Bild: oeticket / Stefan Kuback
Kurz nach ihrem letzten Wien-Konzert vergangenen Oktober in der Raiffeisen Halle im Gasometer trennten sich Arch Enemy von ihrer langjährigen Sängerin Alissa White-Gluz. Für viele Fans ein Drama - aber auch mit einem Hoffnungsschimmer: Kehrt ihre Vorgängerin Angela Gossow vielleicht wieder zurück? Nun ist tatsächlich Ersatz gefunden worden …
Vergangenen Oktober schien für die schwedischen Melo-Death-Legenden Arch Enemy die Welt noch in Ordnung: Da spielten sie in der rappelvollen Raiffeisen Halle im Gasometer - die Fotos vom Konzert findet ihr [an dieser Stelle]. Wer dort war, dem dürfte keineswegs aufgefallen sein, dass es im Hintergrund bei Arch Enemy brodelte: Sie spielten gewohnt routiniert und energetisch ihr Set, von einer schlechten Stimmung auf der Bühne war nichts zu merken. Doch bereits ein gutes Monat später folgte dann die Hiobsbotschaft: Arch Enemy und Sängerin Alissa White-Gluz gehen getrennte Wege!
Dann kam erst einmal der Weihnachtsfrieden, gefolgt von einer Gerüchtewelle Anfang des Jahres: Viele Fans vermuteten, dass Alissas Vorgängerin Angela Gossow, die unter anderem am legendären Meisterwerk (und gleichzeitig ihrem Einstand) “Wages Of Sin” (2001) sang, wieder zum Mikrofron greifen würde - zuletzt war sie ja die Managerin der Band, von daher schien dieser Weg als naheliegend. Doch zuletzt erteilte Gossow ganz klar eine Absage: Sie wird nicht wieder ihre Stimmbänder für Arch Enemy malträtieren! Aber: Arch Enemy gehen eben nicht den naheliegenden und einfachen Weg - sondern überraschen, wie die allerneueste Single (treffend mit “To The Last Breath” betititelt) beweist.
Obwohl man mit der neuen Single noch nicht den Namen der neuen Sängerin - dass es eine Frau ist, das ist allerdings fix - bekanntgegeben hat, werden die Lauscher bereits gespitzt: Heute soll das offizielle Announcement folgen, aber spitzfindige Hörer*innen erkennen im Gesang möglicherweise Lauren Hart, die bisher die Stimme von Once Human war - einer Melodic-Death-Metal-Band, gegründet von Ex-Machine Head- und Ex-Soulfly-Gitarrist Logan Mader.
Die Wahl wäre zumindest naheliegend: Once Human und Lauren Hart im Speziellen wurden immer wieder mit Arch Enemy verglichen, und gerade Harts Gesang wurde mehr als oft in die Höhen von sowohl Gossow als auch White-Gluz gelobt. Mit Hart hätte man wohl einen wahren Glücksgriff gemacht, denn die 39-jährige Amerikanerin, die übrigens in Australien aufgewachsen ist, kann nicht nur singen: Bereits seit ihrer Kindheit spielt sie Klavier, seit ihrer Jugend Gitarre. Somit verfügt sie über ausreichend Qualitäten, den Sound von Arch Enemy noch zusätzlich aufzufetten.
Zwar dürfte Lauren Hart hierzulande ein eher unbeschriebens Blatt sein - mit Once Human war sie erst einmal 2015 in Österreich zu Gast und spielte im Vorprogramm von Fear Factory in der Arena. Dafür leihte sie nicht nur dem Fear Factory-Nebenprojekt Divine Heresy bereits ihre Stimme, sondern auch Szenegrößen wie DragonForce ("Warp Speed Warriors", 2024) und Kamelot (auf deren Album "The Shadow Theory", 2018).
Außerdem tat sie sich 2022 mit einigen weiblichen Kolleginnen zusammen und veröffentlichte ein ziemlich geiles Cover von niemand geringerem als den Thrash-Metal-Giganten Sepultura - die übrigens am 13. Juni am Nova Rock ihr allerletztes Österreich-Konzert spielen werden: Das sollte man sich nicht entgehen lassen! Und vielleicht bucht man ja noch Arch Enemy aufs Nova Rock dazu?
Heute soll im Laufe des Tages jedenfalls das offizielle Video zu “To The Last Breath” folgen - und damit auch Name und Gesicht der neuen Sängerin: Aber es würde uns schon sehr überraschen, wenn wir da dann doch nicht Lauren Hart sehen und hören: Zuletzt war mit Mayara Puertas von Torture Squad ja sogar eine Brasilianerin im Gespräch.
Edit 19. Februar, 14 Uhr: Eine Ankündigung ist zumindest einmal draußen: Arch Enemy gehen im Sommer auf “Back To The Root Of All Evil”-Tour, allerdings vorerst ohne Österreich-Termin. Dafür stehen unter anderem Berlin und Köln, Kopenhagen und Krakow, Paris, aber auch Stockholm und Helsinki am Plan. Tickets dafür gibt es ab heute, 18 Uhr, bei den offiziellen Ticketing-Anbietern in den einzelnen Ländern.
Alissa hat sich einstweilen selbständig gemacht und vergangenes Jahr bereits ihre erste neue Single “The Room Where She Died” veröffentlicht - und auch hier der Brückenschlag zu Kamelot: Oliver Palotai von den Symphonic Metallern schneiderte ihr die Musik auf den Leib. Aber mittlerweile hat sie eine eigene Band um sich gescharrt: Es mischt zum einen Dani Sophia mit, welche sich sowohl einen Namen als YouTuberin mit Gitarren-Content als auch als Kreatorin von Erotik-Inhalten sowie als Gitarristin von Till Lindemann gemacht hat. In der Solo-Band des Rammstein-Frontmanns ist die Trans-Musikerin jedoch seit ein paar Monaten nicht mehr mit von der Partie. Zum anderen hat sich White-Gluz eine gewisse Alyssa Day ins Boot geholt: Die Amerikanerin kann ebenfalls einiges an den sechs Saiten, wie ihre Online-Clips unter Beweis stellen. Zudem zockt die Texanerin zusammen mit Schlagzeuger Cameron Carbone im Instrumental Prog-Duo Absentia.
Demnächst soll es auch hier das Wichtigste geben: Kein Drama, sondern neue Musik.