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Pop ist eine Frau

20.11.2024 von Stefan Baumgartner

Früher hießen die größten Popstars noch David Bowie, Prince oder Michael Jackson. Heute, ein paar Jahrzehnte später, wird die moderne Popmusik schon längst von Frauen dominiert. Ja, Ed Sheeran, The Weeknd, Drake oder Justin Bieber sind zweifelsohne auch "Household-Names", aber selbst diese Herren müssen sich ordentlich anstrengen, um Damen wie Selena Gomez, Ariana Grande, Taylor Swift, Beyoncé oder Adele das Wasser reichen zu können.

Warum? Schenkt man der Musikerin und Journalistin Ariana Zustra ein Ohr, verrät sie: Frauen haben verstanden, dass viele Themen zusammengehören - es geht bei ihnen nicht um einzelne Themen, die uns alle betreffen, Liebe, Sex oder Politik und so weiter. Bei ihnen geht es oft um alles gleichzeitig. Zudem haben sie verstanden, wie Unterdrückung verbindet: In einer Zeit, in der (die männlich dominierte) Rockmusik oft in sexistischen Klischees erstarrt wirkt, spielen viele Pop-Künstlerinnen bewusst mit dem, was sie als weibliche, vielleicht nicht-weiße, nicht-heterosexuelle Person besonders macht - ein hervorragendes Beispiel ist hierfür etwa Chappell Roan, die binnen weniger Wochen plötzlich vom Quasi-Nobody zum Mega-Star aufgestiegen ist und erst diesen September in Windeseile sogar das Berliner Velodrom mit einem Fingerschnippen ausverkauft hat. In ihrer Offenheit, ihrer Queerness und ihren Auseinandersetzungen spiegeln viele Sängerinnen wider, was auch viele Hörerinnen und Hörer erleben.

So werden Künstlerinnen zu einer neuen Avantgarde, die auch für diejenigen interessant ist, die sich im Pop bislang nicht wiederfanden. Nicht umsonst gelten weibliche Superstars wie Lady Gaga - die gerade nicht nur im zweiten Teil von "Joker: Folie à Deux" zu sehen ist, sondern 2025 neben Jenna Ortega auch in der zweiten "Wednesday"-Staffel mitspielen wird - heute auch als Ikonen der LGBT-Bewegung.

Lady Gaga hat zudem auch gerade erst mit "Disease" die erste Single ihres neuen Albums veröffentlicht, das im Februar 2025 erscheinen wird - und legt auch gleich eine atemberaubende Akustikversion nach, die zeigt, wie vielseitig ihre Musik und ihr Können sind: Aus dem Mid-Tempo-Dance-Track wird plötzlich eine fesselnde Ballade mit Gänsehautgarantie. Da kann man nur hoffen, dass für sie kommendes Jahr bereits ein Termin im Ernst-Happel-Stadion oder der Stadthalle reserviert wurde ...

Zugegeben: Dass Wien dieses Jahr um Taylor Swift umgefallen ist, schmerzt immer noch. Und auch, dass Miley Cyrus zeitgleich mit ihrem aktuellen Album "Endless Summer Vacation" angekündigt hat, sich von großen Tourneen zurückziehen zu wollen, weil das Gefühl, ständig als "Subjekt" agieren zu müssen, ihrem psychischen Wohlbefinden nicht dienlich ist, schmerzt. Aber die gute Nachricht: In den nächsten Wochen und Monaten sind eine Vielzahl an Musikerinnen nicht nur auf Spotify mit neuer Musik, sondern auch live zu erleben - nicht alle direkt vor der Haustüre, aber vielleicht kann man ja das eine oder andere Konzert mit einem Kurztrip verbinden?

