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Musical & Show

Wer war und wer ist Maria Theresia?

20.05.2025 von Manuel Simbürger & Stefan Baumgartner

Das Ronacher lädt zur kaiserlichen Audienz: „Maria Theresia – Das Musical“ ist ein lebendiges Porträt von Macht, Leidenschaft und historischem Wandel. In der bombastischen Weltpremiere begeben wir uns auf Spurensuche nach einer Frau, die Herrscherin, Strategin und Mutter zugleich war – und die vielleicht erste Influencerin der Habsburger.

Doch wir begeben uns nicht nur auf Spurensuche, wer Maria Theresia eigentlich war - sondern verraten auch, wer Maria Theresia ist, also: spielen wird (und natürlich auch den übrigen Cast)!

Elisabeth war früher, jetzt kommt Maria – nämlich Theresia: Ab Oktober im ehrwürdigen Wiener Ronacher ist „Maria Theresia – Das Musical“ zu bewundern. So basic und simpel der Titel auf den ersten Blick klingen mag, umso epischer, kraftvoller, glamouröser, spannender und natürlich dramatischer präsentiert sich das Geschehen auf der Bühne selbst. Das Interesse an der kaiserlichen Audienz ist schon jetzt groß: Der Ticket-Vorverkauf brach innerhalb kurzer Zeit Rekorde.

Nicht überraschend: Die Vereinigten Bühnen Wiens versprechen ein „opulentes Musical, das monumentale Dramatik mit modernem Sound, pulsierende Beats mit eindringlichen Lyrics vereint“ – und beim Ansehen des Trailers, der auf YouTube zu bewundern ist, werden tatsächlich nostalgisch-wohlige Erinnerungen an den Kult „Elisabeth“ wach, der die Antwort auf die Frage, was auf Musical-Bühnen möglich ist, für immer veränderte: Auch in „Maria Theresia“ trifft zeitlose Geschichte auf zeitgemäße Inszenierung,  verschwimmen Grenzen zwischen Damals und Heute und wird ein mitreißendes Bühnenerlebnis voller Energie und Überraschungen geschaffen. Das Musical versteht sich als ein kraftvolles Statement und möchte der legendären Habsburger-Herrscherin ein Denkmal setzen, in dem es auf die Attribute „jung“, „dynamisch“ und „unverwechselbar“ setzt. Den spätestens seit – ach, da ist sie schon wieder – „Elisabeth“ und Sofia Coppolas Kinofilm „Marie Antoinette“ wissen wir: Angestaubt sind die Habsburger schon lange nicht mehr.

Die Frau hinter dem Gemälde

Und Maria Theresia selbst? Sie war (nein: ist, denn Musicals macht Historie unsterblich) eine Frau, die sich in einer von Männern dominierten Welt erhebt und die nicht bereit ist, im Schatten zu bleiben. Maria Theresia, die sich von Kindesbeinen an brennend für das politische Geschehen interessiert, trotzt dem patriarchalen Kaiserhaus und entfaltet eine beeindruckende Stärke und große Visionen. Sie kämpft gegen alle Widerstände an, vereint das unscharfe Bild einer Mutter mit politischem Scharfsinn und strategischem Weitblick und geht schließlich als erste Frau an der Staatsspitze in die österreichische Geschichte ein. Ihr Leben ist geprägt von Macht(gier), Leidenschaft, historischem Wandel – und einer Expertise für Selbstvermarktung, die heutige Influencer grün vor Social-Media-Neid erblassen lassen würde.

Aber WER ist Maria Theresia nun?

Nienke Latten, Annemieke van Dam, Moritz Mausser & Fabio Diso. Bild: Stefan Baumgartner

Bei großem Andrang wurde heute Vormittag von Intendant Christian Struppeck zu einem ganz speziellen Moment ins Ronacher geladen: Nicht nur, dass heute Vormittag der Cast von “Maria Theresia - Das Musical” präsentiert wurde, auch gab es bereits einen ersten “musicalischen” Eindruck auf der Bühne zu hören - den wir euch in einem Insta-Reel natürlich nicht vorenthalten wollen! Unter Verschluss gehalten blieben noch die Kulisse und die Kostüme. 

