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Kultur

War es wirklich der Gärtner?

30.01.2025 von Stefan Baumgartner

Im Juni erleben wir den Kult-Krimi „Mord im Orientexpress“ von Agatha Christie live in der Wiener Stadthalle und können Meisterdetektiv Hercule Poirot beim Ermitteln über die Finger schauen!

Inspector Columbo hat immer noch eine Frage. Sherlock Holmes raucht in Gedanken vertieft seine Pfeife, bevor er schlussfolgert: „Elementar, mein lieber Watson!“ Monk ist nicht minder genial wie neurotisch. Und Horatio Caine setzt sich beim Lösen seiner Fälle in Miami öfter die Sonnenbrille auf, als andere Menschen Atemzüge brauchen: Krimis sind längst unausweichlicher Teil unserer Popkultur geworden und alle Altersklassen schauen ihren meist schrulligen Ermittlern nur zu gern über die Finger.

Gleich zwei der frühesten Kult-Figuren entstammen der Feder der britischen Krimi-Autorin Agatha Christie: Miss Marple und Hercule Poirot.

Agatha Christie: Die Grande Dame der Krimiwelt

Agatha Christie wurde 1890 geboren und war eine britische Schriftstellerin, bekannt wurde sie vor allem durch die große Anzahl an Kriminalromanen, die auch mehrfach mit großem Erfolg für Kino und Fernsehen verfilmt oder für die Bühne adaptiert wurden. Ihr Krimi-Theaterstück „Die Mausefalle“ etwa ist das am längsten durchgehend aufgeführte Theaterstück, es wird seit November 1952 täglich (lediglich unterbrochen durch die COVID-Pandemie) im Londoner West End gespielt.

Ihre zwei berühmtesten wiederkehrenden Figuren sind der belgisch-stämmige Detektiv mit dem beachtlichen Bärtchen, Hercule Poirot, sowie die britische altjüngferliche Omama Miss Marple.

Miss Marple ermittelt in 12 der 66 Kriminalromane von Agatha Christie, sowie in 20 Kurzgeschichten – am bekanntesten ist wohl „16 Uhr 50 ab Paddington“, nicht zuletzt, weil diese Geschichte auch einer der vier Verfilmungen mit der berühmten Margaret Rutherford in der Hauptrolle war.

Hercule Poirot ermittelt in gleich 33 der Kriminalromane! Poirot ist in seinem ersten Auftritt in „Die Pralinenschachtel“ noch Polizist in Belgien, bevor er als Pensionist ins britische Exil flüchtet, in London sesshaft und Privatdetektiv wird. In „Mord im Orient-Express“ – seinem Paradefall! – reist Hercule Poirot im Orient-Express von Istanbul zurück nach London und findet sich plötzlich inmitten eines Falles: Auf der Fahrt durchs ehemalige Jugoslawien muss der Zug anhalten, da die Strecke durch eine Schneeverwehung blockiert ist. Und da wird ein amerikanischer Mitreisender durch zwölf Messerstiche ermordet …

Spitze Zungen mögen jetzt unken: Noch mehr als das Angebot der Deutschen Bahn fügt der “Mord im Orient-Express” den dank Flugscham gerade im Aufwind befindlichen Ruf nach Zugreisen Schaden zu!

Mord im Orientexpress

Auch wenn man das Buch vielleicht nicht gelesen hat, so hat man vielleicht eine der fünf Verfilmungen gesehen – gerade die aktuelle aus dem Jahre 2017 hat es mit der Besetzung in sich! Kenneth Branagh („Oppenheimer“, „Dunkirk“, „Kommissar Wallander“, „Operation Walküre“, „Harry Potter und die Kammer des Schreckens“) führt da nicht nur Regie, sondern ermittelt auch als Poirot: Die Leiche, der betrügerische Kunsthändler Edward Ratchett, wird von Johnny Depp gespielt. Die Verdächtigen unter anderem von Penélope Cruz, Willem Dafoe, Michelle Pfeiffer und Judi Dench. Wie Poirot den Fall löst, und insbesondere wer der Mörder (oder die Mörderin!) war, verraten wir an dieser Stelle freilich nicht – nur so viel sei gesagt: Es war zur Abwechslung einmal nicht der Gärtner, auch, weil sich am Bord des Zuges gar kein Gärtner befindet.

Sind Gärtner eigentlich wirklich so mörderisch?