1. Beabadoobee

Beabadoobee, die in London lebende Sängerin und Songwriterin mit philippinischen Wurzeln, setzt mit ihrem neuen Album "This Is How Tomorrow Moves" einen weiteren Meilenstein in ihrer Karriere. Das Album, das am 9. August veröffentlicht wurde, zeigt eine künstlerische Reife und thematisiert Selbstakzeptanz und persönliches Wachstum. Produziert von Rick Rubin und ihrem langjährigen Partner Jacob Bugden, verbindet es introspektive Texte mit eingängigen Melodien und einem authentischen Indie-Sound.

Mit Hits wie "Take a Bite" und "California" etabliert sich Beabadoobee als zentrale Figur der modernen Indie-Szene. Besonders bemerkenswert ist ihre Fähigkeit, intime Emotionen mit einer zeitlosen Klangästhetik zu verbinden, die Fans und Kritiker gleichermaßen anspricht.

Beabadoobee hört ihr auf Spotify, findet ihr auf Instagram und erlebt ihr am 29. November im Carlswerk Victoria in Köln und am 3. Dezember in Huxley's Neue Welt in Berlin.

 

2. Sabrina Carpenter

Sabrina Carpenter, eine aufstrebende Pop-Ikone, hat mit ihrem sechsten Studioalbum "Short n' Sweet" in Windeseile die Musiklandschaft erobert. Veröffentlicht am 23. August, kombiniert das Album eingängige Pop-Melodien mit provokativen Texten, die ihre künstlerische Reife zeigen. Mit Songs wie „Espresso“ und „Please Please Please“ dominierte Carpenter die Charts und wurde bei den VMAs für „Espresso“ mit dem Song des Jahres ausgezeichnet. Das Album selbst erreichte kurz nach der Veröffentlichung Platz 1 der Billboard-Charts und wurde bereits als Sommer-Soundtrack des Jahres gefeiert​.

"Short n' Sweet" besteht aus zwölf Tracks, darunter Hits wie „Taste“ und „Bed Chem“, die nicht nur inhaltlich, sondern auch durch aufwändig inszenierte Musikvideos beeindrucken. Sabrina Carpenter überzeugt optisch und musikalisch hier mit einer Leichtigkeit, die den Albumtitel widerspiegelt, sowie einem zeitgemäßen visuellen Konzept in Pastelltönen, das Carpenters Sinn für Ästhetik hervorhebt​.

Sabrina Carpenter hört ihr auf Spotify, findet ihr auf Instagram und erlebt ihr am 19. März in der Uber Arena Berlin.

 

3. Tate McRae

Die international gefeierte Popkünstlerin Tate McRae hat ihr drittes Studioalbum "So Close To What" angekündigt, das am 21. Februar 2025 erscheint. Mit introspektiven Texten und emotionaler Tiefe erforscht das Album Themen wie Selbstfindung, Liebe und die Herausforderungen des Erwachsenwerdens. Begleitet von ihrer erfolgreichen Single „2 hands“, die weltweit für Furore sorgt, zeigt Tate ihre künstlerische Weiterentwicklung und bleibt dennoch ihrem unverwechselbaren Stil treu.

Und ihr Stil, der wird bereits länger gerühmt: Bereits zu ihrem Debütalbum "I Used To Think I Could Fly" (2022) waren sich Kritiker*innen einig, dass "jeder Track zeigt, dass McRae bereit ist, einer der authentischsten und echtesten Superstars ihrer Generation zu werden" - wenn da mal nicht jemand ordentlich am Thron von Taylor Swift säbelt, dann weiß ich auch nicht ...

Tate McRae hört ihr auf Spotify, findet ihr auf Instagram und erlebt ihr am 8. Juni in der Wiener Stadthalle D sowie am 11. Juni in der Olympiahalle in München. Achtung: Tickets gibt es gleich am Freitag um 9 Uhr in der Früh!

