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Konzerte

Welche 5 Bands in der Sphere in Las Vegas spielen sollten

09.10.2023 von Stefan Baumgartner

Eine "Landmark" für Wien soll sie werden – und ein "Leuchtturmprojekt in Europa", mit dem man "international für Furore" sorgen wolle. Mit diesen Worten umriss Wiens Finanzstadtrat Peter Hanke von der SPÖ 2019 die Pläne für eine neue Eventhalle in der Hauptstadt. Diese soll in Neu-Marx und somit quasi ums Eck von der Kult-Location Arena, der Marx-Halle und zwei Steinwürfe weit vom Gasometer entstehen und, weil modern, "alle Stückerln" spielen, die auch Topstars aus aller Herren (und Frauen!) Länder nach Wien locken soll. Auch Künstler, für die die Kapazität der Wiener Stadthalle oder technische Voraussetzungen in der altehrwürdigen Location nicht ausreichen. Damals ging man noch von einer Fertigstellung im Jahre 2024 (also: bald) aus, Corona und andere Komplikationen lassen heute eher an eine Eröffnung "ab 2029" denken.

Das Leuchtturmprojekt in Amerika

10.000 Kilometer Luftlinie entfernt schaut die Sache schon ein bisserl anders (und typisch amerikanisch: schneller) aus: In der Glamour- und Glitzerstadt Las Vegas wurde 2018 ein ähnliches Bauprojekt angekündigt, fünf Jahre und 2,3 Milliarden Dollar später steht es bereits: die Sphere, eine kugelförmige Mehrweckhalle. Die Sphere hat eine Kapazität von 18.600 Sitz- und 5.000 Stehplätzen, einen Durchmesser von 157 Metern und über 81.000 m² Außenfläche mit fast 58 Millionen LEDs, die mit über 1 Million Bildpunkten die weltgrößte LED-Wand bilden. Nahezu die gesamte Außenfassade des Gebäudes kann als Animationsfläche beliebig gestaltet werden - wenn das also kein "Leuchtturmprojekt" ist, dann weiß ich auch nicht. Aber auch innen spielt die Halle - zumindest optisch - alle Stückerln, kann doch auch die Innenseite des Kugelbaus mit dem weltweit ersten 16K-LED-Display auf 15.000 m² ein durchaus eindrucksvolles visuelles Erlebnis kredenzen. Außerdem sind in 10.000 der Plätze eine haptische Technologie integriert, sodass auch 4D-Funktionen wie Duft und Wind ausgestrahlt werden können - und für die passende klangliche Untermalung sorgen nicht weniger als 164.000 Lautsprecher.

Eröffnet wurde die Sphere am 29. September mit der Erstaufführung der mehrmonatigen Liveshow der irischen Rockband U2, mit "UV Achtung Baby Live at Sphere" betitelt. Der Hallenbetreiber MSG (ja, die von Madison Square Garden in Manhattan) plant, jedes Jahr vier bis sechs Dauershows im Sphere zu veranstalten. Und ja, die Ersteindrücke versprechen wahrlich ein bombastisches Erlebnis, wie das folgende Fan-Video zeigt:

Wunschkonzert

Spielen wir also einmal Wunschkonzert! Welche KünstlerInnen hätten es verdient, nach U2 im Sphere aufzutreten? Natürlich müssen dies Namen sein, die nicht nur eine gewisse Popularität haben, sondern bei denen auch bekannt ist, dass ihre Bühnenshows schon in normalen, vergleichsweise schnöden Hallen bombastisch und ergreifend sind - und im Sphere potenziert ihre Wirkung entfalten könnten.

