Den Startschuss auf der exakt vor dem Schloss installierten Bühne lieferten die britischen Hippie-Rock-Legenden
Ten Years After, die von der Urbesetzung zwar nur mehr Keyboarder Chick Churchill an Bord haben, aber aus einem reichhaltigen Topf von mittlerweile exakt 50 Jahren Musikgeschichte greifen können. Aufgrund der glühenden Mittagshitze suchten die meisten zwar vornehmlich nach Schatten unter den vielen Bäumen innerhalb des Festival-Areals, doch ein paar Hartgesottene aus verschiedensten Generationen ließen sich die Hit-Schau dieser ewigen Zweite-Reihe-Band nicht entgehen. Sänger Marcus Bonfanti, mit Abstand der jüngste der legendären Rasselbande, machte seine Sache musikalisch mehr als gut, wirkte ob seines Alters dennoch dezent fehlplatziert. Ten Years After gelten aber nicht nur wegen Hits wie „Me And My Baby“ oder „Standing At The Station“ als Konstante am Rock-Firmament – die Performance der Engländer zählte locker zu den stärksten des gesamten Tages. Wie so oft am Lovely Days: ein mächtiges Lebenszeichen Totgesagter.
Über die frühe Platzierung der britischen Glam-Rock-Könige
The Sweet an diesem Tag wunderten sich nicht nur manche Fans, auch Gitarrist und letztes verbliebenes Ur-Mitglied, Andy Scott, zeigte sich im Gespräch vor der Show überrascht: „Um 15.30 Uhr treten wir normalerweise nie auf. Das letzte Mal war das wohl in Glastonbury der Fall“. Diesen unfairen Vergleich wollen wir nicht bemühen, doch The Sweet taten sich zumindest leichter als tags zuvor auf der Burg Clam, denn heute bekam nicht die Band, sondern das Publikum die Kraft der Sonne ab. 34 Nummer-eins-Hits sprechen eine eindeutige Sprache, dass die Band heute trotzdem nur in der unteren B-Liga der 70er-Rockbands spielte, hat sie internen Streitereien und unglücklichen Business-Entscheidungen zu verdanken – eine Liveshow ist mit Songs wie „Fox On The Run“, „Ballroom Blitz“, „Love Is Like Oxygen“ oder „Teenage Rampage“ aber immer noch eine reine Hitparade.
Den größten Spaß am Werken hatte dabei Drummer Bruce Bisland, der optisch zwar ein bisschen an Stefanie Werger erinnerte, das Publikum aber perfekt spielend und dauergrinsend im Griff hatte. Der große Wermutstropfen der bemühten Nostalgie-Parade war Sänger Peter Lincoln, der leider überhaupt kein Feuer in die Songs legte und die einstigen Radio-Hits somit leider in der leichten burgenländischen Sommerbrise verpuffen ließ. Eine klar verpasste Chance, sich noch einmal als wirklich große Legende zu präsentieren, denn so mussten die honorigen Herren doch Abzüge in der B-Note hinnehmen. Das Gerücht um das Live-Ende von The Sweet bestritt Scott vor dem Gig übrigens: „Ich wünschte, ich könnte diese Aussage zurücknehmen. Wir werden auch weiterhin live spielen, nur seltener und nicht mehr so lange am Stück. Das halten wir nicht mehr aus. Eine Indoor-Show in Wien wäre aber sicher denkbar.“ Hoffentlich auch für eine stimmliche Wiedergutmachung.
Eine Machtdemonstration sondergleichen war dafür die darauffolgende Show der Funk-Rocker
Mother’s Finest. Angetrieben von der athletischen Bühnen-Performance der beiden Sänger Joyce Kennedy und Glenn Murdock, erspielte sich das Sextett mit sympathischer Ausstrahlung, feurigen Hits und der nötigen Portion Entertainerqualitäten sehr schnell die Herzen der Fans, die sich nach anfänglicher Distanz auch immer stärker von den bewegenden Rhythmen mitreißen ließen. Der Funk durchbricht ein weiteres Mal das bunte Stil-Potpourri, das hier und heute als kleinsten gemeinsamen Nenner die Liebe zur E-Gitarre aufzuweisen hat. Die Schmähs rennen, die Riffs sitzen und die Körper tanzen – bei Songs wie dem legendären „Baby Love“ oder „Burning Love“ ist es auch kein Wunder, dass den feierwütigen Fans auf dem erhitzten Areal noch eine Spur heißer wird. Mother’s Finest sind auf jeden Fall verantwortlich für die feurigste und flotteste Show des Tages – auch musikalisch waren keine markanten Patzer zu erkennen. Die Pension kann hier eindeutig noch warten.