Bild: Palazzo Bild: Palazzo
Musical & Show

Thomas Otto: "Palazzo ist ein Moment des Staunens"

20.01.2026 von Stefan Baumgartner

Um das Staunen, um Freude und Gemeinschaft – darum geht es nicht nur bei der alljährlichen Dinner-Show PALAZZO im Wiener Prater, sondern auch im wirklichen Leben. Zauberkünstler und Entertainer Thomas Otto, der diese Saison durch die Show führt, gibt einen Einblick, wie das diesjährige Motto “Better Together” in die Welt hinausgetragen werden kann.

Der Wiener Prater ist ein weitläufiges Erholungsgebiet, eine Grün-Oase inmitten der Großstadt: Hier tummeln sich Sportler neben Flaneuren, während zahlreiche verstecke Plätzchen auch zum lauschigen Verweilen einladen. Herzstück ist freilich der Vergnügungspark, im Volksmund Wurstelprater genannt: Dort finden wir das Wiener Wahrzeichen, das Riesenrad, aber auch zahlreiche Fahrgeschäfte und Attraktionen wie Madame Tussauds und die Magic World Vienna.

Doch zwischen Anfang November und Ende März ist der Wiener Prater um eine Attraktion reicher, lädt doch Palazzo alljährlich in seinen durchaus trefflich benannten Spiegelpalast: Palazzo, das ist ein Ort, an dem Genuss und Entertainment eine einzigartige Verbindung eingehen – und die Welt “draußen” für einen Moment vergessen macht.

Unter dem Motto “Better Together” führt Sie dieses Jahr Entertainer und Zauberkünstler Thomas Otto durch einen Abend, an dem Akrobat*innen aus der weiten Welt nicht nur mit einer unglaublichen Körperbeherrschung, sondern auch mit viel Witz und Charme Staunen machen – hautnah in der Manege, aber auch in luftiger Höhe unter dem Zeltdach. Doch auch zwischen den Show-Einlagen verebbt das Staunen nicht: Haubenkoch Toni Mörwald kredenzt ein Vier-Gang-Menü, das seinem eigenen, anspruchsvollen Motto “Essenszeit ist Lebenszeit” gerecht wird - mehr dazu verrät Mörwald an dieser Stelle. Im engen Zusammenspiel erlebt man so im Spiegelpalast einen Abend voller Lebensfreude, der alle Sinne gleichermaßen berührt und den Augenblick genießen lässt, dabei zudem eindrucksvoll beweist, wie energetisch so ein seltener Moment auf Körper und Geist wirken kann.

Thomas Otto verrät uns im persönlichen Gespräch mehr über diese ureigene Magie, die Palazzo durchflutet – aber auch über sein Handwerk, die Zauberei selbst: Schon der Psychoanalytiker Sigmund Freud schrieb in einer seiner Schriften, dass sie “Unlustgefühle durch Befriedigung ersetzen”, während der irische Dichter William Butler Yeats in ihr sogar den Zusammenhalt einer Kultur erkennt. Denn schließlich geht es im Mikrokosmos des Palazzo genau um das: Freude und Gemeinschaft zu erleben – und anschließend in den Makrokosmos, in die weite Welt, hinauszutragen.

Impressionen aus Palazzo. Bilder: Palazzo

Ich gehe einmal davon aus, dass auch du als Kind einen Zauberkasten hattest …

Ich war vielleicht fünf oder sechs Jahre alt, da zeigte mir mein Onkel seinen verstaubten Zauberkasten: Da wurden rasch meine Augen größer – und meine Faszination auch. Wenig später bekam ich dann meinen eigenen Zauberkasten, fortan war es mein liebstes Hobby – und jetzt, seit mittlerweile 37 Jahren, ist die Zauberei auch mein Beruf.

Was war der Knackpunkt, als aus dem Hobby ein Beruf wurde?