1. Taylor Swift

Als erster Name ist freilich Taylor Swift zu nennen - an der jungen Dame aus Pennsylvania kommt niemand, nicht einmal das Guinness Buch der Rekorde, vorbei, hat sie immerhin sogar für den Kinofilm (!) über ihre bombastische "Eras Tour", die 2024 auch gleich dreimal im Wiener Ernst-Happel-Stadion gastieren wird, Tickets im Wert von über 100 Millionen Dollar verkauft. Zum Vergleich: Am ersten Verkaufstag wurden in den USA Tickets im Wert von 26 Millionen Dollar bestellt. Damit schlug "Taylor Swift: The Eras Tour" den vorigen Rekordhalter "Spider-Man: No Way Home". Der Actionstreifen hatte es 2021 im US-Vorverkauf auf einen Tagesrekord von 16,9 Millionen Dollar gebracht.

Und wer bereits Videos von ihrer Tour gesehen hat, weiß: es passiert viel bei der Eras-Tour, und das nicht nur auf den die Bühne flankierenden Leinwänden, sondern auch am Bühnenboden selbst. Man stelle sich also vor, wie das im Sphere erst ausschauen müsste - zumal Swift mit "Wonderstruck" (benannt nach einer Liedzeile aus ihrem Song "Enchanted") ja auch ein eigenes Parfum am Markt hat, das man durch die Halle blasen könnte ...

Taylor Swift spielt kommenden August im Ernst-Happel-Stadion. Aktuell sind alle Karten bereits ausverkauft.

2. Metallica

Wo "Bombast" draufsteht, sind Metallica nicht weit - und auch IMAX-3D-Erfahrung hat die weltgrößte Heavy-Metal-Band bereits, haben sie doch bereits vor 10 Jahren mit "Through the Never" einen entsprechenden Konzertfilm auf den Markt gebracht.

Aber auch abgesehen vom Kino klotzen die "four horsemen" anstatt zu kleckern: Schaut euch das eindrucksvolle Stage-Design ihrer aktuellen "M72 World Tour" an, und ihr wisst, wovon ich rede. Die Band tritt auf einer ungeheuer großen, ringförmigen Bühne auf - mit dem ikonischen "Snake Pit" in der Mitte - und definiert damit die Bedeutung von runden Stadien neu, immerhin verstehen Metallica ein Konzert als "Familientreffen", und bei solchen kommt man ja gern näher zusammen. Für das elegante kreisförmige Design - komplett mit den umgebenden riesigen Produktionstürmen - haben Creative Director/Production Designer Dan Braun, Lighting Designer Rob Koenig und Video Director/Designer Gene McAuliffe Großes geleistet und dabei paradoxerweise auch eine intime Stadionumgebung geschaffen, die die kultigen Metaller perfekt in Szene setzt und im Zeitalter von Instagram und TikTok wahrlich Bildgewaltiges liefert.

Metallica befinden sich aktuell auf ihrer M72-Welttournee, leider ist noch kein Österreich-Termin bekannt. Aber meldet euch beim Ticketalarm an, um informiert zu werden, sobald etwas feststeht!

3. Björk

Wer erst kürzlich in der Wiener Stadthalle war und Björk auf ihrer "Cornucopia"-Tour erleben durfte, war vielleicht enttäuscht, dass es keine Hit-Ansammlung war - verständlich, durften wir sie doch zuletzt 1998 in Österreich willkommen heißen. Entschädigt wurden die Besucher jedoch von der wahrlich theatralischen Produktion der isländischen Eiskönigin. Die Show wurde auf ihrem neuntem Studioalbum "Utopia" aufbauend konzeptiert, von der argentinischen Regisseurin Lucrecia Martel inszeniert und gilt als eines der bisher aufwändigsten Bühnenkonzerte.

Die Show enthielt mehrere digitale Visuals des Medienkünstlers Tobias Gremmler, während Chiara Stephenson das Bühnenbild entwarf, das an Pilze erinnerte. Auf der Bühne wurde Björk von The Hamrahlid Choir unterstützt, einem isländischen 50-köpfigen Chor, der auch die Show eröffnete. Die Live-Band bestand aus einem 7-köpfigen Flötenensemble, einem Harfenspieler, einer Schlagzeuggruppe, Elektronik und einer Reihe von maßgeschneiderten Instrumenten, die in das Surround-Sound-Bühnenbild integriert wurden. Björk wünschte sich zudem eine Hallkammer auf der Bühne, um die Art und Weise nachzuahmen, wie sie normalerweise ihre Musik komponiert.