Dass das Interesse der Medienvertreter so groß war, kommt nicht von ungefähr: Nach “Rock Me Amadeus - Das Falco-Musical” ist “Maria Theresia - Das Musical” die zweite VBW-Uraufführung hintereinander - etwas, das es in der Geschichte der VBW bisher noch nie gab! Allerdings verbindet die beiden Musicals auch einer der Hauptdarsteller: Falco-Darsteller Moritz Mausser spielt auch in “Maria Theresia - Das Musical” mit, mimt dort Friedrich II. von Preußen. Mit einem Lächeln verriet er bei seiner Vorstellung, dass es insbesondere sprachlich eine große Umstellung werden wird: Das Wienerische von Falco wird er sich für seine Rolle in “Maria Theresia - Das Musical” erst abtrainieren müssen. Übrigens: Am 12. Juli ist Mausser mit speziellen Gästen auch im Theater im Park zu hören!

Als Friedrich II. von Preußen ist er der große Widersacher der Titelrolle in “Maria Theresia - Das Musical”: Maria Theresia wird von Nienke Latten gespielt. Sie war zuvor etwa in den Disney-Musicals “Aladdin” und “Frozen / Die Eiskönigin” zu sehen. Ihr Mann Franz Stephan von Lothringen spielt Fabio Diso (u. a. “Saturday Night Fever” in Mörbisch), ihre Erzieherin, enge Vertraute und eigentlich beste Freundin Madame Fuchs wird von niemand geringerem als Annemieke van Dam (u. a. “Elisabeth”) gespielt.

Maria Theresias Eltern Kaiserin Elisabeth Christine und Kaiser Karl VI. werden von Annemarie Lauretta (u. a. “Miss Saigon” und “Rebecca”) und Dominik Hees (u. a. “Cats” und das Disney-Musical “Der Glöckner von Notre Dame”) gespielt. Hees spielt jedoch ein “doppeltes Spiel”: Er ist zudem als Michael Gabriel Fredersdorff in einer Doppelrolle zu sehen. Aber nicht nur die Eltern, auch zwei der Kinder von Maria Theresia kommen auf die Bühne: Amelie Polak (u. a. “Elisabeth” und “Rebecca” in China!) spielt Marie Christine, Joseph Aeneas Hollweg (u. a. "Elisabeth", “Mamma Mia!” in Mörbisch).

Kanzler Bartenstein wird von Andreas Wolfram (u. a. “Dracula” und “Rebecca” in St. Gallen) gespielt.

Maria Theresia: der Mythos

Um den Mythos Maria Theresia mitsamt allen Missverständnissen und Faszinationen besser erkunden zu können, baten wir den Historiker Martin Mutschlechner zum Gespräch. Mutschlechner arbeitet in der wissenschaftlichen Abteilung der Schönbrunn Group und ist auch als Kurator in Schloss Schönbrunn tätig. Ihm zuzuhören gleicht einer kraftvoll-emotionalen Zeitreise. Was wiederum zum heiß ersehnten Musical passt.

Wie erklären Sie sich die anhaltende Faszination für Maria Theresia?

Zum einen ist da natürlich ihr Alleinstellungsmerkmal als einzige weibliche Herrschergestalt in der mehr als 600-jährigen Geschichte der Dynastie Habsburg. Noch dazu hat sie sich schon zu Lebzeiten als Landesmutter stilisiert, dieses Bild hält sich bis heute, wird auch in den Schulbüchern so vermittelt.