Dass ich die Zauberei auch beruflich machen möchte, dass sie mein Leben wird, das stand eigentlich schon früh fest. Allerdings hatte meine Mutter den Wunsch geäußert, dass ich eine klassische Ausbildung machen soll. Also habe ich eine zum Chemielaboranten gemacht – was schön war, weil wir hatten immer eine Bombenstimmung im Labor (lacht). Anschließend habe ich ein Jahr in einer Arzneimittelfirma gearbeitet – und da habe ich dann gemerkt, dass mir die Arbeit in einem Routinelabor überhaupt keinen Spaß macht. Dazu kam, dass das Betriebsklima nicht besonders gut war. Also habe ich mit 21 gekündigt und von einem Tag auf den anderen beschlossen, dass ich mein Hobby zum Beruf mache – ohne genauen Plan. Ich war dann Straßenzauberkünstler und habe auf kleinen Festen gezaubert, später dann für ein paar Jahre auf Kreuzfahrtschiffen, dann in Varietés – und schließlich mit eigenen Solo-Shows und mittlerweile seit einigen Jahren auch bei Palazzo.

Verbindet dein erlernter Beruf des Chemielaboranten etwas mit der Magie?

Die Chemie hat schon etwas Magisches, im Labor zu experimentieren, das ist schon auch faszinierend. Ich stand den Naturwissenschaften immer schon offen gegenüber, bereits bei einem Schulpraktikum habe ich damals eine Faszination für sie entdeckt. Und auch meine Ausbildung im Labor, die Forschung ist ein sehr interessantes Gebiet – teilweise konnte ich natürlich auch ein paar Tricks aus der Chemie auf die Bühne bringen.

Wie kann man sich dein Handwerk eigentlich vorstellen – fischt man da aus einem Fundus, liest man in einem dicken, verstaubten Buch über Zaubertricks, oder entwickelt man selbst welche?

Mein erster Auftritt war als Kind in der Jugendbücherei in Lübeck: Denen fiel auf, dass ich mir immer ganz viele Zauberbücher ausgeliehen und immer wieder verlängert habe, damit kein anderer die Zaubertricks auch erlernen kann (lacht). Also haben sie mich gefragt, ob ich nicht einmal bei ihnen auftreten möchte. Dadurch habe ich einen anderen Zauberer kennengelernt, der zufällig da war. Er hat mir dann auch einige Tricks beigebracht und langsam hat sich ein kleines Netzwerk entwickelt, ich lernte meinen ersten Zauberlehrer kennen, der mich über meine ganze Jungend begleitet hat – eine Art Mentor, kann man sagen.

Mit der Zeit kommst du immer mehr in die Szene rein, es gibt in Deutschland auch einen “Magischen Zirkel” – so wie hier, in Wien, übrigens auch: Den durfte ich diese Woche an meinem freien Tag besuchen – das war faszinierend, wie leidenschaftlich dort gearbeitet wird! Und so läuft es: Über solche Zirkel lernst du andere Zauberer kennen, kommst an Bücher heran, es passiert ein Erfahrungsaustausch und dein Wissen vermehrt sich. Aber es gibt auch Kongresse und Seminare, wo Schulungen stattfinden – auch wenn es in Deutschland keine Zauberschule gibt, wo du eine Ausbildung erhältst. Wir lernen alles autodidaktisch, durch Lesen von Fachliteratur oder durch andere Zauberkünstler. Natürlich kann man Tricks auch kaufen, aber das machen wir Profis eher weniger, sondern wir entwickeln unsere Tricks selbst oder alte Kunststücke in unserem eigenen Stil weiter.

Gerade aus Las Vegas kennt man ja diese gigantischen Shows, früher etwa von David Copperfield, von Siegfried & Roy und mittlerweile auch von unseren Österreichern Thommy Ten und Amélie van Tass. Blickt man da auch über den Teich?

Mittlerweile ist eine Vernetzung sehr einfach geworden, alle drei Jahre gibt es auch einen internationalen Kongress – letztes Jahr im August in Turin. Dort treffen sich dann bis zu 5.000 Zauberkünstler aus der ganzen Welt zum Erfahrungsaustausch.