Björk selbst beschrieb die Show als ein Erlebnis, "bei dem sich das Akustische und das Digitale die Hand geben" - und das ist ihr bestens gelungen! Und nun stellt euch mal vor, wenn sich über die Sphere-LEDs und somit über die Köpfe der BesucherInnen hinweg die Pflanzen ranken, während der Surround Sound den Eindruck erweckt, als befinden sich die ZuhörerInnen inmitten der Flora ...

Hoffentlich lässt Björk nicht wieder so lange warten, bis sie nach Österreich zurückkommt. Meldet euch gleich beim Ticketalarm an, um informiert zu werden, sobald etwas feststeht!

4. Muse

Jeder, der in den letzten zwei Jahrzehnten Musik verfolgt hat, ist sich des Einflusses von Muse und ihrer Langlebigkeit in der Musik wohl bewusst - aber auch mit ihren Auftritten selbst hat die Band Geschichte geschrieben, nicht nur bei den Olympischen Spielen 2012. Die große Bühne, die Lichter und die Theatralik, die die Band an den Tag legt, würden ideal in die Sphere passen - insbesondere, wenn man an ihre "Drones World Tour" zurückdenkt: Auch Muse hatten - wie aktuell Metallica, aber auch bereits U2 bei deren "360 Tour" (der Kreis schließt sich!) vor ihnen - eine kreisförmige (und zudem: rotierende!) Bühne mit Laufstegen an beiden Enden. Ein besonderes Merkmal der Bühne: Sie war niedriger als gewöhnlich, sodass Muse mit dem Publikum intimer in Kontakt treten konnte.

Über dem Hauptkreis befand sich ein kreisförmiger LED-Bildschirm, auf dem der größte Teil des Bildmaterials gezeigt wurde. Andere Bilder wurden auf transparente Vorhänge projiziert, die sowohl über den Start- und Landebahnen als auch über der Hauptbühne angebracht waren und an bestimmten Stellen während des Konzerts heruntergelassen wurden. Die visuellen Aspekte der Tournee wurden von Moment Factory produziert, einem in Montreal ansässigen Medien- und Unterhaltungskunststudio, das bereits an den Tourneen verschiedener Musikkünstler wie Bon Jovi, Madonna, Imagine Dragons und Nine Inch Nails mitgewirkt und auch eigene visuelle Kunstinstallationen in der ganzen Welt durchgeführt hat.

Einer der bemerkenswertesten Aspekte der Tour waren auch 16 speziell angefertigte autonome aufblasbare Drohnen, oder HFOs (High Flying Objects), wie die Crew sie nannte, die in Zusammenarbeit mit dem niederländischen Unternehmen Path65 hergestellt wurden. Die Drohnen selbst bestanden aus einem aufblasbaren Ball, der in einen leichten, mit einem Propeller versehenen Rahmen eingesetzt wurde. Gesteuert wurden die Drohnen über die Köpfe der Zuseher hinweg durch ein eigens geschriebenes Computerprogramm. Die Sensoren, mit deren Hilfe sie gesteuert wurden, mussten für jeden Veranstaltungsort kalibriert werden und waren über den gesamten Veranstaltungsort verteilt. Neben diesen 16 HFOs gab es auch eine größere aufblasbare Drohne, die wie die berühmte Militärdrohne MQ-9 Reaper geformt war (daher auch der Spitzname "Reaper") und während des mittleren Teils von "The Globalist" über dem Publikum schwebte - an einem Abend in Paris wurden gar zwei dieser Reaper über das Publikum hinweg geschickt!

Kommen Muse bald mal wieder nach Österreich? Meldet euch beim Ticketalarm an, um informiert zu werden, sobald etwas feststeht!