„Der Mörder ist immer der Gärtner“ ist heute so etwas wie ein geflügeltes Wort, der Satz geht auf das Theaterstück „Die Bürgschaft“ (1926) von Curt Goetz zurück: Da gibt es eine Stelle, in der ironisch bemerkt wird, dass der Täter ohnehin immer der Gärtner sei. Tatsächlich ist der Gärtner in klassischen Krimis nur sehr, sehr selten der Täter – bei Agatha Christie nie. Vielmehr entstand das Klischee, weil Gärtner oft als unauffällige Nebenfiguren mit freiem Zugang zu Grundstücken auftreten – also potenzielle Täter sind, weil sie sich gewissermaßen „unter dem Radar“ bewegen.

Natürlich sind auch bei Agatha Christie oft vermeintlich harmlose Nebenfiguren die Mörder – es ist aber auch eine klassische Christie-Taktik, die wir auch im „Mord im Orientexpress“ wiederfinden, dass wir lang nicht mal erahnen, wer ein Motiv zum Mord gehabt hätte! Viel öfter als die Unscheinbaren sind es bei Agatha Christie jedoch enge Familienangehörige oder Dienstboten, die aus Habgier oder gekränktem Stolz morden, sowie Ehepartner oder Liebhaber, die aus Eifersucht morden. Und: Agatha Christie liebt Giftmorde!

Das liegt vor allem daran, dass Agatha Christie während des Ersten Weltkriegs als Apothekergehilfin arbeitete. Dadurch eignete sie sich umfassendes Wissen über Medikamente und Gift an, insbesondere über die damals gebräuchlichen Substanzen wie Arsen, Strychnin und Cyanid. Dies ermöglichte ihr, realistische und detaillierte Beschreibungen von Vergiftungen zu liefern. Außerdem ist Gift ein raffiniertes Mordwerkzeug, das oft nicht sofort entdeckt wird und auch Raum für falsche Fährten gibt. Zudem erfordern Giftmorde eine besondere Raffinesse, die gut zu Christies oft intellektuell geprägten Tätern passen. Funfact: Ihre Detailtreue machte ihre Vergiftungsfälle so überzeugend, dass sie in den 1970er Jahren sogar dabei half, eine echte Thallium-Vergiftung zu diagnostizieren, weil ein Arzt durch „Das fahle Pferd“ darauf aufmerksam wurde!

Mord im Orientexpress in der Wiener Stadthalle

Zwischen 12. und 15. Juni erleben wir Agatha Christies Kult-Roman auch auf der Bühne der Wiener Stadthalle F, gespielt wird in deutscher Sprache. Die Besetzung soll im März bekanntgegeben werden, begleitet wird das Theaterstück von einem “epischen Soundtrack”. Dabei hält sich die für die Bühne von Ken Ludwig bearbeitete Fassung nah am Originaltext, der jedoch behutsam modernisiert wurde: Der amerikanische Regisseur und Dramatiker weiß, was er tut, stammen aus seiner Feder immerhin schon unter anderem gefeierte Bühnenfassungen wie “Death on the Nile” (ebenfalls von Agatha Christie) oder die Sherlock-Holmes-Stücke “Baskerville: A Sherlock Holmes Mystery” und “Moriarty: A Sherlock Holmes Adventure”.

Veranstaltet wird “Mord im Orientexpress” von ShowSlot, die uns auch das Kult-Musical “Saturday Night Fever” in der Grazer Helmut List Halle, mit der “CHER Show” das Musical über die Göttin des Pop in der Wiener Stadthalle F und “Footloose” in der Wiener Stadthalle D geschenkt haben.


Live-Termine


Mord im Orientexpress

12. bis 15. Juni 2025 | Wien, Stadthalle F


Infos auf dem Stand vom 30.01.2025  

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Tipps für Krimifreunde

Auf den Geschmack gekommen? Für Krimifreunde gibt es noch viele andere Veranstaltungen, die zum Mitfiebern und Miträtseln einladen!