Natürlich ist es heute viel einfacher, sich weltweit zu präsentieren – Thommy Ten und Amélie van Tass sind ja zum Beispiel durch “America’s Got Talent” auch in Amerika sehr bekannt geworden. Es war aber auch ihr Ziel, international auf der Bühne zu stehen – bei mir ist das anders, weil ich nur deutschsprachig arbeiten möchte und ich auch nie den Wunsch nach Größe gehabt habe: Ich bewundere beispielsweise auch die Ehrlich Brüder, aber für mich selbst ist Zauberei Nähe, ich möchte – wie hier im Palazzo – das Publikum spüren, ich möchte dem Publikum in die Augen schauen, es mit Namen ansprechen. Diese Nähe, das ist für mich 50 Prozent meiner Show, für mich ist der kleine Rahmen viel interessanter. Ich trete in Deutschland zum Beispiel auch mit einer Close-up-Show vor maximal 50 Zuschauern auf, die nennt sich “Magic at the Bügelbrett”.

Funktionieren Zaubershows in der Größenordnung dann grundlegend anders als die deinigen: Immerhin sorgen dort auch die Distanz, Laser-Shows, Feuerwerk und ähnliches für eine Ablenkung von den Kunstgriffen?

Mit Sicherheit, aber ich möchte das nicht werten: Das ist eine völlig andere Ausstrahlung, mit einem völlig anderen Mechanismus. Das eine ist ein Event, da geht die Party ab, der kleine Rahmen beschränkt sich auf die Zauberei, auf die Magie, auf die einzelnen Tricks und die Handfertigkeit. Ich mag zwar die Zauberei im intimen Rahmen, aber ich bewundere natürlich auch meine Kolleginnen und Kollegen auf der großen Bühne, die mehrere Tausend Leute auf einmal unterhalten. 

Apropos Bewunderung: Gibt es aktuell ein Zauberstück, das dich persönlich fasziniert?

Nicht ein Zauberstück per se, aber es ist natürlich das Schönste, das einem als Zauberer selbst passieren kann, wenn man im ersten Moment nicht genau weiß, wie ein Kunstgriff eines Kollegen oder einer Kollegin funktioniert. Nach diesen Momenten sehne ich mich, wenn auch ich staune wie ein Kind – das sind genau die Momente, in denen auch ich erlebe, was sonst nur meine Zuschauerinnen und Zuschauer spüren!

Natürlich denke ich dann darüber nach, wie dieser spezielle Trick funktionieren könnte – es gibt ja auch in der Zauberei nur eine begrenzte Anzahl an Prinzipien. Da kommt dann der Profi in mir durch, aber der schönste Moment ist immer noch das Staunen davor: Mittlerweile erlaubt die Technik uns heute ja Dinge, wo selbst ich manchmal erst einmal ratlos davorstehe.

Wenn du gefragt wirst: Erklärst du, was hinter deinen Tricks steckt?

Es ist ein Vorurteil, dass wir Zauberer alles geheim halten. Natürlich möchte ich beispielsweise einem Besucher im Palazzo die Illusion, das Staunen nicht zerstören, indem ich einen Trick erkläre – es wäre wohl eine Enttäuschung, wenn ich etwa aufkläre, wie der Geldschein in die Erdnussdose gekommen ist! Die Zauberei lebt ja vom Reiz des Nichtwissens. Aber wenn jemand die Zauberei erlernen will, dann verrate ich natürlich Tricks und Quellen: Die Szene ist offen, wir helfen uns gegenseitig und ich coache auch. Zauberei ist letztlich auch eine Leidenschaft, die weitergegeben werden muss!

Täuschst du eigentlich das Auge oder den Geist – oder beides?

Es gibt nicht die eine Regel, manchmal täuschen wir auch die Emotionen, das Gefühl oder den Moment. Meistens kommt alles zusammen, wie täuschen alles ein bisschen. Wie, das ist von Kunststück zu Kunststück unterschiedlich. Wenn wir Kunststücke länger durchführen, merken wir auch, was sie beim Zuschauer auslösen, welche Reaktionen wir bekommen – und da versuchen wir dann natürlich schon, die Reaktion zu verstärken.

Wo liegt die Magie im alltäglichen Leben für dich begraben?