Zum anderen wird die Epoche Maria Theresias in Österreich als positiv bewertet: Unter ihrer Regentschaft erlebte die Habsburgermonarchie eine Zeit des Aufstiegs als europäische Großmacht, eine Epoche der Reformen und des Wachstums. Es war der Beginn der Aufklärung, ein moderner Verwaltungsapparat entstand und es wurden Fundamente gelegt, welche die Monarchie für lange Zeit prägen.

Was viele nicht wissen: Maria Theresia war „Kaiserin“ nur als Gattin von Franz I. Stephan. Wieso ist sie trotzdem um so vieles bekannter als ihr Göttergatte?

Die Habsburgermonarchie ist nicht das Heilige Römische Reich. 1745 wurde Franz Stephan zum Kaiser des Heiligen Römischen Reiches gewählt, sie war „nur“ seine Frau. Als Frau konnte sie nicht zur Kaiserin gewählt werden. Die Würde eines Kaisers war damals bereits nur mehr ein prestigeträchtiger Titel mit nur mehr sehr wenig realer Macht. Auch wurde er nur deshalb gewählt, weil seine Gattin als Herrscherin der Habsburgermonarchie die wichtigste Fürstin des Reiches und seine ‚politische Rückendeckung‘ war. Franz Stephan war in den Augen der Zeitgenossen nur ‚Platzhalter‘, bis einer seiner Söhne als mütterlicherseits geborene Habsburger übernehmen würden.

Maria Theresia ist schon 1740 Erbherrin der der Habsburgermonarchie geworden, war also erbliche Königin von Ungarn, Böhmen, etc. und u. a. auch Erzherzogin von Österreich. Hier regierte Maria Theresia – und ihr Gatte hatte nichts zu sagen! Und da in der Ranghierarche der Titel einer Kaiserin über den einer Königin stand, ging sie als Kaiserin in die Geschichte ein.

Gar nicht so einfach aus heutiger Sicht!

Schon für damals ungewöhnlich war auch, dass sowohl Maria Theresia als auch Franz Stephan im selben Schloss wohnten. Zuvor regierte ja immer nur der Mann alleine, auch Maria Theresias Vater war sowohl Kaiser des Heiligen Römischen Reiches als auch Herrscher der Habsburgermonarchie zugleich. Unter Maria Theresia regierte plötzlich die Frau aus eigenem Recht. Wenn also zum Beispiel eine Audienz stattfand, wurde der Gesandte zuerst zu Franz Stephan und einen Tag später – im selben Raum! – zu Maria Theresia geladen.

Maria Theresia war nicht nur eine Frau, sondern ist noch dazu sehr jung Herrscherin geworden. Wie hat man in „ihren Kreisen“ auf sie reagiert?

Da ihr Vater sehr überraschend gestorben ist, wurde Maria Theresia nicht auf ihre Aufgaben vorbereitet. Zudem wurde eigentlich Franz Stephan zu Lebzeiten ihres Vaters als Schwiegersohn aufgebaut, der in ihrem Namen regieren sollte. Doch Maria Theresia nahm sehr bald das Ruder in die Hand und zeigte viel Talent. Doch anfangs wurde auch sie nur als Platzhalterin gesehen, bis ihr erster Sohn geboren wurde – was erst 1741 war, also ein Jahr „zu spät“. Viele befürchteten bereits, die Habsburger seien ausgestorben und überlegten, in das Lager ihrer Konkurrenten zu wechseln. Viele trauten es einer jungen Frau nicht zu, die Monarchie zu führen. Sie wurde eindeutig unterschätzt und anfänglich nicht für ernst genommen. Einige Herrscher Europas sprachen ihr obendrein das Recht ab, rechtmäßige Erbin der Habsburgermonarchie zu sein und beanspruchten Territorien, was zu Kriegen um ihr Erbe führte, die acht Jahre andauerten.

Wie ist es Maria Theresia selbst zu Beginn ihrer Herrschaft ergangen?

