutigen Spiegelpaläste nach Original-Plänen gebaut sind, so findet sich doch im Inneren modernste Licht- und Tontechnik, aber auch ein Klima- sowie Heizungssystem, um einen wohligen Abend zu bereiten.
Eine kleine Bühne, die hydraulisch angehoben werden kann, bildet den Mittelpunkt des Zeltes. Auf ihr finden die meisten akrobatischen Acts statt und sind somit von allen Seiten gut einsehbar. 350 Gäste finden im Zelt, das sich in drei Bereiche gliedert, Platz: Rund um die Bühne befindet sich die sogenannte Manege , rundherum läuft der Rangbereich und in dem äußersten Ring finden sich die Logen.
Was macht einen Abend bei Palazzo nun aus, wieso ist er so speziell? Kurz: Es ist ein Eintauchen mit allen Sinnen in eine Genusswelt – kulinarischer wie showtechnischer Natur. Palazzo, das heißt nicht ein Kredenzen von minimalistischen Gourmetmenüs in steifer, gezwungen hochkultureller Atmosphäre, nein, Palazzo versteht sich als Potpourri aus ansprechender Haubenküche und internationalen, ausgezeichneten Künstlern, die dreieinhalb Stunden lang alle Spielarten des Varieté kongenial vermengen – von Akrobatik über Schauspielerei, Jonglage, Kontorsion, Comedy, Gesang und Musik, stets in angenehmer und nicht aufdringlicher Interaktion mit dem Publikum. Hier sind alle Faktoren abgestimmt aufs Feinste und verschmelzen zu einem rauschenden, verwöhnenden Fest für alle Sinne – ja, selbst für die Kleinen lohnt sich ein Besuch bei Palazzo: Natürlich wird die beeindruckende Show für leuchtende Augen sorgen, aber Toni Mörwald hat neben den beiden Gourmet-Menüs auch eine besondere „Zwergerl”-Variation gezaubert, die auf kindliche kulinarische Bedürfnisse Rücksicht nimmt.
Palazzo gastiert mit der neuen Show „Unikate” und mit neuem Menü von Toni Mörwald noch bis 17. März im Wiener Prater, und zwar am neuen Standort zwischen Schweizerhaus und Kolariks Luftburg. Tickets gibt es bei oeticket.