In allen Dingen, Magie ist fast überall – egal, ob es eine Blume ist, die wächst, oder ein Mensch, der mir einen glücklichen Moment schenkt. Wenn ich mit offenen Augen durchs Leben gehe, entdecke ich überall Magie! Ich staune gerne über Dinge und bin auch ein Mensch, der stundenlang – etwa auch allein auf Bergwanderungen – die Natur bewundert. Aber ich glaube nicht an Übernatürliches: Magie im alltäglichen Leben, das sind die zauberhaften Glücksmomente, die man überall entdecken kann.

Ist für dich, als professioneller Zauberer, der alle Tricks kennt, also die übernatürliche Welt verwehrt?

Ich weiß nicht, ob es an der Zauberei liegt – aber sie hat sicherlich einen Einfluss darauf, ja. Ich bin zweifelnd und hinterfragend großgeworden, aber ich kenne natürlich viele Zauberer, die ihre Fähigkeiten als Übernatürlichkeit verkaufen: Diesen Ansatz verurteile ich zutiefst, weil das ist dann für mich ein Betrug am Menschen.

Vom italienischen Renaissance-Philosophen Giovanni Pico della Mirandola gibt es folgendes schönes Zitat: “Wie der Landmann die Ulmen mit den Reben des Weinstocks, so vermählt der Magier die Erde mit dem Himmel, das heißt das Untere mit den Gaben und Kräften der Oberwelt.” Wie siehst du deine Rolle als Zauberer?

Ich arbeite auf einen Moment des Staunens hin: Am Anfang steht meine eigene Faszination über etwas, das eigentlich gar nicht möglich ist. Das versuche ich dann auf den Zuschauer zu übertragen, dieses Miteinander ist mir extrem wichtig: Das Staunen so groß wie möglich werden zu lassen, und auch die Logik für einen Moment auszuschalten, den Zuschauer für einen Moment wieder Kind sein zu lassen, das vor einem Rätsel oder einem kleinen Wunder steht, das ist eine Herausforderung – und für mich die wahre Kunst.

Wie wählst du bei Palazzo die Personen aus dem Publikum aus, an denen du deine Tricks vollziehst?

Da gehört eine Menge an Erfahrung und Menschenkenntnis dazu. Denn eins ist mir ganz wichtig: Ich möchte keinen Zuschauer dazu zwingen, auf die Bühne zu gehen. Jeder Zuschauer soll Spaß haben, ich möchte niemanden bloßstellen, keinen Zuschauer, der Angst davor hat, auf die Bühne zerren. Wenn ich ins Publikum gehe und meine Späße mache, merke ich, wer dafür offen ist, wer keine Berührungsängste hat.

Ist Palazzo für dich eigentlich eher “Dinner mit Show” oder “Show mit Dinner”?

Ganz klar: “Show mit Dinner”. Sorry, lieber Herr Mörwald und sorry, liebe Köche – aber Palazzo ohne Show wäre ein Restaurant. Die Show, die wir Künstlerinnen und Künstler hier Abend für Abend bieten, macht die Atmosphäre von Palazzo aus, wir geben unglaublich viel, dass dieser Abend zu einem unvergesslichen Erlebnis wird. Wobei man schon sagen muss: Die Küche und die Show ergänzen sich, Palazzo ohne das Menü wäre auch nicht Palazzo.

Du führst nicht nur eigene Kunststücke auf, sondern führst auch durch das Programm, stellst einzelne Künstler*innen vor. Wie intensiv beschäftigst du dich im Vorfeld mit ihnen?

In der aktuellen Produktion habe ich den glücklichen Zustand, dass wir uns schon fast alle kennen – es ist jetzt nach Nürnberg und Stuttgart in Wien die bereits dritte Saison, in der die meisten von uns gemeinsam auf der Bühne stehen.

Wenn ich das erste Mal für ein Varieté engagiert bin, beschäftige ich mich aber tatsächlich im Vorfeld mit meinen Kolleginnen und Kollegen, stelle ihnen sowohl ganz allgemeine, aber auch spezifische Fragen – und dann versuche ich, meine Ansagen so zu gestalten, dass ich nicht zu viel über sie erzähle, sondern vielmehr eine Atmosphäre schaffe. Meine Aufgabe als Moderator ist es dafür zu sorgen, dass Künstler und Publikum möglichst rasch zueinander finden.

