Leo Baron
"Ich glaube, es ist so: Am Anfang tut man alles, um ein Star zu werden. Und den Rest seiner Karriere verbringt man damit, als Star zu überleben.“ Damit brachte Robbie Williams seinen Werdegang ehrlich auf den Punkt. Das Zitat stammt aus dem 2017 erschienenen Buch „Reveal: Robbie Williams“ des englischen Musikjournalisten Chris Heath. Heath hatte bereits 2004 eine Autobiographie über Williams herausgebracht, die zum Bestseller wurde. Gleich zwei Bücher? Es verwundert nicht, schließlich handelt es sich um einen Künstler mit einer beispiellosen Karriere – und einem ebenso bewegten Leben, voller Höhepunkte und Talfahrten. Heute scheint es dem 48-Jährigen, mittlerweile verheiratet und Vater, richtig gut zu gehen. Das war nicht immer so.
Alles begann in den frühen Neunzigern, als der jugendliche Robert Peter Williams von seiner Mutter auf eine Zeitungsanzeige hin beim Auswahlverfahren für eine neue Boygroup angemeldet wurde. Der talentierte 15-Jährige, der bereits von Kindesbeinen an auf diversen Theaterbühnen gestanden hatte, wurde so Teil einer Band, die zum Massenphänomen des Jahrzehnts werden sollte: Take That. Anfangs lediglich als Ersatz gecastet, durfte er nur selten gesanglich vorne stehen. Doch mit seinem frechen Badboy-Charme wurde der einstige Klassen-Clown rasch zum beliebtesten Mitglied der Gruppe, deren Auflösung de facto mit seinem vorzeitigen Ausstieg 1995 begann. Der schnelle Ruhm machte dem jungen Williams zu schaffen, es folgten erste Erfahrungen mit harten Drogen und Alkohol. Seine Partyexzesse kratzen so sehr am Image der von Teenage-Girls weltweit idolisierten Band, dass Robbie sich schließlich von Take That verabschieden musste. Da das strikte Management mit seinen noch strikteren Regeln rund um Privatleben und Co. der Bandmitglieder ohnedies nicht seinem rebellischen Naturell entsprach, lag eine Solo-Karriere als nächster Schritt auf der Hand. Und was für eine! Nun konnte er der Pop-Welt den vollen Umfang seiner wandlungsfähigen Stimme präsentieren.
Seine erste Solosingle erschien 1996, ein Cover des George Michael-Songs „Freedom“, gefolgt von „Old Before I Die“ – beide erreichten in Großbritannien Platz 2 in den Charts, der europaweite Erfolg hielt sich jedoch vorerst aus. Der Gamechanger wurde schließlich die Ballade „Angels“, die Robbie Williams endgültig zum Solostar machte. Bis heute ist das Lied ein wahrer Evergreen und katapultierte seine Debütplatte „Life Thru a Lens“ (1997) auf Platz 1 im UK. Unermüdlich ging es weiter: Album Nummer 2, „I’ve Been Expecting You“ (1998) und die Single „Millennium“ wurden zu noch größeren Erfolgen, bevor er 2000 mit „Sing When You’re Winning“ (darauf auch die Singles „Rock DJ“ und „Kids“) europaweit die Chartspitzen erklomm. Der bekennende Sinatra-Fan veröffentlichte nur ein Jahr später die Platte „Swing When You’re Winning“, gänzlich gefüllt mit Klassikern, unter anderem mit dem legendären Cover von „Somethin’ Stupid“ im Duett mit Nicole Kidman.
Der geborene Entertainer schien am Zenit seiner Karriere angekommen, produzierte weiter Alben im Akkord und füllte Stadien weltweit. Der gigantische Erfolg forderte seinen Preis: Immer wieder kämpfte er mit Depressionen und Alkoholismus. 2004 veröffentlichte Musikjournalist Chris Heath die eingangs erwähnte Autobiographie „Feel“, die unverfälscht die schwierigen Jahre Williams‘ beleuchtete. Ab 2007 nahm sich der Star eine dreijährige Auszeit, nachdem sich Medienberichte über seine Suchtprobleme, seine angeblichen UFO-Sichtungen (!) sowie unvorteilhafte Paparazzi-Fotos gehäuft hatten. Hinzu kommen eine diagnostizierte ADHS-Störung, Legasthenie, sogar Zwangsvorstellungen. Eine dringende Notbremse also, die gerade noch rechtzeitig gezogen schien. Das große Comeback folgte 2009 mit dem Album „Reality Killed the Video Star“, das Jahr darauf präsentierte er mit „In and Out of Consciousness“ (ein nicht von ungefähr gewählter Titel) ein Best-Of-Album der Jahre 1990 bis 2010. Robbie Williams schien wieder hergestellt, im selben Jahr heiratete er außerdem die Schauspielerin Ayda Field. „Sie ist der Kleber, der alles zusammenhält. Sie ist einer der Gründe, warum ich tue, was ich tue,“ schwärmt Williams heute noch von seiner Frau. Die beiden haben mittlerweile vier Kinder zusammen, er selbst ist seit vielen Jahren bereits clean.
Der Rest ist ebenfalls Popgeschichte, weshalb wir einen Zeitsprung über ein Jahrzehnt und noch ein paar Alben („Take the Crown”, „Swings Both Ways” und „The Heavy Entertainment Show”) weiter machen: Robbie Williams hat seinen Starruhm überlebt, mehr noch: nach viel Therapie und Entzugskuren scheint er wie ein Phönix aus seiner eigenen Asche wiederauferstanden. Das gilt es zu feiern, und genau das macht er auch: Am 9. September erschien mit „XXV“ ein weiteres Greatest-Hits-Album, mit dem er 25 Jahre Solokarriere feiert. Darauf zu finden sind seine größten Hits der letzten zweieinhalb Dekaden, neu orchestriert und mit dem renommierten Metropole Orkest vertont. Damit im Gepäck geht der Entertainer 2023 auf große Jubiläumstour. Auch zwei Stopps in Wien sind geplant: Am 16. und 17. März in der Wiener Stadthalle. Let him entertain us, am besten noch die nächsten 25 Jahre!
Robbie Williams gastiert am 16. und 17. März in der Wiener Stadthalle D. Tickets gibt es bei oeticket.com.