In einem Brief schreibt sie, dass sie sich sehr verlassen gefühlt und keinen Rückhalt gehabt hat. Als sie die Herrschaft übernahm, befand sich das Habsburgerreich zudem in einer Stagnationszeit. Sie übernahm also ein eingerostetes Staatsschiff. Kraft fand sie in ihrem katholischen Glauben, denn Maria Theresia war überzeugt davon, von Gott in diese Position berufen worden zu sein. Sie war überzeugt, moralisch im Recht zu sein, auch wenn das bedeutete, verlustreiche Kriege zu führen. In solchen Dingen war sie beinhart.

Wie reagierte das Volk auf sie?

Am Zenit ihrer Herrschaft war Maria Theresia eine der beliebtesten Herrscherpersönlichkeiten ihrer Zeit. Sie sorgte auch für die notwendige publicity, da sie die damaligen Medien, aber auch die Kunstproduktion und sogar die höfische Repräsentation – sie ließ beispielweise eine ganze Bilderserie von sich malen, die aber nur ihre persönliche Idealvorstellung von bestimmten Events in ihrem Leben zeigen – offensiv für ihre Zwecke nützte. Sie wandelte den “Nachteil” ihres Frauseins in einer Männerwelt zu ihrem Vorteil: sie verwies auf vermeintlich weibliche Tugenden, wie sie in der damaligen Zeit verstanden wurden – Mütterlichkeit, Fruchtbarkeit, Milde, Fürsorge, Keuschheit, etc. – und transponierte sie auf eine höhere Ebene als “Mutter ihrer Untertanen und Länder”. Im Krieg inszenierte sie sich mitunter sogar als wehrlose Frau und frischgebackene Mutter, die an die Moral ihrer Gegner appellierte. Maria Theresia war also keine Feministin im heutigen Verständnis, stellte die traditionellen Geschlechterrollen nicht in Frage, sondern gab sich als “Ausnahme von der Regel”. Auch die oft propagierte Friedenliebe Maria Theresias war ein wichtiges Element ihrer Selbststilisierung.

In den letzten Lebensjahrzehnten wandelte sie sich in eine bewahrende Gestalt. Nach dem Tod ihres Gatten 1765 verbrachte Maria Theresia die letzten 15 Jahre relativ zurückgezogen und wirkte aus dem Hintergrund, wurde dadurch aber bald zur lebenden Legende.

Welche hartnäckigeren Missverständnisse über Maria Theresia gibt es außerdem?

Ein weit verbreiteter Mythos ist, dass Maria Theresia die steife Etikette am Wiener Hof aufgebrochen und dank ihres leutseligen Wesens in einer nahezu “proto-biedermeierlichen” Häuslichkeit gelebt hätte. In zahlreichen populären Darstellungen wird sie stets als volksnahe, mütterliche Herrscherin mit Hausverstand beschrieben.

Tatsächlich war sie durch und durch überzeugt von ihrer herausragenden Stellung als Herrscherin und Abkömmling eines seit Jahrhunderten regierenden Dynastie. Auch war Maria Theresia nicht die aufopfernde liebevolle Mutter, sondern eine machtbewusste “Matriarchin”, die von ihren Kindern absoluten Gehorsam und Aufopferung für die Interessen der Dynastie einforderte. Sie galt als streng, launisch und hatte unter ihren vielen Kindern Favoriten, die eindeutig bevorzugt wurden.

Wie würden Sie die Persönlichkeit von Maria Theresia beschreiben?

Pragmatisch, realistisch, mit Bodenhaftung. Und sie verfügte über große Menschenkenntnis, weshalb sie Menschen leicht für sich gewinnen konnte. In ihrer Jugend war sie eine lebenslustige Frau für Tanz und Theater, bei Privataufführungen traten sie und ihre Familie auch als Darsteller und Sänger auf. In späteren Jahren wurde sie mehr und mehr zu einer strengen und teils sogar bigotten Matrone, trat nur mehr in schwarzer Witwentracht auf.