Du hast bereits erzählt, dass du mit dieser Palazzo-Show auch bereits in Deutschland aufgetreten bist, und auch in anderen Varietés in Deutschland warst du bereits zu sehen: Unterscheidet sich das Wiener Publikum vom deutschen?

Ich verscherze ich es mir vielleicht ein klein wenig mit dem deutschen Publikum, und das deutsche Publikum kann man natürlich auch nicht über einen Kamm scheren, aber mein Eindruck ist, dass das österreichische Publikum etwas wertschätzender ist. Hier in Wien sind alle Leute so hübsch und stilvoll angezogen – und gerade, wenn uns die Gäste auch nach der Show ansprechen, dann wirkt das sehr liebevoll. Das genieße ich tatsächlich sehr und ich mag das Wiener Publikum, aber natürlich fragt man sich im Vorfeld, ob mein deutscher Humor in Österreich gut ankommt …

Es ist jedoch nicht dein erstes Mal in Österreich – du bist ja auch schon dereinst bei Schuhbecks Teatro in Linz aufgetreten: Insofern kennst du die Befindlichkeiten.

Ja, das ist schon 10 Jahre her – und da habe ich ähnliche Erfahrungen wie heuer bei Palazzo gemacht. Deswegen habe ich mich zwar auf Österreich gefreut, aber auch gefragt, wie der Wiener im Vergleich zum Oberösterreicher tickt. Immerhin hat man mir gesagt: Der Wiener ist speziell. Aber das empfinde ich gar nicht so, ich genieße die Saison in Wien und den Spaß, den wir hier Abend für Abend haben, sehr!

Du hast am Anfang des Gespräches erzählt, dass du den Wiener Magischen Zirkel besucht hast: Wie verbringst du ansonsten deine Freizeit in Wien?

Tatsächlich genieße ich Wien in vollen Zügen. Ich war bisher schon mehrmals im Theater, im Theater in der Josefstadt, in der Burg und im Volkstheater. Ich bin sehr theaterinteressiert, da werde ich Wien definitiv sehr verwöhnt!

Aber Wien hat auch eine unglaubliche Zauberkultur, viele großartige Zauberkünstler leben hier – und auch die Magic World ist nicht weit von Palazzo entfernt: Das ist auch ein ganz großartiges Theater, in dem internationale Stars auftreten. Ich habe noch nie in einer Stadt so gebündelt so viele Zauberkünstler getroffen!

Aber natürlich ist Wien auch abgesehen davon eine der schönsten Städte Europas – aber das weiß der Wiener auch selbst (lacht). Mir ist die Zeit fast zu kurz, ich würde gerne viel länger bleiben!

Dieses Jahr trägt die Palazzo-Show das Motto “Better Together”. Was bedeutet das für dich persönlich?

“Besser zusammen”, das trifft auf alle Lebenslagen zu – und wir, bei Palazzo, leben es vor. Ich sehe Palazzo als kleine Welt mit beinah 20 Nationen: Wir sind wie eine Familie, die für ein halbes Jahr harmonisch zusammenleben und -arbeiten. Ich glaube, wenn man so eine Welt auf die äußere übertragen könnte, dann wäre alles viel einfacher. Wenn es im Kleinen funktioniert, wieso dann nicht auch im Großen? Insofern ist “Better together” für mich eine Philosophie oder Ideologie, ein Miteinander immer besser als ein Gegeneinander. 

Siehst du die Internationalität bei Palazzo somit als ein wichtiges Asset?

Ich glaube, es ist keine Voraussetzung, aber ein wunderschöner Moment. Der Fakt, dass es in so vielen Ländern so viele tolle Künstlerinnen und Künstler gibt, ist einfach schön. Die Mischung, wenn sich Kulturen treffen und gemeinsam ein Programm entwickeln, macht es einzigartig – aber es gibt auch mir persönlich etwas Wertvolles mit auf den Weg, mit Menschen aus anderen Kulturen zusammenzuleben.

Versucht man sich da auch aus Neugier und Interesse an den Kunststücken der anderen?

