Bild: Yared Assefa
Nachdem sein Frequency-Gig diesen Sommer buchstäblich ins Wasser fiel, kommt Sido nun in Frieden - und in die Wiener Stadthalle. Selbstverständlich mit einem neuen Album und sogar einer neuen Maske: Die zeigt nun sein wahres, ehrliches Ich.
“Die Maske” (nicht Henry, und auch nicht Jim Carrey) ist wieder da. Allerdings muss Sido dahinter längst niemanden mehr verstecken. Für sein zehntes Studioalbum “Frieden”, das am 27. November erscheint, greift der Berliner Rapper sein bekanntestes Erkennungszeichen wieder auf – diesmal jedoch komplett durchsichtig. Als ersten Vorgeschmack veröffentlichte er vor gut drei Wochen mit “ISSA” die erste Single daraus – inklusive Cameo-Auftritt von Sohn Bo. Brandneu ist die Single “WOKE” - überraschenderweise gar kein Gesellschaftskommentar, sondern Sido führt uns da ein bisschen an der Nase herum.
Die transparente Maske passt dabei ziemlich gut zu einem Album, auf dem Sido Vergangenheit und Gegenwart nicht voneinander trennen will. Er hat tief in den Spiegel geblickt, um sich wieder in die Augen gucken zu können. Er hat sich den Brüchen seiner Vergangenheit gestellt, um ganz im Hier und Jetzt sein zu können. Und er hat erkannt, dass Akzeptieren manchmal die beste Kampfansage ist. Von Saulus zu einfach nur Paul, mit allen Stärken und Schwächen: Sido ist angekommen, um endlich wieder aufbrechen zu können. “Frieden” erzählt von diesem Aufbruch, ohne Angst und mit offenem Visier.
Allerdings: Anders als der quasi-therapeutische Vorgänger “PAUL” folgt “Frieden” dabei nicht der einen großen Erzählung. Der rote Faden ist kein zusammenhängendes Narrativ, sondern ein Gefühl: C’est la vie, und das ist gut so, genau wie es ist. Aus diesem Gefühl heraus beleuchten die einzelnen Songs verschiedene Facetten einer Realität zwischen Fame und Family, Wurzeln und Wachsen, Eskalationen um Mitternacht und der ganz nüchternen Gewissheit, dass morgen sicher ein neuer Tag ist – und damit eine neue Chance, alles genau so zu tun, wie du es für richtig hältst.
Aber ohne Sidos Vergangenheit gibt es nun mal auch keine Gegenwart und erst recht keine Zukunft: Mehr als 25 Jahre nach seinen Anfängen im Deutsch-Rap gehören die unterschiedlichen Versionen seiner Karriere schließlich längst zusammen. Und das wird sich wohl auch in der Setlist zeigen, wenn Sido - leider erst in ziemlich genau einem Jahr - auf Tour geht: Denn neben den neuen Songs aus “Frieden” kann er auf einen Katalog zurückgreifen, der von der silbernen Totenkopfmaske und “Mein Block” bis zu zahlreichen späteren Rap- und Pop-Hits reicht.