4. Nessa Barrett

Nessa Barrett, die aufstrebende Alt-Pop-Künstlerin, bringt mit ihrem zweiten Album "Aftercare" eine intensive und fesselnde Reise durch die Tiefen der Emotionen. Musikalisch angesiedelt zwischen der introspektiven Dunkelheit von Billie Eilish und der melancholischen Eleganz von Lana Del Rey, zeigt das Album eine Weiterentwicklung ihres einzigartigen Stils.

"Aftercare" umfasst gleich 15 neue Stücke - einige davon zudem mit optisch eindrucksvollen Videos, etwa "Dirty Little Secret", "Passenger Princess" und "Disco". Thematisch bewegt sich das Werk durch Liebe, Schmerz und Selbstreflexion, begleitet von einem dunklen, elektronisch geprägten Sound. Besonders hervorzuheben ist der Track „Pins and Needles“, der für seine intensive Atmosphäre und emotionale Tiefe gefeiert wird.

Mit "Aftercare" unterstreicht Nessa Barrett, dass sie 2022 mit "Young Forever" nicht nur eine Eintagsfliege war, sondern heute gar zu den spannendsten neuen Stimmen der Popmusik gehört. Das Album zieht Hörer mit seiner ungeschönten Ehrlichkeit in seinen Bann und macht sie zur idealen Wahl für Fans von emotional aufgeladenem, anspruchsvollem Pop.

Nessa Barrett hört ihr auf Spotify, findet ihr auf Instagram und erlebt ihr am am 15. Juni in der Theaterfabrik München. Achtung: Tickets gibt es am Donnerstag um 10 Uhr!

5. Dua Lipa

Die dreifache GRAMMY- und siebenfache BRIT-Award-Gewinnerin Dua Lipa bleibt eine der einflussreichsten Künstlerinnen der Popmusik. Mit ihrem dritten Album "Radical Optimism", das 2024 veröffentlicht wurde, erklomm sie erneut die Spitzen der internationalen Charts und wurde von Kritiker*innen als „Pop-Meisterwerk voller Ohrwürmer", als „eine fröhliche Explosion von Pop-Versiertheit“ und „ein selbstbewusstes Stück Pop-Genialität" gelobt.

Dua Lipa kennen aber - neben Billie Eilish - auch begeisterte Kinogänger: Ihr Hit „Dance The Night“ aus dem Blockbuster "Barbie" wurde für einen Golden Globe und Critics’ Choice Award nominiert, und sie eroberte die Kinoleinwände mit ihrem glamourösen Beitrag zur weltweiten Popkultur.

Ihre vielseitige Präsenz umfasst auch Service95, eine redaktionelle Plattform für Stil, Kultur und Gesellschaft, die inzwischen einen wöchentlichen Newsletter, einen Buchclub und den Podcast „Dua Lipa: At Your Service“ umfasst, der von der Sunday Times und dem Guardian gelobt und von Spotify zu einem der besten Podcasts des Jahres 2022 ernannt wurde. 2023 fügte sie ihrem Lebenslauf den Titel „Designerin“ hinzu, als sie zusammen mit Donatella Versace selbst die Versace-Kollektion „La Vacanza“ entwarf, die von der Vogue als „die heißeste Zusammenarbeit des Sommers“ bezeichnet wurde.

Dua Lipa hört ihr auf Spotify, findet ihr auf Instagram und erlebt ihr am 31. Mai und 1. Juni in der Olympiahalle München.

 

6. Billie Eilish

Billie Eilish, die mit zwei Oscars und sieben GRAMMYs zu den größten Popstars der Gegenwart zählt, hat mit ihrem neuen Album "HIT ME HARD AND SOFT" (2024) eine weitere künstlerische Dimension erreicht. Das Werk, das von düsteren, introspektiven Tönen geprägt ist, erweitert ihre musikalische Palette und setzt erneut Maßstäbe in der Popmusik. Die Songs sind voller emotionaler Tiefe und experimenteller Klänge, die die Grenzen ihres bisherigen Sounds erweitern und Fans weltweit begeistern.