5. Rammstein

Ja, Rammstein. Aktuell muss man sich ja an vielen Stellen erklären, wieso man weiterhin diese Band hört, ihre Lieder, ihre Shows gutfindet - aber ganz objektiv betrachtet bieten die Deutschen ein Fest für alle Sinne, wenngleich es eher nach einem Höllenfahrts- denn einem Himmelfahrtskommando anmutet. So sind sie auch sie es, die es als eine der wenigen deutschen Künstler geschafft haben, auch den amerikanischen Markt nicht nur zu erobern, sondern auch mitzudominieren.

Hauptgrund, warum Rammstein gerade live so eindrucksvoll sind, ist freilich ihr Hang zur Pyrotechnik. Ja, Feuer und Flammen setzen viele andere Bands auch ein (und sich selbst damit gut in Szene), aber keine Band lässt es so viel und so heiß brennen wie Lindemann, Flake und Co. Ja, es heißt sogar, dass auf manchen Touren ihre Pyrotechnik-Firma besser verdient hat, als sie selbst ... Der Konzertgeher jedenfalls findet sich in einem wahren Inferno wieder, links und rechts, hinter und vor ihm, über ihm und gerade noch nicht unter ihm explodiert fast minütlich irgendetwas, das schiere Ausmaß der Explosionen, Flammen und Raketen, die hier zu sehen sind, reicht aus, um das Konzept eines Konzerterlebnisses auf die Spitze zu treiben. In der Tat sind die Temperaturen, die Rammstein bei ihren Konzerten erzeugen, so hoch, dass man sie auch bei Minusgraden am Nordpol sehen könnte und die Kälte nicht spüren würde.

Aber auch abgesehen vom Feuer: die Theatralik, die Show, die Rammstein - und insbesondere Sänger Till Lindemann und Keyborder Flake - an den Tag legen, ist nicht von dieser Welt. Seien wir ehrlich: Manchmal reichen Raketen, Flammenwerfer und Explosionen einfach nicht aus, nicht wahr? Nein, was wir wirklich wollen, ist ein zusätzliches Gefühl von Dramatik und Gefahr, um sicherzustellen, dass wir nicht "nur" glauben, uns in der Hölle zu befinden, sondern uns tatsächlich in ihr befinden. Man stelle sich mal vor, wenn Till mit seinen brennenden Engelsflügen auf die komplette Leinwand im Sphere projiziert wird: Dagegen verblassen dann wohl selbst die Bilder aus Ramstein selbst ...

Kommen Rammstein nach ihren letzten Happel-Konzerten bald wieder zurück nach Österreich? Meldet euch beim Ticketalarm an, um informiert zu werden, sobald etwas feststeht!

Honorary Mentions

Aber uns würden auch noch zahlreiche andere KünstlerInnen einfallen, die wir uns nur zu gerne in Las Vegas anschauen würden. Man stelle sich etwa Stilikone Lady Gaga vor, die mit ihrem Auftreten allein schon in die Glitzerstadt passt - viel mehr noch, wenn man sich ihre "Born This Way Ball"- oder "Museum of Brutality"-Visuals in der Sphere vorstellt. Oder Iron Maiden, wenn ein übergroßer Eddie mit einer Spitfire zu "Aces High"-Klängen das Publikum bombardierend über die Köpfe hinweg rauscht. Oder P!nk, die erst diesen Sommer mit ihrer akrobatischen Show im Happel-Stadion für offene Münder gesorgt hat - man stelle sich vor, was die Dame in einer riesigen Kugel so anstellen würde? Und natürlich muss auch der Name Pink Floyd - Roger Waters - fallen: Wenn er seine "Wall" auf den abertausenden LEDs einstürzen lässt oder das ikonische Prisma die Lichtstrahlen bricht, wäre das definitiv ein mehr als eindrucksvolles Erlebnis. Oder, oder, oder ...

Träumen, das wird man ja noch dürfen. Und ab - vielleicht - 2029 - dann auch in Wien.

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