Am Mast von Alberto war ich noch nicht (lacht). Aber tatsächlich habe ich mich früher einmal am Trapez versucht, weil ich einen Kartentrick am Trapez machen wollte. Allerdings habe ich rasch gemerkt, wie schwierig das ist und wie lange man da trainieren muss, um das einigermaßen hinzubekommen. Aber so habe ich bereits früh einen Respekt vor der Arbeit meiner Kolleginnen und Kollegen bei Palazzo gelernt (lacht).

Habt ihr ein gemeinsames Ritual vor der Show?

Wir stehen vor der Show alle zusammen und geben uns gegenseitig eine positive Energie. Den Moment davor verbringe ich allein in meiner Garderobe mit meinen zwei Glücksbringern …

Ein kleiner Hund und ein kleiner Affe.

Woher weißt du das?

Magie! Nein, im Ernst – das verrät das Programmheft.

(lacht) Es stimmt: Der Hund war ein Geschenk von meiner Mama vor dreißig Jahren, und den Affen haben mir einmal Kollegen als Gag eingesteckt. Seitdem sind sie immer mit dabei – und ich bin sogar schon einmal zurück nach Hause gefahren, weil ich sie vergessen hatte! Aber ich muss nochmals betonen: Ich bin nicht abergläubisch (lacht)!

Kristallisiert sich über die Wochen hinweg eigentlich der eine Moment während der Show heraus, an dem du allabendlich merkst, dass der ganze Saal gemeinsam atmet und staunt?

Das ist jeden Abend verschieden, das Publikum ist nicht jeden Abend dasselbe. Jeden Abend passiert auch sehr viel spontan – insofern kann man das nicht an einem Punkt, an einem Moment festmachen. Aber so wird auch für uns jeder Abend besonders – und das ist auch insofern gut für uns, weil wir dann nicht Gefahr laufen, in eine Routine zu verfallen: Eine Routine, das wäre für einen Künstler das Schlimmste – ich möchte vor jeder Show aufgeregt sein und gespannt darauf, was an diesem speziellen Abend passiert!

Nach all den Jahren bist du immer noch aufgeregt?

Selbstverständlich! Wenn ich das nicht wäre, würde ich meinen Job sofort an den Nagel hängen! Ich brauche diese Anspannung, diese Nervosität – das ist auch ein Respekt dem Publikum gegenüber. Jeder Showabend ist für mich einzigartig: Natürlich ist man auf der Bühne einerseits Entertainer, aber es ist auch für mich ein unglaublich emotionales Erlebnis. 

Das heißt, es passiert bei dir nicht jeden Abend exakt das gleiche?

Nein. Es gibt Abende, da kann ich etwas frecher sein, und Abende, wo ich ein bisschen stilvoller bin. Das hängt immer vom Publikum ab – wie es sich wohlfühlt und gut unterhalten.

Abseits vom Wohlgefühl: Was sollen die Besucherinnen und Besucher emotional mitnehmen, wenn sie nach drei Stunden den Spiegelpalast wieder verlassen?

Wenn wir es geschafft haben, sie für drei, vier Stunden von der Welt “draußen” abgelenkt zu haben, sie in eine komplett andere Welt geführt haben, sie einen Abend genossen haben, wo sie an nichts anderes gedacht haben, dann haben wir eine Menge erreicht. Wenn sie dann das eine oder andere Erlebnis in ihrem Herzen behalten, dann weiß ich, warum ich auf der Bühne stehe.

Und mit welchem Gefühl verlässt du allabendlich das Zelt?

Wenn ich auf dem Fahrrad heimfahre, reflektiere ich meistens den Abend: Es gibt unglaublich oft Zuschauerreaktionen, die mich berühren – die nehme ich gern mit nach Hause, die wirken lang bei mir nach, vielleicht sogar länger, als der Adrenalinpegel!


Live-Termine


Toni Mörwald PALAZZO

noch bis 22. März 2026 | Wien, Spiegelpalast im Wiener Prater


Infos auf dem Stand vom 20.01.2026  

Tickets Palazzo Wien
Artikel teilen

Könnte dich auch interessieren