Kennen Sie Anekdoten aus dem Privatleben von Maria Theresia?

Ihr war immer heiß und lebte auch im Winter in ungeheizten Räumen, sodass man sich zu einer Audienz mit ihr warm anziehen musste. Nach längeren Fußmärschen war ihr nachher so heiß, dass sie sich die Haare mit Eiswasser auskämmen ließ und dazu gekühlte Erdbeeren aß.

Interessant ist auch, dass sie von allem Militärischen fasziniert war. Als Frau konnte sie damals zwar nicht ihrer Armee voranreiten, aber in einem Brief schreibt sie, sie würde sich wünschen, sie wäre ein Mann, denn dann könnte sie sich selbst aufs Pferd schwingen. Sie ließ Bilder anfertigen, auf denen sie auf einem Pferd mit einem Schwert in der Hand zu sehen ist. In der Realität agierte sie – einmal mehr – als Mutter “ihrer” Soldaten.

Während ihrer Herrschaft wurden viele Reformen eingeführt …

Ja, jedoch war Maria Theresia eine Reformerin wider Willen. Sie erkannte, dass das hauptsächlich auf feudalen Strukturen basierende Gesellschaftssystem negative Folgen hatte, vor allem im Vergleich zu konkurrierenden Staaten Westeuropas, wodurch die Habsburgermonarchie ökonomisch, militärisch und technisch zurückzufallen drohte. Daher wurden Reformen initiiert, um eine “kontrollierte Modernisierung” einzuleiten. Ihre Ratgeber sowie auch ihr Sohn und späterer Mitregent Joseph II. waren vom Gedankengut der Aufklärung stärker geprägt als sie selbst. Bezeichnend ist das Motto, welches Maria Theresia und Joseph II. zugesprochen wird: “Alles für das Volk, aber nichts durch das Volk.” Maria Theresia war der Meinung, dass das dumme Volk von der Elite angeleitet werden müsse.

Welche waren die größten Reformen, die Maria Theresia durchsetzte?

Sie führte eine moderne Staatsverwaltung ein, wodurch der Einfluss der adeligen Grundherren auf die untertänige ländliche Bevölkerung verringert wurde. Auch setzte sie erste Schritte zum Aufbau eines staatlichen Schulwesens, führte die allgemeine Unterrichtspflicht ein. Zudem legte sie die Grundlagen für die Entstehung einer modernen Bürgergesellschaft in der Habsburgermonarchie.

Zudem prägte sie Schloss Schönbrunn sehr stark mit …

Sie ließ das Schloss, das vorher ein eher unbedeutendes Jagdschloss war, umbauen und verwandelte es in eine vollwertige Residenz, wo man alle höfischen Highlights abhalten konnte. Der Stil des Schlosses trägt stark ihre persönliche Handschrift, ihre Vorliebe für asiatische Lackarbeiten, Porzellan und Seide ist überall zu erkennen. Je privater die Räume, desto mehr kommt ihre persönliche Note zum Vorschein. Ungewöhnlich für damals: Sogar ihre Familienmitglieder, die allesamt künstlerisch begabt waren, durften Privaträume mitgestalten, in die eigene künstlerische Arbeiten integriert wurden, etc. Dafür – und für so manche Umbauten – wurde sie von den Zeitgenossen durchaus belächelt.

Maßgebend war auch, dass sie den Schlosspark für das Volk öffnen ließ, nachdem sie ihn mit einem Statuenprogramm der monarchischen Tugenden ausgestaltet hatte. Sie verstand ihn als pädagogischen Garten, in dem das Volk sowohl Belehrung als auch Vergnügen finden sollte.

Kommen wir noch einmal auf Maria Theresia als Mutter zurück. Innerhalb von 19 Jahren bekam sie 16 Kinder, nur zehn erreichten das Erwachsenenalter.