Zwischen 13. Februar und 1. März spielt es im Theater Center Forum „Ein brillanter Mord“ von James Cawood. In diesem Kammerspiel befinden wir uns in einem einsam gelegenen Landhotel, während draußen ein Schneesturm tobt. Olivia ist mit ihrem frisch angetrauten Ehemann Robert gerade in dieser Einöde, als ein mysteriöser Anruf dunkle Geheimnisse aus ihrer Vergangenheit ans Licht bringt. Und plötzlich steht da auch noch ein sehr undurchsichtiger Mann vor der Tür, der sich angeblich verlaufen hat …

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Ebenfalls im Theater Center Forum, aber auch im Stadttheater Leoben und im Kulturhaus Knittelfeld spielt es zwischen 12. Februar und 27. März „Der Hund von Baskerville“: Es ist dies wohl eine der berühmtesten Erzählungen rund um den eingangs angesprochenen Detektiv Sherlock Holmes. Doch das Stück ist nicht ganz werkgetreu: Ken Ludwig verleiht dem Text neue, überraschende Wendungen und zugleich eine gehörige Portion Humor.

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„Mord auf Ex“ ist einer der erfolgreichsten deutschen True-Crime-Podcasts, fesselnd gestaltet von Linn Schütze und Leonie Bartsch. Am 26. Februar gastieren die Podcasterinnen live auf der Bühne der Wiener Stadthalle D und präsentieren ein interaktives Erlebnis zwischen absurden Mordfällen, rätselhaften Cold Cases und mysteriösen Geschichten über Sekten und die Mafia – alles basierend auf wahren Begebenheiten, fundiert recherchiert und packend erzählt!

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Auch am 13. September tauchen wir bei „Mord am Mittwoch“ (es ist dies allerdings ein Samstag) im Globe ein in eine True-Crime-Show: Die Podcasterin Lucia Leona präsentiert hier live auf der Bühne spektakuläre Fälle mit überraschenden Wendungen und lädt so zu einem Abend voller Nervenkitzel und Gänsehaut …

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Dr. Mark Benecke ist weltweit einer der berühmtesten und gefragtesten Kriminalbiologen. Er widmet sich auf skurrile bis teilweise eklige Weise spannenden Fragen, die manch einer lieber nicht beantwortet haben möchte. Am 5. Dezember geht es im Linzer Posthof etwa um Morde in geschlossenen Räumen, am 6. Dezember im Salzburg Congress um Kriminalfälle am Rande des Möglichen – mit so spannenden Fragen wie etwa: „Kann man Menschen mit Körperteilen töten?“ Und: „Können Polizisten Spuren so fälschen, dass genau derjenige, der als letzter mit der nun toten Frau gesehen wurde, zu Unrecht in Verdacht kommt?“

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„Samstag, der 13.“ Ist eine turbulente Krimikomödie mit Reinhard Nowak (Schlabarett, „Muttertag“) im Ensemble: Im Stück, das am 8. Februar im Stadtsaal Vöcklabruck, am 14. Februar in der Stadthalle Ybbs und am 16. Februar im KUZ Mattersburg gespielt wird, ist der Gärtner nicht der Mörder – sondern der Ermordete. Die Frau des Gärtners verdächtigt den Hausherren, er wiederum seine Frau und sie ihre Schwester, die zu Besuch gekommen ist. Ihr dürft euch auf unerwartete Wendungen und einen unvorhergesehenen Ausgang freuen, der fast aus der Feder von Agatha Christie stammen könnte!

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Im Wiener Shebeen International Pub lädt am 21. März und 23. Mai Reginald Bärris zur (englischsprachigen) True-Crime-Comedy „Born Behind Bars“: Bärris stammt eigentlich aus Amerika, wurde aber von seiner Patentante vor gut 10 Jahren nach Österreich geholt, um seine Karriere in der klassischen Musik anzukurbeln. Jetzt ist er aber ein up-and-coming Vollzeit-Comedian, von dem sogar unser geliebtes Radio FM4 begeistert ist. In „Born Behind Bars“ geben sich True Crime und Stand-up Comedy die Klinke in die Hand und Bärris erzählt aus erster Hand Geschichten aus dem Gefängnis und über das chaotische amerikanische Justizsystem …

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Auf der Rosenburg im malerischen Waldviertel wird nicht nur gemordet, sondern auch mit vier fantastischen Gängen verköstigt – vermutlich ganz ohne Giftbeimischung! Aber zumindest ist nicht nur dein Appetit, sondern auch dein kriminalistischer Spürsinn gefragt – denn alle Besucher*innen müssen mithelfen, den Fall zu lösen! Am 14. und 15. August steht bei „Lola trifft(s) immer!“ der renommierte Travestie-Künstler Lorenz Laretcnik im Fokus, während wir am 21. und 22. August erfahren: „Erben ist tödlich!“

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