Bild: Brandon Soder for Meow Wolf
The Dresden Dolls sind wieder da und spielen in St. Pölten ihr einziges Konzert 2025. Sängerin Amanda Palmer erinnert sich an die Anfangszeit des US-Punk-Cabaret-Duos und erzählt, wie sie traumatische Erfahrungen kreativ verarbeitet.
Amanda Palmer brennt. Für die Kunst und fürs Leben. Die Sängerin, Musikerin, Performerin und Songschreiberin macht keine halben Sachen, sie zeichnet besondere Verve aus. Palmer wurde in den Nullerjahren als Teil des US-Punk-Cabaret-Duos The Dresden Dolls bekannt, das sie gemeinsam mit dem Drummer Brian Viglione bildet. Später startete sie eine erfolgreiche Solokarriere. Nun melden sich The Dresden Dolls zurück: Am 13. September sind sie exklusiv beim Domplatz-Open Air in St. Pölten live zu erleben.
Es ist seltsam mit uns. Wir haben uns nie offiziell verabschiedet. Ich denke nicht, dass wir das jemals werden. Aber wir sind in den 2000ern durch eine sehr intensive Tour-Phase gegangen. Ungefähr fünf Jahre lang waren wir wirklich unaufhörlich unterwegs. Wir haben uns absolut ausgebrannt. Danach sind wir eine Zeit lang unsere eigenen Wege gegangen, um unsere mentale Gesundheit wiederzuerlangen. Ab und zu haben wir Tourneen gespielt. Es gab Jahre, in denen wir entschieden haben, etwas zu tun, und Jahre, in denen wir nichts gemacht haben. Dann kamen Kinder. Covid kam. Verzweiflung kam und ging. Und doch finden wir uns immer wieder als The Dresden Dolls zusammen.
Da stand aber kein Plan dahinter. Wir wollten nicht anders sein, um Aufmerksamkeit zu erregen. Wir haben damals auch keine Marketing-Meetings abgehalten. Ich ging einfach in meinen Kleiderschrank und habe ein schwarzes Kleid rausgesucht. Von meiner Zeit als Straßen-Perfomerin hatte ich noch weiße Schminke. Die haben wir beide aufgetragen. Wir haben nicht groß darüber nachgedacht. Wir wollten uns einfach kreativ ausdrücken, so wie unsere Vorbilder. Unsere Lieblingsbands kommen aus unterschiedlichen Genres: The Cure, The Legendary Pink Dots oder Slayer. Aber sie eint, dass sie extrem ausdrucksstark waren und furchtlos ihr Ding durchgezogen haben.
Stimmt. Wir waren rückblickend aber auch nicht groß in Gefahr, unter Popmusik zu laufen, weil wir ja keine Popmusik gemacht haben. Im Grunde waren wir eine Punkband. Und wie alle Punkbands seit Anbeginn der Zeit wollten wir nur unsere kleine Freak-Flagge schwenken. Das Angebot an die Leute war: Wir bieten eine Show, die wirklich emotional ist, laut, nicht poliert und nicht Mainstream. Das Make-Up wirkte wie ein Verstärker der Musik. Brian und ich hätten auch Jeans und weiße T-Shirts tragen können und diese Songs spielen. Es hätte immer noch funktioniert. Aber das Signal an die Welt der Freaks, die wir ansprechen wollten, wäre nicht so stark gewesen.
Doch. Das war auch Teil des Tricks. Wir sahen dumm aus, spielten jedoch wirklich ernsthafte Musik. Wir waren und sind auch heute noch tragische Clowns. Wir wissen, wie wir durch die Hintertür des Witzes in den Texten etwas Wichtiges über Abtreibung oder Missbrauch oder mentale Gesundheit sagen können. Und zwar am besten dann, wenn man es am wenigsten erwartet.
Das nicht, aber immerhin die Krankenversicherung. Deshalb: Danke, Geld aus der Marmeladen-Werbung! Und danke, Österreich. Ich wollte den Song ursprünglich gar nicht aufnehmen, weil er für mich nicht zum Rest unseres Materials passte. Aber er kam live gut an. Also landete er doch auf dem ersten Album.
Es ist kompliziert. Zum ersten Mal haben wir 2015 darüber gesprochen, neue Songs aufzunehmen. Das ist zehn Jahre her. Und wir sprechen immer noch darüber. Je länger es dauert, desto wichtiger wird das Album und desto unglaublicher wird es sein. Ich habe eine Unzahl an Songs.
Im Gegenteil. Besonders im letzten Jahr sind mir die schrecklichsten und mächtigsten Songs passiert, die ich jemals geschrieben habe. Ich weiß noch nicht, wie ich sie präsentieren und in die Realität übersetzen kann.
Ja, so habe ich es immer gemacht. Ich nehme meine Erfahrungen und lasse sie durch die Songwriter-Maschine in meinem Gehirn laufen, um zu sehen, was auf der anderen Seite herauskommt. Ich lebe momentan mit meinem Kind wieder in meinem Elternhaus, wo ich meine ersten Songs geschrieben habe. Ich war damals 15 und versuchte einen sexuellen Übergriff zu verarbeiten. Weil ich dachte, ich kann nicht mit den Menschen in meiner Umgebung darüber reden, schrieb ich einen Song darüber. Mein erster wirklich guter Song resultierte also aus einer schrecklichen Erfahrung.
Ja. Als Songwriterin habe ich immer wieder versucht, aus Schmerz und Tragödien etwas zu machen, das auch anderen Leuten Trost spendet. Manchmal habe ich Angst vor der Songs, die ich schreibe, weil sie so schreckliche Dinge behandeln. Es tut weh, sie zu schreiben. Und es schmerzt sogar physisch, sie zu singen.
Absolut. Wenn ich zurückdenke, habe ich nie in meiner Karriere das Gefühl gehabt, dass die Zeit auf einer Bühne verlorene Zeit war. Jede einzelne Performance war wichtig, ob vor fünf Leuten in meiner Küche oder vor 15.000 bei einem Festival. Zu Beginn war ich allerdings eine viel egoistischere Performerin als ich heute bin. Ich denke, in den Zwanzigern ist das so. Man wird gefeiert für das, was man macht, und bezieht daraus seinen ganzen Selbstwert. Als ich älter wurde und mehr erlebt habe, auch viel Verletzung, habe ich gelernt, dass es bei Konzerten und Kunstformen aller Art um die kollektive Erfahrung geht. Wir drohen das zu verlieren, indem wir uns in unseren Häusern und Wohnungen isolieren und auf Bildschirme schauen. Nichts gegen die digitale Welt. Aber eine gesunde Gesellschaft braucht dringend gemeinsame Erfahrungen und Verbundenheit.