Mit ihrem Song „What Was I Made For?“ aus dem Film "Barbie" brachte sie einen weiteren kulturellen Erfolg. Der Track, der für zahlreiche Auszeichnungen nominiert wurde, spiegelt ihre Fähigkeit wider, Emotionen mit der globalen Popkultur zu verbinden: Hier behandelt Billie (wie auch schon auf ihren beiden ersten Studioalben) tiefgreifende Themen wie Selbstfindung und Identitätskrisen. Die Texte reflektieren eine existenzielle Ungewissheit und die Sehnsucht nach einem eigenen Platz in der Welt. Besonders der Refrain, in dem Eilish fragt, „What was I made for?“ ("Wofür wurde ich gemacht?"), unterstreicht das Gefühl der Entfremdung und des Nicht-Wissens, was man im Leben erreichen soll. Interessanterweise hatte Billie Eilish zu Beginn des Schreibprozesses das Gefühl, ausschließlich für Barbie und ihre Charakterentwicklung zu schreiben, aber bei späterem Hören erkannte sie, dass die Lyrics auch ihre eigenen Gefühle widerspiegeln. Das Songwriting wurde durch einen Moment kreativer Blockade hindurchgezwungen, was die Entstehung des Tracks noch beeindruckender macht.

Neben ihrer musikalischen Innovation liegt Billie Eilish auch das Thema Nachhaltigkeit am Herzen. In Bezug auf ihre Touren verfolgt sie konsequent die Prinzipien des Green Touring: Sie setzt auf klimaneutrale Konzerte, reduzierte CO₂-Emissionen und einen nachhaltigen Umgang mit Ressourcen. Diese Initiativen unterstreichen ihren Anspruch, als eine der führenden Stimmen im Bereich ökologisch verantwortungsbewusster Musikindustrie zu gelten. Billie Eilish bleibt eine der einflussreichsten Künstlerinnen der modernen Musikszene und nutzt ihre Plattform, um sowohl musikalisch als auch gesellschaftlich zu inspirieren.

Billie Eilish hört ihr auf Spotify, findet ihr auf Instagram und erlebt ihr am am 6. Juni in der Wiener Stadthalle D, das Konzert ist jedoch bereits ausverkauft.

7. Badmomzjay

Die deutsche Rapperin Badmomzjay hat sich in der deutschen Hip-Hop-Szene als eine der innovativsten Künstlerinnen etabliert und sich durch ihren einzigartigen Stil und ihre ehrlichen Texte einen Namen gemacht. In ihrer Musik spricht sie Themen an, die von Selbstempowerment über Beziehungen bis hin zu persönlichen Erfahrungen reichen. Mit ihren Tracks wie „Zukunft“ und „Toxic“ hat sie nicht nur in der Szene Aufmerksamkeit erregt, sondern auch ihre Vielseitigkeit unter Beweis gestellt, indem sie mit unterschiedlichsten Beats und Melodien experimentiert. Ihr aktueller Sound ist eine Mischung aus aggressiven Rap-Versen und melodischen Gesangseinlagen, die ihre Musik sowohl eingängig als auch tiefgründig machen.

Badmomzjay ist ein Paradebeispiel für die neue Generation von Künstlern, die Genres mühelos miteinander verschmelzen und die deutsche Musikszene mit frischen, relevanten Klängen bereichern. Ihr authentischer Ansatz und ihre Fähigkeit, sich selbst treu zu bleiben, haben ihr eine treue Fanbase eingebracht. Ihre Musik lädt ein, sich mit ihren ehrlichen und oft sehr persönlichen Texten auseinanderzusetzen, was sie zu einer der vielversprechendsten Künstlerinnen im deutschsprachigen Raum macht.

Badmomzjay hört ihr auf Spotify, findet ihr auf Instagram und erlebt ihr am 12. Dezember im Gasometer und am 29. Juni am LIDO SOUNDS in Linz.

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