Bild: Steve McCurry
Kriegsberichterstattung wird gerne als die Königsdisziplin des Reporter-Wesens bezeichnet. Steve McCurry, der seit über 40 Jahren von diversen Kriegsschaupätzen wie Afghanistan, Jugloslawien oder Irak berichtet hat, sieht das nicht so. In seinen Fotos geht es nicht um brennende Gebäude oder explodierende Panzer. McCurry fotografiert die Konsequenz des Krieges und wie Menschen dennoch versuchen, ihren Alltag zu bewältigen. Um neun Uhr morgens erreichen wir ihn in seinem Atelier in Pennyslvania.
Nein, ich habe nie irgendwelchen Druck verspürt. Das Bild lag nicht wie ein zusätzliches Gewicht auf meinen Schultern.
Ich reiste über die Grenze nach Afghanistan, wo damals Krieg herrschte. Ich besuchte dort eine Schule und sah dieses Mädchen und wusste sofort, dass dieses Foto etwas Spezielles sein würde, etwas Unübliches. Es war eines dieser Bilder, das man sein Leben lang nicht vergisst.
Das kann man nie vorhersehen. Du weißt nie, wie auf deine Arbeit reagiert wird.
Nein, das ist in diesem Fall nicht so. Ich merke, dass meine Arbeit anerkannt wird. Wenn meine Arbeit den Menschen gefällt und sie sich davon angesprochen fühlen, dann muss man dafür dankbar sein.
Ich wollte nie ein Kriegsfotograf sein und sehe mich selbst auch nicht als einer. Ja, ich war über einen gewissen Zeitraum viel in Konfliktregionen unterwegs, würde mich dennoch nicht so bezeichnen. Denn: Es war nie der Krieg, der mich interessiert hat. Sondern welche Konsequenzen er hatte – vor allem auf die normale Bevölkerung, die darunter zu leiden hatte.
Man muss offen für alles sein. In erster Linie die Augen offen halten, Situationen abwägen. Aber mein letzter Kriegseinsatz ist auch schon 25 Jahre her.
Als ich mich zum ersten Mal dazu entschlossen habe, in andere Teile der Welt zu reisen, reiste ich in entlegene Gegenden dieser Länder. Ich wollte sehen, wie die Menschen dort leben, ich wollte verschiedene Kulturen, eine andere Art von Menschen sehen; Ihre Religion und Architektur, und wie sie ihr Leben führen. So war das. Und wie es der Zufall wollte, war die erste Region in die es mich verschlug, Südost-Asien. Ich habe mich in die Region und überhaupt Asien verliebt. Irgendwie führte dann eines zum anderen und ich bin einfach von Indien nach Pakistan, von Nepal nach Bangladesch, nach Sri Lanka, nach Tibet, Thailand, Kambodscha weitergezogen. Mit diesen Orten fühle ich mich irgendwie verbunden.
Ohja, ich bin ein sehr rastloser Mensch. Ich sehe gerne die Welt, in der wir leben. Ich will sie erleben und lerne auch gerne dazu. Das Leben ist kurz. Man hat nicht viel Zeit, und das Interessanteste und Erfüllendste, was man mit seinem Leben machen kann, ist zu sehen, in welcher Welt wir leben. Das habe ich so gut es geht versucht, und das gibt mir das Gefühl, meine Zeit auf die beste Art und Weise verbracht zu haben.
Jeder muss für sich selbst einen Weg finden, sein Leben normal weiterzuführen. Es ist eine Kopfsache. Man muss verstehen, dass diese Geschichten wichtig sind, damit die Welt informiert bleibt, was in ihr passiert. Ich habe für mich persönlich einen Weg gefunden, zu kontrollieren was ich an mich heranlasse und was nicht: Man muss die Kraft haben, es für sich zu behalten und versuchen, nicht darüber nachzudenken und sich nicht davon beeinflussen zu lassen. Aber diese Kraft musst du in dir selbst finden.
Ich sehe das nicht so. Ich sehe eine Situation, ich fotografiere sie, und ich habe dann ein Bild, auf das ich mich beziehen kann. Manachmal erwischt man den Moment, manchmal verpasst man ihn.
Nachdem ich nicht im aktuellen Nachrichtengeschäft oder bei einer Zeitung, einem Magazin angestellt bin, gibt es für mich auch keine Fristen. So kann ich auf meine eigene Art und Weise arbeiten, mit meinem eigenen Tempo. Ich fotografiere lieber persönliche Dinge, als per Auftrag. Für meine Kollegen bei Zeitungen und Magazinen ist die Welt sicherlich schwieriger geworden: Es gibt mehr Fotografen, das Internet ist unmittelbarer geworden, jeder hat ein Smartphone, jeder fotografiert. Schwer war es aber schon immer, es war nie einfach.
Es ist manchmal äußerst schmerzhaft und schwierig. Manchmal ist der Moment unvorstellbar und man schafft es nicht, abzudrücken. Es ist von Fall zu Fall unterschiedlich, es gibt tatsächlich auch Situationen, die vielleicht nicht festgehalten werden müssen.
Unterschiedlich. Es muss einem klar sein: Wenn man sich mitten in einem Konflikt befindet, neigen die Menschen dazu, sehr hohe Emotionen zu haben, irrational zu sein. Und manchmal verlieren sie den Verstand.
Nicht im traditionellen Sinne. Ich glaube an eine universelle Macht.
Das muss jeder für sich selbst entscheiden.
Wahrscheinlich Tausende von Situationen. Man kann nicht immer alles machen. Im Leben haben wir alle einmal auch Gelegenheiten verpasst. Manchmal funktionierten die Dinge, manchmal nicht. Man muss positiv bleiben und dankbar sein für die Dinge, die gut geklappt haben. So ist das Leben. Man muss nur schlau und gut darin sein, Chancen zu erkennen, das Risiko abwägen und hoffentlich wird alles gut. Es gibt keine Garantie im Leben.
Das ist mir kein einziges Mal in den Sinn gekommen, so etwas verstehe ich auch nicht. Es ist großartig für ihn, wenn ihm das wichtig ist, eine persönliche Sache. Vielleicht ist es für ihn besser, überhaupt nicht zu fotografieren und das Leben und den Moment zu schätzen. Leg die Kamera weg und genieß das Leben! Es wurden Billionen von Fotos gemacht und vielleicht sollten wir dankbar sein, dass er das Foto nicht gemacht hat, denn das Letzte, was wir brauchen, sind mehr Bilder. Es ist ein großartiger Film, eine großartige Idee, aber auch ein bisschen albern.
Ich versuche, weiterhin Bücher zu veröffentlichen und auszustellen, ich arbeite also an verschiedenen Projekten. Aktuell bin ich gerade dabei, ein Buch über die „Hingabe” zu beenden.
Steve McCurrys Ausstellung gastiert vom 8. Juli bis 24. September im Semperdepot. Tickets gibt es bei oeticket.com.