Das war zur damaligen Zeit leider nichts Ungewöhnliches. Maria Theresia hatte sogar Glück, im Vergleich starben nur wenige ihrer Kinder im Kleinkindalter. Obendrein war es nicht selbstverständlich, dass sie alle 16 Geburten überlebte, offenbar war sie also auch körperlich eine unglaublich starke Frau. Einer ihrer Schwiegertöchter sowie ihre Schwester sind bei den Geburten ihrer Kinder gestorben. Als besonders massiven Schicksalsschlag empfand sie, als ihr Sohn Karl Joseph mit 16 starb. Er war ihr Favorit unter ihren Kindern.

Wie war das allgemeine Verhältnis zu ihren Kindern?

Sie konnte ihre Kinder wirklich sehr gut kontrollieren, hat sich extrem eingemischt, auch dann, als diese schon verheiratet waren. Für Maria Theresia waren ihre Kinder Wesen, die es zu formen galt. Es sind Briefe übermittelt, in denen sie ihre Kinder fast schon beleidigend beurteilt und sie gezielt dort trifft, wo es weh tut. Ihre Kinder hatten alle Angst vor diesen Briefen. Maria Theresia war sehr gut informiert, hatte überall ihre Informanten. Ihre berühmteste Tochter ist Marie Antoinette, Nummer 15 der 16 Kinder. Maria Theresia versuchte, sie zu einem Werkzeug ihrer Außenpolitik zu machen. Die beiden waren sich nicht besonders ähnlich, verstanden sich nicht gut.

Ihr ältester Sohn Joseph II. wurde nach dem Tod von Franz Stephan sogar ihr Mitregent …

… was sowohl für Mutter als auch Sohn eine sehr große Herausforderung war. Die beiden hatten unterschiedliche Vorstellungen, beispielsweise und allen voran in Religionsfragen. Joseph II. war seiner Zeit weit voraus. Auch die komplexe Machtverteilung trug zum schwierigen Mutter-Sohn-Verhältnis bei. Beide waren starke Persönlichkeiten und haben sich das Leben schwer gemacht. In ihren Briefen füreinander schenkten sie sich nichts. Er hat ihr nicht nur einmal gedroht, zurückzutreten und alles hinzuwerfen.

Dafür war ihre Ehe mit Franz Stephan eine Liebesehe, was damals sehr untypisch war.

Auch diese Ehe wurde wie alle dynastischen Ehen der Epoche aus rein politischen Gründen geschlossen. Anders als die meisten Brautpaare der europäischen Herrscherhäuser wuchsen die beiden jedoch gemeinsam auf, sodass in diesem Fall bereits eine große Vertrautheit bestand. Er nannte sie “Chère Mitz” und “Reserl”, sie ihn “Mäusel”. Es gab aber auch Krisen: Franz Stephan hielt es mit der ehelichen Treue nicht so streng, worauf Maria Theresia mit offener Eifersucht reagierte. Das Eheleben der beiden wurde von aristokratischen Zeitgenossen als “bourgeois” belächelt.

Letzte Frage: Gibt es Parallelen zwischen Maria Theresia und Sisi, eine weitere weltberühmte Habsburgerin?

Nein, es handelt sich hier um völlig unterschiedliche Frauen. Maria Theresia ging in ihrer Rolle als Kaiserin, Herrscherin und Repräsentantin ihrer Dynastie auf, während Elisabeth all dies mit fortschreitendem Alter mehr und mehr ablehnte und den Verpflichtungen ihrer Stellung zu entfliehen suchte. Maria Theresia war der Öffentlichkeit sehr zugetan, Elisabeth kommunizierte mit der breiten Öffentlichkeit überhaupt nicht. Maria Theresia gehörte dem Staat, Elisabeth vertrat stattdessen die Meinung: “Ich gehör nur mir.”


Live-Termine


Maria Theresia - Das Musical

ab 10. Oktober 2025 | Wien, Ronacher


Infos auf dem Stand vom 20.05.2025  

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