Bild: Mackie Osborne
Über The Melvins zu erzählen, hieße, Eulen nach Athen zu tragen. Ihr letztes Konzert hierzulande, am 13. Juni in der großen Arena-Halle, war rappelvoll - was einerseits nicht verwundert, feierte man doch den 40. Bandgeburtstag und hatte aus der langen, verqueren, bewegten Historie so einiges zu erzählen: Mal klang man nach Sludge, mal nach Punk, mal nach Psychedelic. Andererseits hat es dann doch verwundert, weil heutzutage tendenziell die Hütten dann voll sind, wenn die Musik auf der Bühne auch TikTok-tauglich ist - die Melvins (und ihr Frontkopf Buzz Osborne) sind dann aber eher doch etwas unkonventioneller.
Nicht minder lässt es sich eigentlich über Mr. Bungle urteilen: Am Kopf dieser Formation steht Mike Patton - die Stimme des Wahnsinns. Ja, der Kopf von Faith No More. Ja, der Patton, der nebst ex-Slayer-Schlagzeuger Dave Lombardo unter dem Banner Fantomas für experimentelles Chaos verantwortlich zeichnete. Der Patton, der bei Björk ("Medúlla"), John Zorn, Bohren & der Club of Gore ("Beileid"), The Dillinger Escape Plan ("Irony Is A Dead Scene"), Sepultura und vielen mehr im Rahmen von Gastauftritten wüten durfte. Ihm zur Seite steht seit ehedem - nicht nur bei Mr. Bungle, auch bei Fantomas - Bassist Trevor Dunn, der nebst seinen Mitstreitern ebenso eifrig dran ist, der rasenden Wut des Heavy Metals schräge Einsprengsel von Funk über Folklore und Jazz bis hin zu Zirkus- und Filmmusik zu verpassen.
Gemeinsam haben beide Bands vor allem eins: Sie klingen immer irgendwie, unvorhergesehen, oft polternd, disharmonisch oder zumindest verstörend. Hauptsache, das Ganze klingt nie allzu angenehm. Und wenn doch, dann zumindest LAUT.
Nun haben sich Osborne (der im April mit den Melvins "Tarantula Heart" veröffentlicht) und Dunn (der soeben das neue Label Riverworm Records "for misunderstood music" gegründet hat) zu einem Duo zusammengeschlossen, das sich auf den Banner geheftet hat, mit akustischer Gitarre und Stand-Up-Bass bewafftet, dem entrückt-gelösten Wahnsinn zu frönen. Osborne gastierte ja bereits vor 10 Jahren akustisch (und solo-solo) in der Arena und versuchte sich als Bob Dylan, wie auch auf seinen T-Shirts geschrieben stand: "The times they are a-changing, you Dumbass!" Damals klang das tatsächlich etwas Knödelig, nach einem Singer-Songwriter, der sich am Kauderwelsch von Heavy-Metal-Fantasien auslebte. Wie das Solo im Duo klingen wird, darf man mit Spannung erwarten - Osborne hat zumindest angekündigt, dass es donnern werde, wie wenn ein "Öltanker in ein Korallenriff kracht". Ob die Wiener Arena den Donaukanal demnach umzuleiten gedenkt, blieb auf Redaktionsanfrage vorerst unbeantwortet (zumal: Aus Backstein ein Korallenriff zu zaubern ...). Aber wenn es einer schafft, ein Schiff trotzdem in den ehemaligen Schlachthof zu bugsieren, dann sind es Osborne und Dunn - geneigte Konzertbesucher mögen sich ganz gleich wie die Anreise gestaltet (statt Boot sei der handelsübliche öffentliche Nahverkehr empfohlen) im besten Falle alles und nichts erwarten, denn gebrochen werden Erwartungen bei beiden Herren ja bekanntlich allzu gern.
King Buzzo von The Melvins und Trevor Dunn von Mr. Bungle gastieren am 21. Oktober in der Arena. Tickets gibt es ab Freitag, 1. März um 10 Uhr bei oeticket.