Foto: Viktor Julev
Shortparis sind derzeit der wahrscheinlich beste russische Live-Act. Die aus St. Petersburg stammende Band hat sich unter der Leitung des charismatischen Frontmanns Nikolay Komiagin einen Ruf für atemberaubende rituelle Performances und dunkle, elektronische Klanglandschaften aufgebaut - eine musikalische Ästhetik, die ihresgleichen sucht. Wer sie 2019 am Donaufestival oder beim Waves Festival gesehen hat, kann das bestätigen.
Egal, ob auf Russisch, Französisch und Englisch, Shortparis sind eine Offenbarung. Immer mit dem Ziel vor Augen, einen adäquaten Soundtrack zu ihrem Alltag zu liefern, spiegeln Shortparis das St. Petersburg der Vergangenheit und Gegenwart wider. "Wisst ihr, ich träume ständig davon, Bands wie Shortparis zu entdecken, tue es aber so selten", schreibt John Doran von The Quietus. "Ambitioniert, bombastisch, unglaublich prätentiös, erotisch, mitreißend, nicht festzunageln, irgendwie unangepasst, tanzbar und voller revolutionärem Potenzial. Sicher, wenn du genau aufpasst, kannst du sie lachen hören. Aber anzunehmen, dass sie scherzen, wäre ein gravierender Fehler."
Seit dem russischen Angriffskrieg auf die Ukraine hat sich die Ästhetik der Band ins Tiefmelancholische gewandelt. So bezeichnet die taz den Song "Yablonnyy sad" als "eines der stärksten künstlerischen Statements aus Russland seit Kriegsbeginn". Sänger Nikolay Komiagin wurde Ende Februar bei einer Antikriegsdemonstration verhaftet, kam aber kurz darauf wieder frei.
APPLE ORCHARD
Oh my sorrow
I was not here
Where is the limit, the edge?
Who saw it?
And whose you are now, whose?
And whose you are now, whose?
A big country sleeps
And the evening seems eternal
Over the Kremlin cathedral
The wind rises, and
Fish seeks the net
Body seeks events
Bullet gets smarter and smarter
During the bloodshed
Soldier on the street
Eats some pastries, jolly for some sugar,
He is your brother, your son
Honey-blossoms the apple orchard
Oh my sorrow
Who will respond
Where is the limit, the edge?
Who saw it?
Where is this snake crawling?
Who saw it?
And whose you are now, whose?
Homeland sleeps
Evening is mutilated
Over the Kremlin cathedral
Ash is rising
Soldier on the street
Eats some pastries, jolly for some sugar,
He is your brother, your son
Blossoms with blood the apple orchard
Oh my sorrow
I was not here
Where is the limit, the edge?
Who saw it?
And whose you are now, whose?
You are ash now
Auch die faz sieht in Shortparis eine Band mit "prophetischen Botschaften an Europa". der Kultursender Arte bezeichnet sie gar als die "derzeit beste russische Liveband", mit ihrer immens intensiven Melange aus Rock, Pop Noir, Underground, Art Punk und Folk ziehen die Künstler ein studentisches Publikum, aber auch die russischsprachige Diaspora an. Shortparis sind radikal, brutal und verstörend, es gibt schnelle Beats, gesampelte Störgeräusche, brutale Gitarrensounds, dumpfe Bässe - man möchte, um populäre Beispiele zu bemühen, vielleicht an eine Symbiose aus Laibach und frühen Einstürzende Neubauten denken.
Es ist dies, ganz gleich welche Adjektive und Vergleiche man heranzieht, jedenfalls ein frühes Konzert-Highlight im Jahre 2023.
Shortparis gastieren am 26. Jänner im WUK. Tickets sind ab sofort erhältlich.
Das WUK wird saniert. Ab April 2023 können deshalb neun Monate lang keine Veranstaltungen stattfinden. Hilf ihnen, die Zeit der Schließung zu überbrücken! Wie das geht und was du dafür bekommst, erfährst du hier!